Kalifornien steht für viele Sachen! Richtig viele Sachen! Ich bin schon einige Male in San Francisco zwischengelandet und dass war bis jetzt auch alles, was ich von dem mächtigsten Bundesstaat an der Westküste der USA kennengelernt habe. Übrigens ist es auch der Bundesstaat mit den meisten Einwohnern. Hier leben gut und gerne an die 38 Millionen Menschen. All mein Wissen über Kalifornien habe ich aus den Medien. Es ist das Zentrum für Filmproduktion, Oberflächlichkeit und “Extravaganza" im ganz grossen Stil. An sowas können wir uns daheim in Dänemark erfreuen!

Aber Kalifornien hat auch viele sehr sympathische Seiten. Der Bundesstaat beginnt im Norden mit dem Redwood National Park und geht dann gut 1240 km in Richtung Süden bis an die mexikanische Grenze. Das Klima ändert sich natürlich je weiter man in den Süden kommt. Von einem ziemlichen, fast dänischen, kalten und verregneten bis zu einem sonnigen, warmen und südeuropäischen Klima je mehr man sich den Süden nähert. 

Wir waren sehr über den mieserablen Zustand der enormen Infrastruktur in einer der wohlhabendsten Gegenden in Kalifornien verwundert. Dies wurde uns bei unserer Tour durch Beverly Hills und Hollywood Hills klar. Wir sahen die prachtvollsten Paläste, die wir jemals zu Gesicht bekommen haben. Aber genau vor der Einfahrt beginnen die kaputten Strassen und die Elektrizität zu der Prachthütte kommt von einem alten fast verrotteten Holzmast, der wahrscheinlich im Jahre 1940 errichtet worden ist. Der Begriff "Eigentümergemeinschaft" ist hier wohl ein Fremdbegriff. Man braucht kein Schneeräumen oder sonst irgendetwas in diese Art. Wohl auch keine Vereinigung, die sich sich zusammen tut, um z.B. neue Radwege zu bauen, damit die Kinder in der Umgebung sicher in die Schule kommen. Wahrscheinlich werden sie in den dicken Limousinen mit Chauffeur herumchauffiert.  Ob es wohl Strassenfeste gibt? Alles was draussen vor den dicken Mauern passiert, ist wohl nicht willkommen. Aber wirklich alles sehr toll und imponierend, wenn man mit heraushängender Zunge am Mulholland Drive in seinem geliehenen grauen Ford Fusion entlangfährt. 

Mit anderen Worten die Kontraste sind krass und daran muss man sich echt gewöhnen. Bei unserer Tour durch Hollywood haben wir alles gesehen, was wir aus den Medien kennen: “Walk of Fame” mit Sternen auf der Strasse, Kodak/Dolby Theater, wo die jährliche Oscar Verleihung stattfindet. Dann natürlich all die edlen Boutiquen auf dem Rodeo Drive. Aber gleich um die Ecke kann man die verzweifelten Träumer finden mit ihren zerbrochenen Illusionen, die die Strasse auf und ab wandern, um für ihr tägliches Auskommen zu erbetteln. Verkleidet als Superman, Spiderman oder Darth Vader, aber immer mit der selben Frage auf den Lippen: “Hast Du mal ´nen Dollar für mich?" Der Abstand zwischen reich und arm, Erfolg und Traum, zwischen trendy und hoffnungslos unmodern ist einerseits unwahrscheinlich gross und trotzdem haarfein zur gleichen Zeit. Einige der Leute, die wir auf dem Hollywood Boulevard trafen, haben bestimmt Talent. Garantiert auch die begnadeten Autoren, die wir im lokale Starbucks sahen, wie sie dort mit ihrem MacBooks sassen und den nächsten Blockbuster Film verfassen und nur darauf warten, dass sie sie an der Reihe sind. Aber tatsächlich ist dieser X-Faktor, von dem man gerne spricht, der alles ermöglicht, nur das richtige Timing. Oder Glück! Einfach unglaublich viiiiiiel Glück!

Wir blieben auch nicht so lange, da es es ein bisschen deprimierend anzusehen war. Sehr surrealistisch, wenn man sich einer der exklusivsten Gegenden der Welt befindet und man sich innerlich traurig fühlt. Leere Gesichtsausdrücke! Einsame und traurige Existenzen! Aber sobald man einen Augenkontakt hatte, dann bekam man sofort das typische Zahnpastalächeln und ein "Things couldn´t be better!" - Es könnte einfach nicht besser sein!

