Dies ist bereits mein dritter Besuch in Irland und wie schon die letzten beiden Male waren wir auch diesmal in der Connemara. Hier kann man eine der schönsten und gleichzeitig einer der wildesten Seiten der irischen Natur erleben.

Hier kann man weidende Schafe, Kühe und Pferde sehen, wie sie sich mit gebeugten Kopf dem kalten Wind widersetzen. Der Regen strömte nur so über die Landschaft und am Himmel verdunkelten grauen Wolken die Welt um uns herum, während wir über die kurvigen und engen Landstrassen fuhren. Überall auf den Hügeln kann man Steinansammlungen und längst verlassene Cottages sehen, in denen vor langer Zeit Hirten- und Bauernfamilien wohnten. Jetzt erinnern nur noch vereinzelnde Mauern daran.  

Das klingt alles nach einer düsteren und traurigen Umgebung. Nein, so ist es aber nicht! Die Natur ist rau und roh, aber es ist auf eine coole Art sehr attraktiv. 

Man muss sich nur die kitschigsten Hollywood Szenen vorstellen, die Irland darstellen sollen. Schafe, Gras, Klippen und dann irische Volksmusik im Hintergrund! Wenn man sich dieses Bild vorstellen kann, dann befindet man sich genau hier!

Wir haben zusammen mit Alexandras Schwester ein Cottage in der Mitte von Nirgendwo mit einer unglaublichen Aussicht geliehen. Blickt man über den Atlantik, dann ist erst der nächste Stop New York. Wie passend! Wir haben Alexandras Mutter aus München hierher gelockt. Es war eine Überraschungsreise für sie. Sie war davor schon zu Alexandras Schwester nach London geflogen und sollte dann zusammen mit ihr eine kleine Reise nach Schottland unternehmen. So wurde ihr auf jeden Fall die Geschichte verkauft! Aber anstatt nach Schottland zu fliegen, ging es nach Shannon in Irland. Von dort aus mit dem Auto zu dem Cottage, dass wir an der Connemara Küste geliehen hatten. Das Beste daran ist, dass es meiner Schwiegermutter, die sich nicht wirklich gut mit schottischen oder irischen Flughafennamen auskennt (aber wer kann das eigentlich), aufging, wo sie ist, wie sie im Auto sass und vom Flughafen losfuhren. Dort stand nämlich ein grosses Schild “Welcome to Ireland” und das konnte man wirklich nicht übersehen!

Anton war wirklich super glücklich seine Oma wiederzusehen. Nach über einen Jahr! Ansonsten haben sie sich immer nur über Skype gesehen. Dazu natürlich auch seine Cousins Benjamin und den kleinen Jack, der erst vor sieben Monaten auf die Welt kam. Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch in Australien und nun konnten wir ihn zum allerersten Mal zu Gesicht bekommen.

Es regnete und stürmte die meiste Zeit unseres Aufenthalts in Renvyle. Wie die Iren sagen: “Wenn Dir das Wetter nicht passt, dann warte einfach 15 Minuten!” Und das stimmt! Wir konnten oft von unseren gigantischen Fenstern in der Küche sehen, wie die Wolken über den Atlantik in Richtung Land in einer unglaublichen Geschwindigkeit zogen. Sobald wir Pläne für den sonnigen Tag geschmiedet hatten, so änderte sich das Wetter schlagartig und es begann zu schneien. Konstant wehte ein Wind! Ein kräftiger sogar! Komischerweise liegen gerade hier einige der exklusivsten, kleinen Hotels und einige der besten Golfplätze. Ganz an der Küste! Wir fragten nach, ob man überhaupt bei so einem Wetter spielen könnte. “Ja natürlich!”, war die Antwort. “Das sind die schwersten Golfplätze des Landes!!” Den Schwierigkeitsgrad zweifle ich nicht an. Ich bin selber kein Golfspieler. Wenn ich einer gewesen wäre, dann hätte es mir bestimmt sehr gut gefallen hier mit roten Wangen und gefühllosen Händen spazieren zu gehen und den Golfschläger zu schwingen. Aber unser halbstündiger Spaziergang in der Umgebung des Hauses hat mir schon mehr als gereicht. Danach haben wir uns wirklich eine heisse Tasse Tee vor dem Kamin verdient. 

