Nach dem wir zusammengerechnet mehr als zwei Wochen bei Daniela in Tumwater, Olympia, verbracht haben, war es nun an der Zeit sich zu verabschieden. Aber diesmal so richtig! Wir haben wirklich die Zeit bei ihr und ihrer Familie genossen, aber leider muss alles irgendwann ein Ende haben. Wir finden es echt super, wenn wir in ein Heim eingeladen werden. Das ist ein absoluter Vertrauensbeweis! Selbst wenn Daniela und ihre Familie in einem grossen Haus wohnen, ist es nicht zu vermeiden, dass man sich wirklich gut während dieser Zeit kennenlernt. Bei uns zu Hause haben wir nicht annährend diesen Platz zur Verfügung, aber wir hoffen doch, dass wir uns für diese Gastfreundschaft auf die eine oder andere Weise revanchieren können, wenn wir uns nächsten Sommer in Deutschland wiedersehen. 

Man hört nicht all zu oft etwas über Oregon, wenn man sich im allgemeinen über die USA unterhält. Um es diplomatisch zu sagen, ist es ein mehr “unbekannter” Bundesstaat Amerikas. Wir wären auch selber nie auf die Idee gekommen, hierher zu fahren, wenn wir nicht von Daniela nach Seattle eingeladen worden wären und daher eine Tour von Seattle nach San Francisco entlang der Westküste geplant hätten.

Bei unseren allerersten Stop in Oregons grössten Stadt, Portland, wurden wir sofort sehr positiv überrascht. Nicht, dass wir keine Erwartungen hätten. Aber Portland, das auch die Stadt der Brücken genannt wird, ist eine Stadt mit vielen ganz besonderen Charakterzügen, die sie sehr attraktiv für uns machte. 

Mit ihren knapp 600.000 Einwohnern wirkt Portland grösser, als es eigentlich ist. Es kann daran liegen, dass es hier so unendlich viele Autos gibt, die hinein, heraus und durch die Stadt fahren und über den Willamette River über die nicht weniger als acht Brücken und die unendlich vielen Autobahnen, die kreuz und quer verlaufen. Man sollte eigentlich glauben, dass man sich von den Motorgeräuschen und Verkehr gestört fühlen könnte, wenn man sich durch die Innenstadt bewegt. Aber so war es nicht, während wir dort unterwegs waren. Es war an einem Sonntag Nachmittag, aber trotzdem waren die Geschäfte, Cafés und Restaurants offen und die Innenstadt wirkt nicht ausgestorben. Wie in so vielen anderen gut funktionierten amerikanischen Grosstädten wird der Verkehr durch einige “Hauptadern” geleitet, so dass man relativ schnell voran und auch durchkommt, wenn man das muss. Aber auch in die Innenstadt kann man leicht gelangen. Diese Umverteilung bewirkt, dass der Grossteil des Verkehrs an den engen Strassen der Innenstadt vorbeigeleitet und so der Verkehr dort verringert wird. 

Eigentlich sollte man meinen, dass Portland, wie so viele andere amerikanischen Städte als eine Art von “Modellstadt” angelegt worden ist. Es hat alle diese langen und rechtwinkligen Strassen, die man aus so vielen anderen amerikanischen Städten kennt. Lange Promenaden am Wasser entlang, futuristische Brückenkonstruktionen und eine fanatische Mischung aus alten viktorianischen Steingebäuden und super moderne Wolkenkratzern aus Glas, Stahl und Beton. Mit anderen Worten: Ein bisschen was von allem! Wir haben die Stunden genossen, die wir zu Fuss die Stadt erkundeten. Das einzig Negative, das uns aufgefallen ist, ist der krasse Kontrast zwischen den “wohlhabenden” Stadtteilen, die neben den ärmeren liegen und man dort viele Obdachlose sehen kann. Wir kennen das nicht nur aus Portland. Wir haben es mittlerweile an vielen anderen Orten erlebt. 

Der absolute Höhepunkt in Portland war das “Oregon Museum of Science and Industry”. Es liegt am Willamette River und hat eine spannende Aussicht über einige der vielen Brücken. Hier können Kinder jeden Alters in den erdenklichsten wissenschaftlichen Bereiche Amok laufen. Roboter, Erdbebensimulatoren Staudammbau, Windturbinen und so vieles, vieles mehr. Man kann es gut mit dem “Eksperimentarium” in Kopenhagen oder die wissenschaftliche Abteilung im Deutschen Museum in München vergleichen. Es gab auch eine Abteilung mit Geschichtswissenschaften, eine mit Naturwissenschaften und dann Antons Höhepunkt: Ein “wissenschaftliches” Spielland, wo er mit Sand, Wasser und vielem mehr viele Stunden spielen konnte. Das Resultat war, überraschenderweise: ein sehr nasser Junge mit Taschen voller Sand!

