Wir liessen Queenstown mit seiner unglaublicher Landschaft in der Otago Region hinter uns und machten uns auf den Weg ins Fiordland. Es ähnelt sehr den Westen Norwegens mit seinen Klippen, die steil und direkt in das Wasser führen. Dort wurden Fjorde geschaffen, die oft sehr schmal, aber dafür sehr tief sind. Wir wollten Milford Sound mit seinen besonders schönen Fjorden sehen. Türkisfarbenes Schmelzwasser, graue Klippen und tiefgrüner Regenwald, und das alles zur gleichen Zeit! 

Bei unserer Ankunft buchten wir uns für den nächsten Tag eine 2,5 stündige Bootsfahrt. Am Morgen, wie wir aufgewachten, hat es aus Eimern gegossen, aber das war uns gleichgültig. Wir hatten schon vorher gehört, dass gerade dann diese Bootsfahrt besonders wunderschön sein sollte. Das klang ein bisschen nach einem billigen Verkaufstrick. Im Milford Sound kommen an die acht bis zehn Meter Regen im Jahr herunter, also irgendeinen Verkaufsplan muss es geben. Es stimmte tatsächlich! Der Vorteil bei Regenwetter ist, dass das ganze Wasser irgendwie über die Klippen herunter muss. Es gibt keine Erde an den schrägen Hängen, die das Regenwasser aufnehmen könnte, so entstehen hunderte von rauschenden Wasserfällen. Ein unglaublicher Anblick! Von all den Regenfällen, die wir sahen, war nur zwei davon “permanent” - also ein Wasserfall, der weiterhin besteht, mit oder ohne Regen. 

Und ich sag es Euch, es hat geregnet -ohne Ende! Strömender Regen! Am Anfang konnten wir uns überhaupt nicht über den Wellengang beschweren, aber je weiter wir auf das Fjord herauskamen, somit immer näher an die Tasmansee, nahm der Wind immer mehr zu. Die Wellen wurden immer höher und höher! Und wie konnte es auch anders sein, natürlich wurde ich seekrank. Und nein, ich habe nicht daran gedacht eine Pille gegen Übelkeit zu nehmen, wie der Seegang und Wind noch nicht so schlimm waren. Aber Anton hat sich meiner wirklich süss angenommen und hat sich neben mich gesetzt und mir tröstend über das Gesicht gestreichelt, so dass es mir bald wieder besser ging. 

Das was ich von dieser Tour sehen konnte, war wirklich sehr schön. Die Elemente der Natur haben sich von ihrer schönsten, aber auch brutalsten Seite gezeigt und das gleichzeitig! Regenwälder, die auf steilen Klippen ohne Erde stehen mit den Wurzeln in den Klippenspalten verankert, klitzekleine Lagunen mit ihren eigenen kleinen Ökosystemen und eine Reihe von Vögeln, die man nur hier findet. Nach den unzähligen Bildern von Alexandra zu urteilen, die an diesen Tag die ungeteilte Gewalt über die Kamera hatte, konnte man auch kleine Pinguine sehen. Ein Erlebnis (!) für die ganze Familie!

Nach dieser kleinen Bootstour fuhren wir weiter an die Südspitze von Neuseeland. So weit südlich, wie wir nur überhaupt konnten. Danach geht es nur nördlich weiter. Wenn man weiter in den Süden will, muss man entweder die Stewart Insel besuchen, oder nach Chile oder Argentinien, Südamerika, reisen. Danach bleibt nur noch die Antarktis. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl an der Südspitze zu stehen und auf den Horizont mit den Wissen zu starren, dass sich kein Land dazwischen befindet, bevor man auf die Eisschollen in der Antarktis trifft.

Danach nahmen wir uns einige Tage Zeit um gemütlich an der Küstenstrasse nach Dunedin zu fahren. Man kann dies auch ohne weiteres in einer ca. drei Stunden Fahrt von Invercargill im Süden nach Dunedin schaffen, wenn man es eilig hat. Das hatten wir allerdings nicht! Dieser Küstenabschnitt wird “The Catlins” genannt, da sich dort unzählige Regenwälder, Schluchten, Wasserfälle und Höhlen befinden. Es gibt zahlreiche Wanderwege und darüber hinaus sonst nur Felder mit Kühen und Schafen. Eine Unmengen von Schafen! Und gerade jetzt gibt es Frühlingslämmer. Überall springen die kleinen Wollknäuel manchmal noch ein bisschen unsicher zwischen den Beinen ihrer Mütter herum.

Wir konnten auch Seelöwen sehen. Weit draussen bei einem alten Leuchtturm lagen drei grosse, fette Seelöwen Bullen und ruhten sich aus. Überall stehen Schilder zur Warnung, damit Neugierige sich nicht zu nahe an sie herantrauen. Es ist durchaus erlaubt, dass man am Strand spazieren geht, aber wenn Seelöwen sich dort befinden, dann ist es auf eigene Verantwortung. Sie können sehr wohl beissen und sie sind schneller, als ich eigentlich gedacht habe. Wir konnten sogar Zeugen sein, wie zwei Bullen eine kleine “Auseinandersetzung” mit Gebrüll, Schnauben und Keuchen ausfochten. Der Kleinere hat sich schnell wieder zurück gezogen. Ein Erwachsener kann rechtzeitig entkommen, aber ich bin mir nicht sicher, dass es z.B. Anton gelungen wäre, schnell genug davon zu laufen. Wir hielten uns brav an den vorgegeben Sicherheitsabstand und sassen in den Dünen und betrachteten sie eine ganze Weile.  

Und jetzt sind wir in Dunedin angekommen. Die grösste Stadt im südlichen Neuseeland. Wir wissen noch nicht, wie lange wir hier bleiben werden. Die Stadt sieht interessant aus, da sie viele gotische Gebäude vorzuweisen hat. Der Grossteil der Bevölkerung hat schottische Vorfahren. In der Universität sind 25.000 Studenten eingeschrieben, eine grosse Anzahl, wenn man bedenkt, dass es 120.000 Einwohner gibt. Aber wir erwägen der Natur den Vorrang vor der Stadt zu geben und werden in das Landesinnere in Richtung der Stadt Alexandra fahren und von dort unsere Reise zu Neuseelands höchsten Berg, Mount Cook, fortzusetzen. Wir konnten ihn schon vom Fox Glacier Village an der Westküste vor einigen Wochen bewundern, aber jetzt befinden wir uns auf der “richtigen” Seite, von hier aus können wir tatsächlich an ihn herankommen. 

Wir werden sehen, was wir dann machen werden. Das Gute daran ist, dass wir es nicht eilig haben. Wir haben immer noch gut vier Wochen, bevor wir von Christchurch nach Seattle, USA fliegen. 

Überall macht sich jetzt der Frühling bemerkbar. Es wird langsam wärmer tagsüber. In der Nacht ist es immer noch ein bisschen kalt. Osterlilien und Narzissen stehen in voller Blüte am Strassenrand. Hier wachsen sie wild. Zu Hause in Europa haben die Schulkinder bald Herbstferien und man ist gerade dabei genügend Holz für den Winter zu hacken. Gestern sahen wir die ersten Weihnachtsschokoladenmänner im Supermarkt. Ein komischer Gedanke, dass im Hochsommer hier Weihnachten ist. Zu der Zeit sind wir dann in Kalifornien. 

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/Anders

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