Kaum zu glauben, dass wir tatsächlich schon zwei Wochen in Melbourne sind und unsere Zeit in Australien bald abgelaufen sein wird. Mir kommt es fast so vor, als wären wir erst gestern hier angekommen!

Nachdem wir in einem Campervan gereist sind, in Motels und in einer Wohnung in Sydney übernachtet haben, ist es schön zur Abwechslung mal in einer etwas mehr konstanteren Umgebung zu mindestens für eine Zeitlang zu sein. Wir sind z.Z. Gäste bei Alexandras australischer Familie und sind so in einem ganz normalen täglichen Rhythmus einer Familie eingebunden. So was hatten wir schon seit einigen Monate nicht mehr.  

Anton geniesst es ausserordentlich mit seinen Grosscousins und seiner Grosscousine zu spielen. Er hat auch seinen Platz in der Kinderschar gefunden und selbst wenn er der jüngste ist, ist das kein Grund, dass er sich in irgendeiner Form zurückhält. Die Kinder haben ihn ohne Murren mit ihrem Spielzeug spielen lassen, als wäre es sein eigenes. Sie waren auch ganz neugierig auf sein Spielzeug in seinem kleinen Rucksack und (nach kräftiger Überzeugungsarbeit meinerseits) durften sie auch mit seinem Spielzeug spielen. Das ist eine Sache, die Anton endlich gelernt hat: Wenn er mit Spielzeug von anderen Kindern spielen darf, dann dürfen sie auch mit seinem spielen. Und das funktioniert auch so einigermassen, aber es ist nicht immer einfach für ihn es zu akzeptieren. 

Das Haus, in dem wir Gäste sind, ist riesig und wir haben sogar unser eigenes Zimmer. Trotzdem sind wir die ganze Zeit mit der Familie zusammen. Es läuft so richtig gut und wir verstehen uns alle hervorragend! Wir konnten ja nicht von vornherein davon ausgehen, dass die Chemie zwischen uns stimmt. Glücklicherweise gibt es keine Probleme. Wir waren sogar zusammen ein ganzes Wochenende weg. Wir sind nach Venus Bay und Phillip Island gefahren, das liegt ca. 2,5 Stunden südlich von Melbourne. Hier haben wir uns ein Sommerhaus geliehen.

Der Plan war eigentlich, dass wir in Phillip Island selber wohnen sollten, aber aus irgendeinen Grund hat keiner von uns gesehen, dass das Sommerhaus nicht auf der Insel selber liegt, sonder eine Stunde Fahrt davon entfernt. Natürlich war der Vermieter des Hauses so schlau, dass sein Haus auch auf der Ergebnisliste auftaucht, wenn die Suchabfrage “Phillip Island”  lautet. Nicht mal uns drei Erwachsenen ist es beim Durchlesen der Beschreibung aufgefallen, dass es fast zwei Stunden von all den Sehenswürdigkeiten entfernt lag, die wir gerne besuchen wollten. 

Trotzdem hatten wir ein fantastisches Wochenende! Venus Bay ist eine versteckte Perle an der australischen Südküste. Endlose, breite Sandstrände, an denen die Kinder ihre überschüssige Energie verbrennen mit Umherlaufen, Muscheln und Krabben suchen konnten. Hier ist momentan immer noch Winter und daher ausserhalb der Saison, aber trotzdem wunderschön und nicht ganz so menschenleer, wie man es eigentlich erwarten würde.  

