Nach einer unfreiwilligen einwöchigen Woche Pause von unserer Weltreise mit der Familie habe ich meine Füsse wieder auf neuseeländischen Boden gesetzt. Die Tour nach und zurück nach Jütland von Tür zu Tür dauerte an die 36 Stunden und obwohl es mir sonst immer leicht gefallen ist, während eines Fluges zu schlafen, war es diesmal nicht der Fall. Ich hatte auch nicht wirklich viel Beinfreiheit und zu dem waren da auch noch einige unglückliche Kinder, die ihrer Unzufriedenheit deutlich Laut gegeben haben...und dass sehr lange. Jedes Mal, wenn ich einen langen Flug hinter mich gebracht habe, habe ich das unglaubliche Bedürfnis sofort der Fluggesellschaft schreiben zu müssen. Sie sollten sich endlich was überlegen, wie z.B. ein Paar Sitzreihen rauszureissen, um so mehr Platz zwischen den Reihen zu schaffen, so dass so grosse Kerle, wie ich, einigermassen bequem einen zweimal zwölfstündigen Flug überstehen können. Es hilft auch nicht besonders der eigenen Stimmung, wenn man sieht, dass die Plätze bei den Notausgängen, die mit dem extra Beinplatz, von kleinen (aber schnellen) Männern besetzt sind. Solche, die dann kaum mit ihren Beinen den Boden berühren können. Vielleicht sollte man bereits beim Ticketkauf seine Grösse angeben können, damit man wenigstens ein bisschen mehr Komfort bekommen kann. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass ihnen das ziemlich egal ist.  Die haben keine Zeit oder Bedarf sich um so was Gedanken zu machen....

Nach meiner Ankunft in Neuseeland habe ich einen Tag gebraucht um das gröbste Jetlag zu überstehen. Wir haben den verregneten Tag dazu benutzt ein bisschen durch Aucklands Innenstadt zu schlendern. So ein paar Stunden auf der Haupteinkaufsstrasse reichen wahrlich nicht, um sich ein Bild von dieser Stadt zu machen, wir müssen also nochmals kommen. Es gibt bestimmt viel zu Entdecken!

Wir haben es vorgezogen weiter in den Norden zu fahren und sind gerade in Ahipara, ein kleines gemütliches Städtchen an der Westküste, ca. 100 km südlich Neuseelands Nordspitze, Cape Reinga. Von hier aus haben wir eine Tour bis ganz an die äusserste Spitze gemacht. Wenn man so richtig am “Ninety Mile Beach” entlang fahren will und nicht das richtige Fahrzeug hat, “muss” man so eine Tour machen. Wir wurden in Ahipara abgeholt und fuhren auf der “Inlandsstrasse” bis ganz nach oben, mit einem Picknick an einem einsamen Strand in mitten der Natur und wunderbaren blauen Wasser und zurück ging es entlang des “Strandweges” nach Ahipara. 

Ganz oben bei Cape Reinga steht ein alter Leuchtturm, der über die Klippen über das Meer sieht. Hier hat man ein ca. 250 Grad Aussicht. Man kann ganz klar erkennen, wo die Tasmansee auf den Pazifischen Ozean trifft. Die Wellen treffen an den Klippen aufeinander und schlagen mit voller Wucht von beiden Seiten an die Küste. Erinnert ein bisschen an Grenen in Dänemark, wo der Skagerrak (ein Teil der Nordsee zwischen der Nordküste Jütlands und der Südküste Norwegens und der Südküste Schwedens) auf das Kattegat (Meeresgebiet zwischen Jütland und der schwedischen Westküste) trifft. Hier in Neuseeland kann man nicht mit je einem Fuss in einem der Meere stehen. Lange standen wir hier und genossen die Aussicht beim Leuchtturm mit all den unterschiedlichen Farben, das Licht und die Naturgewalten. Wir hatten zu dem auch noch das Glück an einem windstillen Tag hier zu sein. Unser Guide sagte uns, dass normalerweise es immer sehr windig ist, und es daher sehr ungewöhnlich war, da nur eine geringe, angenehme Brise spürbar war. 

Auf dem Rückweg nach Ahipara ging es also über den “Ninety Mile Beach” und einige Stunden fuhren wir über den Strand. Bevor wir ganz an den Strand fuhren, kamen wir an einigen gigantischen Sanddünen vorbei. Die grössten, die ich jemals gesehen habe. Hier hielten wir an und aus dem Kofferraum des Busses tauchten so genannte “Sandboards” auf - eine Art Surfbrett, womit man die Sanddünen hinuntergleiten konnte. Für Anton gab es einen Schlitten, genau so einen hat er auch für den Winter in München. Jaha! So was kann man also auch auf Sand benutzen. Das war ein wahnsinniges Erlebnis! Und man bekommt wirklich Fahrt drauf, wenn man nach unten rutscht! Bei der ersten Fahrt war mir das ganze noch nicht so geheuer, selbst da uns der Guide versicherte, dass man gut die Geschwindigkeit mit den Füssen steuern kann. Aber einfach so bäuchlings auf einem Brett zu liegen, ist schon gewöhnungsbedürftig und wenn man zu dem nur daran denken kann sich gut festzuhalten, ist es schwierig die Fahrt zu geniessen. Dazu benötigt man schon ein bisschen Übung, bevor man in die Feinheiten gehen kann. Es ist alles super gut gegangen und wir alle drei hatten massig viel Spass. 

Der “ Ninety Mile Beach” ist tatsächlich nur 55 Meilen lang, oder an die 88 km. Der Name an sich ist also ein bisschen irreführend. Er ist der viertlängste Strand der Welt. Der längste ist in Praia de Cassino in Brasilien, dieser ist 132 Meilen lang, oder an die 212 km. Man meint, dass der Nintey Mile Beach seinen Namen von Missionaren erhalten hat, die ihn damals entlang geritten sind. Sie brauchten drei Tage für die ganze Strecke und damals konnte man mit einem Pferd ca. 30 Meilen, gut 50 km, an einem Tag hinter sich legen, daher wurde er “Ninety Mile Beach” getauft und seit damals hat niemand daran gedacht den Namen zu ändern. 

Es war super mit an die 90 km/h den Strand entlang zu düsen. Nur wenn wir an Stellen vorbei mussten, an denen Frischwasserströme in das Meer flossen, musste unser Guide ein bisschen mit der Geschwindigkeit runter. Genau an diesen Stellen besteht die Gefahr, dass man in dem Treibsand versinkt und selbst unser Guide, ein erfahrener Herr, der diesen Strand schon sein ganzes Leben auf und ab gefahren ist, musste auch an diesen Stellen sehr aufpassen. Wir hatten die ganze Zeit Sonnenschein und gutes Wetter, aber es ist ganz normal, dass sich das Wetter innerhalb von zehn Minuten ändern kann. Daher war der ganze Tag stramm organisiert, dass wir uns nicht verspäten, um nicht unterwegs von der Flut überrascht zu werden. 

Anton war Feuer und Flamme und am Abend wieder auf dem Campingplatz war er ganz schön kaputt. Das war ein Tag, den wir nicht so schnell vergessen werden!

Wir bleiben hier im nördlichsten Neuseeland noch ein paar Tage und danach geht es langsam südlich runter.

Hier klicken, um die Bilder unserer ersten Zeit in Neuseeland zu sehen!

/Anders

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