Jetlag! Hat es uns doch noch erwischt! Jetzt sind wir bereits über zehn Monate unterwegs und rund um die Erde in eine Richtung gereist. Bis jetzt haben wir noch kein richtiges Jetlag kennengelernt. Der Grund dafür ist, dass wir zu den richtigen Zeitpunkten unter Tags geflogen und zu einigermassen “menschlichen” Uhrzeiten angekommen sind. Wir konnten uns so an einen normalen Tagesablauf halten und der Körper konnte sich ohne grosse Probleme anpassen. Und dann kam der Flug von New York nach Dublin! Dieser war am Abend und dauerte zudem nur 5,5 Stunden. Erschwerend kam hinzu, dass der Zeitunterschied zwischen Irland und New York nur fünf Stunden beträgt und wir um 7:00 Uhr in der Früh angekommen sind. Wir konnten auch nicht richtig während des Fluges schlafen, dazu war er einfach zu kurz und wir konnten nicht zur Ruhe kommen. Das Jetlag holte uns ein und wir mussten uns zu einem kleinen Nachmittagsschlaf im Hotel in Dublin hinlegen. Keine gute Idee! Wir konnten daraufhin nicht in der Nacht schlafen. Ein wahrer Teufelskreis! Jetzt sind wir bereits eine Woche in Irland und ganz langsam weicht die Müdigkeit aus unseren Körper. Wenn man in Betracht zieht, wie lange wir schon unterwegs sind, ist es dann nicht so wirklich schlimm! Es hätte noch schlimmer sein können!

Wir waren schon mal in Irland. Alexandra war vor einigen Jahren zum Studium hier und kennt somit das Land ziemlich gut. Unser erster Ausflug führte uns in den Norden. Nach Nordirland. Ein Land, von dem ich eigentlich immer nur in den Nachrichten gehört habe, wenn es Kämpfe zwischen den Protestanten und Katholiken gab. Bomben, Mord und hohe Mauern mit Stacheldraht. IRA. Es gab viele traurige Überschriften all die Jahre, aber momentan sieht es nach Frieden und Harmonie aus. 

Bevor wir von Dublin los starten konnten, mussten wir erst die Herausforderung bewältigen eine Auto auszuleihen. Wie auch in den USA ist der Gewinn der Autovermietungen so strukturiert, dass sie von den Extraservice, den sie Kunden andrehen wollen, wie z.B. einen Kinderstuhl, GPS und dann noch eine Versicherung zu unglaublichen Preisen, profitieren. Wir haben allerdings schon von zu Hause eine Reiseversicherung abgeschlossen, die wirklich alles abdeckt. Aber wie auch schon überall,  mussten wir auch diesmal lang und breit erklären, warum wir nicht daran interessiert sind eine zusätzliche Versicherung abzuschliessen, die uns pro Tag Mehrkosten zu 400% verursacht hätte. Die erste Firma, die ansonsten ein gutes Angebot über das Internet hatte, wollte uns überhaupt nicht ohne die zusätzliche teuere Versicherung fahren lassen. Wir holten uns erneut Angebote ein und konnte schliesslich mit einem Ford Focus, ausgeliehen von einem Konkurrenzanbieter, losfahren. Ich habe es schon mal gesagt und wiederhole es gerne, dass man sich wirklich gut informieren sollte, bevor man auf ein Angebot direkt bei der Abholung eingeht. Denn meist ist man genau zu diesem Zeitpunkt nur müde, ist von einem Haufen Gepäck umgeben und will eigentlich nur noch ins Hotel und schlafen. Ein üblicher guter Trick ist, dass die Anzahl der Gepäckstücke betrachtet werden und einem sofort als Standard ein Upgrade zu einem grösseren Auto angeboten wird. Natürlich zu einem “besonders” günstigen Preis! 

Bis jetzt haben wir jedes Mal alle gut gemeinten Angebote abgelehnt und jedes Mal haben wir als Reaktion darauf eine beleidigte Mine und eine etwas verächtliche Behandlung kassiert und uns wurde so mehr oder weniger der Autoschlüssel hingepfeffert und mit dem Hinweis, wo wir unser Auto abholen können. Jedes Mal der selbe Zirkus! Also gehe ich davon aus, dass es weltweit ein einheitliches Training für Mitarbeiter der Autovermietungen gibt, wenn es sich um den Verkauf von Extraleistungen und das Missglücken geht. Traurig!

