Bald sind es vier Wochen seit dem wir nach einer 52 wöchigen Reise rund um die Welt in München gelandet sind. Selbstverständlicherweise gibt es viele Veränderungen nach so vielen Erlebnissen. Aber wir fühlen uns geborgen und freuen uns sowohl über die vertrauten Dinge und als auch die vertraute Umgebung. Unser eigenes Bett und die Freude wieder mit unseren eigenen Kopfkissen zu schlafen, aber darüber haben wir bereits geschrieben.  Es ist auch schön wieder die Nachbarn zu sehen und mit ihnen zu reden. Spaziergänge an der Isar, an der wir ganz nahe wohnen. Den lokalen Biergarten zu besuchen. Sich einfach in die hinterste Reihe der  Theatinerkirche zu setzen und diese bekannte gigantische Ruhe zu geniessen. Einige der lokalen Cafés haben einen neuen Farbanstrich und neue Stühle verpasst bekommen. Neue Restaurants sind eröffnet worden. Andere haben geschlossen. Das Leben ist still und leise während unserer Abwesenheit weitergegangen. 

Wir haben einen kleinen Ausflug nach Franken, in das nördliche Bayern, eine Woche vor Ostern unternommen. Die Franken machen gerne einen Unterschied zwischen sich und dem restlichen Bayern. Aber sind und bleiben ein Teil Bayerns. 

Alexandras Freundin aus Hotelfachschulen Zeiten, Martina und ihre Familie, betreiben einen Gasthof mit einem dazugehörigen Weingut in dem kleinen Städtchen Sommerach, nur einen halbe Stunde von Würzburg entfernt. In Sommerach ist irgendwie noch alles ein bisschen, wie in den guten alten Zeiten. Man könnte fast glauben, dass man sich in Mitten des 17. Jahrhunderts befindet, wenn nicht die Autos und Traktoren diese Illusion zerstören würden und man sich tatsächlich im Jahr 2014 befindet. Hinter dieser Fassade steckt in Sommerachs eine moderne Gesellschaft, in der die Bewohner ein echtes Interesse aneinander haben, aber es trotzdem eine gesunde Konkurrenz zwischen den 15-20 lokalen Weinanbauern gibt. Man muss noch immer durch die Stadttore, wenn man in die Innenstadt gelangen will. So wie damals! Ausserhalb der Stadt liegen die Weinberge über viele Kilometer verteilt. Hier wird sowohl Weiss- als auch Rotwein produziert, aber Weisswein dominierend hier klar. Bei unserem Gastgeber, der Familie Strobel, wird auch ein wunderbarer Roséwein hergestellt. Auch ein moussierender. Normalerweise bin ich kein grosser Fan von Roséweinen, aber dieser hat mich wirklich überzeugt. Hier klicken um direkt zum Gasthof Zum Weissen Lamm zu gelangen. 

Mein Mutter, die uns über Ostern besuchen wollte, trafen wir in Sommerach und zusammen mit Antons Oma aus München, gingen wir auf Erkundung in der Umgebung. 

Würzburg ist ein gutes Beispiel für eine Stadt, an der die meisten Nordeuropäer auf der Autobahn auf dem Weg in den Süden zu den sonnigen Küsten im Sommer und im Winter zu den schneebedeckten Küsten in den Alpen vorbei rauschen. Vielleicht wird einmal Halt an einer der riesigen “Autobahn Haltestellen” gemacht, aber die wenigsten nehmen den Weg auf sich in die Innenstadt zu fahren. Das ist echt schade, da Würzburg und Umgebung so viel zu bieten haben. 

Die Stadt kann mit aller Gewissheit auf das das Jahr 600 n. Chr. datiert werden, aber sie ist wahrscheinlich noch älter. In der Bronzezeit stand hier schon eine Festung auf ein Bergkuppe ausserhalb der Stadt. Hier liegt heute der Marienberg, dessen Kirche, die Marienkirche, ca. 704 n. Chr. erbaut worden ist. Der Marienberg ist eine grosse Festung, die in mehreren Etappen errichtet worden ist und daher verschiedene Stilarten vorweisen kann. Man kann entweder von der Stadt den Weg zu Fuss auf sich nehmen oder ganz mit dem Auto nach oben fahren. Wir wählten die letztere Möglichkeit und parkten ausserhalb der Festungsmauern. Durch gewaltige Pforten gingen wir das letzte Stück in den inneren Bereich. Dort steht ein Turm, der in den Märchen von Rapunzel bei den Gebrüder Grimm vorkommt. Sehr hoch und ohne Fenster. Nur ganz oben sind einige wenige Fenster zu finden und dort war Rapunzel im Märchen gefangen gehalten worden. Von hier aus liess sie ihr langes Haar hinunter, um die Hexe und den Prinzen daran herauf klettern zu lassen. 

Im Innenhof auf dem Marienberg liegt auch ein Museum und an der Aussenmauer liegt ein Barockgarten, von diesem hat man eine der schönsten Ausblicke über Würzburg und Umgebung. Ein Paradies für kleine Jungen und Anton lief, wie ein Verrückter herum. Natürlich nicht ohne Aufsicht! Es gibt schon einige Stellen, wenn man nicht aufpasst, es schon ein bisschen gefährlich werden könnte mit so einem kleinen Wirbelwind. Eine schöne Stelle zum Spazierengehen und Entdecken. Es liegt eine seltsame Ruhe über den alten Gebäuden. Ich wäre nicht verwundert gewesen, wenn auf einmal Menschen in Mttelalter Kostümen oder ein Ritter in seiner Rüstung auf einen Pferd aufgetaucht wären. Als wäre die Zeit für einige Jahrhunderte stehen geblieben.

