Wir haben die letzten Station auf unserer Weltreise erreicht. Von Anfang an war England als Endpunkt unserer fantastischen Weltreise und unseres fantastischen Jahres festgelegt. Hier wohnen wir bei Alexandras Familie und Anton kann endlich mit seinen Cousins spielen und sich schon mal langsam daran gewöhnen, dass er sein Spielzeug, seine Bücher und auch sogar die Aufmerksamkeit wieder mit anderen teilen muss. 

Gerade sind wir von einem kleinen Ausflug nach Schottland zurückgekehrt und London ist unsere Basis für weitere Abenteuertouren in England. Nächste Woche wollen wir gerne nach Devon, Hampshire und Cornwall. Unglaublich aber wahr, England ist ein grosses Land! Man kann viele Stunden im Auto verbringen, um von A nach B zu gelangen. Es wird nie langweilig! Selbst von der Autobahn kann man die herrliche Landschaft betrachten, wie sie sich andauernd verändert. Berge, gigantische Seen, grosse Felder mit Pferden, Schweinen (bestimmt ökologisch - sie sahen auf alle Fälle sehr glücklich aus!), Kühen und natürlich auch Schafen. Das ist wohl ein Kennzeichen unserer Reise: Wir reisen durch Länder, die für ihre Schafzucht bekannt sind. England liefert garantiert auch seinen Teil zu den grassenden Wollknäulen hinzu.

Letzte Woche auf unserer Tour nach Schottland legten wir eine Rast in York ein. Eine wirklich sehr interessante alte Stadt, die im Jahr 71. n. Chr. gegründet worden ist. Der alte Teil der Innenstadt ist von einer Mauer umgeben, die mehr als tausend Jahre alt ist und an einigen Stellen stehen Häuser, die mehr als fünfhundert Jahre alte sind. Selten so etwas faszinierendes gesehen! Wir machten einen Spaziergang durch “The Shambles”, das älteste Quartier. Hier stehen die Häuser sehr nahe beieinander und es fällt einem auch leicht sich vorzustellen, wie es im Mittelalter ausgesehen haben könnte. Alleine die Vorstellung, was damals wohl bei einem grossen Stadtbrand passiert hätte können. Zwischen den Häusern gibt es fast keinen Abstand und zu dem auch noch knochentrocken; tickende Bomben, die nur darauf gewartet haben in Feuer und Rauch aufzugehen. Nichtsdestotrotz haben viele Häuser in der Innenstadt Yorks überlebt und stehen heute noch als schöne und wichtige Zeitzeugen einer längst vergangen Zeit. Die Kathedrale der Stadt, York Minster, wollten wir uns eigentlich auch ansehen, aber der Eintrittspreis von 10 £ hat uns dann eher abgeschreckt. Zusätzlich kostete der Aufgang zum Turm noch 5 £ extra. So blieb es bei der Bewunderung von aussen!

Viele Stunden gingen wir in der Altstadt spazieren, bevor wir auf Antons Wunsch hin uns das Britische Eisenbahnen Museum ansahen. Hier sind hunderte von Wagons und Lokomotiven aus den Anfangszeiten der Eisenbahnausgestellt. Die Höhepunkte waren ohne Zweifel die königlichen Zugwagons und natürlich der Hogwarts Express, den man aus den Harry Potter Filmen kennt. Obwohl ich als Kind eine Märklin Bahn hatte und mit Leib und Seele jahrelang gespielt habe, so ist das Britische Eisenbahnmuseum ein gutes Beispiel für einen Ort, den wir normalerweise nicht besucht hätten, wäre Anton nicht von der Partie gewesen. Aber wie schon so oft, war für uns alle drei was dabei und wir hatten einen wirklich spannenden Nachmittag. 

Einen weiteren Ausflug haben wir nach Stonehengeunternommen. Dieses neolithische Monument kann bis in das Jahr 4500 v.Chr. zurückdatiert werden und ist noch immer ein Mysterium für die Forscher. Wie konnte man überhaupt zur damaliger Zeit so etwas errichten? Bei einige der Steine in Stonehenge kann man nachweisen, dass sie von 300 Kilometer Abstand hergeschafft worden sind. Das muss viele Menschen richtig viel Zeit gekostet haben, so eine kolossale Anlage zu errichten. Und wie sie das konnten, ist bis heute immer noch ein Rätsel! Solche Mysterien faszinieren mich! Bevor ich sterbe, möchte ich unbedingt die Pyramiden von Gizeh in Ägypten sehen. Auch so ein Rätsel! Machu Picchu in Peru steht übrigens auch auf meiner Liste!

In der Nähe von Stonehenge liegt die Mittelalterstadt Salisbury. Auch hier gibt es einen schönen, kleinen alten Stadtkern und dann zusätzlich zieht die Salisbury Kathedrale viele Touristen an. Es ist eine gigantische Kirche, die schon von der Weite beeindruckt und wir konnten den Kirchturm vom Horizont bewundern, bevor wir überhaupt selber in der Stadt waren. Die Kathedrale wurde nur in 38 Jahren, von 1220 bis 1258 erbaut, das war sehr schnell für damalige Zeit. Es ist einer der schönsten Kathedralen, die ich jemals gesehen habe. Es gibt so viele kleine Details, dass man von dieser Vielfalt überwältigt wird. Übrigens war diese Kathedrale Inspiration für Ken Follets Roman “Säulen der Erde” und hier wurde auch die gleichnamige TV Serie teilweise gedreht.

Wie wir die Kirche betraten, übte gerade ein Chor. Für mich ist Kirchenmusik immer etwas ganz besonderes. Wie ich jung war, sang ich zusammen mit meinem Vater im Chor, der auch in Kirchen Konzerte gab. Als ich diesen Chor in so einer grossen Kathedrale singen hörte, musste ich mich erstmal setzen und zuhören. Während wir dort sassen und lauschten, hatten Anton und ich ein kleines Gespräch über meinen eigenen Vater. Er starb 2005 und das beschäftigt Anton zur Zeit sehr viel. Es ist schwer für ihn zu verstehen, dass mein Vater nicht mehr da ist und dass man ihn nicht einfach besuchen, anrufen oder anskypen kann. 

“Hat er denn keinen iPad?”, wollte er wissen.
“Jein, hm, vielleicht!”, antwortete ich.
“Aber was ist mit einen Computer?,” wollte Anton weiter wissen.
“Den hat er bestimmt”, antwortete ich. “Aber ich glaube nicht, dass er Internet hat. Daher ist es besser, wenn wir hier in der Kirche mit ihm reden und dann können wir eine Kerze für ihn anzünden”.
“Aber kann er nicht einfach die Wolken nehmen und daraus eine Treppe bauen und zu uns herunter kommen? Ich möchte gerne mal mit ihm richtig sprechen!”
“Das sollten wir ihm mal vorschlagen”, antwortete ich. 

Ja, es ist nicht immer einfach, das Leben und den Tot zu erklären und das dieser endgültig ist. Kinder wollen gerne immer eine Antwort haben und dann muss man versuchen, es so gut, wie möglich zu erklären.  

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/Anders

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