Ich weiss gar nicht, wie oft ich schon in England war, inklusive London. Vor einigen Jahren war ich oft auf Geschäftsreise in Milton Keynes und seit ich Alexandra kenne, waren wir jedes Jahr mindestens einmal in London, wenn nicht öfters.

Aber diesmal interessieren wir uns beide zum ersten Mal für den Rest des Landes. Was liegt eigentlich vor den Toren Londons? Vor einigen Wochen machten wir eine Tour in den Norden bis nach Schottland, aber dieses Mal ging es in den Süden. An die Küste des Ärmelkanals.

Unser erster Besuch galt dem “The Eden Project” in der Nähe von St. Austell in Cornwall. Ein wirklich besonderer Ort mit zwei riesigen “Biome, oder Kuppeln. In dem einem Wintergarten befinden sich ein tropischer Regenwald und in dem anderen die Natur des Mittelmeeres. Sie sind gigantisch gross! Man vergisst total, wenn man durch den Regenwald wandert, dass es gar kein richtiger, natürlicher Regenwald ist. Es gibt einen Wasserfall, kleine Hüten und eine abwechslungsreiche Vegetation auf den bebauten Feldern. Im Mittelmeer Biom blühten anlässlich des Frühlings tausende von schönen Tulpen auf den Feldern. Die Biome sind von einem sehr schön angelegten Park, in dem man die gängigen Pflanzen und Bäume findet, umgeben. Wunderschön anzusehen! Leider regnete es bei unseren Besuch, also hielten wir uns drinnen auf. 

Wir verbrachten viele spannende Stunden in den beiden Kuppeln, die nicht nur aufgrund Ihrer Ausstellung der zahlreichen Pflanzen, Bäume und Tiere, etwas besonderes ist, sondern alleine der Architektur wegen. Wunderschön und es sieht aus, als wäre ein Stück von der Zukunft vom Himmel gefallen und in einem goldenen Tal gelandet. Man kann sich wirklich vorstellen, dass solche Kuppeln Model für ein Mars Projekt oder ähnliches waren. Die ganze Herrlichkeit wird von einem Wohltätigkeitsfond betrieben. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, Menschen über den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur. zu informieren und auszubilden. Z.B. wird anschaulich dargestellt, wie Reis, Kaffee und Bananen von den Feldern zu uns in die Regale im Supermarkt landen. Es gibt Kaffeepflanzen, Reisfelder und Bananenplantagen und das alles im Biom! Es wird einem die Wichtigkeit   verdeutlicht, warum Regenwälder wieder angepflanzt werden und die Ausbeutung von Ackerland und Abholzung gestoppt werden sollte. Alles sehr sympathisch und erfolgreich vermittelt. Mich hat es auf alle Fälle an viele Orte erinnert, die wir auf unserer Reise um die Welt besucht haben. Wir haben einige schreckliche Beispiele von Naturzerstörung gesehen. Es ist offensichtlich, dass es lange dauern wird, bis die Erde wieder im Gleichgewicht ist. Es ist frustrierend zu sehen, wie wir schon seit vielen Jahren in Westeuropa versuchen eine bessere Umweltschutz zu haben (wir könnten noch viel mehr machen), während woanders die Natur zerstört wird. Auch in wohlhabenden und gut ausgebildeten Ländern! Das Eden Project hilft es Verständnis zu schaffen, dass es wichtig ist seinen Teil beizutragen. Spannend, zum Nachdenken anregend und sehr lehrreich!

Danach ging es weiter nach Torquay, einer populären Urlaubsdestination. Hier betrieben Sybill und Basil Fawlty ihr “Fawlty Towers” Hotel, eine sehr populäre englische TV Serie. Und tatsächlich übernachteten wir in einem Hotel, dass dem sehr ähnelte. Das Cleveland Guesthouse war allerdings sehr gepflegt, professionell geführt und hatte einen fantastischen Service Standard. Keinen unhöflichen John Cleese! Charmant und genau das, was wir mögen! Die Besitzer gaben uns viele Tips, was wir in der Umgebung ansehen sollten. Torquay ist eine alte Stadt, die an der “Englischen Riviera” mit einem grossen Hafen, an dem Sportboot vor Anker liegen neben den Bootsstegen. Es ist immer noch eine Touristendestination und viele Engländer sind hier für eine kurze oder längere Zeit in den Sommermonaten. Zu dem ist es auch noch der Geburtsort von Agatha Christie.