Nach Portland fuhren wir an die Küste und begonnen dort unsere Tour entlang der Westküste. Der Highway 101 geht fast ganz entlang der Küste bis nach Los Angeles und wenn dieser in das Landesinnere abzweigt, dann muss man einfach auf den Highway 1 wechseln. In Kalifornien wird es dann so sein. Den Highway 1 kennt jeder! Es ist genau dieser, der immer gezeigt wird, wenn man Bilder mit Cadillacs Cabrios, Sonnenbrillen, Wind in den Haaren und Sonnenuntergang über dem Meer am Horizont sieht. Wir “cruisen” nur in einem ganz normalen, manche würden sagen einen traurigen und langweiligen, geschlossen Ford Fusion durch die Gegend. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir trotzdem eine schöne Tour durch Malibu und Santa Barbara haben werden!

An unserem Weg entlang der Westküste Oregons am Highway 101 hielten wir am Cannon Beach an. Wir haben bereits bisschen was von dem “Haystack Rock” gelesen, der als grosse Klippe einige hundert Meter entfernt von der Küste liegt und tatsächlich einen Heuhaufen ähnelt. Das faszinierende daran ist, dass man bei Ebbe dorthin zu Fuss gehen kann. In dieser Jahreszeit ist dieser Zeitpunkt nach Einbruch der Dunkelheit oder sehr zeitig am Morgen, wenn es gerade so ein bisschen hell wird. Keiner dieser Zeitpunkte passte so wirklich in unseren normalen Tagesablauf, so mussten wir mit einem Spaziergang unter Tags an einem windigen Strand vorlieb nehmen. Trotzdem haben wir viele Fotos vom “Heuhaufen” geschossen und haben den Vormittag genossen.

In Cannon Beach hatten wir das Glück und konnten auf Grund der Nebensaison einen guten Handel bei einer Übernachtung mit einem Häuschen in der Ortsmitte machen. Es gab einen Kamin, Jacuzzi, Flachbildschirm, eine vollausgestattet Küche u.v.m. Nicht wirklich spartanisch eingerichtet! Wenn man ausserhalb der Saison kommt, kann man echt vernünftige Preise erhalten. Wir assen Pizza und sahen uns zusammen einen Zeichentrickfilm an, während das Feuer im Kamin knisterte und es draussen in Strömen regnete. 

Am nächsten Tag erkundeten wir das Dorf. Eine schöne, kleine Oase und ganz sicher im Sommer total überlaufen. Aber jetzt im Dezember war es entspannt und ruhig. Viele der Häuser im Ort sind historisch und im fantastisch gepflegten Zustand. Die Hauptstrasse war für Weihnachten wunderbar geschmückt. Da fehlte nur noch ein halber Meter Schnee! Und dann würde man sich wie an einem Ort in den Alpen fühlen!

Weiter an der Küste Oregons kam als nächste Stadt Newport. Eine wichtige Fischerstadt mit einem historischen Hafen. Hier stehen viele alte Holzhäuser aus dem vorherigen Jahrhundert, die noch immer im Gebrauch sind und die lokalen Firmen der Fischindustrie beherbergen. Es fällt einem nicht schwer sich vorzustellen, wie es hier vor 100 Jahren ausgesehen hat. Die Schiffe liegen immer noch im Hafen verankert, die gereinigten Fischernetze hängen in der Sonne zum trocknen und grosse Scharen von Möwen warten nur darauf sich ihren Anteil am Fischabfall zu stehlen. Hier befinden sich auch viele Fischrestaurants. Ich kann nicht gerade sagen, dass ich ein grosser Fischfan bin, aber ich musste mich wohl Alexandras insistierenden Wunsch beugen und zu mindestens etwas probieren. Wenigstens ein bisschen was! Ich liess mich zu einer kleinen Schüssel “Seafood Chowder” überreden, eine dicke, cremige Suppe. Zu meinem Glück schmeckte es nicht besonders nach Fisch und ich ass alles auf und musste danach zugeben, dass es ein gutes gastronomisches Erlebnis war. 

