Nachdem wir unsere Tour entlang der Westküste beendet haben, sind wir an die Ostküste der USA geflogen. Am 2. Januar sind wir in Baltimore gelandet. Wir sind also von einem vergleichsweise milden Wüstenwinter in eines der schlimmsten Winterwetter geflogen, das man hier die letzten Jahre erlebt hat. Es ist nicht ganz so schlimm, wie im nördlichen Mittleren Westen, aber selbst die -15 Grad kann man gut im Gesicht merken. 

Es hat heftig geschneit, als wir landeten und unseren neuen Leihwagen abholen sollten. Wir haben uns bereits bei der Reservierung darauf geeinigt, dass es ein Allradauto sein sollte. Keines von diesen gigantisch grossen amerikanischen Autos, eher ein etwas kleineres Kaliber, aber trotzdem für uns mehr als ausreichend. Wesentlich praktischer zum fahren, gerade wenn es schneit und es glatt ist. 

Anton hatte ein bisschen mit dem Zeitunterschied von Nevada an die Ostküste zu kämpfen. Er hing ein bisschen in den Seilen und war müde, ohne es natürlich zugeben zu wollen. Er war schon ein paar Tage davor ein wenig verschnupft. Wie wir von Baltimore nach Washington DC fuhren, beschlossen wir, dass es ein ruhiger Tag mit Zeichentrickfilmen und gemütlich im Bett in unserem Hotel liegen werden sollte. Alexandra bot sich freiwillig an und blieb bei ihm. Meine Mutter und ich brachen zu einer Sightseeing Tour nach Washington DC auf. 

Wir nahmen den Zug und stiegen beim Smithsonian Museum aus. Ein riesiges Gebiet mit mehreren Gebäuden, in denen sich Amerikas beste Museen befinden. Jedes Museum hat sein eigenes Themengebiet. Flug- und Raumfahrtmuseum, Amerikanisches-Indianisches Museum, Kunst Museum, Nationalhistorisches Museum, Naturhistorisches Museum und noch so viele mehr. Eine lange Reihe von Museen, die alle unter das Smithsonian Institute gehören und gemeinsam haben, dass sie von der amerikanischen Regierung geleitet werden. Es wir auch viel geforscht in den dazugehörigen Instituten und die Musen haben einen Status als Nationalmuseen. 

Wir gingen durch diese Umgebung mit all den Musen und in Richtung des Capitol Hill. Ich wollte schon immer den Capitol Hill und das Weisse Haus sehen und endlich war ich da. Der Capitol Hill stellte sich doch als kleiner heraus, als ich es mir vorgestellt hatte, aber wirklich schön anzusehen. Die Sonne stand tief an einem klaren, blauen Himmel und gab dem ganzen Komplex einen rötlichen Schimmer. Leider war es bitter kalt und wir konnten es nicht so richtig geniessen lange dort zu stehen. Der Wind blies uns um die Ohren und wir gingen daher weiter in Richtung Weisses Haus. Ein langer Spaziergang über mehrere Kilometer. Es blies nicht weniger und der Wind war genauso beissend, als wir in der Innenstadt ankamen und uns immer mehr dem Weissen Haus näherten. Es zog nur so um die Häuserzeilen.  

Es ist wirklich kein Spass bei -15 Grad spazieren zu gehen, aber endlich erreichten wir das Weisse Haus. Ganz nah kamen wir nicht heran, aber ich konnte einige gute Fotos von dem relativ kleinen Gebäude machen. Ich weiss sehr wohl, dass dieses symbolische Gebäude, das man immer im Fernsehen sieht, nur die offizielle Residenz des Präsidenten ist. An beiden Seiten ist es durch lange Korridore mit den Nebengebäuden verbunden. In der eine Seite, “The West Wing”, der Westflügel, befindet sich das Oval Office, das Büro des Präsidenten. Leider werden momentan keine Touren durch das Weisses Haus angeboten, daher mussten wir uns mit der Aussenansicht begnügen. Das tat aber meiner Faszination keinen Abbruch. Es muss einfach fantastisch sein hier zu arbeiten!

Nach dem Besuch beim Weissen Haus wärmten wir uns bei einer Tasse Kaffee auf und dann war auch Schluss mit Sightseeing für diesen Tag.  

