Auf unseren Plan war es eigentlich nicht, dass wir Grosstädte auf unserer Weltreise einen Besuch abstatten wollten. Aber New York war dennoch mit auf unserer Liste, da wir gerne es zusammen mit Anton entdecken wollten. 

Aber sind solche Städte überhaupt für Kinder geeignet? Es ist gut möglich, dass viele Grosstädte nicht besonders kinderfreundlich sind, aber New York ist so ganz anders und so eine Andersartigkeit ist schon toll zu erleben. Hier kann man wirklich Abenteuer erleben, fast überall! Ein Abenteuer für die ganze Familie, lustige und interessante.

Man muss sich als allererstes darüber klar sein, dass New York nicht besonders repräsentativ für den Rest der USA ist. Man kann einfach nicht New York mit dem Rest des Landes vergleichen. Es ist eine Welt für sich! Alles, wie im Rest des Landes, ist extrem! Und die Kontraste sind nicht weniger kravierend. Und dann hören auch schon die Gemeinsamkeiten auf. New York vereint historische Gebäude, Stadtkultur, Reichtum und Armut. Unglaubliches Reichtum! Und gleich daneben unfassbare Armut! New York ist eine internationale Stadt, und dass nicht nur, weil viele Touristen auf Besuch kommen. Hier gibt es Little India, Little Italy und Chinatown. Hier sprechen die Leute ihre eigene Sprache und  in manchen Stadtteilen fühlt man sich so, als würde man ein anderes Land betreten. Und das alles gleich um die Ecke! Wirklich faszinierend! Plötzlich sind die Schilder, der Kleidungsstil und die Hausfassaden, wie von einer anderen Welt. Das Word “Multikulturell” hat hier eine ganz andere Bedeutung als in Europa. Obwohl sich die gesamte Landmasse Manhattans nur auf 59,5 km2  beschränkt, findet hier die ganze Welt ihren Platz. Hier ist auch Platz, wenn man keine Fremdsprache beherrscht. Hier wird man nicht schräg angesehen, wenn man anders aussieht, sich anders verhält oder ganz anders lebt. Hier ist Platz für alles und jeden!

Die Wolkenkratzer auf Manhattan haben mich schon immer fasziniert. Viele davon sind schon über 100 Jahre alt. Wieder ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es erlaubt ist, oder erwartet wird, dass man gross in den USA denken kann. Sehr gross! Vor 100 Jahren wurde hier schon begonnen hoch zu bauen, da hat man in Kopenhagen oder München noch nicht einmal daran gedacht. Glockentürme zählen da nicht! Es ist schon was besonders, wenn man ganz oben auf dem Empire State Building oder Rockefeller Plaza steht, die beiden übrigens in den 1930igern während der grossen Depression erbaut worden sind. Nach meiner Ansicht kann man das nur hier erleben! Und wir waren oft sehr weit oben gestanden auf unserer Reise, wie in Bangkok, Sydney, Melbourne und Seattle. Alle wirklich super und imponierend! Aber New York von oben zu sehen, ist ein Tick imponierender! Es ist so komprimiert! Man blickt 80-100 Stockwerke auf die Strasse herunter. Innerhalb von einem Umkreis von einigen hundert Metern, findet man alles, was man benötigt. Zu allen Tages- und Nachtzeiten! Die gelben Taxis schlängeln sich durch den dichten Verkehr. Selbst ganz oben kann man noch das ferne Huben hören. Das Ganze wird nur noch von den Sirenen der ausrückenden Feuerwehr übertönt. An einem Abend standen wir oben auf dem Rockefeller Plaza und konnten auf die Millionen von Lichtern blicken. Die Wolkenkratzer erinnerten mich ein bisschen an gigantische Weihnachtsbäume und das Empire State Building war an diesen Tag in rot und grün beleuchtet. Anton war ganz ausser sich, wie “cool” es hier war! Wir wurden alle ganz leise und standen nur dort und bewunderten die Aussicht!

