Die letzte Woche haben wir einen kleinen Ausflug zur Mitte der Südinsel unternommen. Nachdem wir in Dunedin waren, fuhren wir weiter nach Alexandra - ja, ja richtig gehört, so heisst die Stadt - eher so ein kleines Dörfchen, wie es sich herausstellte. Aber dafür mit dem grössten Campingplatz, den wir bis jetzt gesehen haben. Leider aber auch einer der traurigsten. Unsere Bezeichnung für ungepflegte und vernachlässigte Campingplätze und wenn man dann solche auch noch bei Regen sieht.... Na ja, war auch nicht so schlimm, da wir nur eine Nacht blieben und dann unsere Reise zum höchsten Berg Neuseelands, Mount Cook, fortsetzten.

Den nächsten Übernachtungsstop legten wir auf der Buscot Station, einem kleinen Hostel an einem Berghang gelegen, ein bisschen ausserhalb von Omarama ein. Alexandra hat viele gute Kommentare darüber gelesen, daher beschlossen wir, dass es mal wieder Zeit  für einige Nächte in einem ordentlichen Bett war. Zu dem lag es nur eine Stunde Fahrt vom Mount Cook entfernt. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit im Mount Cook Village selber war ein sogenannter “DOC” Platz (Department of Conservation), die dem Natur- und Umweltministerium angehört. Allerdings ohne Strom und Wasser. Da die Temperaturen in der Nacht um diese Jahreszeit in dieser Umgebung immer noch unter den Gefrierpunkt liegen, hatten wir nicht wirklich Lust zum campen. Unsere kleine Heizung im Campervan braucht einiges an Strom und wir haben es gerne ein bisschen warm. Für uns ist es daher gerade an solchen kalten Nächten wichtig, dass wir Zugang zu Strom haben. Uns fiel die Entscheidung leicht, dass wir uns auf der Buscot Station einquartierten. Eine grosse Farm mit 7.000 Merino Schafen und 1.200 Kühen und einer Katze, in die sich Anton sofort verliebte. 

Anton hatte einige besonders spannende Tage. Am ersten Nachmittag kamen einige kleine Merino Lämmchen auf die Welt. Sie waren nur einige Stunden alt, als wir über die Felder marschierten und wir konnten sogar ganz nahe kommen, ohne dass sich die Muttertiere beschwerten. Wir standen lange dort und streichelten das Lämmchen, bevor wir weiter den Berghang nach oben wanderten, um von dort die fantastische Aussicht über die umliegenden schneebedeckten Bergspitzen zu geniessen. 

Am nächsten Tag ging dieTour dann schliesslich in das Mount Cook Village und von dort brachen wir zu einer Wandertour durch das Hooker Tal bis zum Hooker See auf. Diese Route war hin und zurück mit drei Stunden kalkuliert. Mit Anton geht das allerdings nicht so schnell, obwohl er mittlerweile ganz gut mithalten kann. Wir brauchten ein bisschen über vier Stunden und der Weg war wirklich nicht für Anfänger. An vielen Stellen war der Weg vom Wasser überschwemmt und man musste über Steine seinen Weg finden. Anton hielt so gut mit, wie er nur konnte und nur an einigen Stellen brauchte er Hilfe. Mehrere Male erhielt er ermutigende Worte und Lob von andere erfahrenen Wanderern. All unsere Anstrengungen wurden mit einem unvergleichlichen Ausblick über den Hooker See belohnt: Der Mount Cook und der Hooker See direkt vor uns und in diesem schwammen grosse Eisberge, die von dem Gletscher abgefallen sind. Was für ein farbenprächtiger Anblick! So was sehen wir so schnell nicht wieder! Erst als wir fast schon wieder am Campervan waren, mussten wir uns abwechseln um den kaputten Anton zu tragen. Bis dahin hat er echt super mitgehalten. Auf dem Rückweg zur Buscot Station gab es natürlich Kekse und andere Leckereien zur Belohnung.

