Wir wären nie von alleine auf die Idee gekommen nach Delaware zu fahren, wenn wir nicht dort Freunde hätten. Man hört nicht allzu viel von diesem kleinen Bundesstaat an USA’s Ostküste. Das einzige was ich wusste, war dass der nun amtierende Vizepräsident, Joe Biden, von hierher stammt. Und das es hier fantastische Strände gibt! 

Wir blieben bei Mandy, André und Emil eine Woche und unternahmen von hier aus Ausflüge in die nähere Umgebung. In USA entspricht dies einem Radius von einigen Stunden in jede Richtung.  

Insgesamt zwei “Kindermuseen” statteten wir einen Besuch ab. Ein fantastisches Konzept: eine Mischung aus einem Experimentarium und einem grossen Innenspielplatz. Das eine liegt in Wilmington, Delaware und das andere in Philadelphia, Pennsylvania. Wir kannten auch schon solche Einrichtungen von anderen Orten, wie z.B. in Olympia, Washington. 

Anton macht der Besuch in so einem “Museum” immer viel Spass. Hier kann er wirklich Kind sein und so lange spielen, bis er müde wird und als Kind sollte man auch gerne das Recht dazu haben. Es gibt Klettergerüste, Höllen und so vieles mehr, wo die Kleinen sich austoben können. Aber es gibt auch mehr “ernsthafte” Aktivitäten, bei denen man einen kleinen Einblick in naturwissenschaftliche Gebiete erhalten kann oder man kann sich spielerisch in eventuelle zukünftige Berufe, wie Arzt, Krankenschwester, Feuerwehrmann, Polizist oder Tierpfleger usw. ausprobieren. Anton klettert und versteckt sich gerne. Kaum sind wir zur Türe hinein werden die Schuhe ausgezogen und weg ist er nur noch in Strümpfen. Dann bekommen wir ihn nicht mehr zu Gesicht und werden in eine Ecke auf einen Stuhl verbannt. Manchmal können wir Erwachsene auch ein bisschen Kind sein. Ich selber habe mich bei den Bau von Wasserströmen und Dämmen ausprobiert und habe nach meiner Ansicht einen fantastischen Holzturm gebaut (den hat allerdings ein etwas grösserer Junge mit einem süffisanten Lächeln zusammenfallen lassen, genau zu dem Zeitpunkt, als ich gerade fertig wurde) und habe eine wunderschöne Lokomotive für Anton gemalt, die er später einfach zusammen geknüllt und mit anderen Farben verziert hat. Auch egal! Wir hatten einfach so viel Spass! Das Museum in Wilmington war nicht ganz so gross, wie das in Philadelphia, aber es ist immer noch ausreichend, um angesammelte Energie zu verbrennen, rumzutollen und “Bob der Baumeister” in der Werkzeug Abteilung zu spielen. In Philadelphia konnte man Astronaut und Kranführer sein. Wir sind wirklich begeisterte Fans von diesen Museen geworden, die man in vielen Städten in den USA finden kann. Manchmal ist der Eintritt ganz schön gepfeffert (10-15 € pro Nase), aber wenn man dann die Kleinen glücklich sieht, dann soll man sich nicht allzu sehr beklagen!

Nicht weit entfernt, wo Mandy und André wohnen, beginnt der Distrikt, in dem es auch das Amisch Volk gibt. Wir fuhren nach Lancaster, Virginia, um herauszufinden, wie diese leben. Die ersten Amisch kamen in die Umgebung von Lancaster ca. um das Jahr 1720. Also lange vor dem amerikanischen Bürgerkrieg und der Unabhängigkeitserklärung, die 1776 unterschrieben worden ist. Die Amisch leben weitgehend zurückgezogen von der Umwelt und haben keine Elektrizität, TV, Telefon oder andere “moderne” Notwendigkeiten. Sie leben von der Landwirtschaft auf abgelegenen Bauernhöfe, die mit altmodischen Arbeitsmethoden betrieben werden. Es werden z.Bsp. keine Traktoren oder andere moderne Landwirtschaftsmaschinen benutzt, stattdessen wird mit Pferden und mit den Händen das Land bestellt. Es ist normal, dass man selbstgenähten Kleidung trägt, die zudem praktisch als auch spartanisch ist. Die Häuser und alles andere Inventar werden selbst hergestellt und mit eigenen Händen errichtet. Autos sind verbannt und man sieht daher in der Umgebung auch viele Pferdekutschen auf der Strasse. Die Kutschen wurden an die modernen Zeiten angepasst und sind mit batteriebetriebenen LED-Bremslichtern ausgestattet. Und das müssen sie auch aus Sicherheitsgründen aufgrund eines polizeilichen Beschlusses.

