Viele schaffen es gerade mal Dublin zu erkunden, wenn sie nach Irland fahren. Dublin eignet sich garantiert ideal für einen Städteurlaub. Für mich ist Irland aber der Inbegriff von fantastischer Natur und einer fast menschenleeren Insel, wenn man auf der Landstrasse unterwegs ist. Hier ganz an der Westküste ist es so ursprünglich, wie es nur so sein kann und sogar die meisten Verkehrsschilder sind in gälisch geschrieben.

Wir wollten gerne die grösste Naturattraktion des Landes mit eigenen Augen sehen, nämlich den Ring of Kerry, der jährliche einige Tausende von Touristen anzieht. Man nimmt an, dass es die meist besuchte Attraktion Irlands nach Dublin ist. Die gesamte Rundfahrt ist 179 km lang und man kann sie gut an einem Tag abfahren. Abhängig nach dem eigenen Tempo, natürlich. Der Zustand der Strassen und manchmal ziemlich enge Strassenabschnitte bewirken, dass man selten über die angegebene Geschwindigkeit fährt. Ein Tag für den Ring of Kerry sollte man mindestens einplanen. Wir starteten in Killarney ca. um 9:00 Uhr in der Früh und waren zurück, wie die Dunkelheit so langsam einbrach, so gegen 17:30 Uhr. 

Unterwegs legten wir einige Pausen ein. Es gibt wirklich sehr viel zu sehen, wenn man sich Zeit nimmt, um die vielen kleinen Abzweigungen an der Landstrasse entlang zu fahren. Wir haben z.B. eine alte Burgruine entdeckt, die nicht weit von der Küste entfernt lag. Wenn man so ein umzäuntes Gebiet betritt, dann ist es auf eigene Gefahr, da man sich unerlaubt Zutritt verschafft. Die Ruine wird nicht in Stand gehalten und es gibt keine Absperrungen. Kinder sollen hier nicht alleine herumrennen, so hielten wir Anton fest an der Hand, während wir einen spannenden Gewölbekeller, die enormen Bögen, die mal die gigantischen massiven Eingangspforten und die grossen Fenster bildeten, an denen in der Vergangenheit die Bewohner standen, um über die weiten Täler und Berge zu blicken, entdeckten. Die 700 Jahr alten Mauern waren dicker als Armeslänge und teilweise mit Efeu überwachsen. Das verlieh den Gemäuer ein leicht mystisches Ansehen. Wir mussten wirklich aufpassen, dass wir nicht in die Kuhfladen traten, die sich im “Erdgeschoss” befanden. Die einzigen zeitgenössischen Bewohner sind die schwarzgefleckten Milchkühe, die faul herumspazieren, um im kalten Wind zu grasen.  

Wenn man so durch die irische Landschaft düst, sieht man in regelmässigen Abständen solche alten Burgruinen. Manche sind im besseren Zustand als andere. Ich finde, dass es total faszinierend ist, dass man so alte Gebäude manchmal genau neben modernen Häusern stehen sieht und das sogar auf den Hauptstrassen. Ein paar Mal haben wir sogar modernisierte Burgen gesehen, die entweder die ganze Zeit über in Stand gehalten, oder modernisiert worden sind. Die waren nicht so interessant! So Ruinen sind irgendwie spannender, da man dann seiner eigenen Phantasie freien Lauf lassen kann. Nach meiner und natürlich auch Antons Vorstellung gehören zu alten Burgen natürlich auch Ritter und Rüstungen, ein tiefer Burggraben, Prinzessinnen mit langen Haar und Tiara, dann vielleicht auch noch Drachen als Bewohner dazu. Die “modernen” Burgen mit deren Thermofenstern und Parabolantennen passen nicht wirklich zu so einer Vorstellung!

