Was machen wir nur mit einer “Extrawoche”? Die Antwort war einfach: Wir besuchen die Orte, die uns am besten auf der Südinsel gefallen haben. Diese Extrawoche war keine wirklich grosse Überraschung, da wir immer unser Abreisedatum im Kopf hatten. Es machte nur rein mental einen Unterschied, da wir auf einmal mehr Zeit hatten, als wir uns gedacht haben, bevor die Reise über den grossen Teich gehen sollte. 

Haben wir etwa zu viel Zeit in Neuseeland kalkuliert? Nein, nicht unbedingt. Drei Monate sind natürlich eine lange Zeit und zehn Wochen wären auch in Ordnung gewesen. Die Abflugsdaten wurden bei unserem “Round the World” Ticket von vornherein festgelegt und  es ist am besten, wenn man sich daran hält. Also machten wir das beste darauf und fuhren an unsere Lieblingsorte, wie Wanaka und Queenstown zurück. Danach wollen wir weiter in den Norden nach Kaikoura, Akaroa und unseren letzten Stop, Christchurch aufbrechen.

Wir feierten Alexandras Geburtstag in Queenstown. Wenn man mit einem dreijährigen Kind unterwegs ist und sich zudem auch noch an seine Essens- und Schlafenszeiten halten muss, kann man nicht unbedingt am Abend zum Feiern ausgehen. Stattdessen assen wir gemütlich und richtig gut zu Mittag in einem lokalen Café und verbrachten den Nachmittag im Botanischen Garten. Das Wetter war an diesem Tag unerwarteterweise gut verglichen mit dem vorherigen Tagen. Es regnete an diesem Tag fast nicht. 

Die Nächte waren ziemlich kalt und unser kleiner Heizlüfter lief fast ununterbrochen. Wir hatten auch das “Glück” das erste Mal auf unserer Reise durch Neuseeland Schnee zu sehen. An einem Morgen konnten wir sogar frischen Schnee auf den Bergspitzen bewundern.  

Auf den Weg zurück nach Christchurch machten wir erneut einen kleinen Zwischenstop in Oamaru. Eine der Orte, die wir besonders ins Herz geschlossen haben. Die Altstadt mit dem viktorianischen Viertel, der gemütliche Sonntagsmarkt am Hafen und dann natürlich auch Riverstone Kitchen nördlich ausserhalb der Stadt. Diese drei Dinge wollten wir unbedingt nochmal erleben. Wir waren echt überrascht, dass uns die Kellnerin in der Riverstone Kitchen wiedererkannte. Obwohl es ein preisgekröntes Restaurant ist und dort tagtägliche richtig viele Gäste einkehren. Ich traute mich nicht zu fragen, warum sie sich an uns erinnerte. Die Antwort konnte ja in alle möglichen Richtungen gehen... :-)

Bei unserem ersten Besuch in Queenstown gingen wir mit Anton zum allerersten Mal ins Kino. Ein Erlebnis, von dem er mehrere Tage sprach. Er war total begeistert den  “Planes” Film zu sehen. Die “Hauptperson”, das Flugzeug Dusty, sahen wir in einem Museums Souvenirladen und Anton gab nicht eher Ruhe, bevor er sein heissgeliebtes Spielzeug bekam. Er sprach viel über Dusty und konnte endlich mit ihm spielen. Er erklärte uns auch noch, dass er unbedingt bald wieder ins Kino möchte. Wir erkundigten uns, ob der Film immer noch in Queenstown lief, aber er wurde leider schon abgesetzt. Glücklicherweise hatten wir mehr Glück in Oamaru. Also sassen wir letzten Samstag Vormittag alle drei wieder in den sehr bequemen Kinostühlen mit einer grossen Leinwand vor uns und konnten noch einmal Dusty´s Abenteuer miterleben. Bevor wir in den Kinosaal gingen, erinnerte Anton mich daran, dass wir natürlich Popcorn und was zum Trinken kaufen sollten. Beim letzten Mal hatte er fast vergessen sein Popcorn zu essen, da der Film viel zu spannend war. Diesmal ging es viel besser! Das schönste für uns als Eltern ist es seine grosse Begeisterung zu sehen. 

Wir logierten uns ein weiteres Mal auf den besten in der Umgebung (wenn nicht sogar in ganz Neuseeland) Campingplatz, Waitaki Waters Holiday Park, ein. Er liegt ca. 20 min nördlich von Oamaru in Richtung Strand. Wir gönnten uns eine kleine Hütte und konnten einen sehr guten Preis aushandeln, der nicht über unseren Budget lag. Oft haben wir mehr für einen Stellplatz mit Strom auf einem Campingplatz bezahlt! Wir blieben dort wieder drei Tage. Wir wollten uns einfach entspannen und in richtigen, bequemen Betten schlafen und das sonnige Wetter geniessen. Für Anton gab es viele Kinder mit denen er spielen konnte.  