Am nächsten Morgen erkundigten wir noch ein bisschen weiter die Farm. Anton liebt es mir richtigen Werkzeug zu spielen, und da werden natürlich die Eltern ein bisschen nervös. Er hat eine Schaufel gefunden, mit der man Kartoffeln ausgraben und einen grossen Rechen, mit dem man das Gemüsefeld umgraben kann. In dem Gemüsefeld waren Karotten angebaut und zusammen gruben wir einige Karotten aus und durften sie sogar mitnehmen. Es war schön zu sehen, dass Anton mit grosser Begeisterung frische Karotten isst, als wären es Süssigkeiten. Der Vater wurde sehr stolz auf seinen Sohnemann, als dieser ihm auch noch freudig mitteilte, dass es Karotten sind, die er erntet! Sieh mal einer an! “G´scheider Bua!”

Bei unserem Aufenthalt auf der Farm kamen wir auch zum ersten Mal so richtig ins Gespräch mit einem ansässigen Neuseeländer. Einen sogenannten Kiwi. Tony der Besitzer der Farm, ist selbst ein bereister Mann mit einer besonderen Vorliebe für Europa. Endlich konnte ich all die Fragen stellen, die sich bei uns während der letzten Wochen angesammelten haben und wir keine Erklärung erhalten hatten. Fragen der grossen Politik, der ganz normalen alltäglichen Dinge, die die Menschen hier im Lande beschäftigen. Tony hat ein unglaublich grosses Wissen über die Land- und Forstwirtschaft, Innen- und Aussenpolitik, Neuseelands Rolle in der Welt und so vieles mehr. Und dann konnte er noch das ganze mit unserer kleinen Welt vergleichen, da er schon oft dort zu Besuch war. Wir konnten viel Wissen mitnehmen und endlich waren uns manche Dinge klarer!

Weiter ging die Fahrt - an den Lake Tekapo und sofort wurde diese Stelle in unsere persönliche Top 10 der Lieblingsort Neuseelands aufgenommen. Dieser Ort kennzeichnet sich dadurch aus, dass der See ein besonders türkisfarbenes Wasser hat und ein bisschen “milchig” aussieht. Diese Farbe kommt von dem Schmelzwasser der Gletschern, das Pulver aus gemahlenen Steinen enthält. Der See änderte viele Male seine Farbe, abhängig von Sonne und Wetter. Darüber hinaus gibt die lokale Touristenauskunft auch noch damit an, dass es die beste und klarste Stelle auf der Welt zum Sterne beobachten ist. Also ich kann das wirklich nicht beurteilen, aber einen Abend war der Himmel sternenklar und es waren auch so richtig VIELE Sterne da. Ich habe schon mal über den Sternenhimmel auf der südlichen Halbkugel geschrieben und hier kann man ihn wirklich in voller Pracht erleben!

Von unserem Campingplatz hatten wir direkten und freien Ausblick auf den See. Da kann man sich nicht beschweren, wenn man am Morgen aufwacht. Wir blieben drei Tage...Während dieses Aufenthalts kamen wir zum zweiten Mal innerhalb von kürzester Zeit ins Gespräch mit Kiwis. Einige Familien verbrachten hier ihre Ferienzeit und Anton hatte viel Spass beim Spielen mit anderen Kindern. Wir wurden mit vielen guten Tips und Ideen versorgt, wie wir die restliche Zeit hier verbringen können und haben noch mehr Einblick in den normalen Alltag, die Probleme des Landes und wie man den Rest der Welt betrachtet, erhalten.  

Jetzt sind wir gen Ostküste aufgebrochen, genauer gesagt nach Oamaru. Ein sehr malerisches Gebiet, dass uns positiv überrascht hat mit seiner schönen, alten Innenstadt mit ihren Gebäuden gebaut aus Sandstein. Viele davon im viktorianischen Stil und am Hafen liegen geschützte Industriegebäude aus den 1870-iger Jahren. Es kam uns ein bisschen so vor, als würden wir durch eine Filmkulisse spazieren. In den Gebäuden sind keine Industrieunternehmen mehr beherbergt, statt dessen werden sie als Künstlerwerkstätten, Galerien, Cafés und Restaurants benutzt. Wir waren total davon eingenommen und gingen lange andächtig spazieren und genossen den Anblick dieser herrlichen Gebäude. Damals beim Bau dieser Häuser wurden an der Fassade reichlich Schnörkel und viele kleine feine Details angebracht. Einige der Gebäude standen auch zum Verkauf. Für einen kurzen Augenblick spielte ich mit dem Gedanken mich als Makler hier niederzulassen und so ein altes Gebäude zu kaufen und es in Luxuswohnungen im New Yorker Loft Stil zu verwandeln... Leider ist Oamaru nicht wirklich der Nabel der Welt und es gibt garantiert keinen Markt dafür. Ein schöner Gedanke und es wäre schon ziemlich cool!

