Nach zehn Tagen in Sydney sind wir am Freitag nach Adelaide geflogen. Von hieraus machen wir uns auf die Reise in den südlichen Teil Australiens, in dem wir unsere letzten Wochen in diesem Land verbringen werden. Unsere Zeit in Sydney hat uns super gut gefallen und wir haben schweren Herzen Abschied genommen. Es war schön für eine Zeitlang eine kleine Wohnung als eigens Heim zu haben. Das Leben in einem Campervan ist dagegen ein bisschen spartanisch, obwohl wir diese Art der Reiseform sehr zu schätzen gelernt haben, ist man manchmal aber ganz schön eingeschränkt. Das zeigt sich zum Beispiel bei der täglichen Essenszubereitung oder beim Einkauf. Wir können keine Grosseinkäufe machen und es gibt Grenzen, was man auf ein Paar Gaskochern oder in einer gemeinsamen Camperküche auf einem Campingplatz zaubern kann. 

Aber das hat uns nicht davon abhalten, nochmals mit einem Campervan unterwegs zu sein. Diesmal allerdings in einer grösseren Ausführung als beim letzten Mal. Wie wir unser Flugticket von Sydney nach Adelaide gekauft haben, sind wir davon ausgegangen, dass die Firma, von der wir unser süsses, kleines “Spaceship” oben in Queensland geliehen haben, auch ein Büro in Adelaide hat. Sie haben eines in Sydney und Melbourne, und haben daher nicht weiter nachrecherchiert. Das sollte sich als Fehler herausstellen und hat uns einen Strich durch unsere, so dachten wir, durchdachte Rechnung gemacht. Wir hätten es nur von Melbourne abholen können. Aber die Tickets nach Adelaide waren bereits gebucht und konnten natürlich nicht umgebucht werden und so mussten wir eine andere Lösung finden. Und wie es immer so schön ist, war es für etwas gut und es war dann doch nicht alles so schlimm. So konnten wir auch wieder mal testen, dass wir uns flexibel auf eine neue Situation einstellen können. 

Hier im südlichen Australien ist es MARKANT kälter, als im tropischen Queensland. Es ist Winter. Nicht ein Winter, wie wir ihn in Zentraleuropa kennen. So kalt ist es dann wiederum doch nicht. Aber die Temperaturen fallen auf ca. den Gefrierpunkt und somit wäre es nicht besonders lustig gewesen in unserem heissgeliebten “Spaceship” zu schlafen, wo wir teilweise nur ein Zelt über unseren Köpfen zum schlafen haben. Das wäre einfach viel zu kalt hier unten. Wir sind ganz zufrieden mit unserem neuen “Mighty Highball” Bus (ein umgebauter Toyota Hiace mit einem erhöhten Dach), wo wir alle zusammen innen schlafen können. Wir haben allerdings ein bisschen Geld springen lassen, um uns ein elektronisches Heizgerät zu kaufen, somit müssen wir nicht mehr allzu sehr in der Nacht frieren. Es hat uns nur 20 Dollar gekostet und soll auch nur ein paar Wochen halten. Hätten wir es bei dem Autoverleih geliehen, hätte uns es 100 Dollar gekostet. 

Anton schläft im 1.Stock unter dem erhöhten Dach und wir Erwachsenen unten in der Kabine. Das bedeutet, dass wir Anton ins Bett bringen können und unten sitzen und lesen, reden, oder wie jetzt an einem Blog für unsere Webseite arbeiten können, ohne dass wir draussen oder in der gemeinsamen Küche sitzen müssen. Wir haben sogar in unserer Innenküche eine Mikrowelle und ein kleines Waschbecken. Auch wenn unser Campervan einerseits wesentlich grösser ist als unser “Spaceship”, so war doch dieses wesentlich durchdachter und wir sind auch noch nicht so ganz “Sync” mit diesem Model. Aber wenn wir mal ganz ehrlich sind, hat es auch mit unserem “Moonbat”, so hiess unserer Spaceship, ein Weilchen gedauert bis es so war. Es dauert eine Zeitlang bis man eine Routine hat und alle Sachen und Gepäck feste Plätze gefunden haben. 