Unsere nächste Station hiess dann Kaikoura. Wir brauchten einen ganzen Tag, um dort anzukommen und fuhren direkt an Christchurch vorbei an der Küste entlang. Hier hat man sich auf Wal- und Delphintouren spezialisiert. Unser Plan war eigentlich, dass wir mit Delphinen schwimmen wollten und haben mit Anton viel darüber gesprochen. Aber dann haben wir herausgefunden, dass es ein Mindestalter für Kinder gibt, nämlich acht Jahre. Viele der Anbieter hatten sogar ein Mindestalter von fünf Jahren, dass man überhaupt mit dem Schiff mitfahren und die Delphine beobachten konnte. Glücklicherweise gab es einen, der Kinder ab drei Jahren erlaubte. Allerdings nur für die Bootsfahrt, leider nicht für das Schwimmen mit Delphinen. Der Grund dafür ist, dass die Delphine wild und untrainiert sind und die Teilnehmer müssen daher die Anweisungen der Besatzungsmitglieder verstehen und umzusetzen können. Wir waren allerdings der Meinung, dass Anton dies auch gut bewältigen könnte, da er bereits am Great Barrier Reef geschnorchelt ist. Aber der Anbieter ist nicht von dieser Regel abgewichen, was ich eigentlich auch gut verstehen konnte. War allerdings schon ein bisschen ärgerlich! 

Aber auch nur die Bootsfahrt war ein fantastisches Erlebnis. Hunderte von wilden Delphinen schwammen nur ein paar Kilometer entfernt von der Küste um uns herum. Die für das Schwimmen mit den Delphinen bezahlt haben, hatten auch eine wunderbare Zeit im Wasser. Obwohl man die Tiere nicht berühren durfte, war es trotzdem für die Schwimmer eine super geniale Erfahrung. Wir haben darüber geredet, dass einer von uns gut ins Wasser hätte springen können, aber dann wäre Anton garantiert enttäuscht gewesen. An Bord hatten wir auch eine schöne Zeit und eine wunderbare Aussicht über die Küste, das Wasser und die Delphine. Über 500 Fotos haben wir nur in den wenigen Stunden geschossen. Ein Besatzungsmitglied erzählte uns, dass einige Tage vorher jemand mehr als 3000 Fotos in dieser kurzen Zeit gemacht hat. Wie man das ganze nur durch die Kameralinse erleben kann, frage ich mich allerdings. Ein bisschen kann ich es verstehen, da ich gut den “Mechanismus” kenne, der im Kopf eines Fotografen ausgelöst wird...Auch ich musste mich mehrmals dazu zwingen einfach nur so dazusitzen, ohne durch die Linse zu glotzen. 

Nach dieser kleinen Schiffstour, bei der ich mal wieder seekrank geworden bin, quartierten wir uns auf einen Campingplatz ein, bei dem die “Hot Pools” umsonst waren. Die Sonne schien, auf dem Campingplatz war es ruhig und wir hatten den Hot Pool ganz für uns alleine. Ein entspannter Abschluss für einen schönen Tag!

Während unseres Aufenthalts in Kaikoura konnten wir auch einige Robenjunge beim Spielen am Fusse eines Wasserfalles, der 20 min ausserhalb der Stadt lag, beobachten. Die Roben verfrachten hier Jungen den Fluss hoch zu einem See am Wasserfall. Bei unseren Besuch tummelten sich leider nur drei Robbenjungen fröhlich spielend im Wasser herum. In der “Hochsaison” sind es einige mehr. Die Stelle liegt auch noch gut versteckt in Mitten eines Regenwaldes. Ganz schön schlau von den Robbenmüttern! Die Welpen wachsen in der sicheren Entfernung vom Meer und dessen Gefahren auf. 

Danach ging es wieder einmal zurück in Richtung Christchurch und weiter zu der kleinen Stadt Akaroa, die auf einer Halbinsel, Banks Peninsula, bisschen östlich von Christchurch liegt. Die Stadt wurde ursprünglich von Franzosen gegründet und man kann noch immer den französischen Einfluss spüren. Es war fast so, als wären wir ein bisschen in Europa. Kleine, schön verzierte Häuser im alten europäischen Stil. Strassenlampen mit Schnörkeln und vielen kleinen Details. Viele Gedenkstätten und ein alter Leuchtturm am Hafen vervollständigen das Bild. Am Hafen liegen viele kleine Fischrestaurants und Cafés im europäischen Stil. Der Campingplatz lag ein wenig erhöht auf einen Berg und wir bekamen einen Platz mit Aussicht über die ganze Bucht. Hier konnten wir auch merken, dass so langsam die Campingsaison los geht. Es war nicht überlaufen, aber fast! Glücklicherweise waren sehr viele Kinder auf dem Platz und Anton bekamen wir die nächsten Tage kaum zu Gesicht und seine Ohren waren auf Durchzug gestellt.  

