Nachdem wir eine wohlverdiente Pause von unseren grossen und kleinen Erlebnissen eingelegt haben, wurde es nun wieder an der Zeit zu neuen Abenteuern aufzubrechen. Das Ziel dieser Reise ist es schliesslich auch die grosse, weite Welt zu erkunden und um generell schlauer zu werden. Angekommen in den USA, nach einer langen Flugreise aus Neuseeland, die wir übrigens ohne grosse Probleme überstanden haben, brauchten wir alle anscheinend ein bisschen Zeit, um faul auf der Couch abzuhängen. Dies konnten wir sehr gut bei Daniela und ihrer Familie machen, während sie selber in der Schule oder in der Arbeit waren. 

Langsam kam die Abenteuerlust wieder zurück und wir begannen damit Olympia, die Stadt in der Daniela lebt, näher zu erforschen. Sie ist zudem noch die Hauptstadt des Bundesstaates Washingtons und hier liegt auch der Hauptsitz des Gouverneurs und die dazugehörigen Verwaltungsgebäude. Wie auch das lokale Parlament des Bundesstaates. Alles liegt auf dem “Capitol Hill” und es ist eine kleine Kopie des richtigen “Capitol Hill” in USAs Hauptstadt Washington D.C. In Olympia gibt es leider kein “Weisses Haus” und auch keinen Präsidenten. Im Capitol wurden auch Führungen angeboten und wir nahmen an einer teil. Dies wurde zu einer Stunde voller spannender Ausführungen über lokales Engagement, Demokratie und Geschichte. Wir bekamen einen sehr interessanten und tieferen Einblick, wie die lokale Politik in den USA funktioniert. Jeder Bundesstaat hat seine eigenen Gesetze und Regeln und dies in vielen Bereichen. Auch in Bereichen, von denen man eigentlich denken sollte, dass es Sinn machen würde, dass sie in allen Staaten gleich wären. Aber man ist hier Lokalpatriot und je mehr man selber bestimmen kann, desto besser ist es. Es wird interessant, ob wir nicht versehentlich unwissentlich als Touristen ein Gesetz übertreten. In einem Bundesstaat kann etwas erlaubt sein und dann nur 10 km weiter weg in einem anderen schon wieder verboten. 

Die Natur im Bundesstaat Washington ist ausgesprochen schön und sie wird nicht ohne Grund “The Evergreen State”, der immer grüne Bundesstaat, genannt. Es gibt hier unendlich viele Nadelbäume. Sie sind überall! Es gibt auch Laubbäume, die die letzten farbigen Blätter in ihren Kronen haben. Ein wunderbarer Kontrast zu den dunklen Nadelbäumen. Was für ein Anblick! Ich war früher schon mal in den nördlichen Staaten der USA und jedes Mal war ich davon fasziniert, wie schön der Herbst hier sein kann. 

Wir dachten, wenn wir schon mal in diesem Teil des Landes sind, dann müssen wir natürlich auch einen kleinen Abstecher in den Norden, nach Kanada und deren drittgrösste Stadt, Vancouver machen. Auch wenn wir nur Zeit für einen kleinen Ausflug in den südwestlichen Teil hatten, so konnten wir zu mindestens einen kleinen Einblick in dieses enorm grossen Land bekommen. Die Fahrt dorthin dauerte von Olympia aus nur vier Stunden. Ein bisschen aufgeregt überquerten wir die Grenze. Keiner von uns war jemals davor in Kanada und es wurde ruhig und man könnte fast sagen ein bisschen andächtig im Auto, und um diese Stimmung nicht zu stören, wurde die Musik vom iPod heruntergedreht. Es waren allerdings nur die selben Routinefragen, die wir schon bei unserer Zwischenlandung in San Francisco gehört hatten. Bei der Ausreise aus Kanada werden wir höchstwahrscheinlich die selben Fragen wieder gestellt bekommen. Aber auch egal! Zum Glück ging es relativ schnell!