Bereits bei unserem ersten Besuch in Irland bemerkte ich den konstanten Geruch von verbrannten Torf in der Luft. Das kann natürlich sein, dass wir immer im Herbst oder Winter hier waren, somit in der Heizsaison. Ich kenne mich nicht so wirklich mit den aktuellen dänischen oder deutschen Kamin Regeln aus, aber es kommt mir so vor, als wäre diese Art der Befeuerung und Beheizung ein bisschen “traditionell” und altmodisch. Aber nichts desto trotz sehr effektiv und man kann leicht das Feuer entfachen. Ich bin in einem Zuhause mit einem Ofen aufgewachsen. Meine Aufgabe im Winter bestand darin nach der Schule diesen anzuzünden, damit es schön gemütlich warm im Wohnzimmer am Abend war. Ich weiss es nicht genau, wieviele sinnlose Stunden meines Lebens ich damit verbracht habe ein Feuer zu entfachen. Und wieviele Ofenanzünder, Zeitungen und Streichhölzer ich verbraucht habe. Aber mit Torf und den mehr modernen Kohlbriketten, die man hier auch gerne benutzt, wird es einem sehr leicht gemacht. Die meisten Häuser auf dem Land haben einen Kamin oder einen Ofen und so liegt immer ein leichter Brandgeruch über dem Land. Es ist nicht unangenehm, aber als Tourist fällt einem so etwas auf.

In der Connemara besuchten wir u.a. die Kylemore Abbey, ein ehemaliges Internat für Mädchen. Geführt von Nonnen, die bald herausgefunden haben, dass es gewinnbringender und weniger anstrengend ist die Abtei in eine Touristenattraktion umzuwandeln. Der schön angelegte Park und der viktorianische Garten mit ein paar restaurierten Glashäusern sind für sich schon eine Attraktion. Der Garten ist von einer alten hohen Mauer umgeben und es wirkt so, als wäre es aus einem Märchen. Die grossen türkisen Eingangspforten ziehen einen magischen ein und man will den Garten erforschen. Selbst zur Winterzeit ist es sehr schön, aber im Sommer muss es ein unglaubliches Erlebnis sein. Das Schloss an sich ist nichts besonders. Von aussen erinnert es ein bisschen an Hogwarts aus den Harry Potter Büchern. Leider wurde es teilweise durch einen Brand in den 1950 Jahren zerstört und innen ist es immer noch nicht fertig in Stand gesetzt. Daher sind gerade mal fünf Räume für die Öffentlichkeit zugänglich. Dafür ist der Eintritt ganz schön hoch, aber ich kann trotzdem einen Besuch bei Kylemore Abbey empfehlen.

Wir waren auch im Connemara National Park. Dort konnten die Kleinen sich auf dem Spielplatz bei der Touristeninformationen austoben und wir unternahmen noch eine kleine, leichte Wanderung durch die umliegende hügelige Umgebung. Wir hatten Glück mit dem Wetter und die Sonne schien und die Berge in der Umgebung waren noch auf den Spitzen mit Schnee bedeckt. Was für Farben! Es war fantastisch! Die unterschiedlichen blauen und türkisen Farbtöne des Meeres, das intensive Grün des Grases und der Pflanzen in den Felder und die braune Farbe des Wintergrases, Strohs und Laubs. Dazu die volle blaue Farbpalette des Himmels mit den schneeweissen Wolken, die sich auf den grauen Bergen wiederspiegelten. Ich habe viele Fotos geschossen, aber ich weiss nicht, ob sie so geworden sind, wie ich es mir vorstelle. Man muss es mit eigenen Augen sehen! Es erinnerte mich sehr an die vielen schönen Stellen, die wir in Neuseeland auf der Südinsel gesehen haben. Da könnte man auf die Idee kommen, dass man sich die lange Reise auf die andere Seite der Welt sparen könnte. Aber so ist es einfach nicht! Man muss beides sehen! So eine Landschaft, wie wir sie zu diesem Zeitpunkt sehen durften, bekommt man normalerweise in Irland nicht so oft zu Gesicht, da der Golfstrom, der draussen im Atlantik vorbeiströmt, normalerweise den Schnee weghält. Schnee sieht man nicht oft hier! Und wenn dann bleibt er nicht lange liegen!