Aber Kalifornien ist auch so viel mehr! Unser Abenteuer begann mit einem Besuch des Redwood National Parks in Nordkalifornien. Hier konnten wir die grössten Kieferbäume sehen, die ich je zu Gesicht bekam. Mächtige, majestätische Kämpfer, die sich um den besten Platz zum Himmel streiten. In unserem Reiseführer stand, dass man bloss nicht vergessen sollte einen Baum zu umarmen. Diesen Rat befolgten wir natürlich! Wir konnten nicht um den ganzen Baum herumfassen! Anton konnte einen kleinen Baum finden, den er ganz umarmen konnte. Wahrscheinlich war dieser nur 100 Jahre alt! Wir haben nicht mal die grössten Bäume in der Umgebung gesehen. Wenn es nicht so schlechtes Wetter gewesen wäre, hätten wir uns mehr Mühe gegeben die grössten Bäume der Welt zu finden. Aber dazu sollte man sein Auto parken, aussteigen und ein gutes Stück durch den Wald spazieren, um dorthin zu gelangen. Um ganz ehrlich zu sein, hat es den ganzen Tag, wie aus Kübeln geregnet. So haben wir eins auf “amerikanische Touristen” gemacht. Wir sind so nah heran gefahren, wie es möglich war, dann heraus aus dem Auto, Foto geschossen und dann schnell wieder ins warme Auto zurück und Gas geben. Und weiter geht´s! Und das selbst mit unserer richtige Ausrüstung mit Regenjacke und Wanderschuhe! Nichts mit den grössten Bäumen der Welt, die auch übrigens die grössten lebenden Organismen sind! Wir werden das eventuell später bereuen, aber die Bäume, die wir sahen, waren wirklich beeindruckend!

Nach unserer Begegnung mit den grossen Bäumen begann es zu schneien. Wirklich viel! Man kennt Winter in Nordkalifornien, aber nicht jedes Jahr kann es unangenehm sein. Und  das genau, wie wir über einen Bergpass wollten. Aus Regen wurde Graupel, aus Graupel dann Schnee! Schnell lag eine dicke Schicht aus Eis auf der Strasse und die Geschwindigkeit wurde auf 5 km/h reduziert. Dann ging gar nichts mehr. Es kam zum Stillstand. Und das für zwei Stunden! Dann ging es ein bisschen weiter! Und dann wieder totaler Stillstand für eine Stunde. Endlich konnten wir den Pass überqueren und waren auf der anderen Seite des Berges. Es war bereits nach acht Uhr abends und wir waren müde.  Wir waren auf ein ganz anderes Kalifornien eingestellt, als das das wir bis dahin erlebt hatten. Wo ist die Sonne, die Palmen und die gekühlten Drinks? Mit allen, mit denen wir über dieses Wetter sprachen, versicherten uns, dass dieser Schneefall sehr ungewöhnlich ist. Die letzten acht Jahre ist nicht annähernd so viel Schnee in dieser Gegend heruntergekommen. Wir sind natürlich daran gewöhnt, wie man im Winter Auto fahren muss. Hier in Nordkalifornien hat man keinen wirklich Winterdienst und das kann schnell zu einem Problem werden. Wir haben zwar Schneeräumfahrzeuge herumfahren sehen, aber sie haben weder die Strassen gesalzen noch gestreut. Es wurde nur so ein bisschen  der Schnee, das Eis von der spiegelglatten, vereisten Strasse abgekratzt. Aber viel hat es nicht gebracht!

Glücklicherweise kamen wir im Hotel an ohne am Auto oder an der Seele Schrammen abzubekommen. Am nächsten Tag schien die Sonne von einem wolkenfreien Himmel und der Schnee war weggeschmolzen. Jetzt waren wir auch auch auf der südlichen Seite des Berges und hier schneit fast nie. 

Weiter ging die Fahrt nach San Francisco, wo wir uns mit einem alten Freund von Alexandra aus München treffen wollten. Thomas, der in Silicon Valley wohnt und dort als Geschäftsführer bei einer lokalen Werkstatt für ausländische Autos arbeitet. Er konnte uns einen grossen Einblick vermitteln, wie es hier in diesem Teil der USA zu arbeiten und wohnen ist und konnte es zudem auch noch mit Europa vergleichen. Nach Thomas Meinung ist es nicht schlecht in USA zu leben, wenn man hart arbeitet und man natürlich vorausgesetzt einen Job hat. Wenn nicht, dann kann es leicht anstrengend werden. Die letzten zehn Jahre ist es abwärts gegangen. Speziell im Sozial- und Gesundheitssektor ist Amerika in die Knie gegangen, so dass viele die, die Möglichkeit haben sich woanders niederzulassen, es auch getan haben. Die dies noch nicht getan haben denken über alternative Pläne nach, wie sie das Land verlassen können, falls es notwendig werden sollte. Und die, die das nicht können, müssen mit der Unwissenheit, Angst und in meinen Augen nach grossen täglichen Druck zu leben und alles rechtzeitig zu schaffen, um für alle Versicherungen und die anderen festen Kosten aufzukommen. Darüber hinaus darf man nicht vergessen, dass es in den USA keine dreimonatige Kündigungsfrist gibt. Wenn man seine Arbeit verliert, dann ist es meist von einem Tag auf den anderen. Nur wenn man schon lange bei einer Firma beschäftigt ist, dann hat man eventuell zwei bis vier Wochen Kündigungsfrist bevor kein Gehalt mehr kommt.  