Der Hauptgrund unseres Ausfluges nach Philip Island, war, dass wir gerne die sogenannte “Penguin Parade” sehen wollten. Jeden Abend bei Sonnenuntergang kommen an der kleinen südwestlichen Bucht von Philip Island hunderte von kleinen Pinguinen für die Nacht an Land und wandern die Dünen hoch zu ihren Nestern, wo sie bis kurz vor Sonnenaufgang übernachten. Dann geht die Wanderung zurück in das Meer. Die Pinguine sind zu exponiert und verletzbar, als das sie die Wanderung über den breiten Sandstrand bei Tageslicht machen könnten. Daher muss es im Dunklen geschehen, wenn die Raubvögel sie nicht sehen und angreifen können. Um die Tierwelt zu schützen, hat man ein Besucherzentrum mit Tribünen in Richtung des Strandes gebaut. Hier können die Zuschauer sitzen ohne, dass sie die Pinguine bei ihrer Wanderung stören. Wenn sie an Land gegangen sind und zu ihren Nestern watscheln, kann man das über die Holzbrücken mit Geländern mitverfolgen. Das Licht war selbstverständlich gedämpft, man kann ja schlecht Lichtstrahler aufstellen. Trotzdem konnte man selbst im Dunklen alles gut erkennen und den Lärm der vielen Tiere hören, die sich über die Dünen bewegten. Wir haben eigentlich nicht mit vielen Besuchern gerade in dieser Jahreszeit gerechnet. Aber es waren doch einige Hunderte, die gekommen waren und die 22,50 Dollar pro Erwachsener bezahlt haben, um bei dieses Schauspiel dabei sein zu können. Halber Preis für Kinder bis zu 15 Jahren. Anton war kostenlos, da er unter vier Jahre alt ist. Das Eintrittsgeld wird dazu benutzt, um die Anlage in Stand zu halten und das Tierleben in der Umgebung zu schützen. Und offensichtlich zu jeder Jahreszeit beliebt. Auch für uns war es auch ein gutes Erlebnis!

Die letzten Wochen haben wir Melbourne zu Fuss erkundet. Manchmal sind wir einfach so ohne Plan losmaschiert und haben das bewundert, was uns so zufällig über den Weg gelaufen ist. Natürlich haben wir die Hauptattraktionen besichtig, aber ansonsten haben wir einfach in den Tag hineingelebt und geniessen unseren ruhigen Alltag. Als erstes haben wir unsere Pendlerkarte für die öffentlich Verkehrsmittel gekauft. So ist es einfach durch die Gegend zu kommen. Die Tram “The City Circle”, die durch die Innenstadt fährt, ist kostenlos. Mit der haben wir natürlich begonnen, damit wir uns einen gewissen Überblick über die Stadt verschaffen konnten.  

Melbourne wurde 1835 gegründet, also 47 Jahre nach dem die ersten Europäer in Australien ankamen und heute wohnen dort über vier Millionen Einwohner und ist damit die zweitgrösste Stadt Australiens nach Sydney. Die Stadt wurde von “Economist Intelligence Unit “ 2011 und 2012 zur weltbesten Stadt, in der man wohnen kann, gewählt. Dies wird anhand des Preisniveaus, Lebensstandard, Infrastruktur u.v.m. gemessen. Es gibt einige unterschiedliche Studien und Auszeichungen für die “Besten Stadt der Welt” und alle verwenden andere Faktoren für die Auswertung. Ich habe auch einige Studien gesehen, die meine ehemalige Heimatstadt Kopenhagen als beste Stadt der Welt gekürt haben. In gewisser Hinsicht ist es eine Geschmackssache... Ich kann gut verstehen, dass Melbourne eine fantastische Stadt zum Wohnen ist. Die Stadt brodelt nur so von Leben  und es wird überall gebaut. Es herrscht offensichtlich Wachstum. Für mich als Tourist sind solche wirtschaftlichen Kennzahlen nicht ausschlaggebend und machen für mich keine Stadt attraktiver. Wenn mir eine Stadt wirklich gefallen soll, dann muss sie einen gewissen “X Faktor” haben - etwas was schwer in Worte zu packen und zu beschreiben ist, einen gewissen Charme... “Das gewisse Etwas”, dass es zu etwas besonderen macht. Melbourne ist um den Fluss Yarra herum erbaut und daher gibt es einige Promenaden mit Cafés, Restaurants, Shopping- und Vergnügungszentren. Wie in Kopenhagen hat man es geschafft ein ehemaliges Dockgebiet, das nachdem die Schifffahrt weiter ausserhalb gezogen ist, zu verwandeln. In der Innenstadt gibt es unzählige kleine Gässchen mit Fachgeschäften, Cafés und Restaurants, und man fühlt sich so, als würde man in einer europäischen Stadt herumschlendern. Wie in Sydney kann man ohne Zweifel den viktorianischen Ursprung erkennen. Diese Architektur ist einfach fantastisch! Mir gefällt diese Mischung aus alt und neu. Wolkenkratzer stehen neben roten Ziegelsteinhäusern, Kirchen und Parks. Ich bin jedes Mal auf das Neue davon fasziniert. 