Wir wohnen 28. Strasse Ost. Im Mitten von allem! Man kann zu Fuss in 15 Minuten an der Grand Central Station, am Empire State Building und am Times Square sein. Eine der allerersten Sachen, die wir immer in einer neuen Stadt herauszufinden versuchen, ist wie die öffentlichen Verkehrsmittel funktionieren. In New York ist das die U-Bahn, die New Yorker Subway. Eine Welt für sich alleine. Hier unter der Stadt kommt man in Kontakt mit allen möglichen Menschen, arm und reich. Man sitzt Seite an Seite in den vollen Zügen. Immer musizieren Musiker, die davon träumen entdeckt zu werden und Geld für ihre Konzerte am Bahnsteig oder in der U-Bahn sammeln in Form von “Dimes” und “Quarters”. Einige erbarmen sich und werfen sogar einen ganzen Dollarschein in den Gitarrenkasten auf dem Boden. Man muss echt sagen, dass es einige mit einem gewissen Talent gibt. In den endlos langen Untergrundsgängen unter der Metropole kann man auf ausserordentlich begabte Künstler treffen. Mehre Male sind wir stehen geblieben, um zu zuhören und zu zusehen. Einfach den Augenblick geniessen, wenn man einen guten Musiker hört oder einen guten Künstler sieht. Wenn aus vielen nichts wird, liegt es nur daran, dass ihnen das nötige Glück fehlt. Ich habe berühmte Menschen im Fernsehen gesehen, die wesentlich weniger Talent haben. Aber so ist es mit so vielen!

Wir gehen viel zu Fuss! Sehr viel! Meine Schwester, die aus Dänemark zu uns geflogen ist, kommt auch gut zu ihrer Portion an Bewegung. Zum Glück geht sie gerne spazieren, auch wenn es auch ihr an einigen Tagen ein bisschen zu viel war. Man merkt gar nicht, wie lange man unterwegs ist, weil man immer wieder auf etwas neues und spannendes stösst, sobald man um die Ecke geht. Anton geniesst es sehr Besuch zu haben. Wir, als seine Eltern, haben nicht immer die spannendsten Ideen zur täglichen Unterhaltung, dann ist es natürlich gut, wenn die Tante mit neuen und anderen Sachen aufwarten kann. 

Wir haben einen Spaziergang durch den Central Park unternommen, aber leider waren der Grossteil der spannenden und einladenden Spielplätze geschlossen. Glücklicherweise fanden wir einen der offen war. In den enormen Park, der an die 3,4 km2  Manhattans Fläche bedeckt, konnten wir während unseres Spazierganges viele der ikonischen Gebäude der Upper West Side bewundern. Dort wohnen die Reichen und Berühmten. Das San Remo und nicht minder das Dakota Gebäude, in dem John Lennon wohnte und vor diesem auch erschossen worden ist. Wir sahen leider keine Prominenten, ausser einer Schauspielerin aus einer neueren TV Serie. Wenn man auf “Sterne-Jagd” aus ist, ist dies der richtige Stadtteil. 

In der Zeit von ca. 1870 bis 1950 kamen viele Immigranten in die USA. New York war die die Schwelle in ein grosses, weites Land. Auf Ellis Island konnten wir die Hallen sehen, in der täglich tausende Flüchtlinge aus Europa in Empfang genommen worden sind. Flüchtlinge, die im Durchschnitt zehn Tag über den Atlantik gebraucht, viel für ihr Ticket bezahlt haben, in der Hoffnung auf ein neues und besseres Leben. Es wird geschätzt, dass an die 100 Millionen der 317 Millionen Einwohner USAs Vorfahren haben, die durch diese Gebäude geschleust worden sind. Ein Drittel der Bevölkerung des Landes! Bevor sie auf Ellis Island an Land gingen, segelten sie an der Freiheitsstatue vorbei, die am Ende des 18. Jahrhunderts als Symbol für eine freie Welt am Hafen New Yorks aufgestellt worden ist. Ich habe immer gedacht, dass die Freiheitsstatue eigentlich klein ist, aber nahe war ich noch nie. Sie ist allerdings doch sehr hoch! 46 m hoch, dass ist 10% höher als der Rundeturm in Kopenhagen und dieser misst 41,5 m. Nicht viel höher, aber sie wirkt grösser! Der Rundeturm steht in der Stadtmitte, in Mitten aller Gebäude, so dass man nicht die eigentlich Höhe so richtig erkennen kann. Die Freiheitsstatue steht für sich alleine, auf einen Sockel und blickt über den Hafen und die Manhattans Skyline im Hintergrund. Leider konnten wir nicht nach oben in die Krone, obwohl sie geöffnet war. Aus Sicherheitsgründen ist die Anzahl der täglichen Besucher begrenzt und man muss die Tickets lange im Voraus bestellen. Aber auch egal! So mussten wir uns damit begnügen um sie herum zu gehen und konnten die japanischen Touristen betrachten, die sich gegenseitig mit der rechten Arm in die Luft geregt fotografiert liessen. Die Aussicht von Liberty Island in Richtung Manhattan ist kaum zu übertrumpfen! 

