Stimmen die Vorurteile, die man hat, wenn es um die Essensgewohnheiten der Amerikaner geht, oder wie gesund oder ungesund sie leben? Die Antwort ist auf alle Fälle: ja, sie KÖNNEN Essen machen, das auch noch gut schmeckt. Ob es nun gesund ist, oder nicht, sei mal dahin gestellt. 

Wir konnten sogar “Brezn” finden, die fast so aussehen, wie die, die wir aus München kennen. Natürlich lang nicht so gut, wie eine wirkliche Münchner Breze. Das liegt allerdings daran, dass man die “richtige” Breze nur in München machen kann. Das ist unsere Meinung natürlich! Wir haben mittlerweile schon mexikanisches, thailändisches, japanisches (Sushi), italienisches und natürlich amerikanisches Essen probiert. Alles war sehr lecker, nur die Portionen sind ungewohnt gross. Das muss wohl das Problem sein! Vergleicht man die Preise einer Mahlzeit mit der Grösse so bekommt man viel für wenig Geld. Man bekommt mehr serviert, als man überhaupt essen kann. Nach und nach gewöhnt man sich an die grösseren Portionen, was nicht wirklich gut für einen ist. Wenn man nicht alles aufessen kann, dann fragt man einfach nach einer Box, damit man die Reste mit nach Hause nehmen kann. Man wird nicht einmal schräg angeschaut. Das ist ganz normal hier! Wir haben auch herausgefunden, dass man so Essen gehen kann, das es genauso viel kostet, als wenn man es zu Hause selber zu bereiten würde. Daher wundert es mich nicht, dass so viele Amerikaner zum Essen ausgehen!

Allerdings wird eine Unmenge Zucker bei der Essenszubereitung verwendet. Alles wird gesüsst! Während unserer bereits siebenmonatigen Reise haben wir uns an ein relativ gesundes Frühstück mit Branflakes, Müsli und frischen Obst gewöhnt. In Australien und Neuseeland war ungesüsstes Müsli natürlich ungesüsst. Hier in den USA konnten wir bisher nur Frühstücksprodukte finden, die gesüsst sind. Es steht natürlich nicht ausdrücklich mit grossen Buchstaben auf der Packung! Man muss schon genau die Liste der Inhaltsstoffe durchlesen. Niemals stehen dort die genaue Mengenangabe des Zuckeranteiles. Aber man kann es sofort herausschmecken, wenn man an ungesüsste Produkte gewöhnt ist. 

Es werden auch Geschmacksstoffe und Vitamine zugesetzt, z.B. bei Milch. Anton wollte gerne einmal eine Milch mit Erdbeergeschmack haben, mit A- und D-Vitamin Zusatz. Um es für Kinder attraktiv zu machen, war die Packung voller farbiger Zeichnungen. Und das wirkt immer - mussten auch wir feststellen! Nach nur einen kleinen Schluck wurde das Getränk auf die Seite geschoben. “Das schmeckt eklig!”, sagte er und rümpfte die Nase. Braver Junge! Er mag auch nicht Fertiggerichte, aber er hat sie spasseshalber mal probierte. Anton ist von vornherein ein schlechter Esser, aber irgendwie bin ich ganz froh, dass er nicht so für die schnellen und einfachen Gerichte zu haben ist. Eine gute Gewohnheit!

Unsere Einführung in das kulinarische USA ist durchwachsen, aber im Grossen und Ganzen war es bisher wesentlich besser als ihr schlechter Ruf. Wir waren auf den lokalen Märkten, um Obst, Gemüse, Brot und Fisch einzukaufen. Es gibt ein grosses Angebot an ökologischen Produkten. Wir können noch nicht behaupten, dass es überall so in den USA ist, aber auf alle Fälle im Bundesstaat Washington und hier gibt es eine grosse Auswahl. Äpfel und Birnen sind RIESIG, auch die ökologischen und die Verkäufer verteilen mit Stolz kleine Geschmacksproben. Die Bäcker erzählen gerne, wie der Teig hergestellt und gebacken wird und beim Fischhändler liegt nichts, das älter als einen Tag ist. In Seattle gibt es einen deutschen Metzgermeister, der echte deutsche Wurstspezialitäten verkauft. Eine russische Familie stellt die leckersten Plundergebäck, Schnecken und andere Delikatessen aus Butterteig her. Man kann auch reichlich italienische, spanische und mexikanische Produkte finden. Wenn man Fragen zu den Produkten stellt, werden diese auch gerne beantwortet. Man ist daran interessiert, was man sich in den Mund steckt. Mehr als man es in Dänemark gewöhnt ist. 

Man sollte sich trotzdem zurückhalten und daran denken alles hier in Massen zu geniessen. Die zur Verfügung stehende Auswahl ist wirklich enorm und der Zugang dazu mehr als leicht. Man muss sich wirklich im Griff haben, um nicht jeden Tag auf die einfachste Lösung zurückzugreifen. Um das ganze noch einfacher zugänglich zu machen, haben die meisten Fastfood Restaurants als auch Starbucks Cafés einen Drive Through, man muss also nicht mal aus seinem Auto aussteigen. Wir versuchen uns jeden Tag gegenseitig daran zu erinnern nicht in eine “Essensfalle” zu tappen!