Wir verbrachten einige Stunden hier, aber leider gibt es in den Wintermonaten nicht allzu zu viel zu sehen. Im Sommer kann man einen besseren Einblick in das Leben der Amisch, deren Landwirtschaft und deren normalen Alltag gewinnen. Aber leider war alles geschlossen und wir fuhren nur ein bisschen durch die Gegend und konnten einige Pferdekutschen auf der Strasse sehen. Die Amisch bleiben am liebsten unter sich und wollen so wenig Kontakt wie möglich mit der modernen Zivilisation haben. Aber auch sie mussten wohl erkennen, dass es ganz praktisch sein kann, wenn man mit der restlichen Welt den Kontakt zu mindestens ein bisschen pflegt. Der Tourismus ist wahrscheinlich nicht ihre Haupteinnahmequelle, aber bestimmt ein schöner Zugewinn. 

Es ist schon ein bisschen merkwürdig sich in einer Gegend zu befinden, in der viele kleine und landwirtschaftliche Betriebe keinen Strom haben und keine Leitungen zu den Häusern laufen. Anstatt Autos stehen in den Einfahrten Pferdekutschen. Die Kleidung hängt zum Trocknen in der milden Wintersonne. Die Pferdekutschen befördern Menschen in ihrer dunklen Winterkleidung von einem Ort zum anderen. Die Pferde grasen hinter dem Haus, wenn sie nicht beim Arbeiten sind. Wir haben nachgelesen, dass die Amische keine Fotos von sich selber oder ihrer Familie haben, und sie wollen auch nicht von neugierigen Touristen fotografiert werden. Wir respektierten das natürlich, waren allerdings auch in der Versuchung schnell im Vorbeigehen ein diskretes Foto zu machen. Es blieb aber nur bei dem Gedanken!

Ich bin total fasziniert von den Amisch, seit ich vor vielen Jahren den Film “Der einzige Zeige” mit Harrison Ford gesehen habe. Ein Film, von dem die Sekte nicht besonders begeistert war, da es viele Touristen in die Umgebung gelockt hat. Sie sind auch nicht speziell zufrieden, wie ihr Lebensstil im Film dargestellt worden ist. Aber nicht desto trotz war es ein ausgezeichneter Film. Für mich selber finde ich diese Art des Lebens, zurückgezogen, ruhig und ein bisschen altmodisch, attraktiv. Sie leben autark und lassen sich nicht von diesem Überverbrauch verführen. Aber ich könnte mich schwer deren religiöser Einstellungen und Regeln unterordnen. Zu einem bin ich nicht besonders gläubig und zum anderen bin ich einfach zu abhängig von modernen Werkzeugen, wie Computer, TV und Kühlschrank. Kann man nicht einfach das Beste aus der Lebensweise der Amisch nehmen und es irgendwie mit einem Haus mit Strom- und Antennenanschluss, einer Wifi Verbindung und nur einen einzigen Flachbildschirm verbinden?

Bevor wir uns von Mandy, André und Emil in Delaware verabschiedeten, machten wir alle zusammen einen gemütlichen Sonntagsausflug zum Rehoboth Beach an der Ostküste. Hier herrscht die beste Wasserqualität an der ganzen Küste und der Strand ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Selbst an einen so kalten und windigen Wintertag kann man sich gut vorstellen, wie es im Sommer sein kann, wenn man Sandburgen bauen, Eis essen und unter einen Sonnenschirm dösen kann. Längs des Strandes liegen unzählige Hotels, Kiosks und Restaurants entlang einer schönen Promenade. Ausserhalb der Saison wohnen hier nicht mehr als 1500 Menschen, aber in der Hochsaison sind es mehr als 25.000. Eine richtige Sonne-, Strand und Badestadt!

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/Anders

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