Einerseits wird es einem nicht sofort bewusst, dass man sich in einem anderen Land befindet, aber andererseits dann doch irgendwie schon. In Kanada benutzt man z.B. das metrische System, also Zentimeter, Meter, Kilometer usw, anstatt wie in USA Zoll, Fuss und Meilen, das selbe gilt für Temperaturangaben, wie Celsiusgrad und nicht Fahrenheit. Man müsste sich schon eine länger Zeit in Kanada aufhalten, um die Unterscheide genau herauszufinden. Es gibt sie natürlich! Die Kanadier scheinen mehr auf internationaler Ebene informiert zu sein und haben schon viele Ländern besucht. Einige waren sogar in Europa und viele davon auf einer längeren Reise. In den USA  sieht es da ganz anders aus. Hier ist der Grossteil der Bevölkerung noch nie im Ausland gewesen. Viele haben nicht mal einen Fuss ausserhalb ihres eigenen Bundesstaates gesetzt und haben nicht mal einen Pass. 

Kanada ist ein Teil des Commonwealth und die englische Königin ist auf den Münzen zu sehen. Die Aufgaben als Staatsoberhaupts der Königin werden von einem ernannten Gouverneur wahrgenommen. Seit 1982 ist man rein administrativ total unabhängig von England, aber es existiert immer noch die symbolische Verbindung. Kanada ist unter den reichsten und best entwickelten Länder und es herrscht eine moderne und gut funktionierende Demokratie. Beim Nachbarn im Süden, der USA, herrscht eine ganz andere Art der Demokratie und es wirkt so, als wäre diese in der Praxis nicht so effektiv. Dazu werde ich bestimmt mehr in späteren Blogs schreiben. Natürlich sind sich diese zwei Nachbarn wichtige Handelspartner und es lässt sich nicht leugnen, dass die USA einen grossen ökonomischen und kulturellen Einfluss auf Kanada hat.  

Viele haben uns von Vancouver erzählt und uns gesagt, wie schön diese Stadt sein soll. Die Innenstadt liegt auf einer Halbinsel umgeben von Wasser und man erhält sofort dieses Marina Feeling. Im Hafengebiet wurden viele schöne Hochhäuser aus Glas und Stahl mit riesengrossen Balkonen mit Ausblick auf das Wasser errichtet. In den Marinas liegen die grossen Booten, so weit nur das Auge reicht, verankert. Hohe Brücken, die die Innenstadt mit den bergigen Vororten verbinden, schlängeln sich an den Gebäude am Wasser vorbei. In vielen der Stadtteile befinden sich einladende Einkaufstrassen mit Galerien, und Cafés. Uns hat besonders “Gastown” gefallen. Ein ehemaliger unansehnlicher Stadtteil mit hoher Kriminalität, der sich  jetzt aber zu einer trendigen und attraktiven Gegend verwandelt hat. Hier befinden sich viele schöne alte Häusern aus dem 18.Jahrhundert. Viele davon sind restauriert und beherbergen jetzt Restaurants, Cafés und Boutiquen Seite an Seite mit den kleinen Unternehmen. 

Von Granville Island und seiner spannenden Umgebung waren wir total begeistert. Hier haben viele Künstler ihre Ateliers, unter anderem befindet sich hier eine Kunstakademie, Werkstätten und eine grosse Markthalle und auch ein sogenannter “Kids Market”. Hier kann man ALLES was das Herz begehrt an Spielzeug kaufen und es gibt auch ein spannendes “Abenteuerland”. Anton vergnügte sich viele Stunden mit anderen Kindern und um es diplomatisch zu sagen, war er nicht damit einverstanden, dass wir zurück ins Hotel wollten.  

Auf dem Markt auf Granville Island kann man die unterschiedlichsten Obst- und Gemüsesorten, Fleisch, Fisch, Brot und Kuchen aller Art kaufen. An den vielen kleinen Ständen werden die Sandwichs, warme Gerichte und Süsswaren angeboten, die man dann auch vor Ort verzerren kann. Wir mussten eine Suppe von der besten Suppenküche “The Stock Market” probieren und wie wir später nachlesen konnten, soll es übrigens auch die beste am Markt sein und wir können das nur bestätigen. Natürlich kann man auch alle Gerichte mit nach Hause nehmen, wenn man das will.  