Damit haben wir haben wir momentan, in Mitten aller dieser Reiseerlebnisse, zu kämpfen. Anton ist gerade im Trotzalter und hat ein selektives Hören entwickelt. Er hört auf die einfachsten und kurzen Anweisungen nicht. Und wenn das, was der “Herzog” zu hören bekommt nicht in seinen Kram passt, dann kann es sein, dass er wütend davon wandert und dann ist es schwer sich wieder mit ihm zu vertragen. So was geht ja gerade so auf einen eingezäunten Campingplatz, wo nicht so viele Gefahren lauern. Die Autos fahren sehr langsam und vorsichtig und es stehen überall Schilder, die auf spielende Kinder aufmerksam machen. Wenn wir auf der Strasse sind oder uns an einem anderen Ort befinden und er uns nicht zuhört, kann das leicht zu einem Problem werden. Wir haben verständlicherweise Angst, dass er an einer befahren Strasse wegrennt oder nicht die Konsequenzen überschauen kann, wenn er wütend davon stolziert, zu weit vielleicht und uns dann nicht wiederfinden kann. Man kann auch nicht mit einem Dreijährigen argumentierten und wir müssen momentan sehr deutlich mit ihm reden. Es ist manchmal sehr schwer ruhig zu bleiben und nicht seine Stimme zu heben, selbst wenn man selber auf 180 ist. Und das nachdem man stundenlang nach ihm gesucht hat, so kommt es einem zumindestens vor. Anton verliert sich auch gerne in seiner eigenen kleinen Welt und  vergisst dann alles um sich herum und entfernt sich unabsichtlich von seinen Eltern. Momentan halten wir ihn an der kurzen Leine, aber uns wurde schon gesagt, dass dieser Zustand noch eine ganze Weile anhalten wird. Es ist ganz normal, dass kleine Jungs einerseits ihre Grenzen austesten, aber andererseits auch kleine Träumer sind, die gerade schnell noch was erledigen müssen, bevor sie was essen oder ihre Zähne putzen können.  

Na ja, hier in Neuseeland ist es sehr sicher und niemand will unser Kind stehlen. Wenn wir uns in einigen Tagen auf den langen Weg nach USA machen, müssen wir wesentlich aufmerksamer sein. Hier müssen wir mehr auf die Sicherheit achten, auch wenn sich Anton bestimmt laut stark beschweren wird. Wir wollen ja keinen Horrorfilm hautnah erleben!

Wir haben herausgefunden, dass er besonders trotzig ist, wenn er Hunger hat. Er ist nicht besonders am Essen interessiert, obwohl wir feste Essenszeiten und immer was für in der Tasche mitdabei haben, sagt er uns immer, dass er nichts essen will. Erst wenn es dann so richtig eskaliert, gibt er zu, dass er Hunger hat und doch gerne einen Apfel oder eine Banane essen will. Wir haben nachgelesen, dass unser Sohn ganz normal ist und wir uns die nächsten Jahre darauf einstellen müssen ständig unsere Kommunikation verbessern zu müssen. Glücklicherweise können wir auch sehen, dass er sich viel besser auszudrücken kann und uns so sagen kann, was er gerne will. Gespräche erleichtern das Verständnis. Das Problem ist nur, dass diese Gespräche viel zu viel Zeit von der spannenden Spielzeit wegnehmen. 

Morgen “müssen” wir unseren Campervan abliefern Unser Heim der letzten drei Monate! Das wird komisch werden, da wir uns sehr daran gewöhnt haben, obwohl es nicht sehr geräumig war. Anton weiss genau, wo alles ist und wo er schläft. Wir freuen uns darauf in den USA auf eine andere Art und Weise zu reisen. Wir werden ein ganz normales Auto haben und in Hotels übernachten. Die letzten Tage hier in Neuseeland werden wir in Christchurch in einem Hostel im Zentrum verbringen. 

Wir wissen, dass uns in Christchurch ein etwas anderes “Abenteuer” erwarten wird. Das Stadtzentrum wurde vor drei Jahren von einem grossen Erdbeben erfasst und die Aufräumarbeiten dauern immer noch an. Gerade erst hat man mit dem Wiederaufbau begonnen und man rechnet damit, dass es 25 Jahren dauern wird, bis es wieder so wie früher aussehen wird. Einige der alte Gebäude sind leider für immer verschwunden. Es warten auch viele gute und positive Erlebnisse auf uns in Christchurch: wie das Antarktis Center, auf das ich mich persönlich sehr freue!

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/Anders

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