Wenn man den kurzen Ausflug nach Dänemark herausnimmt, wo ich zu einer Beerdigung geflogen bin, ist es schon lange her, dass ich in meinem Heimatland war. Wie so viele Dänen, die sich länger im Ausland aufhalten oder dort wohnen, denkt man oft an Dänemark und vermisst einige typische und oft kleine Dinge, die aber irgendwie einzigartig sind. Genauso wie es einige Dinge gibt, die ich bestimmt nicht vermisse. So geht es mir zu mindestens!

Die Dinge, die ich vermisse, hängen meistens mit dem dänischen Essen zusammen. Es gibt einige Gerichte, die man nur so richtig gut in Dänemark zubereiten kann. Fleischpfanzerl (Frikadellen), Streichwurst (Leberpastete) und Aebleskiver (kleine Krapfen), die es typischerweise zur Weihnachtszeit gibt. Um nur einige Beispiele zu nennen. Und dann das Roggenbrot, das von vielen im Ausland wohnenden Dänen vermisst wird. Das ist übrigens eine Gemeinsamkeit, die wir mit den Deutschen haben. Sie vermissen auch auf Reisen ein ordentliches Brot, dass satt macht und voller guter Inhaltsstoffe ist. Darüber habe ich schon in vorherigen Blogs berichtet. Brot wird am besten in Dänemark und Deutschland hergestellt. Wenn der Bäcker gut ist und sich Mühe gibt!

Solche Bäcker kann man auch hier in Kalifornien finden. In der kleinen Provinzstadt Solvang, ca. eine halbe Stunde Fahrt von Santa Barbara entfernt, hat man vor allem aus dem dänischen, als auch das skandinavischen Erbe eine Attraktion gemacht. Die Stadt wurde von Dänen 1911 gegründet. Sobald man im Zentrum die dänisch inspirierten Häuser sieht, fühlt man sich in ein Dänemark zurückversetzt, in der die Welt noch in Ordnung war. Die meisten Häuser wurden zu einem späteren Zeitpunkt als 1911 erbaut, aber die Architektur erinnert unmissverständlich an ein typisches kleines dänisches "Dorf mit Dorfteich". Fachwerk und Sprossenfenster aus Gips und Plastik, aber man kann es nicht gleich auf den ersten Blick erkennen und es es nicht so geschmacklos, wie es klingen könnte. Die Hauptstrasse erinnert ein bisschen an Korsbæk (eine fiktive Provinzstadt aus der Fernsehserie “Matador”, die in den Zeit von 1929 bis 1947 spielt) und dort liegen die dänischen Bäcker, Metzger, Schokoladenhersteller, Kurzwarenhändler, Schneider und natürlich auch eine Reihe an Souvenirgeschäfte. Einer davon hat sich darauf spezialisiert das ganze Jahr über dänischen/schwedischen Weihnachtsschmuck zu verkaufen. 

In vielen Restaurants wird auch dänisches Essen servieren. Nach so langer Zeit konnten wir mal wieder ein Frikadellenbrot, Heringsbrot und Hotdog essen, so wie wir es aus Dänemark kennen. Alles auf einen richtigen Roggenbrot angerichtet! Der Rotkohl zu meinen Frikadellen war nicht zu süss. Und Alexandras Heringsbrot war wunderbar mit Kräutern gewürzt. Wir genossen den nostalgischen Augenblick, auch wenn es komisch war bei 25 Grad Wärme zu essen. 

Wir “mussten” natürlich auch die angeblich besten und beliebtesten Aebleskiver der Stadt testen, um herauszufinden, ob dort auch das Handwerk beherrscht wird. Oh ja, und das konnten sie! Der Gründer des Restaurants Solvang, Arne Hansen, brachte das ursprüngliche Rezept aus Dänemark mit und noch heute bekommt man die besten Aebleskiver serviert, die man sich vorstellen kann. Sie werden immer erst bei Bestellung frisch gemach! An der Kasse kann man Aebleskiver Pfannen kaufen, um zu Hause selber sein Glück zu versuchen. In Gegensatz zu Dänemark kann man sie hier zu jeder Jahreszeiten kaufen! Ich esse sie normalerweise immer nur im Dezember. Das ist eine Weihnachtstradition für mich. Aber anscheinend war das nicht immer so. Früher hat man sie zu allen Zeiten und nicht nur zu Weihnachten zubereitet.

