Wir sind gestern Nachmittag in Phuket angekommen. Der Flug von  Bangkok war kurz und schmerzlos und am Flughafen funktionierte alles  reibungslos. Wo auch immer wir hinkommen, ist Anton der Hit. Mit so einem bleichen, westlichen Jungen MUSS man einfach sprechen und auch oft berühren. Bis jetzt nimmt er es gelassen, aber wie ich ihn recht kenne, wird es ihm irgendwann zu viel. Das gute ist z.B., dass wir am Flughafen als erstes an Bord gehen können und so in aller Ruhe unsere Rucksäcke und Zeug verstauen können, bevor die anderen einsteigen.

Wir hatten leider bis jetzt erst einen einzigen Tag in Bangkok, bevor es weiter nach Phuket ging. Wir haben diesen Tag genutzt, um die Nachbarschaft zu erkundigen und am Schluss haben wir mit einem Tuk-Tuk (ein kleines, offenes Taxi, mit einem Moped-Motor) die wichtigsten Tempel angeschaut. Wir hatten einen lokalen Thai, der uns erklärte, was die absoluten “Highlights” sind. Dann hielt er für uns ein Tuk-Tuk an und los ging es. Da das Neujahr in Thailand vor der Tür stand, hat die Regierung die Tage bis dahin keine Steuern auf sämtliche touristische Aktivitäten und Dienstleistungen erhoben. So wurden wir in dem Tuk-Tuk einen ganzen Nachmittag für nur 40 Baht herumgefahren. Im Bild oben sitzen wir im Tuk-Tuk. Ich finde, dass das sehr billig ist. Nach einiger Zeit wurde mir klar, warum das so war. Unser Fahrer bekam nämlich einen kleinen Bonus, wenn er uns zu bestimmten Restaurants und Geschäfte fuhr (ein Juwelier und ein Schneider) und wenn wir dann dort etwas gekauft hätten, dann hätte er z.B. einen Benzin Gutschein bekommen. Da wir momentan nicht wirklich einen maßgeschneiderten Anzug oder auffällige Juwelen brauchen, lehnten wir dankend ab. Wir konnten sehen, dass der Fahrer nicht besonders begeistert war, aber das konnten wir nicht ändern. Ich gab ihm 20 Baht extra als Entschädigung. Er lächelte und bedankte sich mehrmals, wie er uns bei unseren Hotel herausgelassen hat. 60 Baht (knapp 2 Euro) für diese Tour meiner Ansicht ist das nicht viel Geld. Wenn man das mit einer Cola zu 50 Baht in einem Restaurant vergleicht. Im Laden kostet diese 15 Baht. Er kutschierte uns trotzdem einige Stunden durch die Stadt.

Hier kann man deutlich den Unterschied sehen zwischen dem Geld, das die Touristen mit ins Land bringen und was den Thais zum täglichen Leben zur Verfügung steht. Man kann es fast nicht begreifen. Ich weiss sehr wohl, dass wir Touristen einen anderen Preis für Essen und Trinken in Restaurants bezahlen als die Einheimischen. Aber es gibt auch viele Orte, wo ein Einheimischer niemals hinkommen würde. 

Wir haben auch die klassischen Regeln gelernt, wenn es um Sachen geht, die so viel billiger sind: Es gibt immer einen Haken, und bei uns war es so, dass wir im Laufe dieses schönen und interessanten Nachmittages zu Orten gefahren wurden oder Umwege in Kauf nehmen mussten, die wir nicht wollten. Und das war fast das schlimmste! Ich kann sehr wohl eine zeitlang vorgeben einen Anzug kaufen zu wollen, aber es wird irgendwann unangenehm, wenn man darauf bestehen muss, dass es jetzt Schluss damit ist und man gerne ins Hotel zurück möchte.

Hier in Phuket ist man sehr abhängig vom Tourismus. Das kann man überall sehen und ich würde fast sagen, dass es hier kaum lokale thailändische Kultur gibt. Alles wird den Ansprüchen der Touristen gerecht. Alle Aushänge und Menükarten in den Restaurants sind in allen möglichen Sprachen geschrieben. In Bars (und davon gibt es viele) dröhnt die westliche Musik der 60-iger, 70-iger und 80-iger Jahren ununterbrochen aus überdimensionalen Lautsprechern und auf den Grossbildschirmen wird Europa Cup Fussball gezeigt. Bis jetzt wurden wir bis um 2:00 Uhr nachts mit Smokies Greates Hits auf den Laufenden gehalten. Und ich bin nicht mal ein grosser Fan von Smokie! Auf den Märkten und in den Geschäften haben wir bisher noch nichts gefunden, dass tatsächlich echt ist. Die unglaublichsten Sachen werden kopiert, sogar die, von denen ich dachte, dass sie es nicht wert sind zu kopieren zu werden. Man lernt halt nie aus!

Trotzdem mache ich mir Gedanken darüber, warum so viele immer wieder hier her kommen. Einer der Grund wird wohl das Wetter und die Wärme (und das Preis-Leistungsverhältnis) sein. Alles sollte am besten, wie zu Hause sein. Abgesehen davon wollen sie hier mehr protzen, als sie es wahrscheinlich zu Hause tun würden (hoffe ich zumindenstens!). Aber sie könnten auch gut und gerne zu Hause in Manchester, Stockholm, Oslo, Kopenhagen oder Moskau sein.

Wir sind trotzdem sehr glücklich gerade hier zu sein. Wir wussten im vornherein, wie es sein wird und es ist weder besser noch schlechter. Wir sind hauptsächlich hier um uns am Strand zu entspannen und die Sonne zu geniessen. Es geht auch darum unseren Alltag für Anton zu einem unterhaltsamen Erlebnis zu machen und daher ist eine Insel wie Phuket genau das Richtige. Hier ist man Experte die ganze Familie zu unterhalten. Wir werden jedoch versuchen hier in der Umgebung die “richtige” thailändische Kultur zu finden und natürlich auch wenn wir zurück in Bangkok sind. Wir haben ja noch eine Woche in der heissten Großstadt der Welt vor uns, bevor es weiter nach Australien geht.

/Anders

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