Um auf Granville Island zu kommen, kann man einen der kleinen “Wasserbusse” nehmen, was auch wir taten, um von unseren Seite des Wasser dorthin zu gelangen. Es war nicht teuer, und da dauernd Boote fahren, kann man davon ausgehen, dass sich das Geschäft lohnt. Wenn man die Boote so antuckern sieht, könnten man fast glauben, dass nicht viele Passagiere darin Platz finden. Aber das täuscht! In jeden Boot können an die 20-25 Passagiere bequem sitzen. Wie wir unterwegs waren, war das nicht der Fall, aber es kann natürlich daran liegen, dass diese Boote oft verkehren. 

Vancouver hat den Ruf eine sehr verregnete Stadt zu sein und dies konnten wir am eigenen Leibe erfahren. Während unseres Aufenthalts kam viel Regen herunter, aber wiederum gab es auch Perioden mit dem schönsten Wetter und strahlenden Sonnenschein. An einem Tag, an dem es einfach nicht zum Regnen aufhören wollten, brauchten wir eine Aktivität, die innen drinnen war. Das Vancouver Aquarium war die Lösung für diesen Tag. Ein grosses “Museum” mit ca. 50.000 Fischen und Meerestieren. Nachdem wir die Preise von Australien und Neuseeland gewöhnt waren, kamen uns die 25 Dollar pro Person fast wie ein symbolischer Betrag vor. Das Aquarium wird von einer “Non-Profit” Organisation betrieben, deren eigentlicher Hauptzweck die Forschung ist. Die Besucher leisten somit mit ihrem Eintritt eine gute Tat. 

Wir verbrachten dort viele Stunden, weg vom schlechten Wetter. Überall gab es Aktivitäten für Kinder in allen Altersgruppen und Erwachsene. Wir kamen ganz nahe an Pinguine heran, Delphine, Beluga Wale, Roben, Otter und viele, viele andere spannende Tiere. Anton war überhaupt nicht mehr von dem Korallenriff Aquarium mit den Klownfischen wegzubringen. Ist auch logisch! Da schwamm doch der kleine Nemo, den wir alle aus dem Zeichentrickfilm “Findet Nemo” kennen. 

So schön auch Vancouver ist, so stimmten uns die vielen Obdachlosen traurig, die wir auf den Strassen sehen konnten. Wir sind auf unserer Reise schon oft auf sie gestossen, aber hier scheint Armut offensichtlicher zu sein, ausgenommen davon ist Thailand. Ich weiss nicht, ob es nur ein Zufall war, aber wir haben es beide unabhängig voneinander bemerkt. 

Nach einigen Tagen in Vancouver ging es weiter in die Berge in das Whistler Village. Dies ist Kanadas Antwort auf das amerikanische Aspen. Hier herrscht der richtige “Alpin Chic” mit vielen Skifahrern und Snowboardern und den dazugehörigen “After Ski” Lokalitäten, wo Alkohol vom adretten Servicepersonal ausgeschenkt wird und im Hintergrund Techno Musik aus riesigen Lautsprechern dröhnt. Die Saison hat noch nicht richtig begonnen. Es fehlt noch ca. ein Meter Schnee, aber im Moment schneit es leise vor unserem Hotelzimmer herunter. Die nächsten Tage geht die Skisaison so richtig los und dauert dann bis Ostern an. Wir sind hier nur für einige Tage und wollen einfach die Natur geniessen. Nadelbaumwälder, Gebirge und brausende Bäche. Neuschnee! Es kann einfach nicht idyllischer sein! Und wenn man bedenkt, dass wir nicht weniger als vor zwei Wochen in Neuseeland waren und dort Frühling hatten. Das ist ja das Tolle an einer Reise im modernen Zeitalter!

In den nächsten Tagen fahren wir zur Küste, um Vancouver Island einen Besuch abzustatten. Hier soll es wirklich sehr schön sein! Wir freuen uns schon sehr die Stadt Victoria, die auch die Hauptstadt des Bundesstaates British Columbia ist, zu erkunden. Sie ist die älteste Stadt des nordwestlichen amerikanischen Kontinent.  

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/Anders

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