Auf so einer Reise rund um die Welt ist es toll, dass man so einige Traumdestinationen von seiner Wunschliste abhacken kann. Schottland war auch auf meiner persönlichen Liste. Mit den Schotten ist es ein bisschen, wie mit den Iren: Eine Masse Klischees und viele Vorurteile. Einige erweisen sich als wahr, andere stimmen überhaupt nicht. Schottland und Irland haben allerdings eines gemeinsam: das sich ewig ändernde Wetter. Dies bedeutet meist, dass es nass werden kann. Zu dem reisen wir auch noch zur Winterszeit...

Schottland hat eine lange Geschichte. Viele der klitzekleinen Orte auf dem Land können oft bis in das 11. und 12. Jahrhundert zurück datiert werden. Das war bevor Kolumbus Amerika entdeckte! In der Stadt St. Andrews, wo die führende Universität sich befindet (in dieser hat auch Prinz William studiert), liegt eine Burg, die ca. 1189 erbaut worden ist. Nicht weit davon entfernt stand eine gigantische Kathedrale, die in den Jahren 1158 bis ca.1258 errichtet worden ist. 

An beiden Orten sind wir lange herumgegangen und haben die meterdicken Mauern und Säulen betrachtet, von denen heute nur noch das Fundament erhalten ist. Damals wurde gross gedacht in Schottland. Oder man war einfach auch nur praktisch und hat sich auf zukünftige Invasionen und Kriege vorbereitet. Viele der Burgen waren garantiert schwer mit den zur damaligen Zeit zur Verfügung stehenden Waffen einzunehmen. Kirchen und Kathedralen waren vielleicht nicht Kriegsziele, aber es gab schon immer die Tradition, dass Gotteshäuser  vorzugsweise gross, auffällig und vielleicht auch ein bisschen abschreckend sein sollten. Könnte ich nur die St. Andrews Kathedrale sehen, wie sie damals war. Das muss wirklich beeindruckend gewesen sein! 

Wie auch schon in Irland liegen die alten Ruinen über das ganze Land verteilt und wir haben uns vorgenommen einige der bekanntesten historischen Stätten zu besuchen. Der Eintritt zu diesen Attraktionen ist vergleichsweise teuer, aber wir haben uns eine Art “Rabattkarte” gekauft und mit dieser konnten wir so viele als auch mögliche Stellen von drei aus fünf Kalendertagen sehen. Der “Pass” ist fünf Tage gültig und an jeden Tag, an dem man ihn benutzt, bekommt man einen Stempel in seinen Pass. An so einen Tag kann man dann so viele Orte besuchen, wie man will oder wieviel man schafft. So kann man auch eine Sightseeing Pause von ein oder zwei Tagen einlegen. Das ist ganz praktisch, wenn es lange Entfernungen zum nächsten Ort gibt.  

Ausser St. Andrews, wo wir sowohl die Ruine der Burg als auch die der Kathedrale besuchten, waren wir auch im Edinburgh und im Stirling Castle. Das letzt genannte war das beeindruckendste. Ich habe das Edinburgh Castle schon oft im Fernsehen gesehen und habe mir ehrlich gesagt mehr von dem Wahrzeichen der Stadt und der grössten Touristenattraktion erwartet. Es war ganz sicher beeindruckend, aber für die 16 £ Eintritt hätte ich mir mehr erwartet. Wir haben uns zwar die Rabattkarte gekauft, aber trotzdem stand es in keinem Verhältnis. Der offizielle Eintrittspreis in das Stirling Castle war dagegen 14 £. Immer noch teuer in meinen Augen, aber man bekommt mehr für sein Geld. Besonders wenn man Kinder mit dabei hat. Dort können Kinder Gewänder probieren, die dem 15. und 16. Jahrhundert nachempfunden sind. Es gibt interaktive Stationen, an denen die Kleinen etwas über die damaligen Lebensumstände und dem Leben auf der Burg lernen können. Was machtet z.B. ein Hofnarr? Wie bereitete man Essen für eine grosse Gesellschaft zu? Wie bekam man eine Audienz beim König? Wie wohnten die Könige? Auf all diese Fragen bekam man Antwort in Stirling. In Edinburgh wurden verstärkt auf die militärgeschichtlichen Themen eingegangen. Das kann natürlich auch interessant sein, aber nicht für uns. Wir waren ehrlich gesagt, ein bisschen enttäuscht.  

Daher unser Rat: Man sollte lieber die 70 km von Edinburgh nach Stirling fahren, um die Burg dort zu sehen. Eine Burg, die im übrigen mit mehreren hunderten Statuten verziert ist und zur damaligen Zeit ein richtiges “Angeber Projekt” der drei Könige James IV, James V und James VI war. In der Zeitspanne von 1490 bis 1600 war Stirling Castle das königliche Zentrum Schottlands mit allem was dazugehört: Hof mit samt Handwerkern, Künstlern, Alchemisten usw. Es wurde an nichts gespart!