Wir hatten vor unserer Ankunft in Adelaide schon vorher ein Hotelzimmer im Stadtzentrum gebucht. Wir benutzen typisch die Hotels.com’s App für das iPhone oder den iPad und so kann man immer schnell einen Überblick über das Angebot und die Preise an einem Ort erhalten. Normalerweise vermeiden wir in Australien Hotels zu buchen. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass sie teilweise billiger oder gleich teuer, wie  Jugendherbergen/Hostels sind. Was wir ein bisschen merkwürdig finden. Anscheinend gibt es eine härte Konkurrenz auf diesem Markt und oft kann man ein Schnäppchen zu einigermassen guten Preisen machen. Unser Hotel in Adelaide war nichts aussergewöhnliches, aber irgendwie hatte es einen kaum erklärbaren Charme. Es hat wesentlich bessere Tage gesehen, aber man hat versucht es zu restaurieren und modernisieren mit Rücksicht auf das alte Gebäude, dass immerhin schon weit über 100 Jahre alt ist und bestimmt in dieser Zeit mal ein Grand Hotel war. In Australien gibt es auch in kleineren Städten sogenannte Pubs, diese sind aber nicht zu verwechseln mit denen in Irland oder England. Bestimmt bekommt man dort auch Alkohol serviert, aber hier in Australien ist ein Pub eher eine kleines bescheidenes Hotel, Public House, in dem ein Reisender ein Happen zu Essen und etwas zu Trinken und eine Übernachtung zu fairen Preisen bekommt. Heutzutage sind Motels und Hotels eher der Standard und die Pubs sind kaum voll ausgebucht. Man lebt vom Umsatz, den das Restaurant und die Bar im Erdgeschoss abwerfen und wenn ein Zimmer in den oberen Etagen gebucht wird, dann wird das als kleiner extra Bonus gesehen. Unser Hotel in Adelaide war ohne Zweifel so ein Pub, nachdem das ursprüngliche Hotel geschlossen wurde. Man konnte gut erkennen, dass der neue Eigentümer versucht hat, dem Hotel ein neues respektables Aussehen zu verpassen. Wir wollten nur eine Nacht bleiben und somit hat es vollkommen seinen Zweck erfüllt. Wir waren zufrieden, da Internet, Flachbildschirmfernseher (der allerdings am Morgen nicht funktionierte und Anton nicht seine Kinder Morgenshow sehen konnte) und ein Frühstücksbuffet im Preis inbegriffen waren. 

Bevor wir am Samstag Morgen unseren Campervan ein bisschen ausserhalb der Stadt abholen sollten, sind wir noch schnell auf den lokalen Markt in einem alten Marktgebäude in der Innenstadt gegangen. Bisher waren wir an die sehr hohen Lebensmittelpreise in Australien gewöhnt. In Queensland war alles sogar noch teuerer als in Dänemark und das kann man sich eigentlich fast nicht vorstellen. Ausser man kommt natürlich aus Norwegen! In Sydney war es auch nicht viel billiger. Nur auf Paddy’s Market konnte man billiger Obst und Gemüse kaufen, als in den Supermärkten. Hier auf den Markt in Adelaide konnte man alle möglichen Lebensmittel kaufen und das auch noch zu humanen Preisen. Ein bisschen so wie der Viktualienmarkt in München nur überdacht und nicht so teuer. Der Viktualienmarkt ist manchmal ein bisschen wie ein grosser Delikatessenladen, wo sich ein Stand an den anderen reiht. Bei einigen Stände war es ganz ersichtlich, dass sie von europäischen Einwanderern und deren Nachkommen geführt werden. Es gibt Stände mit italienischen, spanischen, französischen und deutschen Spezialitäten mit einer fantastischen Auswahl. Eine kleine Auswahl wird importiert, aber das meiste wird lokal nach Orginalrezepten produziert. Anton war hellauf begeistert, dass er eine frische Breze bekommen konnte, so wie in München. Er vermisst sie auch seitdem. In Sydney hat er übrigens auch eine bekommen, als wir im Löwenbräu waren. Wird übrigens auch von einem deutschen Einwanderer betrieben. Aber eine gute Breze kann man nicht zu oft bekommen! Ich habe natürlich auch eine essen müssen.

Wir haben uns auf den Weg in das Weinland im Norden von Adelaide gemacht. Momentan befinden wir uns gerade im Clare Valley gute 120 km von Adelaide. Die Landschaft ist hügelig und sehr grün. Ein bisschen erinnert es mich an eine Mischung aus Italien und Irland. Von den Ansässigen konnten wir erfahren, dass es bis vor einigen Wochen keinen Regen für gute neun Monate gab und die Umgebung daher ziemlich ausgetrocknet war. Das ist anscheinend ganz normal hier und seitdem es geregnet hat, schiesst das Grüne nur so in die Höhe und alles sieht wunderbar frisch und grün aus. Es gibt ein fantastisches Farbenspiel! Ein unglaublicher Kontrast zwischen der Sonne, dem Himmel und den Wolken in der hügeligen Landschaft. Da es Winter ist, gibt es regelmässig Regenschauer und es hängen dunkle und düstere Wolken am Himmel. Schön! Die Kamera ist immer im Einsatz! 

Man kann gut erkennen, dass die damaligen Einwanderer versucht haben ihre hinter sich gelassene Heimat hier wieder aufzubauen. Und bis heute wurde der Baustil beibehalten und viele der Häuser werden noch immer aus Sandstein nach alten Methoden gebaut. Es sieht so aus, als wären wir in einer anderen Zeit stecken geblieben. Manche Orte ähneln einer Filmkulisse, wären da nicht die Satellitantennen draussen im Garten. Die moderne Zeit hat trotz allem seinen Einzug gehalten. Im südlichen Australien wohnen immer noch eine Reihe von Gruppen aus Europa. Hier gibt es Italiener, Spanier, Deutsche und natürlich die ursprünglichen Kolonialherren aus England. Diese Bevölkerungsgruppen sammeln sich hier in ganzen Dörfern, die mich an eine fast echte Kopie der Dörfer in Europa aus dem 18. Jahrhundert erinnern. Die Zeitepoche, aus der die meisten Auswanderer stammen. Heute sind diese Gebäude geschützt und viele kann man ein paar Jahrhunderte zurück datieren. Für einen Europäer klingt das natürlich nach nicht viel, aber an diesem Zeitpunkt wurde die australische Zivilisation geboren. Die Aborigines, die ursprünglichen Einwohner Australiens, kann man natürlich viel weiter zurückverfolgen, allerdings wohnen sie nicht in dieser Umgebung. 

