Selbst wenn in den USA 317 Millionen Menschen wohnen und es in den Metropolen ziemlich eng werden kann, so ist das Land in Wirklichkeit ziemlich bevölkerungsarm. Es ist einfach ENORM gross! Auf vielen langen Strecken und über grosse Gebiete hin so bekommt man oft keinen einzigen Menschen zu Gesicht. Die Natur ist überwältigend, wunderschön und atemberaubend. Wir kommen aus Neuseeland und so einfach ist es nicht uns zu beeindrucken! Aber USA kann ohne weiteres mithalten. 

In Amerika gibt es 59 Naturschutzgebiete. Das grösste befindet sich in Alaska und dies ist so gross, dass es neun Bundesstaaten gibt, die kleiner sind. In einem Naturschutzgebiet muss man sich an sehr strenge Regeln halten, wenn man es besuchen will. Man darf z.B. nicht einfach planlos darin herumspazieren. So will man nicht nur den Besucher selber, sondern auch die Tier- und Pflanzenwelt schützen. Aber wenn man sich an die ausgeschilderten und gerade verlaufenden und schmalen Wege hält und den Anweisungen der Parkangestellten folgt, dann kann man wirklich sehr viel erleben. Im Bundesstaat Washington waren wir in unseren allerersten amerikanischen Nationalpark. Der Joshua Tree National Park in Südkalifornien war ein noch grösseres und ganz anderes Erlebnis für uns.

Im Park konnte man sowohl auf die Mojave und als auch auf die Colorado Wüste treffen und es gab viele spannende Wanderwegen ganz nach Fitnessgrad und Stimmung. Man kann sehr kurzen Wanderungen unter einer Stunde wählen, aber auch lange und sehr anstrengenden Touren über mehrere Tage. Und sich dann wieder ins Auto setzen und weiter durch den Park fahren. 

Der Joshua Tree National Park hebt sich von all den anderen Naturschutzgebieten ab, die ich bisher gesehen habe. Es ist eine richtige Wüste! An manchen Stellen ist es karg und öde und an manchen wimmelt es nur so von Leben. Der Park hat seinen Namen nach dem "Joshua Tree", der eine Art von Yucca Palme ist, der hier zu tausenden wächst. Es versteht sich von selbst, dass nur höchstangepasste Lebensformen es schaffen in der Wüste zu überleben. Die Tagestemperaturen in den Sommermonaten liegen oft über 45 Grad und in den Wintermonaten unter dem Gefrierpunkt. Hinzu kommt, dass die Erde nicht besonders fruchtbar und reich an Nährstoffen ist. Es ist Sand! Darüber hinaus regnet es selten. Hier kann man auch winterharte Kakteenarten und eine Reihe von speziellen Bäumen finden, die man sonst nirgendwo sehen kann. Wir konnten auch an vielen Stellen knorrige und überlebensfähige Bäume sehen, die ihre Wurzel in Felsspalten und auf windigen Hängen in den Boden geschlagen haben. Das ist wahrlich kein einfacher Ort zum Überleben!

Der Park beheimatet auch eine Reihe von interessanten Klippenformationen. Gigantische,  terracotta farbige Klippen in den merkwürdigsten Formen. Mächtige Steine, die sich abgespalten haben und übereinander gefallen sind und aussehen, als wäre sie von Menschenhand geschaffen. Sind sie allerdings nicht! Wir machten mehrere kürzere Touren auf den offiziell ausgeschilderten Wegen und es war sehr interessant zu sehen, wie sich die Natur im Laufe der Zeit angepasst, reagiert und gekämpft hat. Leider sahen wir überhaupt keine Tiere, ausser einigen wenigen Vögeln. Dies muss wohl auch ein Zeichen sein, dass es keine besonders fruchtbare und freundliche Gegend ist. Es gibt Bergziegen, Steinböcke und viele Vogelarten und dann natürlich auch Schlangen, Skorpione und Spinnen. Jedes Mal, wenn Anton Steine und Äste aufhob oder ein Loch in die Erde grub, musste ich mich daran erinnern, selbst wenn Kreaturen dort gewesen wären, sie schon längst die Flucht ergriffen hätten. Wir hatten viele Stunden Spass, ohne auf irgendwelche Gefahren, sei es eingebildete oder reelle, zu stossen. 