Das Wetter am nächsten Tag war nicht wesentlich angenehmer, so machten wir das Beste daraus und nutzen es zu einem Museumsbesuch. Smithsonian's Amerikanisches- Indianisches Museum wirkte so, als wäre es interessant. Wenn man dann noch ein bisschen Kenntnis über die amerikanische Geschichte und die Indianerkultur hat, bestimmt sehr spannend. Aber wir haben in Victoria, Kanada eine bessere Ausstellung gesehen, die die Geschichte besser vermitteln konnte. Die Ausstellungsvitrinen waren nicht so interessant und mitreissend zusammengestellt, wie es in Kanada der Fall war. Wenn man bedenkt, dass das Smithsonian Institute das beste Museum in den USA ist, dann war es ein wenig enttäuschend. Es gab eine Menge zum Ansehen, aber es könnte einfach besser präsentiert werden. Wir blieben nicht allzu lange. Wir waren alle sehr gespannt auf das Luft- und Raumfahrtmuseum, das daneben liegt. 

Hier hatten wir dann im Gegensatz dazu ein tolles Erlebnis! In dem enormen Gebäude waren Gegenstände vom Anbeginn der Luft- und Raumfahrt bis zum heutigen Zeitpunkt ausgestellt. Das war wirklich spannend! Anton hatte schon seit Tagen über Raketen geredet und jetzt konnte er eine richtige von Angesicht zu Angesicht sehen. Die nächsten Stunden machten wir uns schlau über die Apollo Missionen, Mond Autos, Raumfahrt Laboratorien und so vieles mehr. Ein richtiges Abenteuer und es gab uns einen interessanten Einblick in die Luft- und Raumfahrtgeschichte. Wir konnten hier ohne schlechtes Gewissen sagen, dass es ganz OK ist, dass man in den USA grösser und anders denkt, wenn man sich vor Augen führt, dass man schon bereits Ende der 1960 darüber nachgedacht hat, auf dem Mond zu landen.  

Das einzige, was wir nicht in den Smithsonians Gebäude in der Innenstadt von  Washington DC sehen konnte, war die Raumfähre und die Concord. Solche Ausstellungsstücke sind einfach zu gross, selbst für solche riesigen Gebäude. Diese sind in einem gigantischen Hangar in der Nähe des Dulles International Flughafen, eine gute halbe Stunde von Washington DC, ausgestellt. Einem Tag nachdem wir Raketen und Raumstationen gesehen haben, machten wir uns auf dem Weg zum Flughafen, um die Raumfähre zu sehen. Bis vor einem Jahr war “nur” eine alte Testraumfähre ausgestellt. Eine, die nicht mal regelmässig auf Missionen eingesetzt worden ist. Diese wurde jetzt durch eine ersetzt, die all die Jahre auf den meisten Missionen unterwegs war. Die Discovery hat bis zu ihrer Pension im Jahre 2011 an die 39 Missionen im All durchgeführt. Wie sie so in der Halle stand, angestrahlt von Punktstrahlern in einer ansonsten dunklen Umgebung, so sah sie ein bisschen müde und alt aus. Aber das darf man gerne, wenn man zusammen gerechnet 238.539.663 Kilometer in 365 Tagen, 22 Stunden und 39 Minuten zurückgelegt hat! 

Es war total überwältigend dort zu stehen, unter den Flügeln oder vor der Schnauze. Dieses Fahrzeug hat Geschichte geschrieben! Nicht nur ein Testfahrzeug oder ein Übungsmodel oder was sonst noch so gibt! Diese sind natürlich auch alle sehr wichtig. Es ist einfach etwas besonders so einem Fahrzeug gegenüber zu stehen, dass wirklich benutzt worden ist. Selbst wenn ich kein Amerikaner bin, so bin ich stolz darauf, dass es Menschen gibt, die sich als Ingenieure, Techniker und Astronauten ausbilden lassen und dann jahrelang trainieren und trainieren. Damit sie dann auf gefährliche Missionen gehen können, von denen manche gar nicht lebend nach Hause zurückkehren. Nur damit wir anderen mit dem Handy sprechen, das Internet benutzen, Fernsehen können und wir uns nicht verfahren mit der Hilfe von Navis. Und in der Zukunft werden wir mit der Hilfe der Raumtechnologie noch viel mehr erreichen. Das hat wirklich einen grossen Eindruck bei mir hinterlassen!

Das war auch das “Finale” meiner Mutter in den USA. Nach einem schnellen Burger in der Cafeteria im Museum war es Zeit für sie wieder nach Dänemark aufzubrechen. 16 Tage war sie mit uns dreien unterwegs! Wir haben die Zeit zusammen mit ihr sehr genossen und hoffen, dass wir ihr ein positives Bild von USA vermitteln konnten. Es hat ein bisschen gedauert, viele, viele Jahre genau genommen, dass sie die USA besuchen wollte. Aber vielleicht war es ja nicht das letzte Mal!?

Hier sind die Bilder!

/Anders

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