Clare Valley ist ein anerkanntes Weinanbaugebiet und wir mussten uns selbst davon ein Bild machen und haben eine Reihe von Weinbauern besucht. Auch einen, der zum besten Anbauer des besten Rieslings Australiens gekürt worden ist. Ich kann mich noch gut an meine Besuche bei Weinbauern in der Toskana erinnern. Es war gut, aber manchmal war der Laden ohne Personal, obwohl er immer offen hatte. Das bedeutete, dass der Weinbauer selber seine Arbeit unterbrechen musste und eine Weinprobe für die zufällig herein schneienden Gäste durchführen musste. Und dies bedeutet auch, dass man sich immer ein bisschen genötigt sah, auch etwas zu kaufen. Zu mindestens ein paar Flaschen. Im Gegensatz dazu haben hier alle Weinbauern einen Laden, der immer mit Personal besetzt ist und es ist selbstverständlich, dass man den Wein probieren kann, ohne dass man sich verpflichtet fühlt etwas zu kaufen. Das macht sowohl die Weinprobe an sich als auch die Stimmung ganz entspannt. In einigen Läden hat man sogar an die Kinder gedacht und in einer Ecke gibt es Spielzeug und die Kleinen können sich dann vergnügen, während sich die Eltern darauf konzentrieren können etwas Geld auszugeben. Schlau! Und so ist es natürlich auch uns ergangen....Wir haben auch lokales Olivenöl, Oliven und Marmelade gekauft. “Eat local” (esst lokal) ist das durchgängige Motto hier und man ist sehr stolz auf die Qualität der lokalproduzierten Produkte. Das kann man gut verstehen, da sie wirklich lecker sind!

Eine Sache wundert mich allerdings ein bisschen und das ist, das der australische Wein hier viel teuerer ist, als daheim in Dänemark oder Deutschland. Das ist darauf zurückzuführen, dass der exportierte Wein ein anderer ist, als den, den man hier kaufen kann. Aber selbst den, den man in Europa kaufen kann, ist billiger als hier. In Australien herrscht eine sehr strenge Alkohol- und  Zigarettenpolitik, und dies bedeutet das diesen zwei Warengruppen ein wahnsinniger Steuersatz auferlegt wird. Wir kaufen trotzdem unser Fläschchen Wein oder ein 6-Pack-Dosenbier. Aber jeden Tag trinken wir nicht Alkohol! Weit davon entfernt! Das machen wir auch nicht zu Hause. Wäre auch ein viel zu teuerer Posten in unserem Budget. Selbst wenn wir ein Gläschen Wein oder ein Bier zum Essen geniessen, geht es auch mit Wasser. Der Tabak für eine Packung mit 20 Zigaretten kostet ca. 13 Euro. Es gibt kein Logo des Herstellers auf der Zigarettenschachtel nur Bilder, was Rauchen verursachen kann. Es sind Bilder von Krebsgeschwüren, Zähne, die aussehen, als wäre sie mit einer Handgranate gebürstet worden und alle andern möglichen schrecklichen Krankheiten. Jede Packung hat zudem noch die Telefonnummer der nationalen Raucherstop Hotinie darauf gedruckt. Ich war niemals ein Raucher und ich bin froh darüber, dass das Rauchen in Europa zurückgeht. Ich glaube auch nicht, dass es hilft, dass man die Preise so hoch heraufsetzt, wie man es hier in Australien getan hat. Ich denke mal, dass das in Europa nur dazu führen würde, dass das Schmuggeln sich dramatisch erhöhen würde. Australien ist ein isoliertes Land und es wird hart bei Schmugglerei und beim organisierten Verbrechen durchgegriffen. Man muss ihnen schon zu Gute halten, dass sie zielbewusst und konsequent durchgreifen. 

Unser Plan ist es die Umgebung weiter nördlich von Clare Valley zu erkundigen und in den Nationalpark der Flinders Ranges zu fahren. Dieser ist nicht mehr als 300km entfernt und ist daher das am nächsten an einer einer Grosstadt, Adelaide, liegende Outback (“Wild” oder “Busch” Landschaft). Es ist auch ein beliebtes Wandergebiet, da man in der Stadt wohnen kann und es nicht weit in die wilde Natur hat, auch wenn es nur für ein paar Stunden ist. Bestimmt werden wir dort einige Tage verbringen, bevor es wieder zurück gen Adelaide geht und dann noch weiter südlich entlang der Küste. 

Hier klicken für Bilder aus dem Clare Valley!

/Anders

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