Zum Abschluss unserer kleinen Kanada Tour waren wir noch zwei Tage in Victoria auf Vancouver Island. Victoria ist die Hauptstadt des Bundesstaates British Columbia. Diese Stadt hat eine sehr starke englischen Prägung mit einer tollen Hafenpromenade. Nicht diese klassische lange Reihe von unzähligen hässlichen Restaurants soweit das Auge reicht. Nein, eine richtige Marina mit Yachten, Fähren und sogar ein Terminal für Wasserflugzeuge. Davon war wir wirklich sehr begeistert. Wir sahen die Wasserflugzeuge den ganzen Tag landen und abheben. Victoria ist der Verbindungspunkt zwischen vielen sonst schwer zugänglichen Destinationen Nordkanadas. Viele wären sonst von der Umwelt abgeschlossen, spezial im Winterhalbjahr.

Dem Royal British Columbia Museum mit seinen sehr spannenden Ausstellungen über Kanadas Geschichte vom Eskimo Zeitalter bis zur englischen Besiedlung und einen Teil, der in die indianische Kultur einführt, statteten wir einen langen Besuch ab. Es war wirklich sehr anschaulich und interessant aufgebaut. Selbst Anton war begeistert und begriff einige Teile der Ausstellungen. Ein Teil der Ausstellung stellte die Natur Kanada in den Mittelpunkt. Der Höhepunkt war eine altmodische “Unterwasserstation” ganz dem Stil von Jules Verne/H.G. Wells nachempfunden mit einer frühindustriellen Prägung. Hier hat man  nicht mit Nieten, Schrauben, Kupfer und Glaskuppeln gespart. Hier verging die Zeit wie im Flug. 

Wir wohnten in einem Hotel in der Stadtmitte und nicht weit vom Hafen entfernt. Es war sehr angenehm, dass wir alles zu Fuss erreichen konnten. Wenn man ausserhalb des Innenstadtkernes wohnt, ist man immer auf das Auto angewiesen, daher genossen wir diesen Luxus in vollen Zügen. Das Hotel war nicht mehr das allerneuste, aber die Zimmer waren riesig mit zwei grossen Doppelbetten, in denen man sich verlieren konnte. Reiner Luxus, wenn man Monate in einem engen Campervan zugebracht hat. Das ist normaler Standard in diesem Teil der Welt und wir werden uns bestimmt schnell daran gewöhnen und unsere Erwartungen dementsprechend anpassen.

Zurück nach USA nahmen wir eine Fähre von Victoria aus. Eine nette Überfahrt von einundeinhalb Stunden über die Strait of Juan de Fuca nach Port Angeles. Wir genossen am Deck den Sonnenuntergang, obwohl der Wind uns kalt um die Ohren pfiff. Dafür bot der Himmel ein fantastisches Farbenspektrum, das von blutrot bis dunkelorange und dann bis  indigoblau reichte. Sowas erlebt man nicht jeden Tag! Wir trotzen der Kälte und konnten sie fast vergessen!

Die Fahrt zurück zu Daniela, wo wir nochmals bleiben durften, ging über eine kurvige Landstrasse, die sich durch einen tiefen Wald, teilweise entlang eines windigen Küstenabschnittes schlängelte. Es war genau hier, wo es gerade ein bisschen gerade aus ging, dass ich mein erstes unfreiwilliges Zusammentreffen mit der Polizei hatte. Sie sind hier wirklich zahlreich auf den Strassen unterwegs! Und ganz offensichtlich, nicht irgendwo versteckt. Aber nie so spät am Abend. Wie ich so dahin düste, kamen wir an einem dunkeln Auto vorbei, das am Seitenstreifen parkte. Ich konnte sofort erkennen, was es war. Unverzüglich verringerte ich die Geschwindigkeit und konnte sehen, dass dieses Auto seinen Motor startete und uns hinterher fuhr. Und richtig...nach ein paar Sekunden ging das Blaulicht und die Sirene an. Es hiess, ran an die Seite! 

Alexandra erinnerte mich “freundlich” daran, dass ich selber ALLE eventuell anfallenden Strafzettel zahlen müsste. Nach fast 20.000 km habe ich bisher nur eine einzige Abmahnung kassiert. Das war in Cairns in Norden von Queensland, Australien. Nicht schlecht, oder?!

Wir liessen die Fenster herunter und der Polizeibeamte wollte wissen, ob ein bestimmter Grund für unsere erhöhte Geschwindigkeit vorlag. Das mussten wir verneinen. Es war nur so, dass sich die Geschwindigkeitsbegrenzungen genau bei dieser Strecke dauernd änderten. Rauf mit der Geschwindigkeit und dann wieder herunter. Ich habe wohl ein einziges Schild übersehen! Aber das gilt wohl nicht als Entschuldigung. Er nahm meine Papiere mit sich zu seinem Auto. Mir kam es vor, als brauchte er extra lange Zeit, um diese genausten zu untersuchen. Wie er zurückkam, bekam ich meine Papiere ausgehändigt mit der Ermahnung den Rest der Strecke vernünftig zu fahren. Keine lächerlichen Hinweise von wegen verantwortungslose Eltern oder Ausführungen über Gefahren und Unglücke, die auf einen lauern könnten. Nur einen guten Ratschlag von einem ansonsten sehr freundlichen Polizisten. Übrigens mit einer sehr kräftigen Taschenlampe in der Hand! Ich habe ehrlich gesagt mit einer Strafe gerechnet, da es keine kleine Geschwindigkeitsübertretung war. Ich will mich überhaupt nicht beschweren! Dafür hat der Appell an meine Vernunft wohl gut gewirkt. Seitdem passe ich gut auf! Vielleicht auch, weil es beim nächsten Mal echt teuer werden könnte. Nicht so teuer, wie in Dänemark. Aber unnötiges Geld aus dem Fenster geworfen, wenn man gerade rund um die Welt reist. 

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/Anders

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