Viele Europäer kennen London. Es ist die meistbesuchte Stadt der Welt, ausgehend von den Zahlen der Flughafen Passagiere (135 Mio in 2012) und die zweitgrösste Stadt in Europa, nur Paris ist grösser. In London wohnen fast 9,6 Millionen Menschen und unter Tags halten sich an die 12 Millionen Menschen in der Stadt auf. Die öffentlichen Verkehrsmittel und sämtliche Strassen sind tagtäglich rund um die Uhr einer grossen Belastung ausgesetzt. Von ca.1831 bis 1925 war London die weltgrösste Stadt. Heute hat Tokyo diese Ehre mit nicht weniger als 35 Millionen Einwohnern in “Gross-Tokyo” übernommen. Allein 13,2 Mio Einwohner hat die Stadt selber. WOW!

Täglich werden 1 Mio Menschen durch einen der grossen Kontenpunkte, Clapham Common, geschleusst, nur um es mal von einer anderen Perspektive zu betrachten. Und das ist nur einer von vielen Knotenpunkten. In Vergleich dazu sind es an der Nørreport Station in Kopenhagen dagegen täglich 250.000 Menschen und dies ist eine der meist benutzten Stationen in Dänemark. Radfahrer und Fussgänger miteinberechnet. 

Mit anderen Worten: London ist verkehrsmässig eine Klasse für sich!  Kulturell glaube ich auch nicht, dass eine andere Stadt auf diesen Niveau mithalten kann. Hier gibt es natürlich viele Einwohner, die aus den ehemaligen Kronkolonien, wie Indien, Pakistan, Jamaica, Afrika und Fernen Osten stammen. Zusätzlich noch all die anderen Länder, die einen Teil der Londoner Einwohner ausmachen. Noch nie habe ich so eine multikulturelle Gesellschaft gesehen. Es ist richtig cool, finde ich!

London ist führend in Musik, Theater, Kunst und Gastronomie. Kein Wunder also, dass sich die Metropole auf Platz 2 der teuersten Städte der Welt befindet, nur Moskau ist teurer. Ich, der fast mein ganzes Leben lang in Kopenhagen gewohnt hat, konnte mir nicht vorstellen, dass es noch einen teuren Ort zum Leben geben könnte. Aber London kann bei allem sehr gut mithalten. Aber wenn man, wie so viele Dänen davon träumt zum Weihnachtsshoppennach London zu fahren, so sollte man bloss nicht denken, dass man dabei Geld sparen könnte. 

Wir haben es gut und können bei Alexandras Familie im südlichen Stadtteil, Clapham, wohnen. Das spart uns natürlich eine Menge Geld, das wir sonst für mittelmässige überteuerte Hotels ausgeben müssten. Aber Hauptgrund ist selbstverständlich, dass wir unsere Familie besuchen wollen und so haben wir auch eine Basis für unsere Touren durch das Land. 

Alexandras Schwester wohnt hier schon 20 Jahre und seit ich sie kenne, bin ich hier regelmässig. Sowohl Alexandra als auch ich können gut und gerne sagen, dass wir die Stadt gut kennen. Damit meine ich die Innenstadt. Wenn man sich die vielen unterschiedlichen Stadtteile näher ansieht, dann findet man schnell heraus, dass es eine Unzahl von “Städte in der Stadt” gibt, die einen Besuch wert sind. Der zentrale Teil Londons ist nicht so gross, wie man eigentlich denken sollte. Es gibt zwei Stadtteile, die “City of London” und die “City of Westminster”. Die City of London ist das ursprüngliche London und wurde 2011 zur kleinsten Grosstadt in England ernannt und das nur mit 7375 Einwohnern. Das grösste Areal Londons, so wie wir es heute kennen, liegt ausserhalb der ursprünglichen Stadtgrenze und zu diesem zählen Stadtteile, wie Kensington & Chelsea, Hammersmith, Camden und Islington. Offiziell sind das im Ganzen 32 Distrikte! 

An vielen Orten in “Greater London” gibt es Hauptstrassen mit vielen Einkaufsmöglichkeiten, einer Innenstadt Atmosphäre, kleine Märkte, Parks und natürlich auch Pubs. Viele von diesen sind einige hunderte von Jahren alt und lagen damals weit ausserhalb Londons. 

