Während unserer Reise kreuz und quer durch Neuseeland haben wir festgestellt, dass sich fast jede Stunde die Landschaft um uns verändert. Berge mit schneebedeckten Gipfeln, Regenwälder in hundert verschiedenen Grüntönen und endlose Strände mit dem feinsten Sand, den man sich überhaupt vorstellen kann. Das alles können wir innerhalb kürzester Zeit mit unserem treuen Gefährten, dem Campervan, erreichen. 

Es besteht wirklich ein grosser Unterschied zwischen der Nord- und Südinsel. Auf der Nordinsel war alles schön grün, während wir hier auf der Südinsel auf eine bergige Landschaft und gewaltige Flüsse mit Schmelzwasser treffen können, die sich ihren Weg durch die gewaltigen Felsspalten suchen, um so in das Meer zu gelangen. Leute, die schon in Neuseeland waren, haben uns erzählt, dass es einen sehr grossen Unterschied zwischen den Inseln geben würde. Und da muss ich ihnen recht geben!

Wir liessen Nelson im Norden hinter uns und fuhren südlich die Westküste entlang. Bereits am Beginn dieser Tour konnten wir einen Eindruck gewinnen, wie sich hier in dieser Umgebung ein richtiger Wintermonat anfühlt. Der Winter in Neuseeland ist nicht so kalt, wie der in Zentraleuropa. Dafür aber sehr nass! In drei Tagen liess sich die Sonne überhaupt nicht blicken, ganz zu schweigen von ein bisschen blauen Himmel. Wir fuhren durch eine graue und düstere Landschaft, aber wir sorgten dafür, dass wir uns entweder von einem kleinen Einkehrschwung in einem Café oder einer besonderen Sehenswürdigkeit aufmuntern liessen.

Eine Sehenswürdigkeit, auf die wir uns besonders freuten, waren die Pancake Rocks (Pfannkuchen Klippen). Wie sich Neuseeland vor Uhrzeiten formte, wurde dabei auf die ganze in der Natur zur Verfügung stehende Palette zurückgegriffen. An einem kleinen Abschnitt an der Westküste kann man sehr eigenwillige, unglaubliche Klippenformationen finden. Es sieht so aus, als wären die enormen Steine in Schichten zusammengepresst worden, obwohl sie wirklich sehr massiv wirken. Sie ähneln aufeinander gestapelten Pfannkuchen, ihr Name ist somit gerechtfertigt. Wir standen lange dort und waren ganz vertieft in den Anblick dieses ausserordentlichen Phänomens. Wir trotzten dem Wind und Regen, der auf unsere Regenjacken und roten Backen trommelte. Wie wir alle gut wissen, gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur die verkehrte Kleidung. Unsere Regenjacken haben uns die letzten Tage gute Dienste geleistet und waren somit ihren Preis wert. 

Wir setzten unsere Reise gen Süden fort und hielten in Franz Josef Glacier Village an. Dies ist der nördliche Ausgangspunkt an der Westküste, um zu den zwei absoluten Publikumsmagneten, Franz Josef und Fox Gletscher, zu gelangen.

Ich bin schon mal ganz nahe an Gletscher herangekommen. In Ilulissat in Grönland. Wenn man sich dort den Gletschern nähert, kann man schon vom Weiten das Knacken und Brechen hören, wenn sich das Eis löst, was auch fast die ganze Zeit passiert. Diese vielen Farbtöne einer Eismasse, die sich langsam in das Meer bewegt, ist einfach atemberaubend und man wird ganz leise und andächtig. Diesen Effekt hatten die Gletscher in Ilulissat auf mich, ähnliches erwartete ich mir vom Franz Josef und Fox Gletscher auch. Diese Bilder von Grönland immer noch in mein Gedächtnis eingebrannt, hatte es der Franz Josef Gletscher schwer mich so richtig zu beeindrucken. Wir konnten uns nur ca. an die 500 m an das Ende des Gletschers annähern. Wir kamen durch ein Tal, in dem früher der Gletscher befand und dies wirkte sehr imposant. Je näher wir kamen, desto schwieriger wurde es die Ausmasse des Gletschers aufzunehmen und wir waren ein bisschen enttäuscht.  

