Nach unserem Aufenthalt in San Francisco und in der Umgebung fuhren wir in das Landesinnere. In Richtung Berge! Dort beginnt der Yosemite National Park. Der grosse Park erstreckt sich über 3081km², aber die meisten Besucher, so wie auch wir, können davon nur einen klitzekleinen Teil sehen: die grossen Sequoia Bäume und das Yosemite Valley. Uns wurde bei der Touristen Information gesagt, wenn man wie wir nur einen einzigen Tag zur Verfügung hat, dann sollte man genau diese zwei Umgebungen sehen. 

Es war bereits unser drittes Treffen mit den kalifornischen Riesenbäumen. Aber auch das Beste! Hier konnten wir wirklich einige Prachtexemplare sehen. Enorme Giganten mit mehreren tausend Jahren auf dem Buckel. Wie auch die anderen Male wurden wir ganz andächtig und sagten nicht viel, wie wir dort standen mit dem Kopf in den Nacken gelegt und die Nase in den Himmel gereckt. Meine Mutter, die zum ersten Mal solche grossen Bäume zu Angesicht bekam, war sehr beeindruckt. 

Wir fuhren weiter in das Yosemite Valley. Unterwegs hielten wir des öfteren an, um Bilder von der schönen Natur zu machen. Des weiteren informierte uns die Touristen Information, dass das kleine Dörfchen etwas ganz besonderes sein und vor allem zu dieser Jahreszeit schön weihnachtlich geschmückt sein sollte. Wir waren dort nur einen Tag nach den Weihnachtsfeiertagen, aber es gab weder Weihnachtsdekoration, noch eine spezielle Weihnachtsstimmung. Vielleicht waren wir auch selber nicht in der richtigen Stimmung, aber das Yosemite Village war überhaupt nicht so, wie wir es erwartet haben. Es bestand aus einer Ansammlung von modernen Gebäuden mit einer schreckliche Cafeteria und einem schauderhaften Supermarkt. Ganz klar für den Massentourismus ausgerichtet, von dem wir eigentlich auch ein Teil waren. Ich denke aber trotzdem, dass man es doch ein wenig charmanter herrichten hätte können. Man sollte es wohl eher als eine Stelle sehen, wo man seinen Proviant auffrischen kann, wenn man zum Campen in dem grossen Naturreservat ist und nicht als gemütlichen Ort, an dem man zu einer Tasse Kaffee anhalten kann. 

Der Yosemite National Park ist auf alle Fälle einen Besuch wert, vielleicht aber nicht gerade im Winter. Ich persönlich war mehr beeindruckt vom Mount Rainier und Joshua Tree National Park, diese beiden sind so ganz anders und in meinen Augen schöner. Jeder natürlich auf seine Art und Weise. Ich habe schon viele schöne Bilder vom Yosemite gesehen und es hängt anscheinend von der Jahreszeit ab. Aber in Wahrheit sollte man vielleicht nicht zu viel vergleichen. Man kann auch nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Und dann ist es von einem selber abhängig, welche Art von Naturerlebnis einem persönlich am besten gefällt. 

Auf dem Weg nach Las Vegas kamen wir auch an der Mojave Wüste vorbei. Der Highway ging auf langen Strecken an der weiten Wüste und kargen Felsen vorbei. Jedes Mal bin ich überrascht, wie brutal die Natur in Wirklichkeit sein kann. Hier gibt es keine offensichtlichen Anzeigen von Leben. Man sieht Raubvögel in der Luft kreisen auf der Suche nach Beute. Ab und zu sieht man eine vereinzelte Wüstenpflanze stehen. Aber sonst war nicht viel! Wir hielten an einem richtigen “Trucker Stop” an, wo man sein Auto tanken, Proviant aufstocken oder sich mit Fastfood vollstopfen kann, bevor die Reise weiter gehen kann. Wir haben schon des öfteren solche Rastplätze gesehen. Man nimmt einfach die Rastplätze, die man z.B. aus Deutschland kennt und multipliziert sie zehn Mal und dann kann man sich so ungefähr vorstellen, wie gross sie hier sind. Dort sind immer viele Menschen und es ist interessant dort einfach nur herumzustehen und alles aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Es halten dort grosse Peterbilt und Mack Trucks mit ihren kolossal grossen Anhängern, grosse Pickups, die mit dänischen Kennzeichen ein Vermögen kosten würden. Und all diese unterschiedlichen Menschen, die von A nach B unterwegs sind. Irgendwie ist das ganze amüsant und unterhaltend!