Irgendwie bin ich jetzt ganz froh über den hohen, dänischen Steuersatz und die Sicherheit, die man dadurch erhält. Ich wünschte mir nur, dass das Steuergeld besser eingesetzt werden würden. Aber im Grunde genommen will ich mich nicht allzu viel beschweren. Auf der anderen Seite hat man in den USA, oder wie man es gut in Kalifornien sehen kann, die Möglichkeit etwas Grosses zu werden. So wirklich, wirklich gross. Man kann wirklich das grosse Geld verdienen, wenn man sich reinkniet. Das gefällt mir! Keine Grenzen, keine hocherhobenen Zeigefinger und vor allem kein typisches “Jantelov” *. Trotzdem habe ich zu lange in Dänemark gelebt, als dass ich dafür bin, dass es einen niedrigen Steuersatz geben, oder einen Staat, der sich aus allem heraushalten sollte.    

Einer der Menschen, der es im Laufe der Geschichte zu etwas Grossen gebracht hat und ein bedeutetes Erbe für alle Kinder in der westlichen Welt zurückgelassen hat, ist Walt Disney. Südlich von Los Angeles eröffnete er 1955 seinen ersten Vergnügungspark, Disneyland, der seitdem zu einen der allergrössten Attraktionen der USA geworden ist. Der Park beschäftigt an die 65.000 Angestellte und man zählt an die 45.000 Gäste pro Tag. Jeden Tag muss man in der Schlange stehen, um in den Park zu gelangen. Selbst wenn man im Park ist, sind die Schlangen lang, z.B. wenn man einen sogenannten "Fast Track Pass" für einen der beliebtesten Fahrgeschäften haben will. So bekommt man einen Zeitfenster von einer Stunde und kann so eine lange Wartezeit umgehen kann und fast bis an das Ende der Schlange gelangen. Man kann sich auch ganz normal anstellen, wenn man mehr als einmal fahren will. So ein Pass kann praktisch sein, wenn man mit einer Horde von Kindern unterwegs ist und nicht wirklich die Geduld zum Anstellen hat. Nur um alleine diesen Pass zu erhalten, muss man sich eine Stunde anstellen. Alexandra nahm das auf sich und Anton und ich konnten inzwischen das "Carsland" erforschen.

Bereits einen Tag vor unserem Disneyland Besuch kauften wir an einem Schalter die Eintrittskarten. Wir wollten am nächsten Morgen nicht in der Schlange stehen. Anton konnte vor lauter Aufregung an diesem Abend nicht einschlafen. Er freute sich unheimlich darauf Mickey Maus zu treffen. Bewusst haben wir ihm nicht vom "Carsland" erzählt. Wenn er gewusst hätte, dass er auch seine Helden "Mater" und "Lightening McQueen" treffen sollen, dann wäre er nie eingeschlafen. Deshalb behielten wir es für uns selbst! 

Wie er dann plötzlich "Mater" als einer der ersten Sachen im "Carsland" sah, war er nicht mehr zu kontrollieren. Er konnte es einfach nicht fassen! Er konnte es auch nicht verstehen, dass man sich anstellen sollte, um mit ihn zu “sprechen” und ein Bild zusammen mit ihm zu machen. Aber irgendwie ging es und so konnten wir die nächsten Stunden Pluto, Mickey (da wurde Anton wirklich nervös und von einem Star geblendet), Mater, Lightening McQueen, Woody und Jessie aus Toy Story und einer Prinzessin mit einem lila Kleid, an deren Namen ich mich nicht erinnern kann, persönlich begrüssen. Oh ja, da war da auch noch der Weihnachtsmann, der natürlich auch in Disneyland wohnt. Auch ihn mussten wir selbstverständlich grüssen!

Der Eintritt in das Disneyland ist teuer. Dafür sind alle Fahrgeschäfte inklusive. Das einzige woran denken muss, ist das Essen. Ich musste feststellen, dass alles im Detail beispiellos durchdacht ist. Der Besuch ist ein absolutes Totalerlebnis! Überall sind Angestellte, die “aufpassen”, dass es den Gästen gut geht. Einige sieht man, wie sie mit einem Besen in der Hand herumspazieren mit der Aufgabe, dass bloss kein Blättchen auf dem Boden liegt, welches die Idylle zerstören könnte. An diesem Tag wehte auch ein Wind und es fielen konstant Blätter vom Baum. Überall ist es ordentlich und schön! Ganz nach dem Motto: "Good, clean family entertainment!" - Gute, saubere Familienunterhaltung! Das muss man ihnen lassen, das können die wirklich!