Das waren wir glücklicherweise nicht am nächsten Tag, als wir am Fox Gletscher waren. Wir sind viel näher herankommen und konnten sogar ein bisschen auf einer Bergseite über das Eis blicken und ganz nahe all die Farbtöne und gewaltigen Felsformationen geniessen. 

Auf dem Eis konnten wir eine Gruppe von Touristen beobachten, die mit einer geführten Wanderung auf dem Gletscher unterwegs waren. Leicht an den roten Thermoanorks, Eispickel und Schuhe mit Eiskrallen zu erkennen. Auch wir haben uns überlegt auf so eine Wanderung zu gehen, haben es dann allerdings gelassen. Einerseits weil es ganz schön teuer ist und andererseits konnten wir Anton nicht mitnehmen. Verständlicherweise war das Mindestalter bei Kindern sieben Jahre und man sollten auch in der Lage sein auf so einem gefährlichen Gelände Anweisungen folge leisten zu können. Damit müssen wir noch ein bisschen warten. 

Bei beiden Gletschern musste man ein gutes Stück vom Parkplatz loswandern, um an die Gletscher zu gelangen. Die letzten 200 Jahre hat sich die Eismasse beider Gletscher einige Kilometer zurückgezogen. Täglich schmelzt tonnenweise Eis und das Wasser strömt mit gewaltiger Kraft hinunter in Richtung Küste. Man wird auf einmal ganz klein, wenn man zwischen den steilen Klippenwänden steht, die bedrohlich von beiden Seiten das Tal umgeben. Überall liegen grosse und kleine Gesteinstücke als Zeugen, was die Kraft der Natur bewirken kann. Es liegen Steinreste verstreut herum, die von Bergen abgeschlagen und vom Gletscher mit gerissen worden sind. Oft gibt es neue Berg- und Eisabschnitte, so dass das Gebiet täglich von Parkangestellten patrouilliert werden muss, damit die Warnschilder der Absperrungen laufend angepasst werden können und keine Touristen zu Schaden kommen.  

Ich bin ganz nachdenklich geworden, wie ich auf den Schildern nachlesen konnte, wo sich der Franz Josef Gletscher 1870, 1935 und erst neulich 2008 befand. Beide Gletscher ziehen sich beträchtlich zurück. Um die Ursachen streiten sich viele kluge Köpfe. Durch Menschen verursachte globale Erwärmung? Ein Teil eines natürlichen Zyklus, wo sporadische Eiszeiten, mit hunderten von tausend Jahren Intervall die Balance des Eises auf der Welt korrigieren? Ich bin einfach nicht schlau genug, um dazu eine gerechtfertigte Begründung abgeben zu können, aber es fällt mir schwer zu glauben, dass wir Menschen nicht die Finger im Spiel haben. Die Geschwindigkeit, mit der das Eis schmelzt, ist in den letzten hundert Jahren dramatisch gestiegen. Das hängt damit zusammen, dass die Verschmutzung unserer Natur und der Verbrauch der fossilen Brennstoffe zunimmt. Das kann alles nur ein Zufall sein, aber ich frage mich oft, ob es nicht besser wäre auf andere Arten der Energieproduktion zurückzugreifen. Irgendetwas, dass nicht auf die selbe Art und Weise verschmutzt und nichts das die Ressourcen der Erde beraubt. Man sagt, dass wenn der letzte Tropfen Öl von der Erde nach oben gepumpt worden ist, ist auch mit dieser Energieform Schluss. Ob nun von Menschen verursacht oder globale Erwärmung die Begründung ist oder nicht, sollte man meiner Meinung nach sich darum bemühen einen grüneren und sauberen Planeten zu schaffen. Oder wie? Es ist wahrscheinlich teuerer und wird bestimmt kurzfristig nicht viel Profit abwerfen, aber ist es nicht wichtiger langfristige Pläne zu machen? Wahrscheinlich sind wir Menschen einfach nicht schlau genug uns über die Konsequenzen klar zu werden....aber was weiss ich eigentlich?