Nach einer gemütlichen und entspannten Woche mit vielen Stunden vor dem Feuer und um den grossen Tisch in der Küche fuhren wir weiter nach Clifden, wo wir uns in das  Abbeyglen Castle Hotel einquartierten. 2005 waren wir zum ersten Mal hier und das ist bereits unser dritter Aufenthalt. Wir kommen gerne immer wieder, da es ein besonderer Ort ist. An so einem nassen und windigen Wintertag kann es ein bisschen alt und trist aussehen, aber sobald man die Lobby betritt, wird man von einem gemütlichen Feuer, tiefen Ledersofas und einen Papageien mit dem Namen Gilbert und einem serviceorientierten und engagierten Personal begrüsst. Es bleibt einem überlassen, was man bucht, aber wir nehmen immer die Halbpension. Das Essen ist einfach unübertroffen! Auch das Frühstück! Man wird sehr aufmerksam im Restaurant bedient. Am Abend sitzt ein Pianist am Klavier und sorgt für Hintergrundmusik. Die Inneneinrichtung ist traditionell und ein bisschen altmodisch. Die Zimmer sind persönlich und exklusiv eingerichtet, mit eigenem Kamin und Jacuzzi. Die ersten Male unseres Aufenthaltes sassen wir nur da und schauten uns interessiert und neugierig um. Es erinnert ein bisschen an einen Agatha Christie Film, der in den 1920-iger Jahren spielt. Aber alles ist echt und die Bedienung ist so herzlich, dass man sich einfach zu Hause und gut aufgehoben fühlt. 

Habe ich eigentlich erwähnt, dass jeden Nachmittag Tee und Scones serviert werden und es jeden Abend vor dem Abendessen einen Champagner Empfang für alle Gäste gibt? Beides ist natürlich im Übernachtungspreis inbegriffen. Bei unserer Ankunft bei einem schlimmen Sturm am Vormittag waren leider unsere Zimmer noch nicht fertig. Wir waren viel zu früh angereist, aber bei diesem Wetter konnte man nicht wirklich draussen etwas unternehmen. So bekamen wir Tee und Scones in der Bibliothek angeboten, während wir gemütlich darauf warteten das unsere Zimmer fertig wurden. Alles ohne Aufpreis!

Es klingt vielleicht ein bisschen teuer und es war garantiert nicht eine der billigsten Übernachtungen auf unserer Reise. Aber wir haben genau diesen Aufenthalt mit einberechnet und wollten es gemeinsam mit Alexandras Familie geniessen. Und wenn man es ganz genau nimmt, dass ist es nicht so teuer, wenn man bedenkt, was alles dazu gehört. Es ist einer dieser klassischen Hotelaufenthalte, der ganz alten Schule, wo man mit seinem Namen angesprochen wird (selbst an die Namen unserer Kleinen wurde gedacht!), man genau weiss wer wer ist, wo man im Restaurant sitzt, welches Zimmer welche Getränke oder welche Wellness Anwendungen hatte usw. Ohne das man gefragt worden ist. Alles mit Stil, selbst einen Hubschrauber Landeplatz gibt es, aber trotzdem sind weder die Gäste noch das Personal arrogant. Jeans und T-Shirt sind ganz ok. Sonst hätten wir echt ein Problem mit einer passenden Garderobe aus unserem Rucksack gehabt. Anton und Benjamin waren im Übrigen total begeistert einen Hubschrauber landen und starten zu sehen. 

