Wir sind in Queenstown in der Otago Region angekommen. Dies ist eine der zentralen und strategisch wichtigen Städte auf der Südinsel und auch die neuseeländische Antwort, vielleicht ganz Australasiens, auf einen Wintersportort in Österreich, wie Kitzbühel oder St. Anton. Ein reines Adrenalin-Junkie-Paradies. Und man hat die schwere Wahl sich zwischen vielen Abenteuern zu entscheiden zu müssen. Da gibt es Jet-Motorboot Touren auf dem Wakatipu See,  Bungee Sprünge von Brücken in den Bergen und natürlich auch Ski-und Snowboard Pisten rund um die Stadt herum.

In der Stadtmitte befindet sich eine reiche Anzahl an Cafés, Bars und Restaurants, Seite an Seite mit etlichen Outdoor- und Ski-Ausstattungsläden. Wie es sich für so einen touristischen Ort gehört auch eine Reihe von Hostels und Hotels. Die neuersten und teuersten im momentan angesagten “Alpin Stil”. Auch diesmal haben wir uns wieder etwas einfacher einquartiert, auf einem Campingplatz ausserhalb der Stadt. Aber auch ziemlich trendy! Auf einem hügeligen Gebiet zwischen rauschenden Flüssen, Bergen und Tannenbäumen liegt die Rezeption, Lounge, Küche, Toiletten und Duschen. Alles in alten Schiffscontainern untergebracht. Dies verleiht alles ein spezielles, aber auch leicht industriell angehauchtes Aussehen. Alles sehr modern und clever eingerichtet. Ein etwas anderes Erlebnis - und einfach die günstiges Übernachtungsmöglichkeit für uns. Nicht schlecht!

Einige Tage wollen wir hier die Gegend erkunden und es gibt einfach viel zu sehen. Eine Bootsfahrt über den See und den Fluss hinauf. Eine Fahrt mit der Gondel und vielleicht eine kleine Wanderung in die Bergen? Wir brauchen wirklich keinen Fallschirmsprung, Abseilen oder irgendeine andere Form eines extremen Erlebnis. Aber schon sehr lustig zum Ansehen! Heute Nachmittag kam es mir schon ein wenig merkwürdig vor, dass ein 

Paraglider, den ich beobachtete, ganz schön Fahrt drauf hatte. Ich konnte nicht genau sehen, wo er gelandet ist, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass er eine harte Landung hatte.  

Heute sind wir mit Anton ins Kino gegangen. Das war sein allererstes Mal einen Film auf einer grossen Leinwand zu sehen. Die Produzenten von “Cars” und “Toy Story” haben einen neuen Film herausgebracht, “Planes”. Den müssen wir natürlich sehen! Anton war Feuer und Flamme! Er konnte überhaupt nicht das Popcorn essen, das sein Vater dachte, dass er haben sollte, damit er weiss, wie so ein richtiger Kinobesuch abläuft. Cleverere Marketingleute haben natürlich dafür gesorgt, dass es einen Trinkbecher und ein Popkornkarton mit den Flugzeugen des Filmes zu einen “bescheiden” Preis zu erwerben gab. Das musste natürlich her! Und ich konnte meine Lust auf Popcorn für eine Stunde befriedigen. Anton sass die ganze Zeit mit seinem Kinoticket in der Hand da. Er war sehr begeistert!

Die Landschaft um Queenstown herum ist wohl die atemberaubendste, die ich bis jetzt gesehen habe. Wenn man damals bei der Schaffung von Neuseeland auf alles zurückgegriffen hat, was auf der Palette zur Verfügung stand, so hat man bei Queenstown noch einen darauf gesetzt. Wenn man eine Tour in die Umgebung der Stadt macht, kann man die schönsten Berggipfel mit ewigen Schnee auf den Spitzen, die klarsten Flüsse aus Schmelzwasser, in türkisen Nuancen und einer Vielzahl von Tieren, wie Ziegen, Kühe, Alpakas, Lamas und so vieles mehr finden. Überall, wo Gras an den Berghängen spriesst, sieht man weidende Tiere und man fragt sich, wie sie auf so einem schrägen Gelände überhaupt balancieren können. In den Tälern befinden sich riesige Weideflächen, die mit Herden nur so überzogen sind. Die Felder in Neuseeland sind viel grösser, als die die ich aus Dänemark kenne. An die zehnmal, oder sogar noch mehr, grösser! Es herrschen hier ganz andere Grössenverhältnisse!

Diese wunderschöne Landschaft um Queenstown wurde übrigens schon sehr oft für die unterschiedlichsten Filme benutzt, wie z.B. “Herr der Ringe”, “Hobbits”, die “Narnia” Filme und auch eine Unzahl von anderen grossen Filmen wurden teilweise hier gedreht. Das ist der Natur zuzuschreiben, die diesen Teil der Insel so unberührt und ursprünglich wirken lässt. Es scheint so, als wäre Neuseeland bei der Schaffung der Erde in der Zeitschleife hängen geblieben. Es wirkt unbeschreiblich abenteuerlich, gewaltig und sehr verführerisch. Ich kann jetzt gut die Naturschutzbehörden und das Innenministerium verstehen, die sich so viel Mühe geben diesen Reichtum zu erhalten und zu beschützen.