Wir waren mehrere Tage in der Gegend rund um Palm Springs, 29 Palms und San Bernardino unterwegs. Ausserhalb des Nationalparks konnten wir kleine, verstaubte Wüstenstädte erleben, die man normalerweise nur aus dem Fernsehen kennt: Ein Ortsschild an jeden Ende, einige kleine, verschlafene Geschäfte, ein Diner und eine Tankstelle. Ansonsten in der zweiten oder dritten Reihe auf beiden Seiten eine sporadische Sammlung an kleinen Wohnhäusern. Alles sah mehr oder weniger verfallen aus.

Das kann ein bisschen traurig klingen. Aber für uns war es ein besonderes Erlebnis dieses “Landleben” zu sehen und zauberte ein Lächeln auf unsere Lippen. Ich war sehr imponiert, dass hier überhaupt jemand freiwillig leben kann und will. Aber es gibt anscheinend einige und ich bin davon überzeugt, dass sie ein gutes Leben haben und sich nicht vorstellen können, woanders zu wohnen. Die Landstrassen gingen sehr lange gerade aus und ich war sehr froh, dass unser Leihwagen einen Tempomat hatte. Sonst hätte ich bestimmt einige Strafzettel kassiert. Es waren nicht viele Autos unterwegs und wenn man zum Takt einer guten Musik vom iPod mitfahren will, dann ist es schwer sich mit der Geschwindigkeit zurückzuhalten. Aber wenn man den Tempomat auf die Maximalgeschwindigkeit einstellt ist, dann sollte doch nichts schief gehen. Oder...?

Ein weniger weiter im Norden von 29 Palms konnten wir sogar ein Stück auf der historischen Route 66 entlangfahren, die der Autor John Steinbeck auch "The Mother Road" taufte. Die Route 66 ist schon lange nicht mehr eine offizielle Strasse, wie es einmal vor langer Zeit war. Sie wurde von Highways abgelöst, die sich kreuz und quer von Ost nach West, Nord nach Süd durch das Land ziehen. Die Strasse wurde nicht direkt entfernt und wird immer noch von lokalen Verkehrsteilnehmern benutzt. Die Strecke, die wir befuhren, liess sehr zu wünschen übrig. Man konnte erkennen, dass sie schon lange nicht mehr instand gesetzt worden ist. Der Belag wurde die letzten Jahrzehnte nicht mehr erneuert und es verging viel Zeit bis uns wieder Autos entgegenkamen. Parallel verlief teilweise der Highway. Das war ein bisschen surrealistisch. Wir hatten die Route 66 für uns selber, während dessen der Verkehr auf dem Highway nur einige hundert Meter weiter entfernt, dichter war. Entlang der historischen Landstrasse stehen Häuser, Restaurants, Tankstellen, die schon längst verlassen worden sind und langsam immer weiter verfallen. Wir fuhren durch viele Geisterstädte, wo nur noch die Fassaden standen und an eine Zeit erinnerten, in der man mit geringerer Geschwindigkeit von A nach B reiste. Mit Haaren, die durch den Wind flatterten und die Hände auf den Lenkrad ruhten. Damals dauerte eine Tour mehrere Tage, die heute nur einige Stunden lang ist. Man hielt an einem Diner an, um Kaffee zu trinken, sich ein Sandwich und ein Eis zu kaufen, bevor die Reise weiterging. Eine Tankstelle war eine SERVICE Station, wo man bedient wurde: das Benzin wurde für die Kunden gezapft und man hielt ein Schätzchen über das Wetter und Leute. Die Motels waren nicht so abgewohnt und nicht nur was für harte Typen. Aber heutzutage ticken die Uhren anders und die Route 66 ist, ausgenommen der Orte, wo man aus der Nostalgie eine Attraktion gemacht hat, nur traurig und abgenutzt. Weit davon entfernt von den Glanzzeiten, wo die Strasse eine wichtige Lebensader war. 

Für uns war es überhaupt kein tristes Erlebnis. Wir konnten einen fantastischen und spannenden Einblick in das mehr verlassene und einsame USA gewinnen, wo normalerweise nicht täglich Touristen vorbeikommen. Nach vielen Stunden Fahrt auf abgenutzten Strassen mit Löchern war es ein Vergnügen wieder auf den Highway in Richtung Santa Monica zu fahren. Hiermit geht unsere Reise wieder zurück nach San Francisco, wo wir Weihnachten feiern wollen. Meine Mutter kommt uns aus Dänemark besuchen und wird uns einige Wochen begleiten. Darauf freuen wir uns sehr! Ich bin wirklich auf mich selber sehr stolz, dass ich sie überzeugen konnte hierher zu kommen. Sie hat sich eigentlich geschworen NIE nach USA zu fahren...So viel zu “guten” Vorsätzen und jetzt kommt sie also! :-)

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/Anders

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