Alles ging in Ordnung und wir konnten mit unserem Ford in Richtung Belfast, Nordirland aufbrechen. Die Fahrt in Richtung Norden ist ausgesprochen schön und man erkennt bald, dass Irland nicht zufällig den Beinamen "Die Grüne Insel" erhalten hat. Hier ist es wirklich sehr grün! Sehr oft ein wirklich intensives Grün! Und obwohl es Winter ist und kein grünes Blatt an den Bäumen ist. Unterwegs trafen wir natürlich auch auf die typischen Regenschauer. Trotz dieses Wetters dauerte die Fahrt nur ein paar Stunden. Nachdem wir in Australien, Neuseeland und USA unterwegs waren, ist es mal ganz schön, dass man wirklich innerhalb einer kurzen Zeit weit vorankommt.  

Man merkt nicht, dass man in ein anders Land fährt. Wir sahen nur ein Schild, dass darauf hinwiess, dass man sich jetzt in Nordirland, ein Teil Grossbritaniens, befindet. Alle Strassen in Irland haben gemeinsam, dass sie wesentlich schmäler sind, als man es angenehm finden könnte. Oft bewegen sich die Geschwindigkeitsangaben zwischen 80 und 100 km/h, auch auf kurvigen Landstrassen, wo die Autos so gerade an einander vorbeikommen. Ich habe noch keine Polizei gesehen, die am Wegesrand die Geschwindigkeit überprüft. Es regelt sich anscheinend von selbst...

Leider regnete es während unserer ganzen Zeit in Belfast. Einerseits natürlich sehr schade, da man dann nicht wirklich Lust hat die Stadt zu Fuss zu erkunden. Andererseits das perfekt Wetter für einen Museumsbesuch.  

Wir wollten unbedingt in das Titanic Belfast Museum, welches vor gut fünf Jahren im alten Dock am Belfast Hafen eröffnete. Hier hat man eine ausserordentlich spannende und mitreissende Ausstellung über das Leben in Belfast um den Zeitpunkt des Baus der Titanic zusammengestellt. Man konnte einen sehr guten Einblick in das damalige Arbeiterleben, die Machtspiele der Oberklasse und Belfasts Platz auf der Weltkarte usw erhalten. Ein ansonsten etwas trockener Stoff, aber hier wurde es gemeistert ihn spannend zu vermitteln. Auch mit Hilfe von modernen, interaktiven Medien. Dazu gab es natürlich auch noch die Geschichte des Baus und Ausstattung des damaligen grössten Luxusliners. Auch wie die Jungfernfahrt endete und somit deren letzte Fahrt. Mir war eigentlich nie so wirklich bewusst, dass die Titanic in Belfast gebaut worden ist und daher ist es nur natürlich, dass es hier eine Ausstellung darüber gibt. Wir hielten uns viele Stunden in dem Museum auf und ich kann nur empfehlen es zu besuchen, wenn man in Belfast sein sollte. Es ist einen Besuch wert!

Der nächste Stop in Nordirland wurde Portrush an der Nordküste. Eine richtige typische und gemütliche Küstenstadt. Ein bisschen windig momentan, aber in der Sommersaison garantiert ein attraktiver Urlaubsort. Mitten im Februar ist verständlicherweise nicht so viel los, aber ganz so tot war es dann doch nicht. Wir gingen an der der Strandpromenade entlang und konnten sehen, dass gerade diese wieder in Stand gesetzt wird, nachdem hier erst neulich ein Wintersturm getobt hatte. Wir kamen in einen kleinen, gemütlichen Stadthotel mit einem Pub, der gute und gediegene Hausmannskost zu annehmbaren Preisen servierte, unter. Nach so vielen Monaten in seelenlosen, anonymen Kettenhotels in den USA ist es zur Abwechslung mal schön in ein Hotel einzuchecken, in dem man sofort fühlt, dass man persönlich stolz und froh ist, Gäste am Empfang zu begrüssen. Die Treppen und Gänge in dem alten und verwinkelten Haus waren schief und der Boden quietschte. Alles war sauber und schön und wir hatten alles, was wir brauchten. 

