Wir haben uns von der Nordinsel verabschiedet und sind mit der Fähre von Wellington aus auf die Südinsel, wo wir unsere restliche Zeit in Neuseeland verbringen werden. 

Wann war eigentlich das letzte Mal, dass ich eine Fähre genommen habe? Daran kann ich mich kaum noch erinnern. Während meiner Kindheit in Dänemark war das Übersetzen mit einer Fähre ein ganz normaler Bestandteil der Ferien. Da meine ganze Familie in Jütland wohnte, liess es sich nicht vermeiden, diese zu nehmen, wenn wir mit ihnen die Ferien verbringen wollten. Die Tradition war, dass es schlechten Kaffee am Grossen Belt (Meeresstrasse zwischen den dänischen Inseln Fünen im Westen und Seeland im Osten) und alte Mohnsemmeln mit Danbo Käse und ein Paar Scheiben Roggenbrot gab. Alles natürlich zu überteuerten Preisen. Mickey Maus Hefte, Kartenspiele, wie Canasta und Rommie ohne Ende, gehörten genauso dazu bis wir auf der anderen Seite in Nyborg, Århus oder Ebeltoft angekommen waren, um von dort dann weiterfahren zu können. Und jetzt sollten wir wieder an Bord einer Fähre und ich tische jetzt keine Lüge auf, wenn ich sage, dass genau diese in Aalborgs Schiffswerft 1983 gebaut worden ist. Welch ein Zufall! Ich bin gleich ganz nostalgisch geworden!

Unsere erste Station auf der Südinsel wurde Nelson, die Hauptstadt im nördlichen Teil. Alexandra hat in unserem Reiseführer gelesen, dass es dort ein kleines und sehr gemütliches Hostel geben soll, The Shortbread Cottage, mit nur Platz für 13 übernachtende Gäste. Ein lauschiges Häuschen mit Kaminfeuer und jeden Abend wird Brot frisch selbstgebacken. Darüber hinaus stand dort, dass man besser lange vorher eine Reservierung machen sollte, aber das galt wohl nur für die Hauptsaison im Sommer. Wir sind also auf gut Glück hingefahren und bekamen das einziges Doppelzimmer. Wir richteten Anton sein eigenes kleines Bettchen aus Matratzen aus unserem Campervan auf dem Boden ein. Am nächsten Tag beschlossen wir, dass wir zwei weitere Nächte bleiben wollen. Da unser Zimmer bereits wieder gebucht war, sind wir in ein anderes mit Stockbetten gezogen. Der Besitzer versicherte uns aber, dass wir das Zimmer für uns alleine haben werden. Wir brauchten einfach mal ein bisschen BESSERE Betten, als die dünnen, die wir von unserem Campervan gewöhnt waren, zu mindestens mal für eine kurze Zeit. Wir brauchten auch mal ein bisschen andere, internationale Menschen um uns herum zum Reden, während wir an dem Tisch in der Kühe oder im Wohnzimmer am Abend sassen. Und wir brauchten auch ein bisschen Zeit, um in aller Ruhe durch eine Stadt zu schlendern, die lokalen Märkte zu erkunden, ohne uns Gedanken zu machen, wo wir um 17 Uhr zum Schlafen anhalten sollten.  

Nach drei Tagen waren wir wieder frisch aufgetankt, um uns auf den Weg zum nordwestlichen Teil der Insel zu machen, um diesen näher zu erkunden. Der Abel Tasman National Park ist einer DER beliebtesten Ferienziele in Neuseeland und dazu auch noch der kleinste Nationalpark und liegt nur eine Stunde Fahrt von Nelson weg. Wir wandern gerne durch die Berge und Regenwälder, über Flüsse und Bäche und an Wasserfällen vorbei. Um an die schönsten Stellen zu gelangen, kann man einerseits viele Stunden wandern (was im unserem Fall mit einem Dreijährigen nicht so wirklich funktioniert) oder man kann sich andererseits mit einem Boot zu einer der fantastischen Buchten fahren lassen, wo man an einem Sandstrand abgesetzt wird und dann seine Wanderung beginnen kann. Wir haben eine Abholung an einem anderen Strand fünf Stunden nach unserer Ankunft ausgemacht. Dieser lag 6,5km weiter in nördlicher Richtung. Offiziell sollte diese Tour nur an die zwei bis zweieinhalb Stunden dauern, aber wir haben die doppelte Zeit einberechnet. Und dies hat genau gepasst. Wir brauchten ein bisschen über vier Stunden mit einigen Trink- und Brotzeitpausen, wo wir unsere mitgebrachten, leckeren Brote assen und wir sassen mit den Füssen im Sand, wie das Wassertaxi ankam, um uns wieder zurück zu unserem Campingplatz zubringen. Ein weiteres Mal bewies uns Anton, dass er ein guter Wanderer ist. Er hat sich nur die letzten 400m beschwert und auch das war wieder vergessen, wie er das wunderschöne hellblaue Wasser und den weissen Sandstrand sah, der vor uns lag. Wir mussten ihn sogar kein einziges Mal tragen! Nicht schlecht für einen nur dreijährigen Wandervogel und dafür gab es auch zur Belohnung ein Eis.