Ein bisschen ausserhalb von Newport liegt der Yaquina Head Leuchtturm. Ein alter Leuchtturm mit einer unglaublichen Aussicht über die Küste. Auf den Weg dorthin kommt man an einer kleinen Lagune vorbei, die teilweise künstlich angelegt worden ist, um Roben, Seevögeln und viele andere Meerestiere einen Schutz vor dem Meer zu geben. Hier mussten wir einfach die spielenden Roben beobachten, die sich im Wasser tummelten oder faul in der Sonne lagen, um sich aufzuwärmen. 

Die Strände entlang der Küste Oregons sind wirklich etwas besonderes. Sie sind fast endlos! Wenn man auf dem Highway 101 fährt, kann man viele Kilometer entlang der Küste sehen. Grandiose Sandstrände und enorme Dünen! Die Dünen selber sind eine Attraktion! Es werden Adrenalintouren in Allrad Sandscootern angeboten. Rauf und runter, über gewaltige Dünen, die mittlerweile ganz schön befahren und steil sind. Das haben wir nicht ausprobiert. Anton konnte sich noch gut an die Sanddünen im Norden von Neuseeland erinnern, die wir mit Sandboards herunter gedüst sind. Er war ziemlich enttäuscht, dass wir das nicht wieder machen konnten. Aber das ging einfach nicht. Zu dem war es auch noch frostig und der Boden gefroren. Er konnte schwer mit dieser Enttäuschung umgehen, unser kleiner Abenteurer!

Wir wohnen in vergleichsweise günstigen Hotels in den USA und buchen diese über eine Smartphone App. Das geht schnell und gibt und einen guten Überblick über die günstigsten und besten Übernachtungsmöglichkeiten. Oft bestellen wir nur einige Minuten vorher. Schlau! In den meisten Zimmern ist eine Kaffeemaschine, eine Mikrowelle und ein Kühlschrank. Das ist sehr wichtig für uns! Selbst wenn oft das Frühstück inklusive ist, so ist das Frühstücksangebot nicht das beste und es macht nur eine Stunde satt. Und das geht wirklich nicht! Wir haben uns unsere eigene Box zugelegt, in der sich die unterschiedlichsten Frühstücksprodukte, wie Müsli, Obst und Milch befindet. So haben wir eine ordentlich Grundlage, ohne dass zu viel Zucker zugesetzt ist, der auch nicht wirklich gut für einen ist. Wenn es Brot am Frühstücksbuffet gibt, dann ist es nur dieses weisse und luftige, vollkommen ohne Nahrungsstoffe. Meistens werden sogar nur Muffins oder fertig gemischte Haferflocken angeboten, die man nur noch mit warmen Wasser vermischen muss. Das ist dann 50/50. 50% Haferflocken und 50% Zucker- und Zusatzstoffe. Nicht einmal Anton kann diese Mischung leiden. Er ist an seinen ungesüssten Haferbrei mit einer Banane gewöhnt. An vielen Orten gibt es auch ein Waffeleisen und man muss nur den Teig aus einen Automaten “zapfen” und dann in das Eisen geben. Man kann davon ausgehen, dass das nur Mehl und Zucker zusammengerührt mit Stärke ist. Nach ein paar Minuten in der warmen Form kann man dann die frischgebackene Waffel mit Ahornsirup versüssen. Oder wohl eher eine Zuckerglucose Mischung mit Farbe und Ahornsirupgeschmack. Da soll man sich nicht wundern, dass man Fastfood überall finden kann. Die Amerikaner müssen doch eigentlich die ganze Zeit hungrig sein, wenn sie nie etwas “richtiges” essen. Für die meisten ist es tatsächlich nicht so leicht eine gesunde Alternative zu finden, da sie es nicht gewöhnt sind zu hinterfragen, was sie sich in den Mund schieben. Wie schon mal geschrieben, gibt es eine reiche Auswahl an guten qualitativen Lebensmitteln, sowohl in den Supermärkten als auch auf den Märkten. Aber viele Amerikanern kennen einfach nur Junkfood! Das ist wirklich sehr traurig!

Oregon grenzt an Kalifornien und dort, wo sich die beiden Staaten treffen, beginnt der  Redwood National Park. Der Ort, an dem die höchsten Bäume der Welt stehen. Diese wollte ich schon immer sehen. Vielleicht auch umarmen...Dazu mehr in meinen nächsten Blog!

Hier klicken, um die Bilder entlang der Küste zu sehen!

/Anders

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