Und das ist in meinen Augen ein Kennzeichen für Solvang. Bestimmt ist eine "dänische" Stadt mit dänischen Traditionen und eine ganz spezielle und sehr nostalgische dänischen Prägung. Aber es ist und bleibt Nostalgie. Dänemark wie es einmal war. Wie es so oft ist, wenn ethnische Gruppen im Ausland leben, so erhalten sie sich die heimischen Traditionen unverfälschter als im Heimatland. Ein kleiner Anker der Identität in der Fremde. Und das hat auch seine Berechtigung. So soll es sein! Wir bereisen nicht die USA, um typisch dänisches Essen zu suchen oder um die dänische Kultur zu erleben, aber wenn man bedenkt, dass wir schon über acht Monate unterwegs sind, dann war es doch schön Solvang zu besuchen und ein bisschen wieder in “Dänemark” für eine kurze Zeit einzutauchen. 

Wir fuhren weiter die Küste hinauf, wo einer der damals reichsten Geschäftsleute des Landes, William Randolph Hearst, 1919 sein Landhaus "Casa Grande", das später einen hohen lokalhistorischen Wert erhielt und in das "Hearst Castle" umbenannt wurde, baute. Ein gigantisches Grundstück auf einer Bergspitze mit einem Gebäude, das deutlich von südeuropäischen Kirchen und Schlössern inspiriert worden ist, die Hearst auf seinen Reisen kennengelernt hatte. Es dauerte 28 Jahre bis es so da stand, wie man es heute kennt. Hearst hatte allerdings noch wesentlich grössere Pläne. Als er 1951 starb, lebte er schon einige Jahre nicht mehr dort und es wurde nicht weitergebaut und fertiggestellt. Das kann man auch noch heute sehen, da es an einigen Ecken nicht vollendet worden ist. Das Gebäude ist prachtvoll, voller Prunk mit hunderten von Zimmern, einen riesigen Saal, einem grossen Kino und grossartigen und geräumigen Gästehäusern. Umgeben von einem enormen Park mit einem Aussenschwimmbad, Tennisplatz, einen römischen Innenschwimmbad und so vieles, vieles mehr. Reich geschmückt mit originalen Holzverkleidungen aus dem europäischen Mittelalter, unersetzbarer Kunstwerke, Gobelins, Möbel und Teppiche. Das “Schloss” selber wurde dem kalifornischen Staat überschrieben und wird als Museum betrieben. Aber die "Ranch", die Landwirtschaft, wird von der Familie Hearst betrieben. Die im Übrigen auch das grosse multinationale Unternehmen führt, zu dem unter anderem auch ELLE, Marie Claire und Cosmopolitan als einer der bekanntesten Marken gehören. Des weiteren auch noch Fernsehstationen und Zeitungen im ganzen Land. 

Das Hearst Castle erinnert mich so ein bisschen an das "Schloss Neuschwanstein" in den bayerischen Alpen. Es wurde von dem exzentrischen König Ludwig II gebaut und war ein prächtiges und visionäres Projekt, das niemals fertig gestellt worden ist. Man sagt über Hearst, dass er ganz bodenständig war, obwohl er einigen teueren Gewohnheiten fröhnte und grosse Pläne hatte. Auf dieser Ebene kann man ihn nicht mit König Ludwig II vergleichen, da dieser ein ausgesprochener Träumer war. Aber beide hatten grosse Visionen und beiden gelang es auch einen Teil dieser zu verwirklichen. Heutzutage kann man nicht so leicht solche Orginale in dieser Grössenordnung finden. 

Es war wirklich ein grossartiges Erlebnis das Hearst Castle zu sehen. Wir hätten gerne noch mehr erkundigt, aber die die geführten Touren waren so aufgeteilt, dass man sich unterschiedliche Eintrittskarten hätte kaufen müssen, um Zugang zu weiteren Räumlichkeiten zu erhalten. Das war ein bisschen ärgerlich! Aber dafür spazierten wir langen in den fantastischen Park herum. Es lag ein dicker Nebel über der Landschaft und alles wirkte sehr mystisch. Es erinnerte ein wenig an Avalon, eine mystische und verzauberte Insel in Mitten der Berge. Wir konnten das Schloss nie aus der Ferne bewundern, weder bei der Busfahrt vom Besuchereingang am Fusse des Berges bis hinauf zum Gebäude selber, noch auf dem Rückweg den Berg hinunter. Erst wie wir direkt auf der Marmortreppe an der Eingangspforte standen, konnten wir es in seiner vollen Pracht erblicken. Sobald wir wieder um eine Ecke gingen, verschwand es vor unseren Augen im Nebel. Als wäre es nur eine Einbildung gewesen! 

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/Anders

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