Unser grösstes Vergnügen ist selbstverständlich die strahlenden Augen und das leuchtende Gesicht unseres Kindes zu sehen. Anton war zehn Stunden lang Feuer und Flamme. Glücklicherweise waren wir in einem Hotel in Gehnähe untergebracht und waren so schnell wieder zurück. Zudem hatten wir auch den Kinderwagen dabei. Normalerweise verbringt dieser die meiste Zeit im Kofferraum, aber manchmal ist es doch ganz praktisch, dass wir ihn dabei haben. Nachdem wir Abend gegessen haben und es so langsam dunkel worde, gingen wir die letzte Runde um den See und an den Fahrgeschäften vorbei. Anton schlief ein. Voll mit all den Erlebnissen!

Zu Anfangs hatten wir überlegt uns ein Zwei-Tages-Ticket zu kaufen, aber beschlossen dann, dass es ein bisschen zu viel wäre. In diesem Alter dauert es eine Weile so ein Erlebnis zu verdauen. Anton schlief die Nacht sehr unruhig und rief im Schlaf nach Lightening McQueen. Ehrlich gesagt, hat uns Erwachsenen auch ein Tag vollständig gereicht. Es waren wirklich viele Menschen an diesem Tag in Disneyland. Es war nicht mal Hochsaison - wie viele es dann wohl wären?!

Wir haben es bewusst umgangen in das Zentrum von Los Angeles zu fahren. Wir hatten von vielen gehört, dass es eine Enttäuschung sein kann und dazu kein besonderes positives Erlebnis. Ein bisschen ungerecht, dass wir Kaliforniens grösster Stadt keine Chance gaben. Aber wir sind zu der Einsicht gekommen, dass wir nicht alles auf unserer Reise schaffen können und wenn uns was gefällt können wir immer wieder zurückkommen. Wir brauchen dann einfach ein günstiges Flugtickets von Europa in die USA.

Dafür konnten wir einen Ausflug nach Pasadena und San Diego geniessen und dort die Strassen entlang schlendern. Beide Städte waren überraschenderweise ganz überschaubar. Pasadena ist einerseits eine kleine Provinzstadt, aber andererseits kann man aber auch grosse, dicke Autos und teuere Boutiquen finden. San Diego erinnerte mich dagegen mehr an Südeuropa mit einer markanten, mexikanischen Prägung. Nicht verwunderlich, da es nur 30 km davon entfernt liegt. Über der Innenstadt liegt eine warme und entspannte Stimmung. Das hat mir gut gefallen!

Wir haben bereits einige Wochen in Kalifornien verbracht und es gibt noch so viel zu entdecken! Im nächsten Blog schreibe ich mehr über unsere fantastische Tour in die wilde kalifornische Natur mit einem kleinen Abstecher auf die klassische “Route 66” und wie wir uns so langsam auf Weihnachten und einen lang ersehnten Besuch vorbereiten.

Hier klicken, um die Bilder der letzten Zeit zu sehen!

/Anders

 

*Janteloven:

Das Jantegesetz ist ein stehender Begriff für ein skandinavisches Verhaltensmuster.

Entwickelt hat es der dänisch-norwegische Autor Aksel Sandemose (1899-1965) in seinem Roman “Ein Flüchtling kreuzt seine Spur “(En flyktning krysser sitt spor) aus dem Jahr 1933. Sandemose wuchs im dänischen Nykøbing Mors auf, einem Ort, den er in seinem Roman Jante nannte. In seinem Roman porträtiert er diese kleine Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Obwohl das Gesetz den Zehn Geboten nachempfunden ist und aus 10 Regeln besteht, wird es oft als eine Einheit betrachtet:

1.Du sollst nicht glauben, dass du etwas bist.
2.Du sollst nicht glauben, dass du genauso viel bist wie wir.
3.Du sollst nicht glauben, dass du klüger bist als wir.
4.Du sollst dir nicht einbilden, dass du besser bist als wir.
5.Du sollst nicht glauben, dass du mehr weißt als wir.
6.Du sollst nicht glauben, dass du mehr bist als wir.
7.Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.
8.Du sollst nicht über uns lachen.
9.Du sollst nicht glauben, dass sich irgendjemand um dich kümmert.
10.Du sollst nicht glauben, dass du uns etwas beibringen kannst.

Der Ausdruck Janteloven ist in allen skandinavischen Ländern gebräuchlich und allgegenwärtig. Das Jantegesetz beschreibt die kulturellen und politischen Umgangsformen, nach denen es verpönt ist, sich selbst zu erhöhen oder sich als besser und klüger darzustellen als andere.

Comment