Am nächsten Morgen fuhren wir die letzten Kilometer zum Giant´s Causeway. Ein spektakuläres Naturphänomen, das aus fünfeckigen Klippenformationen, die in grossen Haufen zusammenstehen. Es sah wirklich sehr merkwürdig aus und man könnte fast glauben, dass es von Menschenhand geschaffen worden ist. Es gibt viele Legenden über die Entstehung, die etwas mit Giganten und übernatürlichen Kräften zu tun haben. Ein sehr schöner Ort! Ein bisschen ungewöhnlich für dieses Jahreszeit, aber wir hatten Glück mit dem Wetter und konnten auch vereinzelt die Sonne sehen. Es war sogar ein wenig windstill, aber nach zehn Monaten Weltreise haben wir es gelernt uns für jede Gelegenheit anzuziehen und hatten dementsprechende Schichten an. Es hat uns sehr beeindruckt auf diesen seltsamen Klippen zu stehen, die ein bisschen so aussehen, als wäre hier das Ende der Welt. Diese Farben, dieses Licht und der Geruch von Meerwasser in der Luft. Die riesigen Wellen schlugen konstant an die Küste. Am Himmel über uns hangen dicke dunkle Wolken und ein Wolkenbruch, der jederzeit niedergehen konnte. Ein ausserordentlich dramatischer Anblick! Das Wetter hielt und es gab keinen Regen, erst als wir bereits auf der Landstrasse nach Westport unterwegs waren.

Hier kamen wir zur Abendessenszeit an. In unserem Bed & Breakfast gab es keine Küche, so wurden uns die Restaurants und Pubs in der Innenstadt empfohlen. Westport ist auch ein Urlaubsort, so waren im Februar, ausserhalb der Feriensaison, die meisten Lokale geschlossen. Ein italienisches Restaurant, das uns am besten gefallen hat, hatte leider keinen Platz für uns. So wurde es nur eine etwas pappige Pizza in einem Fastfood Restaurant, bevor wir wieder zu unserem Bed & Breakfast fuhren. Wieder hatten wir Glück  und hatten die richtige Wahl mit unserer Übernachtung getroffen. Ein richtig gemütliches altes Haus. Restauriert mit Respekt für das ursprüngliche Gebäude. Der Besitzer nahm seinen Job auch sehr ernst und versuchte unseren Aufenthalt angenehm zu machen. Und er war es! Nach so vielen Monaten unterwegs in den USA mit einem “leeren” Frühstück (Zucker und Kohlenhydrate in unglaublichen Mengen) ist es schön mal ein Frühstück zu sich zu nehmen, das lange bis den Nachmittag hält, anstatt wie in den USA gleich um 10:00 Uhr (40 Minuten nachdem wir vom Frühstück aufgestanden sind) wieder hungrig zu sein. Wir hatten oft unser eigenes Frühstück mit dabei, aber immer war das nicht möglich. Hier in Irland ist das nicht notwendig!

Jetzt sind wir in Renvyle an der Westküste angekommen. Eine raues und brutales Gebiet, in dem sich die Natur durchgesetzt hat und die Menschen sich angepasst haben. Wir haben zusammen mit Alexandras Schwester ein gemütliches Cottage mit Aussicht über die Küste und Berge gemietet. Hier bleiben wir die nächste Woche mit drei Kindern im Alter von sieben Monaten bis knapp vier Jahre (Anton ist der Älteste), Alexandras Schwester (Anton hat sie "Tante Lilla" getauft), Alexandras Mutter und dann Alexandra und ich. Anton und sein Cousin Benjamin haben sich über ein Jahr nicht gesehen und es wird spannend werden, wie die beiden sich verstehen werden. Glücklicherweise ist unser Cottage gross und es gibt reichlich Platz und Zimmer, wo sich beide austoben können. Wir Erwachsene versuchen den Lärm der Kinder auszublenden, damit der Alltag für uns alle angenehm wird. Es ist schön zu sehen, dass die zwei zusammen spielen können, fast ohne sich zu streiten. Wir hatten natürlich auch Episoden, wo nur das einzige orange Flugzeug das Spielzeug war, mit dem alle beide gleichzeitig spielen wollten. Und jede Alternative wurde abgelehnt. Aber so sind nun mal Kinder in diesem Alter. Im Allgemeinen funktioniert es ganz gut und sie haben Spass miteinander. Es ist schön zu sehen nach so vielen Monaten nur mit sporadischen Spielkameraden, dass Anton jemanden Gleichaltrigen hat, mit dem der von morgens bis abends lachen und spielen kann. Auch in der Zukunft werden die beiden viel Spass miteinander haben. 

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/Anders

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