Nach dieser langen Wanderungen fuhren wir am nächsten Tag weiter ganz nach oben zum Cape Farewell, den nördlichsten Punkt auf der Südinsel. Auch hier verbrachten wir unzählige Stunden in der freien Natur mit einer Wanderung an einem endlos langen und windigen Strand. Eine wunderschöne Umgebung, die man leider nur zu einem kleinen Teil alleine erforschen darf. Tatsächlich ist der grösste Teil des “The Farewell Spit” unzugänglich für die Öffentlichkeit und kann nur im Rahmen einer ziemlich teueren Tour besucht werden. Dieses Geld wollten wir uns lieber sparen und für was anders aufheben. 

Dann hat Alexandra in ihrem schlauen Reiseführer gelesen, dass man irgendwo seinen eigenen Lachs fangen könnte, ihn dann geräuchert bekommt und ihn dann gleich essen, oder dann mit nach Hause nehmen kann. Wie man so schön sagt: “put & take”. Keiner von uns hat jemals davor geangelt. Aber für dieses “Abenteuer” ist keine Erfahrung notwendig, so versicherte uns der nette Mann am Eingang und wiess uns sofort in die Grundtechniken ein, bevor wir an dem See zum Angeln uns selber überlassen wurden. Zu Anfangs hatten wir keinen Köder mit. Wie uns gesagt wurde, sollten wir erst mal unser Glück ohne versuchen und wenn wir nicht innerhalb von zehn Minuten, was fangen würden, sollten wir zurück kommen und uns eine kleine Tüte mit Köder zu zwei Dollar kaufen. 

Wir angelten und konnten hunderte von fetten, allerdings uninteressierten Lachsen faul an unseren Angelhacken vorbeischwimmen sehen. Nach 20 Minuten wurde es Anton ein bisschen zu langweilig und ich ging los um eine Tüte mit Köder zu kaufen. Und beim allerersten Versuch biss ein Fisch an! Alexandra hatte zufälligerweise die Angel und freute sich diebisch! Anton und ich hatten ein grosses Netz, mit dem wir den sich windenden Fisch an Land hievten und ihn in einen Plastikbehälter warfen. Ich musste das arme Tier töten. 

Wir machten uns zuerst ein bisschen Gedanken, ob Anton genau bei diesem Teil dabei sein sollte, aber beschlossen, dass so was zum Leben dazugehört und Kinder sollen auch erfahren, wie ein lebendiges Tier zu Essen auf einen Teller wird. Er hat davon nicht viel Notiz genommen und wollte auch gerne beim Filetieren dabei sein. Dies wurde von einer erfahrenen Angestellten blitzschnell erledigt, ohne dass auch was verschwendet wurde. Nur 30 Minuten nachdem wir den Fisch gefangen hatten, lag er vor uns auf einem Teller, geräuchert und das Ganze nur 25m entfernt vom See in der Sonne. Anton ass mit grossen Genuss!

Oben im Abel Tasman National Park haben wir uns auch eine unterirdische Höhle angeschaut. Es war nicht das erste Mal auf unserer Reise, dass wir dies taten, aber die Höhlen in Ngarua sind spektakulärer, als die in Südaustralien. Wir waren die einzigen auf der 45-minütigen Reise durch den Untergrund. Einfach atemberaubend!

Hier in Neuseeland muss ich des öfteren an meinen verstorbenen Vater denken, der in seiner Jugend Sternforscher werden wollte. Also Astronom. Schliesslich und endlich wurde er was ganz anderes, aber das Interesse an Sternen blieb und ich kann mich gut an die dicken und schweren Bücher ganz unten im Bücherregal bei uns zu Hause im Wohnzimmer erinnern, die vom Weltall, Sternbilder und alle Planeten unserer Erde und eine Unzahl von Sonnensystemen handelten. Hier auf der südlichen Halbkugel kommt es mir vor, als wären die Sterne wesentlich klarer und deutlicher zu sehen und es sind wahnsinnig viele, wenn es dunkel wird und keine Wolken am Himmel sind. Einen Abend, wie ich vom dem Campervan auf einen dunklen Campingplatz ausstieg, wirkte der Himmel über mir als wäre er von hunderten von Sternen übersät. Ein wunderschöner Anblick und ich schickte viele Grüsse nach oben weiter. Mein Vater sitzt garantiert dort oben und blickt auf uns herab. Und wenn er irgendwo auch nur sein könnte, dann ist es gewiss hier auf der südlichen Halbkugel, die ist wesentlich imponierender als die nördliche!

Bevor unsere Reise weiter südlich längs der Westküste geht, legen wir nochmals eine Pause in Nelson ein. Wir haben uns ein weiteres Mal im The Shortbread Cottage einquartiert. Anton fühlt sich hier ganz zu Hause und hat sich sofort auf seinen Platz auf der Couch gesetzt, um ein bisschen fernsehen zu können. Da war Feuer im Kamin und die Leute, die hier schon länger wohnen, haben Kuchen für alle gebacken. Da kann man sich also nicht beklagen....!

Die Bilder der ersten Wochen auf der Südinsel kann man hier sehen!

/Anders

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