Las Vegas ist immer ein Erlebnis! Ich war schon mal hier, ohne allerdings viel gesehen zu haben, da es auf einer Geschäftsreise war. Ich war die ganze Woche auf einer grossen Konferenz und kam aus dem MGM Grand Hotel ganze zwei Mal heraus. Die restliche Zeit war ich nur im Gebäude in den klimatisierten Räumen hinter getönten Scheiben, mit einer konstanten Musikberieselung und Spielmaschinengeräuschen. Nicht, dass ich es in den Konferenzräumen oder gar in meinem Zimmer hören konnte, aber das ist eine gute Zusammenfassung meines ersten Besuch in Las Vegas. Na ja, und das ist auch schon elf Jahre her! 

Dieses Mal wählten wir ein Hotel, das ein paar Kilometer entfernt von den Lichtern, Lärm und Menschenmassen lag. Noch auf dem “Strip”, die berühmte Hauptstrasse mit allen Hotels und Kasinos, aber ganz am einem Ende und hier gab es keine Spielmaschinen oder lärmende Hintergrundmusik. Es war ein ganz normales und ruhiges Hotel, gut geeignet für Familien. Es gab einen Shuttlebus, der einen schnell und einfach in das Hauptzentrum einige Kilometer entfernt transportierte.  

Es wohnen an die 600.000 Menschen in Las Vegas. Aber mit den rund 40 Millionen Menschen, die die Stadt besuchen, sind immer Menschenmassen auf den Strassen unterwegs. Las Vegas ist ausser das grösste Kasinostadt der Welt, auch noch ein perfekter Ort um Ausstellungen und Konferenzen abzuhalten. Es kommen jährlich ca. 5 Millionen Gäste zu diesen Veranstaltungen. Es werden über 21.500 unterschiedliche Konferenzen abgehalten! Hier ist wirklich was los! Das Spielen in den Kasinos auf dem “Strip” setzt an die 6,2 Milliarden Dollar im Jahr um. Wenn man das ganze Einzugsgebiet mit einberechnet, dann sind das an die 10 Milliarden jährlich! Und wir reden jetzt nur von den Umsätzen beim “Spielen”. Darauf kommen dann noch die Umsätze von den Hotels, Shopping Zentren und andere diverse Industrien dazu. Eine GIGANTISCHE Geldmaschine! 

Wir gingen einige Mal den Strip auf und ab, um einfach die ganze Atmosphäre einzutamen. Alles ist extremer als überall woanders auf der Welt. Aber trotzdem ist nichts zu extrem in Las Vegas! Neonschilder und Leuchtreklame ist noch grösser, als man sie woanders kennt und man muss sich auch alles am Abend ansehen, um die ganze Pracht aufnehmen zu können. 

Die grossen Hotels sind fast eine Attraktion selbst. Im Foyer des “Bellagio” konnten wir eine grosse Weihnachtsaustellung bewundern. Ein Füllhorn von überschwänglicher Blumendekoration (Eisbären, Kristalle, Rentiere), elektrische Züge, Weihnachtsbäume und so vieles mehr. Das Tivoli in Kopenhagen ist nicht schlecht, aber die Künstler des Bellagio sind noch einen Tick besser! Und dann steht ihnen auch noch ein wesentlich grösserer Geldbeutel zur Umsetzung ihrer Ideen zur Verfügung. Wir sahen auch die tollen Wasserspiele, eine wirklich einzigartige Kreation aus Wasser und Musik. Die Hotels “The Venetian” und “The Palazzo” sind zusammen gebaut und haben eine imponierende Unteretage. Eine verkleinerte Kopie Venedigs mit dem St. Markusplatz, den Kanälen und richtige Gondeln! Und das alles innen drinnen! Man kann sich viele Stunden dort aufhalten, ja sogar Tage, ohne dass man jemals nach draussen muss. Selbst ein Café, in dem wir eine Pause einlegten für eine Tasse Kaffee und ein echtes italienisches Eis, nahmen ohne mit der Wimper zu zucken waschechte europäische Touristenpreise. Alles mit einer üblichen südeuropäischen Arroganz serviert. Ja, ja in Wirklichkeit ein kleines Stückchen Venedig! 