In der Innenstadt Würzburgs liegt die Residenz, dieses steht auch auf UNESCOs Weltkulturerbe Liste. Sie wurde in den Jahren von 1720-1744 erbaut und gehört zu den allerschönsten Barockpalästen Deutschlands. Es vergingen an die 40 Jahre den Komplex nachdem 2. Weltkrieg wieder aufzubauen und zu restaurieren, damit man heute die Residenz in seiner vollen Pracht wieder bewundern kann. Ein schönes und imponierendes Wahrzeichen in seinem früheren Glanz. Aussen herum liegt der gepflegte und beeindruckende Residenz Garten. Hier kann man einige Stunden damit verbringen durch die Anlage zu wandern und die in Form geschnittenen Büsche, Hecken und Bäume zu bewundern, oder einfach auf einer Bank zu sitzen und die Umgebung zu geniessen. 

Eine andere unserer Touren in die Umgebung führte uns in die Mittelalterstadt Rothenburg ob der Tauber. Eine der best erhaltenen Mittelalterstädte Deutschlands und kann bis in das Jahr 950 n. Chr. zurück datiert werden. Es wurden 40% der Altstadt im 2. Weltkrieg zerstört, aber es konnte trotzdem die Authentizität bewahrt werden. In der Mitte befindet sich ein Marktplatz (bei unserem Besuch wurde kein Markt abgehalten), ein altes Rathaus, ein paar alte Kirche und viele schöne kleine verwinkelte Gässchen mit Kopfsteinpflaster und Souvenirläden. Viele der alten Häuser sind schief und man braucht schon einen guten Handwerker, wenn neue Fenster eingebaut werden sollen. Wirklich nichts ist hier gerade! An vielen Stellen kann man sonnige Gärten finden. Einige sind sogar öffentlich. Hier liegt auch  Europas grösstes und tollstes Geschäfte für Weihnachtsschmuck. Dort ist das ganze Jahr über Weihnachten! Billigt ist dieser Schmuck natürlich nicht und wenn man so richtig in die Weihnachtsstimmung kommen will, dann kann man zudem in das Weihnachtsmuseum gehen. Wir widerstanden der Verlockung und sparten uns den Eintritt.  

Statt dessen fanden wir einen gemütlichen Biergarten. Zur Zeit ist Spargelzeit in Bayern. Das bedeutet bei uns in der Familie, dass wir so oft als möglich Spargel essen. Weissen Spargel, natürlich! Der ein bisschen trockene und langweilige grüne Spargel, der so beliebt in Skandinavien ist, ist hier kein “richtiger” Spargel. Der Geschmack ähnelt dem weissen, aber trotzdem wird um ihn nicht so viel Wind gemacht! Wir essen Spargel in den unterschiedlichsten Zubereitungensformen und mit all möglichen Beilagen. Hier in Rothenburg konnte man zum Spargel Bartwurst, Schinken, Forelle, geräucherter Lachs, Wiener und vieles mehr wählen. Am Anfang fand ich es ein bisschen komisch, dass man Spargel mit so vielen Sachen kombinieren kann. Je länger ich in Deutschland bin, desto besser gefällt mir dieses Konzept. Im Übrigen hat fast jedes Restaurant, das was auf sich hält eine separate Spargelkarte. Und für Dänen, die sich Sorgen machen sollten: Ja, es gibt auch die ganz normale Spargelsuppe auf der Karte. 

Letzte Woche wurde Anton vier Jahre alt. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir wir unsere Reise begannen, hatte er noch Windeln, sass in seinem Kinderwagen und man konnte klar und deutlich an unseren Gepäck erkennen, dass wir mit einem Kleinkind unterwegs waren. Nach und nach während unserer Reise wurde es einfacher zu packen und leichter zu tragen. Besonders in USA ging es sehr schnell. Bei unserer Ankunft in Seattle wollte er schon so gar nicht mehr richtig in seinen Kinderwagen sitzen. Wir behielten ihn ziemlich lange, obwohl er richtig viel Platz im Kofferraum beanspruchte. Am Ende unserer Tour in USA gaben wir ihn in einem Laden der Wohlfahrt ab. Windeln haben wir tagsüber nicht mehr seit Las Vegas benutzt. Als eine Art Neujahrsvorsatz hat er seit Silvester begonnen auf die Toilette zu gehen. Wir haben ihn nicht wirklich daraufhin trainiert, dass er sauber wird, ausser mit der “Motivation” in Form von Gummibärchen oder mit einem Versprechen, dass er ein bisschen Kinderprogramm sehen darf. Es hat einfach geklappt! In der Nacht braucht er immer noch eine Windel, obwohl diese am Morgen meist trocken ist. Wir haben damit gerechnet, dass es ein bisschen schwieriger sein kann, da wir dauernd unterwegs waren. Aber Anton liess sich davon nicht beeindrucken!

Viele haben uns schon gefragt, wie es ist, wieder zu Hause zu sein. Feste Routinen, eine Einkaufsliste, eine Monatskarte für die Tram und U-Bahn zu haben. Bis jetzt ist es herrlich! Wir hatten fast die ganze Zeit Besuch, also so richtig alleine waren wir bisher noch nicht. Der Balkon ist bereit für den Sommer, das Lauftraining hat begonnen (nur für Alexandra) und wir haben wieder den selben Arbeitsrhythmus, wie vor unserer Reise. Alexandra arbeitet zwei Tage die Woche und ich ebenfalls und wir haben ein langes Wochenende von Freitag bis Sonntag. Alexandra hat begonnen nach Arbeit zu suchen und ich kümmere mich u.a. um unsere Webseite, die gerade modernisiert wird. 

Jetzt sind wir eine ganz normale Familie, aber mit einer Unmenge an Erlebnisse. 

Hier klicken, um die Fotos von unserer Tour durch Franken zu sehen!

/Anders

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