So lange, wie ich denken kann, habe ich davon geträumt nach Sydney zu reisen. Aus vielen Gründen. Ich habe viel über die grösste Stadt Australiens gelesen und gehört. Bestimmt auch, weil es die international bekannteste Stadt Australiens ist. In Dänemark ist sie natürlich um noch einiges bekannter, da der Däne Jørn Utzon das bekannteste Wahrzeichen der Stadt entworfen hat: Das Sydney Opern Haus. Und da war doch auch so irgendwas mit einer Olympiade 2000, wo Kronprinz Frederik seine Mary traf. 

Eigentlich hatten wir vor sieben Tage in Sydney zu bleiben und anschliessend drei Tage in den Blue Mountains zu verbringen, die sind nur eine Stunde Fahrt westlich gelegen, bevor es weiter südlich nach Adelaide geht, wo unsere Tour an der Great Ocean Road gen Melbourne beginnt. Nachdem wir bereits schon einige Tage in der Stadt waren, haben wir beschlossen noch ein bisschen länger zu bleiben und nicht in die Blue Mountains zu fahren, damit wir noch ein paar Tage extra hier haben. Der Grund für diese Entscheidung ist bestimmt, dass wir hier eine kleine Wohnung gemietet haben, wo wir ganz für uns sein können. Nach mehr als einen Monat in einem Campervan und unzähligen Campingplätzen, ist es mal schön zur Abwechslung in einem breiten und bequemen Bett zu schlafen, Fernsehen zu schauen und ein einigermassen stabiles Internet zu haben. Na ja, so wirklich stabil ist es nicht. Ich beginne mich zu fragen, ob es wirklich so was in Australien gibt! Und überhaupt haben wir uns als Hauptregel vorgekommen langsam zu reisen, aus Rücksicht auf Anton. Er findet es herrlich sein eigenes Schlafzimmer für eine Zeitlang zu haben, aber er kommt aber trotzdem jeden Morgen still und heimlich zu uns rüber und kuschelt sich unter die Decken zwischen uns. 

Sydney ist nicht Australiens Hauptstadt, wie so viele denken. Das ist Canberra ein bisschen länger südlich. Aber die Hauptstadt von New South Wales und auch die grösste Stadt des ganzen Landes mit an die 4,6 Millionen Einwohner. Hier leben Menschen von überall her aus der Welt, Engländer und Chinesen machen den grössten Teil der Minderheit aus. Die Stadt ist ein richtiger Magnet für Ausländer. Ganze 75% des jährlichen Wachstums der Stadt kommt von ausländischen Zuwanderern, oder von bereits etablierten ausländischen Familien. Das ist wirklich international!

Es ist sehr schwer Sydney kurz und knapp zu beschreiben. Aber wenn man es ganz einfach ausdrücken will, dann ist es meiner Meinung nach eine Mischung aus New Yorks Hochhäusern und gerade Strassen und Londons viktorianische Architektur, von der man überall Spuren finden kann. Aber hier hört sich auch schon der Vergleich mit beiden Städten auf. Sydney ist einzigartig, alleine nur der Sydney Harbour - ein langgestrecktes Hafenareal, dass sich durch den zentralen Teil der Stadt zieht und es somit aussergewöhnlich macht. Es herrscht ein reger Verkehr von Fähren und kleinen Booten am zentralen Fährenterminal, der mitten im Finanzdistrikt liegt. Diese Fähren und Boote sind eine wichtige Ergänzung zu dem grossen Netzwerk Sydneys aus Regionalzügen, Bussen und U-Bahnen und so ist es möglich ausserhalb der Stadt zu wohnen und unter einer Stunde zur Arbeit zu kommen. Wir nahmen auch einen Tag eine Fähre, um auf die andere Seit zu kommen, um einen Ex-Kollegen von uns beiden zu besuchen, der hier mit seiner Familie wohnt. Die Fahrt dauerte nur zehn Minuten, aber mit dem Auto wären es 40 Minuten durch die ganze Stadt gewesen. Wir konnten sogar einige fantastische Bilder auf der Überfahrt machen. Wir waren eingeladen, um die Skyline von der anderen Seite zu bewundern. Wow, und was für eine grossartige Aussicht! Und wie die Sonne unterging, hat sich der Licht in der Stadt allmählich geändert und wir konnten nur darauf starren. Direkt am Wasser auf der anderen Seite ist die Oper und ein bisschen weiter links die Harbour Bridge, ein anderes Wahrzeichen der Stadt. Es ist bestimmt die beste Aussicht, die ich jemals gesehen habe! Es kann einfach nicht besser werden, ein Gebäude, das sich  auf der UNESCO Liste der wichtigsten zu erhaltenden Gebäude auf der Welt befindet! Zum Glück hatte ich an mein Stativ für meine Kamera gedacht (mit Hilfe von Alexandra, natürlich!) und konnte so einige Abendbilder machen. Ich habe so lange fotografiert, bis die Batterien leer waren. 