Am Sonntag hatte ich Geburtstag. Beim Abendessen wurde mir zum Geburtstag gratuliert und gesungen und ich bekam einen Kuchen mit Kerzen mit Schokoladenglückwünschen. Von mir wussten sie nicht, dass ich Geburtstag hatte. Alexandra musste es wohl beim Checkin erwähnt haben. In solchen Hotels denkt man an so was....

Am Montag fuhren wir nach Galway und hier verliessen uns Alexandras Schwester samt Familie und meiner Schwiegermutter, um zum Flughafen zu fahren und zurück nach London zu fliegen. Nach zehn Tagen zusammen waren es nur noch threeonthego. 

Galway ist ein absolutes MUSS in Irland. Die Stadt wurde 1124 mit der Festung Dún Bhun na Gaillimhe gegründet und erbaut. Seitdem hat sich die Stadt in die nähere Umgebung ausgebreitet. Heutzutage ist es eine moderne Stadt mit 76.000 Einwohnern und mit einer sehr anerkannten Universität. Mehrere grosse Persönlichkeiten haben von hier einen Ehrendoktortitel, wie Nelson Mandela, Martin Sheen, Gabriel Byrne und Enya. Auch für die Kultur ist reichlich gesorgt mit unterschiedlichsten Museen, Theatern und mit einer sehr variierten und aktiven Musikkultur. Nicht nur die typische irische Musik, sondern auch jede jegliche Musikrichtung. Kunsthandwerk, Schmuck, Antiquitäten kann man überall in der Stadt auf der Haupteinkaufsstrasse und in den kleinen Seitenstrassen finden. Seite an Seite mit den unterschiedlichsten Pubs, wo man gut essen und natürlich ein oder zwei Pints Guiness trinken kann, um alles herunterzuspülen.  

Es gibt viele alte Häuser in Galway und die Strassen sind klein und eng und sind zu meist Einbahnstrassen. Da kann man schon ein bisschen nervös werden, wenn man einen Parkplatz für sein Leihauto finden soll und das auch noch ohne Schrammen. Bisher ist uns das auch geglückt! Mittlerweile kennen wir die Infrastruktur der Stadt ganz gut, dass uns nicht die üblichen Touristenfehler unterlaufen. 

Ein richtig guter Freund von uns, Ken, der in Mönchengladbach in Deutschland wohnt, ist ursprünglich in Galway geboren und aufgewachsen. Seine Eltern haben ein kleines, feines Antiquitätengeschäft in der Innenstadt im Latinquartier. Alexandra kennt sie ziemlich gut und ich habe sie bereits einige Male getroffen. Sie luden uns zum Abendessen ein und es wurde ein gemütlicher Abend mit einer anregenden Unterhaltung über die grossen und kleinen Dinge des Lebens. Natürlich auch über die Iren selber, Irland und deren Platzierung auf der Weltkarte und die aktuelle wirtschaftliche Situation des Landes. Wie in so vielen europäischen Ländern merkt man auch hier, dass es schon bessere Zeiten gegeben hat. Aber die Iren sind stolz und stur und sie schaffen es doch irgendwie. Richtige Armut haben wir nicht gesehen, obwohl es sie bestimmt gibt. 

Danke Phil und Frank für echte, irische Gastfreundschaft und das aufrichtige Interesse an unserer Reise. Und vielen Dank auch für die vielen guten Tips für unsere Weiterreise in Irland! 

Wir setzen unsere Tour in der kommenden Woche fort, bevor es nach London geht, das unsere Basis für unsere nächste und letzte Etappe, England, Wales und Schottland wird. 

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/Anders

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