Davor waren wir einige Tage in der Stadt Wanaka. Auch ein Wintersportort im ganz grossen Stil. Hier geht im Gegensatz zum Rest von Neuseeland gerade die Saison zu Ende. Wo anders beginnt mit dem Frühjahr die Campingsaison. Wir übernachteten auf einem Campingplatz zehn Minuten Gehweite vom Zentrum entfernt.  

Wanaka zeichnet sich dadurch aus, dass es eine fantastische Seepromenade mit einer unvergleichlichen Aussicht über den See und den neuseeländischen Alpen hat, die man sich überhaupt vorstellen kann. Jeden Morgen wenn wir unsere Vorhänge im Campervan auf die Seite ziehen, haben wir den freien Blick auf die schneebedeckten Berggipfel am Horizont. Man kann sich einfach ÜBERHAUPT nicht daran satt sehen!

Vor Wanaka liegt eine etwas andere Attraktion, Stuart Landsborough’s Puzzling World. Diese besteht aus einem “Illusionsmuseum”, wo man komische Phänomene erleben kann und das Gehirn und die Sinne werden an die Grenzen gebracht. Schräge Böden und Wasser, das nach oben zu fliessen scheint. Der Gleichgewichtssinn wird total herausgefordert! Holographische Malerei, Perpetuum mobile und vieles mehr. Ein riesiges Aussenlabyrinth, wo man vier Ecktürme finden muss. Dafür haben wir echt lange gebraucht! Für Anton war es schwierig die ganze Zeit konzentriert zu bleiben. Er hielt nicht viel davon, sich an die Regeln zu halten und fing an unter und über die Barrieren zu klettern. Man darf dies gerne, aber nur in Notfälle, weil es sonst unsportlich und unfair wäre. Das war auch egal, wir hatten einige Stunden einen Haufen Spass!

Es wird schwer die Otago Region zu übertreffen. Hier ist alles nur so überladen mit bilderbuchähnlichen Motiven. Zu dem haben wir hier ziemlich gut gegessen, zweimal sogar ausgesprochen gut. Das erste Mal in Wanaka im Kai Whakapai Café und dies liegt strategisch gut platziert in der Mitte der Seepromenade, wo man eigentlich davon ausgehen könnte, dass das Essen zu abartigen Touristenpreisen angeboten wird. Es bestand tatsächlich aus guten Zutaten und war mit Liebe zubereitet. Alexandra bestellte sich ein Risotto, dass man nur besser in Italien bekommt und ich den besten Burger - über allen Zweifel erhaben- den ich jemals gegessen habe. “Pulled Beef Burger” mit orientalisch inspirierten Coleslaw. Der Wahnsinn! In Queenstown wurden wir gleich zweimal von der besten Burgerbar, FergBurger, angezogen. Hier wird alles selbst und mit Herz hergestellt. Ich würde fast so weit gehen und sagen, dass alleine diese zwei kulinarischen Erlebnisse den langen Flug nach Neuseeland wert waren. Aber nur fast! Ja, ja, kein Gourmet Essen nach normalen Maßstäben! Aber top in ihrer Preiskategorie!

Wir sind bald sechs Monate unterwegs! Somit liegt schon der erste Teil unserer Reise hinter uns. Trotzdem fühlt es sich noch so an, als wären wir erst gestern los geflogen. Wir haben richtige viele fantastische Menschen getroffen und wir hoffen, dass wir mit ihnen in Kontakt bleiben werden, wenn wir wieder zu Hause sind. Wir haben erst neulich in Nelson dänisch auf der Strasse gehört, aber ansonsten hatten wir mit keinen Kontakt zu Dänen, ausser im Hotel in Phuket, Thailand. Dagegen treffen wir fast tagtäglich Deutsche. Aus irgendeinem Grund ist Australien und Neuseeland ein beliebtes Urlaubsziel der Deutschen. Erst neulich haben wir Fanny und Daniel getroffen, die in München nur fünf Minuten von uns weg wohnen. Das war schon ein bisschen komisch! Wir kamen an einem Abend auf dem Campingplatz im Franz Josef Village ins Gespräch und hatten mit ihnen zwei sehr gemütliche Abende. Sie sind als Austauschstudenten hier und hatten zwei Wochen Ferien und bleiben in Neuseeland bis Februar nächstes Jahr. Das nächste Bier, das wir zusammen trinken, wird in München sein.

Im Laufe der nächsten Woche werden wir weiter südlich fahren. Der nächste geplante Stop wird Milford Sounds sein. Dies liegt im sogenannten “Fiordland”, wo die Landschaft den norwegischen Fjorden im Westen ähneln soll. Darauf freuen wir uns. In der Nähe von  Queenstown liegt auch eine Stadt mit dem Namen Alexandra, die müssen wir natürlich auch sehen!

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/Anders

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