Den gesamten Sonntag Nachmittag verbrachten wir in der Riverstone Kitchen & Garden. Es ist ein Ort, den man schwer in Worte fassen kann. Ein grosser Park mit unendlichen Spielmöglichkeiten für Kinder. Ein kleines Einkaufsparadies für allen möglichen Kleinkram und Wohnaccessoirs. Hunger soll man hier auch nicht leiden. Ein preisgekröntes Restaurant und Café versorgt die Gäste mit leckeren Essen. Die meisten der Zutaten kommen aus dem eigenen Garten oder von den Farmen in der Umgebung. Dieses kleine Paradies ist noch nicht so alt, aber die Besitzer konnten in kürzester Zeit viele Preise (u.a. NZ Good Food Award 2013) gewinnen und die gesamte Anlage sieht gewachsener und somit älter aus als sie ist. An diesem Tag konnte Anton all seine Energie auf dem grossen Spielplatz verbrennen, während wir in aller Ruhe im Restaurant sassen und das vorzügliche Essen geniessen konnten und anschliessend gab es noch ein grosses Stück Kuchen. Das Konzept geht auf und die ganze Familie fühlt sich wohl! Mama und Papa lassen Geld da, während die Kleinen sich draussen austoben. Eigentlich wollten wir nur mal kurz vorbei und es uns ansehen. Dafür sind wir aber ganz schön viele Stunden geblieben! 

Die Küste weiter in Richtung Dunedin haben wir auch erforscht und sind an den Koekohe Beach gefahren, wo sich die sogenannten Moeraki Boulders befinden. Hier liegen einige merkwürdige grosse runde Steine am Strand herum. Angeblich entstanden sie vor über 60 Millionen Jahren. Sie sind erstaunlicherweise kugelrund. Manche sind in der Mitte auseinander gebrochen, so dass man das Innere sehen kann. Dann ähneln sie Melonen, die in Stücke geschnitten worden sind. Da wir am Strand spazieren gingen, beschloss Alexandra, dass es doch schöner wäre barfuss zu gehen und machte ihre Turnschuhe an ihrer Tasche fest. Nach ein paar Stunden, nachdem die Tasche samt Schuhen hinten in den Campervan geworfen wurde und wir 60 km weg waren, wollte sie ihre Schuhe wieder anziehen und da konnten  wir nur einen finden! Wir suchten und suchten, aber er war weg! Wir beschlossen wieder die 60 km zurückzufahren und sie zu suchen. Sie waren nicht am Parkplatz, wo wir zu Mittag gegessen haben, was eigentlich logisch gewesen wäre. Dafür lagen sie mitten am Strand und warteten dort wieder aufgesammelt zu werden. Was für eine Erleichterung! Alexandra liebt diese bequemen Schuhe und es wäre schon blöd gewesen, sie auf diese Art und Weise zu verlieren. Es sind nur noch drei Wochen bis wir in Amerika sind, wo gerade solche Sachen günstiger sind als hier in Neuseeland. Wenn wir den Schuh nicht gefunden hätten, hätte dies bedeutet, dass sie entweder die verbleibende Zeit in den warmen Wanderschuhe oder Flipflops herumlaufen müsste. Die Auswahl ist nicht so gross! 

Apropos Einkaufen in den USA: Alle, wirklich alle, Hosen vom Anton haben Löcher und Risse an den Knien. Alexandra versucht zwar, so gut sie kann, sie jedesmal zu flicken, aber mittlerweile sehen sie schon sehr mitgenommen aus. Wer weiss was die Leute sich denken!? Selbst wenn er neue Hosen hätte, würden sie bald einen Riss haben. Es macht keinen Sinn einen Haufen Geld für neue Hosen auszugeben, nur wenn die Knie verstärkt wären. Aber die haben wir hier nicht gesehen. Leider! In den USA ist es billiger und dort müssen wir dafür sorgen, dass Anton neues “Material” zum Be/Abarbeiten bekommt! Er ist halt ein richtiger Junge!

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/Anders

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