An Silvester bot sich meine Mutter als Babysitter für Anton an. Auf eigenen Wunsch! Zu diesem Angebot kann man natürlich nicht nein sagen. So läuteten wir den Abend mit der Neujahrsrede von Königin Margrethe ein, gestreamt über den Laptop und stiessen mit Apfelcider an. Dann assen wir zusammen zu Abend im Hotel, sagten gute Nacht zu Anton und seiner Bedstemor. Fuhren mit dem Shuttlebus bis zum Mandalay Bay Hotel und von dort ging es zur “Vergnügungsmeile”. Der ganze zentrale Abschnitt des “Strips” war für den Verkehr abgesperrt. Ein Menschenauflauf! Es wurde gesagt, dass um Silvester an die 500.000 Gäste extra erwartet werden. Mit einem Teil dieser waren wir am “Strip” unterwegs. Es war schon ein komisches Gefühl auf der Strasse herumzulaufen, auf der normalerweise dichter Verkehr mit Autos, Limousinen und Busen herrscht. Wir gingen in ein Kasino hinein, um zu sehen, was dort für eine Stimmung herrschte. Auch an der Bar gab es Spielautomaten und man musste nur Geldscheine hineinstecken. So konnte man dort mit seinen Drink in einer Hand und mit der anderen spielen. Wir setzen einen ganze fünf Dollar Schein und spielten Blackjack. Es ging erstaunlicherweise über eine halbe Stunde so richtig gut. Dann waren wir fast auf null und ich kommentierte das laut. Vielleicht wird man ja tatsächlich so genau von den Leuten in den Hinterzimmern überwacht. Kein Wunder bei den Überwachungskameras, die überall in grosser Anzahl hängen. Kaum hatte ich das gesagt, ging unser Konto wieder nach oben. Wir gewannen einige Male, aber nach einer Weile wurde es langweilig. Dann verliert man die Konzentration und man spielt gleichgültig und wird nachlässig. Oder...das passierte auf jeden Fall uns! Und der letzte Cent war verspielt. Das Haus gewinnt immer! So ist es fast immer in einem Kasino und das sollte man nie vergessen, wenn man mit dem Spielen beginnt. Der schnelle Gewinn ist meiner Meinung nach nur eine Mythos. Aber es gibt natürlich immer Ausnahmen und einige wenige Glückliche. Aber wenn man auf diese Art und Weise richtig reich werden würde, dann würden wir wohl alle den lieben langen Tag spielen, oder?!

Wir begaben uns wieder nach draussen auf den “Strip”. Es war fast schon Mitternacht und wir wollten das grosse Silvester Feuerwerk erleben. Es war schon schön, aber wir haben schon grössere und bessere Feuerwerke selbst bei lokalen Strassenfesten in Dänemark gesehen. Es dauerte auch nur acht Minuten! An den meisten Orten in den USA ist es verboten privat Feuerwerk abzuschiessen. Auch zu Silvester! So kam nicht diese Silvester Stimmung auf, wie wir sie von Dänemark oder Deutschland kennen. Zu Hause wird buchstäblich den ganzen Abend geschossen. In Las Vegas gab es nur eine Menge angetrunkene Menschen auf der Strasse. Alle in Feierlaune selbstverständlich! Aber für uns fehlte einfach das gewisse Etwas! Nach dem Feuerwerk ging die Party weiter auf dem “Strip”. Für uns reichte es! Wir sind innerhalb dieser wenigen Stunden an die drei bis vier Kilometer gegangen. An einigen Stellen mussten wir gut aneinander festhalten, dass wir nicht umgeschubst oder getrennt worden wären. Mit dem Shuttlebus ging es zurück zum Hotel.  

Wir hatten ein etwas anderes, aber interessantes Silvester in Las Vegas. Nicht so ganz, wie wir uns es vorgestellt hatten, aber es war trotzdem ein einzigartiges Erlebnis. Nächstes Jahr werden wir es wieder traditioneller unter heimischen Himmel feiern! Und mit einem ordentlichen Feuerwerk!

Selbst wenn man nicht so auf farbige Lichtreklame und Menschenaufläufen zu allen erdenklichen Tag- und Nachtzeiten steht, so bin ich davon überzeugt, dass Las Vegas und die Umgebung eine Reise wert sind. Wir machten Ausflüge in die nähere Umgebung und konnten so ein bisschen die Wüstenlandschaft bewundern. Red Rock Canyon nur 25 Minuten vom “Strip” entfernt, ist eine wunderschöne Stelle mit fantastischen roten Klippeformationen. Ein Paradies für Kletterer und Wanderer. Anton ist mittlerweile an das Wandern gewöhnt und wollte natürlich auch klettern, allerdings an den etwas gefährlicheren Stellen und das hätte leicht ins Auge gehen können. Er wollte auch nicht seine richtigen Wanderschuhe anziehen. Meine Mutter konnte dem waghalsigen Draufgänger gar nicht zu sehen und ging zurück zum Auto. Auch wir brachen bald die kleine Expedition ab. Festes Schuhwerk ist für so eine Umgebung ein Muss. Damit soll man nicht spassen! Aber es war einfach wunderschön! Unglaublich!

Ein anderer Höhepunkt war der Hoover Damm. Wie die Golden Gate Bridge ein gigantisches und visionäres Projekt, das in den 1930igern, in der Zeit der Depression,  realisiert worden ist. Man fühlt sich ganz klein, wenn man in der Mitte des Dammes oben steht und nach unten sieht. Es geht wirklich weit nach unten! Trotz der kleinen Angst über den den Abgrund zu blicken, um Fotos zu machen, war es ein grossartiges Erlebnis für uns alle. 

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/Anders

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