Wir waren auch in Dingle, es liegt auf einer kleinen Halbinsel. Eine richtig kleine gemütliche Stadt. Was mich wirklich fasziniert bei unserer Tour durch Irland ist, dass hier die Häuser in sehr auffälligen Farben bemalt sind. Das bringt Leben in die Landschaft, sonst kann es ein bisschen trist in den ansonsten verschlafenen Dörfern auf dem Land wirken. Ausserhalb der Hauptsaison passiert nicht so wirklich viel. In Dingle befinden sich viele kleine einladende, gemütliche und interessante Restaurants und Cafés, aber Mitte Februar hat nur eine Handvoll offen. Wir hatten Glück und bekamen ein leckeres Mittagessen und waren danach gerüstet für eine Fahrt durch eine Gegend, in der sich normalerweise Katze und Hund Gute Nacht sagen. Im wahrsten Sinne des Wortes! Auf den äusserten Teil der Dingle Peninsula wohnen nur abgehärtete Einheimische, Kunstmaler oder Autoren, die Ruhe und Abgeschiedenheit für ihre Arbeit benötigen. Und dann auch “blöde” Touristen, die eine Woche in der Natur mit allen wilden Elementen verbringen wollen. Und das bekommt man auch hier! Die Natur ist fantastisch und wir hielten mehrmals an, um die Aussicht über den Atlantik und die barsche Küste zu geniessen und darüber zu reflektieren, dass wir uns wirklich auf einem schönen Stückchen Erde befinden. Jedes Mal, wenn ich nur mal kurz aussteigen wollten, um ein Bild zu machen, musste ich gut meinen neuen irischen “Sixpence” Hut festhalten, damit ihn mir der Wind nicht wegblies. Und was für ein Wind! Unglaublich! Schnell raus aus dem Auto, schnell scharf gestellt und dann schnell wieder zurück in das warme Auto. Alexandra und Anton sparten natürlich nicht mit unnötigen Kommentaren aus dem Auto. 

Als nächstes machten wir Halt in Cobh an der Südküste. Früher hiess die Stadt Queenstown und zeichnete sich dafür aus, dass es die letzte Anlegestelle der Titanic auf ihrer Jungfernfahrt, bevor es über den Atlantik nach New York ging, war. Natürlich gibt es eine grosse Ausstellung über Emigranten und die Zustände, die auf einer Überfahrt herrschten in den letzten hundert Jahren, wo die Auswanderung am grössten war. Die Titanic war ein Luxusschiff, nicht nur für die erste Klasse Passagiere, sondern auch für die aus der dritten. Auf den meisten Schiffen waren die Zustände äusserst schlecht und viele sind auf der anderen Seite in einem schlechten gesundheitlichen Zustand angekommen. Wir waren auch in White Star Lines alten Ticketbüro, in dem befindet sich eine Ausstellung über die Menschen, die sich am Bord der Titanic befanden. So konnte man sich in deren jeweilige Lebenssituation, ihre Zukunftsträume und dann deren trauriges Ende im eiskalten Wasser, wie die Titanic am 14. April 1912 kurz vor Mitternacht auf einen Eisberg stiess, hineinversetzen. Alleine sich die damaligen Klassenunterschiede vor Augen zu führen, ist komplett absurd nach heutiger Einstellung. Aber sie wurden gemacht und es war tödlich für den Grossteil der Passagiere und Besatzungsmitglieder.  

Der letzte Stop in Irland, bevor es von Dublin nach London ging, wurde Waterford, wo Alexandra eine Zeitlang studiert hatte. Ich war selbst schon einmal vor einiger Zeit hier. Seit Alexandra Mitte der 1990-igern hier war, ist richtig viel passiert. Ich habe mir immer noch keine Meinung bilden können, was ich von dem “modernen” Waterford halten soll. 2005 hatte die Stadt noch einen gewissen Charme. Aber seitdem sind viele moderne Hotels, Wohnblöcke und endlos viele Einfamilienhäuser aus dem Boden geschossen. Erbaut von mehr oder weniger talentierten Handwerkern. Unser Hotel war nicht älter als fünf Jahre, aber schon an einigen Stellen verschlissen und abgenutzt. Eigentlich wäre es schon wieder an der Zeit für Renovierung. So sahen auch einige neue Häuser in der Innenstadt aus. Das ist wirklich eine Schande! 

Am Montag liefern wir unseren Ford Focus in Dublin am Flughafen ab und nehmen Kurs gen London. Hier werden wir bei Alexandras Schwester wohnen. Wir planen auch Touren nach Schottland, Wales und Cornwall. Ich freue mich speziell darauf Glasgow und Edinburgh zu sehen, aber auch Orte, wie Stonehenge und auch einige Badestädte an der Südküste stehen auf der Liste. Vielleicht auch ein paar klassische Herrenhäuser auf dem Land. Man ist ja nicht ohne Grund Fan der TV Serie “Downton Abbey” ?!

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/Anders

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