Im südlichen Teil Virginias liegt die Stadt Williamsburg. Die Geburtsstätte der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und von hier aus wurden auch die ersten Schläge im amerikanischen Bürgerkrieg geplant. Die Kämpfe wurden dann an anderen Stellen ausgetragen.

Der Stadtteil “Colonial Williamsburg” ist teilweise ein “lebendes Freilandsmuseum” und teilweise eine richtige, historische Stadt. Viele Häuser können auf das 17. Jahrhundert zurückdatiert werden. Nach amerikanischen Standard so richtig alte historische Gebäude! Ein Teil der Häuser sind zeitgenössisch rekonstruiert und in ihnen befinden sich z.B. ein Waffenschmied, eine Apotheke, ein Perückenmacher, eine Post, ein Kaffeehaus (in der damaligen Zeit nur für Männer, die dort über Politik und Geschäfte reden konnten) und so vieles mehr. Der historische Teil grenzt direkt an den “modernen” Stadtteil ebenso mit  vielen alten Häusern. Man kann fast keinen Übergang erkennen, nur wenn man von der Hauptstrasse im alten Teil, der Duke of Gloucester Street, kommt, gibt es Kopfsteinpflaster und die Strasse ist für den Autoverkehr gesperrt. Nur Pferdekutschen dürfen hier entlang fahren.  

In Williamsburg befindet sich auch eine anerkannte Universität und man sieht viele junge Menschen mit Büchern unter den Armen umhergehen. Es herrscht Leben auf der Strasse! Es wird spazieren gegangen, gejoggt und Fahrrad gefahren. Wir waren dort an einem sonnigen Wintertag und die Temperaturen waren angenehm mild. Uns wurde erzählt, dass es in Sommer nur so von Touristen wimmelt und man daher lange im voraus Hotelzimmer reservieren muss. Garantiert ist es so!

Überall in der Altstadt, die liebevoll renoviert worden ist, gehen Menschen in Kleidung der damaligen Zeit spazieren. Sie stellen eine Reihe von historischen Personen dar, die in  Williamsburg im 17. Jahrhundert gewohnt oder sich aufgehalten haben. Man kann sich mit Sklaven, Plantagenbesitzern und Soldaten unterhalten. Im lokalen Pub kann man zum Essen gehen und wenn man Glück hat, dann kann man Thomas Jefferson und George Washington in einer Ecke sitzen und sich unterhalten sehen. Wenn man auf der Duke of Gloucester Street entlang schlendert, kann man auf andere historische Figuren treffen, die gerne für einen kleine Unterhaltung stehen bleiben. Man unterhält sich über den anstehenden Bürgerkrieg, den Wunsch zur Unabhängigkeit von der englischen “Krone”, Tabakpreise, Baumwolle und Sklaven. Am liebsten hat man Goldmünzen aus Spanien als Bezahlungsart. Neugedruckte Geldscheine aus der Umgebung sind nicht als vertrauenswürdig angesehen. Ja, sie gehen wirklich in ihrer Rolle auf!

Ich muss wirklich sagen, dass uns Williamsburg überrascht hat und ein positives Erlebnis war, da es auch nur ein rein zufälliger Besuch war. Während unserer Reise quer durch USA habe ich immer den geschichtlichen Hintergrund vermisst, aber hier kann man es hautnah erleben und die Geschichte kommt zum Leben. Wirklich sehr beeindruckend!

Weiter ging es nach Sylva in North Carolina, wo wir von meiner netten ehemaligen Kollegin Beth und ihren Mann Bill für ein Wochenende eingeladen worden sind. Beide stammen ursprünglich aus Michigan, haben sich aber nachdem sie in Pension gegangen sind, hier niedergelassen. Der Grund des Umzuges war näher bei den Kindern und Enkeln zu sein und mehr Zeit miteinander zu verbringen. Beth war eine dieser Kolleginnen, die man immer bei allen möglichen Fragen und Problemen anrufen konnte. Egal ob die Herausforderung gross oder klein waren. Sie nahm sich immer Zeit, um einen weiterzuhelfen. Egal zu welcher Uhrzeit! Und man darf nicht vergessen, dass ich zu diesem Zeitpunkt in Kopenhagen lebte und sie in Grand Rapids, Michigan. Immerhin ein Zeitunterschied von sechs Stunden!