Während der ganzen Planungsphase der Tour habe ich nie daran gezweifelt, dass Sydney mit dabei ist und wir hier einige Zeit verbringen werden. Es war nur eine Frage, wie wir es während unseres dreimonatigen Aufenthalts in Australien einbauen. Alexandra war schon zweimal hier und hat einiges schon gesehen. Aber wie schon in Queensland im Norden ist es auch diesmal wieder was anders. Und auch in Sydney ist seitdem eine Menge passiert. Die Oper hat sie allerdings noch nie von innen gesehen. Für uns beide war das der allerwichtigste Punkt auf unserer Liste. Und an einem Nachmittag machten wir eine geführte Tour durch Utzons fantastisches Bauwerk.  

Ich interessiere mich schon seit langen für Architektur, selbst wenn ich nicht so viel darüber weiss. Ich weiss nur, was mir gefällt und was nicht. Und die Oper gehört definitiv zu den Bauwerken, die mir so richtig, richtig gut gefallen. Schon immer wollte ich sie mal sehen! Glücklicherweise hatten wir einen Tourguide, der wirklich AUSGEZEICHNET war und dazu auch noch sehr mitreisend von der Hintergrundgeschichte erzählten konnte, bevor das Gebäude überhaupt gebaut worden ist. Utzon gewann 1959 die Ausschreibung nur mit einigen wagen Skizzen. Bestimmt wirklich gute und visionäre Skizzen, aber nur Skizzen ohne detaillierte Berechnungen. Sobald er wusste, dass er gewonnen hatte, setze er ein dänisches Bauunternehmen daran die ganze Sache zu berechnen. Und wie bei solchen Bauvorhaben in so einer Grössenordnung, die aus öffentlicher Hand bezahlt werden, gab es eine Frist, die eingehalten werden musste. Dies bedeutete auch, dass mit der Arbeit begonnen werden musste, bevor die Berechnungen fertig waren. Utzon blieb total ruhig und zweifelte nie daran, das sich eine Lösung finden würde. Probleme bereitete die heute charakteristische Wellen-oder Muschelform des Bauwerkes. Sie  war nicht so einfach zu konstruieren. Vier Jahre nachdem man bereits mit dem Bau begonnen hatte, fand sich eine Lösung. Man war schon dabei aufzugeben. Zu diesem Zeitpunkt sollte sie schon knapp ein Jahr fertig sein, aber es sollte noch weitere zehn Jahre vergehen bevor Königin Elizabeth II sie endlich 1973 einweihen konnte. Selbstverständlich zog diese Verspätung von gut zehn Jahren Konsequenzen hinter sich. Sowohl politische als auch für den Architekten selber. Jørn Utzon hatte bereits im Zorn Sydney verlassen und kam nie wieder zurück und konnte niemals das fertige Gebäude sehen, bevor er 2008 starb. Er konnte allerdings miterleben, dass es auf die UNESCO Lister der historischen und erhaltenswürdigen bedeutsamen Gebäude aufgenommen wurde. Das hatte zur Folge, das JEGLICHE zukünfigen Restaurierungs- und Umbausmassnahmen nur durchgeführt werden duften, da die Zeichnungen von Utzon selbst stammen und er die Leitung übernommen hat. Das ist natürlich jetzt schwieriger, aber die letzten zehn Jahre seines Lebens hat er es geschafft alle Zeichnungen und Pläne anzufertigen, die für die geplanten Umbauten der Oper nötig waren. Er machte alles von seinem Zuhause in Kopenhagen aus, ohne jemals wieder einen Fuss in Sydney auf die Erde zu setzen. Das neue Foyer ist fertig, ganz neue unterirdische Laderampen werden momentan gebaut und einer der Konzertsäle soll komplett umgebaut und erweitert werden. Für alles liegen Zeichnungen vor. Aber wie so schön der Tourguide sagte:  “In so einem total geschützten Gebäude, wie diesen, kostet das natürlich etwas. Ich glaube erst daran, wenn ich das ganze fertig sehe!” Die Arbeiten werden jetzt von Jan Utzon  und seinen zwei Söhnen weitergeführt. Die sind überraschenderweise auch Architekten.  

Ich muss eingestehen, dass ich mehr als beeindruckt war! Selten habe ich einen Ort auf meiner Liste von Dingen, die ich sehen muss, bevor ich sterbe, die mich in so einem Ausmass überwältigt haben. Es ist häufiger Fall, dass ich von vielen dieser Traumdestinationen ein bisschen enttäuscht werde, wenn ich endlich davor stehe und sie mit eigenen Augen sehe. Die Oper hat mich einfach aus den Socken gehauen! Ich bin stolz darauf aus einem Land zu kommen, in dem solche Visionen und Gedanken entstehen können. Zu dem konnte ich auch sehen, dass die anderen in unserer Gruppe nicht weniger beeindruckt waren. Utzons Vermächtnis ist in Stein und Beton in Sydney gemeisselt und er wird hier hoch respektiert. ALLE kleinlichen politischen Querelen und  Streitereien der Bauperiode sind längst vergessen und man hat gerne die nötigen Mittel für den Umbau und die Instandhaltung bewilligt.  