Das selbe gilt auch für Brooklyn. Wir überquerten natürlich die Brooklyn Bridge, um auf die andere Seite zu kommen, um von dort die Aussicht über die Stadt zu geniessen. Wir wählten einen schönen und klaren Sonnentag für diesen Ausflug. Der Preis dafür war leider ein beissend kalter Wind. Es tat richtig im Gesicht weh! Nur einen kurzer Abstecher an die Brooklyn Heights Promenade, um das obligatorische Bild zu machen und dann suchten wir Zuflucht in einem warmen Café! Der Einsatz war es wert, da man unbedingt Bilder von der Manhattans Skyline und der Brooklyn Bridge haben muss! Man muss auch alle markanten Gebäude auf den Brooklyn Heights sehen und erleben. Die historischen Häuser, die sich hier befinden, sind bestimmt auch nicht ganz billig. Ein klassisches Reihenhaus am Ende des 18. Jahrhunderts gebaut und dekoriert. Die meisten sind Einfamilienhäuser. Es gibt nichts besseres! Ich will überhaupt nicht darüber nachdenken, was so ein Haus heute wert ist!

Wie wir in New York im Oktober 2008 waren, hatte man mit dem Bau des neuen World Trade Center begonnen. Neben dem alten Gebäude ragt es in die Höhe und hier befindet sich auch eine Gedenkstätte für die Tausenden, die am 11. September 2001 ihr Leben lassen mussten. Es hat uns alle tief berührt hier zu stehen und die eingravierenden Name der Opfer zu lesen. Andererseits ragen die neuen Türme in die Höhe als Symbol der Unzerstörbarkeit und dass das Leben weitergehen muss. Die neuen Türme sind echt toll! Es wird noch einige Zeit ins Land ziehen, bevor der Ground Zero keine Baustelle mehr und wieder ein Umschlagplatz für den internationalen Handel ist. Bereits jetzt kann man erkennen, dass das neue World Trade Center noch imponierender als das alte wird. “Wenn es schon so sein muss...” - scheint das Motto zu sein...

New York ist der Abschluss unseres 90 tägigen Aufenthalt in den USA. Und was für ein Finale! Ich könnte einige Wochen, ja auch Monate, gebrauchen, um diese Stadt ganz langsam genau zu erforschen. Was mich wirklich fasziniert, dass es so viel Geschichte in dieser Grosstadt gibt. Einwanderer machen natürlich einen Grossteil dieser aus. Aber auch grosse visionäre Persönlichkeiten, wie John D. Rockefeller Jr., Cornelius Vanderbilt und auch die Astor Familie haben ihren Teil dazu beigetragen aus New York City das zu machen, was es jetzt ist. Einige der grössten und wichtigsten Industriekonglomerate haben sich in Goldgruben oder Katastrophen für Geschäftsleute auf der Wall Street verwandelt. Der Börsenkrach im Oktober 1929 führte zu der grossen Depression in den 1930 iger Jahren. Dieser hatte nicht nur einen Einfluss auf New York, aber auf den Rest der Welt. Auch heutzutage wird genau beobachtet, was hier an der Börse passiert, da es Auswirkungen auf den Rest der Welt hat. 

Am Broadway laufen die grössten Musical- und Theaterstücke. Pop- und Rockkonzerte sind hier grösser als irgendwo anders. Keiner der grossen Namen lässt es sich entgehen in New York auf einer Welttournee aufzutreten. Weltstars aus der Sport, Musik und TV Branchen kommen nach New York um gesehen zu werden. Hierher kommen die Stars um mit den anderen Stars zusammen zu sein. Und wenn man es geschafft hat in New York ein Star zu sein, dann ist das gleichbedeutend, dass man weltweit einer ist. New York ist ein Kaliber für sich selbst!

Das war bereits unser zweiter gemeinsamer Besuch. Und wie das letzte Mal konnten wir nicht alles schaffen. Ich wollte nämlich auch gerne Sache wiederholen, die mir beim letzten Mal gut gefallen haben. Wie z.Bsp. ein Spaziergang durch den Central Park, oder die Fifth Avenue entlang. Dieses Mal schafften wir es dagegen mehr von Brooklyn zu sehen und wir waren auf Liberty und Ellis Island. Leider schafften wir es nicht nach Harlem, Bronx oder SoHo. Besonders mit einem Kind muss man alles ein bisschen langsamer angehen. Daher war es gut, dass wir uns eine Wohnung gemietet hatten, wo wir ganz für uns sein und alles genau nach Lust und Laune machen konnten. Entspannt auf der Coach liegen, fernsehen und alle Eindrücke in Ruhe verdauen konnten. Oder einfach mit Anton spielen.

Nein, wir mussten einfach einsehen, dass man mehre Male New York besuchen muss. Es ist alles so konzentriert, dass man nicht alles auf einmal in kurzer Zeit sehen kann. Wir kommen zurück...nochmals...nochmals und nochmals...

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/Anders

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