Davon abgesehen, ist die Stadt Edinburgh wirklich einen Besuch wert. Wir hatten leider nur gut eineinhalb Tage Zeit, konnten uns aber einen guten Überblick über die schottische Hauptstadt verschaffen. Die Innenstadt ist zweigeteilt: der alte Stadtteil liegt teilweise auf einer Anhöhe und der neuere Teil erstreckt sich an die angrenzende Umgebung. Es sieht aus, als würde ein Keil durch die Innenstadt gehen, der durch die Beschaffenheit der Landschaft verursacht ist. Die Altstadt liegt mit der gigantischen Festung oben auf dem Berg und thront über den neueren Stadtteil. Ein fantastischer Anblick! Es kann düster an so einem grauen Regentag wirken, so wie wir ihn selber in Edinburgh erlebt hatten, aber das konnte unsere Begeisterung für diese Stadt nicht mindern. Wir besuchten auch die St. Giles Cathedral aus dem 14. Jahrhundert. Auf dieser Reise habe ich wirklich viele Kirchen gesehen. Man könnte fast annehmen, dass es eine Art Sport für mich wäre. Von aussen ist die St. Giles Cathedral sehr auffällig mit ihrer gotischen Bauweise und auch innen kann man viele schwulstige Architektur bewundern. Die Atmosphäre in der Kathedrale ist warm, fast schon gemütlich, wie ich es selten woanders erlebt habe. Ich halte mich gerne in Kirchen auf. Man kann sich hinsetzen, Ruhe finden und ein bisschen nachdenken. Aber mit “Gemütlichkeit” habe ich nicht gerechnet. Aber das war St. Giles. Es ist vielleicht wegen der schlauen Lichtarchitekten, die indirektes Licht installiert haben, das den Raum warm und einladend wirken und gleichzeitig die Details in den Vordergrund treten lässt. Das muss man einfach gesehen haben! Man könnte fast Lust bekommen seine Thermoskanne hervorzuholen und sich einen Kaffee einzuschenken und seine Brotzeit auszupacken, während man sich in aller Ruhe umsieht und sein Picknick geniesst. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das in der Kirche gerne gesehen werden würde, aber ein schöner Gedanke....  

Es gibt so viele alte, spannende Ruinen und schön restaurierte Stellen überall in Schottland zu entdecken. Eine Woche ist einfach VIEL zu kurz! Und wir haben uns schon überlegt, wieder hierher zu kommen. Nächstes Mal vielleicht im Sommer! Vielleicht haben wir dann Glück mit dem Wetter und es regnet nicht!

Wir haben uns für unsere Tour einen kleinen Fiat 500 Sport Edition geliehen. Und schon wieder wurde uns ein Upgrade zu einem grösseren Auto angeboten, obwohl ich nicht unser Gepäck mit dabei hatte. So konnte auch das Argument bei der Autovermietung, ein grösserer Kofferraum, nicht ziehen. Aber alleine meine Grösse lässt zweifeln, ob ich überhaupt in so ein kleines Auto hineinpasse. Aber ich hatte schon oft kleine Autos und ich kann mit guten Gewissen sagen, dass ich ausreichend Platz für mich und meine langen Beine hatte. 

Das Auto, mit dem wir unterwegs waren, war brandneu! Wir waren die ersten, die es ausliehen! Wahnsinn! Wie ich mich in das Auto setzte und von der Autovermietung losdüste, fühlte ich mich gleich zu hause. Wie damals in meinen Alfa Romeo 147 vor ca. zehn Jahren. Der Duft des neuen Leders im Inneren und die tolle Innenausstattung hat mich einfach über alle Massen glücklich gemacht. Da ist irgendwas mit italienischen Autos! Wenn man seiner Vernunft gehorchen sollte, dann wird es nie so ein Auto! Das Herz hingehen schreit “JA!” und man gibt Vollgas! Es hat super viel Spass gemacht und eine unglaubliche Fahrfreude, die das Geld wert war. Und wir drei waren begeistert! Anton hat es gefallen in dem kleinen roten Blitz zu düsen. Auch wenn das Auto klein ist, war genug Platz für unser Gepäck für eine Woche. Wenn ich zu Hause ein Auto brauchen sollte, dann wäre es garantiert ein Fiat 500 Sport Edition! Ohne grosse Befürchtungen für die langen Fahrten zwischen Dänemark und München! Für die täglichen Stadttouren einfach genial!

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/Anders

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