Auch Anton war wie gebannt. Seit wir zum ersten Mal das Opernhaus gesehen haben, waren wir schon vier weitere Mal hier, nur um noch mehr von den überwältigenden Eindruck aufzusaugen. Allerdings nur von aussen, aber immerhin. Anton spricht jeden Tag von der Oper und will bei ihr vorbeigehen nur um dort ein bisschen zu sitzen und sie anzuschauen. Er findet die Bögen toll und die Begeisterung der Eltern steckt ihn wahscheinlich an...

Unsere Wohnung, die wir uns gemietet haben, liegt in einem feineren Viertel Sydneys. Das war nicht mit Absicht, aber es ist schon ein wenig lustig nachdem wir in Queensland so ganz anders gewohnt haben. Hier liegen eine Menge feine, alte Häuser im viktorianischen Stil. Genauso wie wir sie schon aus London kennen. Viele von ihnen sind Ende des 18. Jahrhunderts gebaut. Jeden Tag wenn wir die Strasse entlang gehen, sehen wir träumerisch diese sehr gut instandgehaltenen Häuser an. Um die Ecke liegt ein grosses Haus, das die letzten 50 Jahre nicht renoviert worden ist. Es steht zum Verkauf und zwei Mal pro Woche wird ein Tag der offenen Tür abgehalten. Keine Frage, natürlich sind wir reingegangen und haben es uns angeschaut. Es war noch genauso, wie vor 50 Jahren. Ein feines Haus, wo an nichts gespart wurde. Eingang, Wohnzimmer, Esszimmer, feineres Esszimmer, Schlafzimmer, Herrenzimmer, Damenzimmer, dazu zwei Küchen, eine davon sah so aus, als wäre sie nicht erneuert worden, seit das Haus in den 1880-igern gebaut worden ist. Das Bad und die Toilette waren in einem Aussenhäuschen, das man durch eine überdeckte Terrasse erreichen konnte. 

Wir sahen uns in allen Zimmern um und versuchten uns vorzustellen, wie man alle die Jahre bis heute dort so gewohnt und gelebt hat. Das Ehepaar, das dort residierte, ist jetzt in einem Pflegeheim und man kann merken, dass es nie an Geld gemangelt hat. Das Haus steht für 1,8 Mio australische Dollar (knapp an die 1,3 Mio Euro) zum Verkauf und dann sollte man davon ausgehen, dass man nochmal gerne eine Million investieren muss, um alles auf den neuesten Stand zu bringen. Ja, ja, man darf doch träumen. Es war auf jeden Fall spannend zu sehen!

In Paddington, in dem Viertel in dem wir momentan wohnen, gibt es eine Anzahl von kleinen “Boutiquen”, die nur nach Vereinbarung öffnen. Es gibt europäisch inspirierte Cafés, die selbstgemachte ökologische Gerichte und Cookies mit italienischen San Pellegrino Wasser zu überteuerten Preisen anbieten. Und dann gibt es noch einen kleineren Delikatessen Supermarkt, in dem wir nur einkaufen, wenn es nicht anderes geht. Ein Liter Milch kostet 1,90 Euro. Natürlich ökologisch!

Ausser das wir jeden Tag viele Kilometer durch die Stadt hinter uns legen, Kunstmusen, Parks, Einkaufscenter, Märkte usw. besuchen, SIND wir einfach hier. Wir haben unseren Alltag mit ruhigen Morgenstunden, Frühstück, Einkauf und Essenszubereitung usw. Wir haben unsere Abende mit Abendessen, Zähne putzen und Gute-Nacht-Geschichten. Wir haben übrigens auch herausgefunden, dass es VIEL billiger ist auf den Märkten einzukaufen, als in den Supermärkten. Für die Zeit hier haben wir einen Grosseinkauf an Obst und Gemüse gemacht. Und in dieser Winterkälte braucht man schon einige Teller Suppe. Und genau die, ist nicht so leicht zu zuzubereiten, wenn wir nächste Woche wieder mit einem Campervan unterwegs sind. 

Ende dieser Woche fliegen wir nach Adelaide. Dort beginnt unsere Tour durch Südaustralien. Wir nehmen uns wieder Zeit. Es gibt viel zu sehen. Die Weinanbaugebiete, Kangaroo Island, Great Ocean Road usw. Die Temperaturen dort sind knapp unter 15 Grad, aber wir konnten uns schon die Woche über hier in Sydney daran gewöhnen. Unsere Ausrüstung (sprich Klamotten) wurden ein bisschen verbessert und erweitert und jetzt sollten wir gut gerüstet sein, um nicht zu frieren!

Hier klicken für Bilder von Sydney!

/Anders

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