Das Gute an der Gegenwart ist, dass es in London ein ziemliches gutes U-Bahn Netz, im Volksmund “The Tube” (das Rohr) genannt, gibt. Ca. 1850 wurde in London mit dem Bau des Untergrundsystem begonnen und damals hatten die Tunnel keinen so grossen Durchmesser wie heute und so fühlte man sich tatsächlich, wie in einem gigantischen Netz von Rohrleitungen (so ist es auch in der Tat). “The Tube” kann einem in kürzester Zeit kreuz und quer durch London bringen. Man braucht fast keinen Fahrplan. Untertags fahren die Züge im Fünfminutentakt. Man kann einfach zur nächsten U-Bahn Station gehen und in den nächsten Zug steigen, oder um oder aus, wohin man gerade so muss. Einfach super effektiv! In London sieht man auch tausende der roten Doppeldeckerbusse. Die sind wirklich für die Stadtbewohner und wir sind nicht oft mit ihnen gefahren. Oft ist man zu Fuss schneller, wenn viel Verkehr ist und der herrscht immer. 

In London gibt es viel zu sehen und zu entdecken, für die ganze Familie. Wir haben alle die grössten Attraktionenschon längst von unserer Liste, wie “London Eye”, Sea Life AquariumBig BenWestminster AbbeyBuckingham Palace, St. Paul’s CathedralTower of LondonTate Modern und viele andere abgehackt. Manche sind besser für Kinder geeignet als andere. Z.B. das Sea Life Aquarium ist ein fantastischer Ort für Kinder. Das London Eye ist auch sehr spannend und man bekommt einen richtig guten Überblick über die Stadt, während man in einer Gondel durch die Luft getragen wird. Eine Fahrt dauert ca. 30 min. Eine Bootsfahrt entlang der Themse ist ein absoluter Hit, genauso wie die Dinosaurier im Natural History Museum. Reist man mit Kindern im Alter zwischen 0-5 Jahren, dann kann man in London tausende von kleinen und grossen Spielplätzen entdecken, wo die Kleinen ihre Energie in der frischen Luft verbrennen können. Einer der besten ist der “Diana, Princess of Wales Memorial Playground” in einer Ecke des Hyde Parks. Dort befindet sich auch ein kleines gemütliches Café, in dem sich die Erwachsenen mit Croissants und Café Latte versorgen können, während die Kleinen sich vergnügen.  

Wir hatten viel Spass beim Spazierengehen durch die verschiedenen Stadtteile. Einer der besten Touren war von der U-Bahnstation “Mile End” (im Osten von London), entlang des Regents Canal bis nach Islington. Wir sind durch ein altes Fabriksquartier, an einer alten Mülldeponie, durch den gepflegten Victoria Park gegangen und sind im schönen Islington angekommen. Wir sind auf moderne Wohnblöcke mit unterschiedlichster architektonischer Qualität gestossen, die Seite an Seite mit Hausbooten, Bootsstege und kleinen grünen Oasen liegen. Überall gibt es Cafés, wo sich die jungen modernen Agenturmitarbeiter, Künstler und “kreative/alternative Typen” in der Sonne aalen und ihre ökologische Limo trinken und dazu “The Observer” lesen, oder ihre Emails auf ihren iPads checken. Wenn man den “The Observer” mit den “Weekendavisen” und dazu Islands Brygge und Ørestaden in Kopenhagen nimmt, kann man fast keinen Unterschied finden. Irgendwie erschreckend!

Eine Sache fasziniert mich wirklich ausserordentlich an London, dass man auf so viel Geschichte stösst. Ursprünglich errichtet von den Römern vor ca. 2000 Jahren, ist das moderne London buchstäblich auf jahrtausendealten Ruinen erbaut und regelmässig findet man wertvolle Relikte mit hohen historischen Wert aus der Vergangenheit. Während des Mittelalters hat sich London zu einer der wichtigsten Städte in Europa entwickelt und kann eine Reihe von brutalen und rücksichtslosen Königen vorweisen, die England von hier regiert haben. Überall in den alten Quartieren kann man Häuser finden, die hier schon seit 500 Jahren stehen. Wie schon mal erwähnt, gibt es hier Pubs, die mehrere hundert Jahre alt sind. Und diese heben immer gerne das Jahr ihrer Erbauung hervor und welche Berühmtheit im Laufe der Zeit es frequentiert hat. Und das ist wirklich faszinierend! Was für eine Vorstellung, dass man neben William Shakespeare hätte sitzen und mit ihm ein Bier hätte trinken können...Es wird noch immer darum gestritten, wer sich mit Recht den ältesten Pub Londons nennen darf. Man hat es noch nicht mit aller Gewissheit herausgefunden. Einige wenige Pubs in der Innenstadt haben eine Lizenz seit 1660. Egal, wer der erste war, so ist es doch faszinierend! Ich kann mir nicht vorstellen, dass es recht viele Pubs in Dänemark gibt, die schon seit 350 Jahren offen haben. In London wohnt und arbeitend man umgeben von der reichen Geschichte. 

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/Anders

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