Einen Nachmittag hatten Anton und ich einen “Herrentag”. Alexandra hat sich mit ihrer Freundin in der Stadt getroffen und wir wollten uns die “Fox Classic Cars Collection” anzusehen. In einem alten restaurierten Lagerhaus an den Docks hat einer der reichsten Männer Australiens einige seiner alten klassischen Autos ausgestellt. Vielen sind originale und sogar fabriksneue Modelle. Darunter auch ein alter VW Käfer, ein paar Porsche und eine Reihe von Ferraris. Eine alte sechstürige Mercedes Limousine, die Ringo Starr gehört  hat und auch in einigen Beatles Filmen zu sehen war. Wir waren beide total begeistert davon. Die Ausstellung war aussergewöhnlich und angeblich wurde nur ein Drittel der gesamten Sammlung ausgestellt.  

Wir waren auch auf dem höchsten Gebäude der südlichen Halbkugel. Dem Eureka Tower und auf der 88. Etage befindet sich eine Besucherplattform mit einer 360 Grad Aussicht. Diese Art von Aussichtstürmen ist z.Z. sehr modern. Jede Metropole, die was auf sich hält, kann einen vorweisen. Der Eureka Tower war wirklich ein Erlebnis. Das lag vielleicht auch daran, dass wir strahlenden Sonnenschein und 20 Grad hatten. Ja, der Winter im südlichen Australien ist gerade so zum Aushalten. Die Einheimischen sagen allerdings, dass er ungewöhnlich mild ist. 

In Melbourne haben wir die Zeit auch dazu genutzt noch mal gründlich durch unsere Rucksäcke zu gehen, um eine Bestandsaufnahme unserer Sachen machen zu können. Wir fahren in das etwas kältere Neuseeland, daher ist das notwendig. Anton und ich bekamen neue Anoraks und Strickhandschuhe. Stand auch von vornherein auf dem Plan. Wir konnten einfach nicht alles von München aus mitnehmen, aber im Gegenzug sind einige Sachen, wie alte Badeshorts, normale Shorts und ein Hemd weggekommen. Die brauchen wir momentan nicht. Allerdings habe ich noch immer ein Paar Badehosen, falls wir in eine Schwimmhalle gehen sollten und das tun wir hier in Melbourne mit den anderen Kindern. Natürlich kommt sie auch in den Einsatz wenn wir in Kalifornien sind. Oder wir gehen einfach eine neue kaufen. Auch durch Antons Klamotten sind wir kritisch durchgegangen und haben einige Teile ausgetauscht und aktualisiert, wenn es notwendig war. Z.B. mussten wir einsehen, dass seine Turnschuhe zu klein geworden sind. Es fiel ihm sehr schwer sich von ihnen zu trennen. Das neue Paar ist ganze zwei Schuhgrössen grösser. Es war wirklich höchste Zeit für ein neues! Wir haben auch einen Artikel über unsere Ausstattung und Proviant geschrieben. Hier zum Nachlesen einfach klicken! 

Nächste Woche reisen wir weiter nach Neuseeland. Für unseren dreimonatigen Aufenthalt haben wir ein Campervan gebucht. Es ist das billigste “Auto”, das wir uns leihen konnten und ist zu dem auch noch unser Heim auf Rädern. Es hat seine Vorteile ausserhalb der Saison zu reisen, so konnten wir es einigermassen billig buchen. Und wenn wir wollen können wir immer noch ab und zu in einem Hotel übernachten. Wir haben auch geplant uns eine Wohnung oder ein Haus zu leihen. Aber das entscheiden wir erst vor Ort, wenn wir Lust haben irgendwo länger zu bleiben. Das können wir alles kurzfristig machen. Wieder ein Vorteil ausserhalb der Saison zu reisen. 

Auf Facebook können wir über die Hitzewelle in Europa lesen. Unsere Freunde stellen Bilder von Sonne, Sommer und Biergarten auf ihre Profilseiten. Auch wenn ich es keinen Augenblick bereue genau zu dieser Jahreszeit in Australien zu sein, so schicke ich ohne Neid viele Grüsse in den Sommer daheim in Kopenhagen oder München. Ich muss auch daran denken, dass es genau letzten Sommer war, der übrigens auch nicht schlecht war, dass wir die Entscheidung getroffen haben auf diese Reise zu gehen. 

Hier klicken für die Bilder aus Melbourne!

/Anders

Comment