Hier in diesem Gebiet lebt auch die seltenste Kiwi Art der Welt. Nicht das Obst, nein der Vogel. Der Rowi Kiwi lebt nur in einem sehr kleinen Gebiet, es heisst Okarito Kiwi Sanctuary, ein Reservat, in dem sie beschützt leben können. Mit nur noch 380 Exemplaren kann man sagen, dass es sich um eine vom Aussterben bedrohte Tierart handelt. In Neuseeland hatten sie ursprünglich keine natürlichen Feinde, die für diese Kiwi Art eine Bedrohung hätte sein können. Damals im 18. Jahrhundert importierte man Hermiline, die den wilden Kaninchen Herr werden sollten, die langsam zu einer Plage wurden. Aber die Hermiline hatten nicht wirklich Lust die viel zu schnellen Kaninchen zu jagen. Sie bevorzugten die Rowi Kiwis und deren Eier und das Resultat war, dass vor einigen Jahren nur noch ein paar Hundert übrig waren. Man hat ein Programm zu deren Erhaltung ins Leben gerufen und heute steigt die Anzahl, wenn auch mit einer kräftigen Hilfe vom Staat. Der Plan ist es einhergehend mit einer ansteigenden Anzahl der Kiwis die Hermiline wieder auszurotten. Seit wir in Neuseeland angekommen sind, haben wir versucht Kiwis in der freien Natur zu sehen, aber da sie sehr scheu und nur in der Nacht aktiv sind, ist uns dies nicht gelungen. Daher besuchten wir auch einen Ort, an dem man die Rowi Kiwis ausbrütet und wir konnten sogar zwei einjährige Exemplare sehen. Sie waren in einem abgedunkelten Raum mit gedämpften Licht untergebracht, wo sie in aller Ruhe herumspazieren und wir auch ihnen ganz nah sein konnten. Es war ein einmaliges Erlebnis, nachdem wir so viel über sie gelesen hatten. Leider durften wir sie nicht, zu Antons Leidwesen, streicheln, aber er bekam stattdessen einen aus Plüsch. Er liegt jetzt tagsüber zum Schlafen, damit er in der Nacht auf Anton aufpassen kann. 

Wir haben auch eine kleine Wandertour rund um den Lake Matheson in der Nähe des Fox Glacier Village unternommen. Hier hat man von der einen Ende des Sees die beste Aussicht auf den höchsten Berg von Neuseeland, Mount Cook. Um dorthin mit dem Auto zu gelangen, muss man auf die andere Seite und das machen wir erst, wenn wir ganz unten im Süden waren und in Richtung Christchurch längs der Ostküste fahren. Natürlich müssen wir da hin. Die Aussicht vom Lake Matheson war wirklich was besonderes! Wir machten diese Tour mittags, denn je später es wird, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er von Wolken überdeckt wird. Eigentlich rät man, dass man am Morgen aufbrechen sollten, aber das ist nicht mit unserem Rhythmus zu vereinbaren. Aber es hatte schon seine Richtigkeit. Während unserer Tour vermehrten sich die Wolken immer mehr um den Berggipfel. Wenn wir nur eine Stunde später aufgebrochen wären, hätten wir nicht diese tolle Aussicht geniessen können. 

Die nächsten Tage geht es weiter in den Süden. Wir müssen auch den sogenannten Haast Pass überqueren, wo vor nur zehn Tagen ein Campervan mit seinen beiden Insassen während eines Erdrutsches in Folge Regenwetters ums Leben gekommen sind. Die Strasse war komplett für eine Woche gesperrt, aber sie wurde die letzten Tage während des Tages geöffnet. Die kräftigen Regenschauer sind zum Glück vorbei, aber man muss noch immer mit Nachwirkungen rechnen. Wir hoffen nur, dass die Strasse wieder befahrbar ist. 

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/Anders

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