Zehn Jahre ist es nun schon her, dass ich zum letzten Mal Beth gesehen habe und ihren Mann habe ich davor noch nie getroffen. Ich hatte keine Zweifel daran, dass wir mit offenen Armen empfangen und dass wir ein richtig gemütliches Wochenende zusammen verbringen werden. Aber ganz sicher kann man sich trotzdem im vornherein nicht sein! Wir wurden mit einer grossen Umarmung im Empfang genommen und der ganzen Familie vorgestellt. Ein bisschen so, als würde man in ein fünf Sterne Hotel einchecken. Und in was für einer schönen Umgebung! Anton wurde schnell gut Freund mit den Enkeln EJ und Lilli und wir hatten Spass mit Kelli und Emory, deren Eltern. Wir trafen auch Josh, Danielle und deren Kinder Mary und Elana. EJ hatte so richtig viel Spass mit Anton! Das war schön für ihn! Und wir bekamen eine kleine Einführung in den amerikanischen Football und konnte sogar beide Halbfinale des Super Bowl Anfang Februar sehen. Bill und ich hatten lange und gute Gespräche über die grossen und kleinen Dinge des alltäglichen Lebens in den USA bei einer Tasse Kaffee. Meine Neugierde über die amerikanische Gesellschaft wurde ausreichend zufrieden gestellt. Super!

Ausser, dass einer meiner Autorenvorbilder, Frances Mayes (“Ein Haus in der Toskana”), in North Carolina wohnt, wusste ich nicht besonders viel über diesen Bundesstaat. Es war nicht zu übersehen, dass die Natur hier einzigartig ist. Im westlichen Teil von North Carolina gibt es eine Unmenge an Bäumen und die Berge sind wunderschön, speziell an einem Wintertag mit knallblauen Himmel als Hintergrund. Wir gingen in der Umgebung spazieren und stiessen auf eine Hütte, die vor vielen Jahren von einer ansässigen Lehrerin bewohnt worden war. Sie ging jeden Tag drei Kilometer zur lokalen Schule und zurück entlang des bergigen Weges. Schon lange ist die Hütte verlassen und verfällt so langsam. Schade eigentlich, aber sehr spannend zu sehen!

Wir waren auch in der sogenannten “Fun Factory”, eine Kombination aus einem Innenspielplatz und einer “Spielhölle” mit klassischen Spielmaschinen, Kletterstativen, Hüpfburg und so vieles mehr. Da kam Freude und Spass auf und Anton hatte einen fantastischen Tag zusammen mit all den anderen Kindern. Ich konnte auch mal wieder meine nicht vorhandenen Talente an einem Flipper ausprobieren. Diese blöde Kugel wollte einfach nicht so, wie ich es wollte. Ich wollte doch Anton zeigen, wie toll ich bin...Er war höflich, ruhig und hat seit dem nicht mehr davon gesprochen! Guter Junge!

Nach drei fantastischen Tagen verabschiedeten wir uns von Beth, Bill und den Rest der Familie und versprachen wiederzukommen und fuhren zurück nach Washington DC. Unterwegs gerieten wir in einen Schneesturm. Wir mussten feststellen, dass die Amerikaner nicht mit solchen Wetterverhältnissen umgehen und auf verschneiten Strassen fahren können. Nicht, dass wir Dänen einen Deut besser wären, aber dennoch nicht ganz so schlecht wie die Amerikaner. Es gibt hier keine Vorschriften für Sommer- und Winterreifen und manchmal kennen sie überhaupt nicht die Begriffe. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass Winterstürme in den USA nichts ungewöhnliches sind! Darüber hinaus kontrolliert die Polizei nicht die Reifenprofile, wie es in Dänemark und Deutschland Gang und Gebe ist. Mit anderen Worten: Es wird oft mit zu geringen oder gar keinen Profil gefahren! Das schlimmste ist eigentlich, dass die Lastwagenfahrer nicht viel besser sind. Sie beanspruchen alle Fahrspuren und überholen von links und rechts in hoher Geschwindigkeit. Das war nicht besonders angenehm! Wir kamen gut durch, ohne Schaden zu nehmen! Wir geniessen nochmals Washington DC, mittlerweile schon ein alter Bekannter!

Bald geht es nach New York City, wo wir eine Woche verbringen werden! In einer Wohnung, die wir in Mitten auf Manhattan geliehen haben. Und schon wieder bekommen wir Besuch aus Dänemark. Wir sind bereit!

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/Anders

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