Torquay ist, wie so viele kleinere Städtchen entlang der Südküste Englands, ein Stadt, bei der man sich vorstellen kann, dass Kapitän Hook und seine Besatzung im 16./17. Jahrhundert von hier in die See gestochen sind. Hier herrscht immer noch eine unverwechselbare Hafen- und Seeräuber Atmosphäre. Auf eine coole Art! Wir assen zu Abend im “Hole in the Wall”, Torquays ältesten Pub, der ca. 1540 erbaut worden ist. Es war witzig in einer Ecke zu sitzen und aus einem Abend die Einheimischen zu betrachten, in Gesellschaft mit einer menschengrossen Kapitän Hook Statue.

Wir hatten viel zu wenig Zeit um uns Torquay intensiv anzusehen, aber wenn wir das nächste Mal in England sind, kann es gut sein, dass wir von hier aus Devon näher erkunden werden. Wir schafften es allerdings zum Babbacombe Model Village, eine tolle Attraktion für Kinder. Eine riesige Stadt in Minigrösse mit einer Berglandschaft, Zug, Schloss, Dörfern, Autos und Menschen. Eine fantastische kleine Welt, von der wir sehr begeistert waren. Auf alle Fälle einen Besuch wert. 

Ein wenig ausserhalb von Southampton, das wir nicht besuchten, liegt das Corfe Castle. Dies wurde an einem recht steilen Hügel errichtet, so dass man es aus weiter Ferne schon sehen kann. Von hier aus hat man einen fantastischen Ausblick, bis ganz nach Southampton. Die Burg ist schon längst zu einer Ruine verfallen. Diese gehörte 350 Jahren der Familie Bankes, die sie 1635 erwarb und erst in den 1980igern den englischen Staat übertrug. Da war sie bereits schon so mitgenommen, dass nur noch Teile des Ringwalls und die meterdicken Aussenmauern der Burg standen. Aber immer noch ein spannender Ort um auf Entdeckungstour zu gehen. Kinder erhalten eine kleine Schatzkarte, mit der man kleine Schilder finden und dann Fragen über den Ort und die Zeit beantworten muss. Der Preis ist eine kleine Medaille, die man dann am Ausgang bekommt. Nur natürlich, wenn man alle Fragen richtig beantwortet. Die Antworten stehen auf den Schildern selber, so schwer ist es also nicht. Es wird unter anderem im Corfe Castle auch die Geschichte der Burg durch die Jahrhunderte erzählt, so wurde auch angeblich König Kong Arthur hier gefangen gehalten. 

Im angrenzenden Dorf herrscht Leben und egal wo man sich befindet, kann man immer aus dem Augenwinkel die Burg erahnen. So mächtig ist sie. Aber weder düster, noch irgendwie traurig! Ganz im Gegenteil, einladend und charmant im klassischen, englischen Landstil. 

Wir haben es sogar geschafft uns Rye anzusehen. Eine kleines historisches Städtchen, ein bisschen entfernt von der Küste, aber trotzdem mit einem Hafen. Rye Harbourliegt einige Kilometer von der eigentlichen Stadt Rye entfernt. In Rye kann man eine Menge jahrhundertalter Gebäude im “Tudor Stil” sehen, wie eine schöne Kirche und viele, kleine und gewundene Gässchen mit Kopfsteinpflaster. Auch ein wunderbares und restauriertes Schloss kann man hier finden. Rye war trotz seiner Grösse quirlig und hat viele Geschäfte zu bieten. Überall luden unzählige Cafés, Restaurants und Teehäuser zum Besuch ein und sie waren auch alle ziemlich gut besucht. 

Und im Städtchen Rye wohnt auch unter anderem Sir Paul McCartney und einige der Mitglieder der englischen Band Keane. Und wie es so bei uns ist, hörten wir natürlich auch die passende Musik, während wir durch diese wunderbare Landschaft fuhren. Ich kann jetzt sehr gut verstehen, warum viele Londoner in Essex ein Sommerhaus haben. Grüne Felder, Wälder und Flüsse! Die historischen Gebäude, strohbedeckte Bilderbuchidylle und Landstrassen, die sich durch die kleinen Städtchen schlängeln. Mit anderen Worten: schmuckes Landleben in einer etwas teuren Gegend! Hier wird alles sehr gepflegt, die frisch gemähten Rasenflächen und die zurecht gestutzten Buchsbaumhecken. Es ist nicht ungewöhnlich Aston Martins, Bentleys und Rolls Royces zu Gesicht zu bekommen. Es wirkt aber trotzdem nicht protzig und das “gemeine” Volk, so wie wir, fühlen uns auch wohl. 

Eine Woche ist natürlich viel zu kurz, um alles sehen zu können, was das südliche England zu bieten hat. Wir werden garantiert nochmals in diese Gegend fahren, um mehr zu erforschen. 

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/Anders

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