"Und war das Zurückkommen schwer?", fragen viele verständlicherweise nach unserer Heimkehr nach der großen Reise. In meinen "alten Leben" hätte ich genau die selbe Frage gestellt. Das Motto "es ist schön unterwegs zu sein, aber zu Hause ist es am schönsten!", hatte ich nicht verstanden. Wie kann man jemals Urlaub und Reisen überdrüssig werden?

Heute auch nach 60.000 km und 15 Monaten später hat sich viel verändert, nicht nur mental, aber trotzdem kann ich nur teilweise dieses Sprochwort verstehen. Während unserer Reise kamen wir zur Erkenntnis, dass eine Reise ohne ein richtiges Ziel oder Ende nichts für uns ist. Wann hat man die Möglichkeit und Zeit sich entspannt auf die Couch mit Füßen nach oben zu leigen und über all die vielen Eindrücke zu reflektieren?

Wir kennen einige andere Familien, die auf unbestimmte Zeit reisen und obwohl ich einerseits finde, dass das ziemlich cool ist, stelle ich es mir andererseits schwierig vor über lange Zeit die Begeisterung aufrecht zuhalten. 

Um die Wahrheit zu sagen, kann man leicht den Eindruck erhalten, dass das Leben als Reiseblogger rosarot ist, wenn man die Blogs liest, aber nicht immer ist das Reisen mit Spaß verbunden. Wenn man den 25. Flughafen, das 54. Hotelzimmer und das 143. Frühstücksbüffet gesehen hat, so klingt es fantastisch sein eigenes Kopfkissen zu haben, ein Streichwurstbrot zu essen und mit den Bus zu fahren. Halt stop: Bus fahren, können wir streichen. So schlimm ist es dann doch nicht! 

Ich bin glücklich die Erfahrung gemacht zu haben und kann jetzt in aller Ruhe auf viele Monate mit unglaublichen Erlebnissen rund um die Welt zurückblicken. Wir haben es probiert auf verschiedene Art und Weise zu wohnen. Ich bin glücklich darüber, dass die  “Mission” als Familie mehr Zeit miteinander zu verbringen, gelungen ist. Ich bin glücklich die schönsten Stellen der Welt zusammen mit meinen Liebsten gesehen zu haben. Es kann nicht besser sein!

Ohne Zweifel ist es schön wieder zu Hause zu sein, wenn es nicht so viele Kleinigkeiten geben würde, die einen immer wieder auf das Neue irritieren. Wie z.B kann es sich schwierig gestalten einen guten Telefon- und Internetanbieter zu finden. Im Idealfall sollte auch noch jede Rechnung mit dem ursprünglichen Vertrag übereinstimmen. Man muss daran denken Waschmünzen für Waschmaschine im Keller weit im Voraus beim Hausmeister zu bestellen, da er nicht jeden Tag vor Ort ist. Jeden Tag zwischen 12:00 und 15:00 Uhr hat Ruhe im Haus zu herrschen und wie soll man das einen vierjährigen Junge mit einen Überschuss an Energie erklären. Darf man nicht laut vor Begeisterung im Hausgang singen? Für was gibt es eigentlich eine Hausordnung?

Bei vielen aus unserer Familie und Bekanntenkreis, die mehr traditionell eingestellt sind, herrscht die Meinung, dass es nun gut ist mit der "Spinnerei" und wir zusehen sollten einen “normalen” Alltag zu haben und zur Realität zurückkehren sollten.

Ich kann gut nachvollziehen, dass andere nicht unsere Art und Weise zu leben verstehen können. Wenn wir allerdings an unser Leben vor der Reise zurückdenken, mit einem ganz normalen Alltag, so sind wir ganz sicher, dass wir die richtige Wahl getroffen haben. So wie es jetzt ist, gefällt es uns besser.  

Wir genießen es wieder daheim zu sein, besonders im Sommer ist es herrlich. Wir haben Zeit und Ruhe in unseren tollen Bildbänden zu blättern, die ein Vermögen gekostet haben. “Wenn wir es uns leisten können um die Welt zu reisen, dann können wir es auch verewigen!” Wir können uns nochmal alle Stelle ansehen, die wir besucht haben. Queensland, Australien. Franz Josef Glacier, Neuseeland. Whistler, Canada usw. Wenn wir so mit Anton da sitzen, Bilder ansehen und über die Reise reden, so ist es erstaunlich an wieviel er sich noch erinnern kann. Welche Details für ihn wichtig waren. Hoffentlich behält er diese Erinnerungen! 

Bevor es wieder losgeht, und das soll es auch ganz bestimmt wieder, muss erst einmal gespart werden. Aber kleinere Touren werden immer möglich sein. Immer wenn man sich von seiner gemütlichen Couch erhebt und etwas erlebt, dann entwickelt man sich auch mental weiter. Seit wir wir wieder seit Anfang April da sind, waren wir schon in Franken, Südtirol und Österreich. Ebenso in Skandinavien in Dänemark, Norwegen und Schweden.  

Anton spart momentan für eine Reise nach Venedig für uns alle drei zusammen. Überall wo er Geld zu Hause finden kann, nimmt er es und wirft es in sein Sparschwein. “Ich bezahle alles!”, sagt er bestimmt. “Ich habe Geld!” 

Bevor Abends, wenn wir ihn ins Bett bringen, sprechen wir noch über die großen und kleine Dinge des Lebens. Anton fragt oft, warum wir jetzt am selben Ort wohnen. Warum wir nicht weiterreisen? Wir erklären, dass wir nicht konstant reisen und dass man auch ein zu Hause haben sollte. Das kann für kleine Jungs merkwürdig klingen. Er ist froh sein eigenes Spielzeug zu haben, eine schnelle Internetverbindung damit er seine Zeichentrickfilme sehen kann und vor allem eine schöne Nachbarschaft mit vielen Spielplätzen und Freunden.  

Wollt Ihr auf unbestimmte Zeit reisen? Was haltet Ihr davon?


/Anders

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