Vor vielen Jahren sass ich bei meiner Oma beim Mittagessen und fragte sie, ob wir nicht zufälligerweise irgendwo auf der Welt Verwandte hätten, bei denen ich billig Urlaub machen könnte. Sie erzählte mir eine Geschichte von ihrer Nichte, die von München erst nach Chile, wieder zurück nach München und dann nach Australien ausgewandert sei. Interessante Geschichte, aber ganz genau habe ich allerdings nicht zugehört. 

Zu Beginn meines Wintersemesters 1997 an der FH musste ich einen Morgen zum allerersten Mal den Bus nehmen, da mein Auto streikte. Noch nie musste ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Trudering nach Pasing und dementsprechend wusste ich überhaupt nicht, wo ich in die S-Bahn einsteigen sollte. Schon eine Station weiter stieg jemand ein, der genauso, wie ich keine Ahnung hatte und ausgerechnet mich um Hilfe bat. Wie es sich herausstellte ein Australier, der in München auf Besuch bei seiner Tante war und in die Stadt zum Shoppen wollte. Zusammen fanden wir den Weg zur nächsten S-Bahn Station. Der Gedanke in der Früh zu einer Statistik Vorlesung zu fahren, war nicht allzu verlockend, daher fragte ich den netten Australier, ob wir nicht zusammen Kaffee trinken sollten. Gesagt getan, sassen wir im Café Glockenspiel und er zeigte mir das dicke Telefonbuch, das er mitgeschleppt hatte, um einen Radausstattungsgeschäft zu finden. Es hätte es auch getan, wenn man einfach die Adresse herausgeschrieben hätte. Aber anscheinend macht man das so in Australien. Heute würde man das eher auf seinen Handy googeln....oder man hätte mit Hilfe von Google Maps den Weg in die Stadt gefunden. Aber dann hätten Erich und ich uns nie im Bus getroffen.

Aus dem Kaffee trinken, wurde ein Tag mit Laufen durch die Stadt, um dieses Radgeschäft ausfindig zu machen. Welches, wie es sich herausstelle, überhaupt nicht mehr gab. Das Telefonbuch war wohl ein bisschen veraltet. Aber immer gut dabei zu haben. Nebenbei hat mir Erich seine Lebensgeschichte erzählt. Irgendwie läuteten bei mir die Glocken, aber ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Einfach nur den Tag genossen, der so ganz anders geworden ist, als ich in der Früh gerechnet habe. Alles ist einfach besser als eine Statistik Vorlesung! 

Bevor es nach diesem Ausflug wieder heim nach Trudering ging, konnte Erich sogar mein Auto richten. Er hatte zwar erwähnt, dass er bei Qantas arbeitet und ich bin allerdings davon ausgegangen, dass er ein Flugbegleiter oder sowas ist, nicht jemand, der tatsächlich was vom Reparieren versteht. So wie ich einige Sachen etwas anders gedeutet habe...

Bei mir zu Hause angekommen, wurde er auch gleich meiner Mutter vorgestellt, die total begeistert von ihm war. Zu guter Letzt sind wir am selben Abend noch ausgegangen. Es war ein super Abend, an dem wir uns stundenlang unterhalten haben. 

Am nächsten Tag bei meiner Oma und teilte ich ihr mit, dass ich einen super netten Australier kennengelernt habe und nach Australien müsste und das einzige, was sie mich fragte, war ob ich denn auch seinen Nachnamen wüsste. Natürlich wusste ich den. Ich werde NIE ihr Gesicht und ihr Geste vergessen, wie sie mit dem Finger auf mich deutete und sagte: “Und er heisst nicht Fangmeyer, oder!?” Ja, genauso hiess er und heisst er immer noch: Erich Fangmeyer! Der Sohn ihrer Nichte, die vor vielen Jahren nach Australien ausgewandert ist. Und ausgerechnet im Bus lerne ich ihn kennen!  Es ist einfach unglaublich! 

Ich hätte nie die Geschichte meiner Oma weiterverfolgt und hätte nie so diesen Teil meiner Familie kennengelernt. Vielleicht wäre ich auch nie nach Australien gefahren. Das erste Mal 2000 zusammen mit meiner Schwester, wo wir selbstverständlich auch Erich besuchten und meine Schwester ihn endlich selber kennenlernen konnte. Dann nochmals 2002. Dann hatte ich eigentlich vor jedes zweite Jahr zu kommen, aber wie es so immer mit Plänen ist, sind über 11 Jahre ins Land gegangen bevor die Reise wieder auf die andere Seite der Welt ging. Diesmal zusammen mit meiner ganzen Familie und auch diesmal wieder bei Erich und seiner Familie, die uns fast vier Wochen in ihr Heim eingeladen haben. Wir sind vier Erwachsene und vier Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahre. Es geht rund! Es ist einfach super!

Als ich nach den Verwandten bei meiner Oma fragte, hoffte ich eigentlich, dass es irgendwo einen reichen Onkel in Amerika gäbe. Aber stattdessen ist ein Cousin (3.Grades oder so) aufgetaucht! Wie cool ist das? Meine Oma väterlicherseits hiess Trump....vielleicht sollte ich das mal ein bisschen googeln..... ;-)

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Alexandra

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