Wir haben unsere letzten Tage auf der Nordinsel in der Hauptstadt Neuseelands Wellington verbracht. Eine Hauptstadt, die ziemlich klein ist mit seinen nur 400.000 Einwohnern. Die Stadt liegt in einem Tal umgeben von allen Seiten mit Bergen und eine Seite läuft auf das Meer zu. Vom vornherein ist somit das Gebiet auf dem die Stadt erbaut werden konnte begrenzt und macht es zu einem leichten und überschaubaren Ferienziel. Nach nur knapp einen Tag hat man sich mit der Stadt vertraut gemacht und kann leicht  herauszufinden, wo die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen. 

Und in Wellington gibt es tatsächlich viel zu entdecken. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich wirklich über das Angebot imponiert bin, wenn man die geringe Grösse in Betracht zieht. Neuseelands Nationales Museum, Te Papa Tongarewa, ist nicht ausserordentlich gross, aber sehr modern und interessant gebaut und aufgeteilt. Als Besucher wird es einem nie langweilig, wenn man durch die vielen thematischen Ausstellung schlendert, von denen man eigentlich denken könnte, dass sie trockene Themen behandeln. Das Museum hat die beste Kinderabteilung, die ich bisher auf der Welt gesehen habe. Hier können sich andere Museen echt was abschauen! Es war fast unmöglich Anton loszueisen und wir mussten am nächsten Tag noch mal kommen, um dort zu spielen. Er war besonders von dem “Colossal Squid” angetan, den grössten Tintenfisch, den man jemals gefangen und ausgestellt hat. 

Natürlich mussten wir auch das grösste Wahrzeichen der Stadt, die Wellington Cable Cars, besichtigen und auch mit einem fahren. Eine kleine von einem Kabel gezogene Eisenbahn, die von der Stadtmitte einen kleinen Weg in Richtung der Bergspitze nach oben fährt. Wobei die Fahrt nicht länger als fünf Minuten dauert. Die Aussicht an der Endstation war fantastisch und selbst wenn wir keinen strahlenden Sonnenschein hatten, konnten wir den Blick in die Ferne und über die Bucht von Wellington geniessen.

Für mich ist Wellington so ein bisschen eine Mischung aus Oslo in Norwegen und San Francisco in den USA. Natürlich wesentlich kleiner, aber wenn man das steile Gelände in Betrachtung zieht, ist es ausserordentlich bemerkenswert, wie toll die Gebäude und die Strassen konstruiert worden sind und zu dem auch noch ein spannendes Strassenbild abgeben. Einige der Nebenstrassen sind wirklich sehr steil und man fragt sich, wie man dort hat Häuser bauen können. Aber wie in Norwegen hat man bei der Kalkulation des Hausbaues die Kosten für das Absprengen von Klippen und die umfangreichen Arbeiten am Fundament in das Totalbudget mit einberechnet, bevor man überhaupt den ersten Stein gelegt hat. 

Wellington ist auch der Heimatort für die grösste Importware des modernen Neuseelands: der Kinofilm! Und wir sprechen von grossen internationalen Filmen, wie “Herr der Ringe”, “Hobbits” , “King Kong” und “Avatar” -  dies sind alles Beispiele von Filmen, die hier in Wellington produziert worden sind. Der in Wellington geborene Peter Jackson steht hinter den Produktionen von “Herr der Ringe”, “Hobbits” und “King Kong”. Der Produzent von “Avatar” James Cameron kommt ursprünglich aus Hollywood und hat sich jetzt auch hier niedergelassen. Er hat zwei bis drei weitere Avatar Filme auf seinem Zeichenbrett liegen und diese sollen auch hier in Wellington produziert werden. Ein grosser Teil der Filmemacher wird von dieser einzigartigen Stellen angezogen, da man hier “erdverbundener” ist, als im abgehobene Hollywood. Darüber sind die Entfernungen geringer. Die Aufnahmestudios, die Aussenaufnahmen, Aufnahmen in der Natur, Postproduktion, Tonstudio, Special Effects etc etc.- alles ist hier einfach überschaubarer!

Ich muss eingestehen, das ich ein Tolkien Fan bin und selbstverständlich musste ich eine “Herr der Ringe” Tour mit einem lokalen Anbieter unternehmen. Wir sind in und um Wellington herumgefahren, um die unterschiedlichen Drehorte zu besuchen. Die Tour dauerte an die acht Stunden und ich habe mich keine einzige Sekunde gelangweilt. Wir konnten auch sie Special Effects Werkstatt besuchen, wo eine Menge der Requisiten und Kostüme ausgestellt sind. Alexandra und Anton wollten viel lieber diesen Tag am Hafen von Wellington mit einem Besuch beim Sonntagsmarkt, am Spielplatz im Sonnenschein und einen extra Museumsbesuch verbringen. Sie hätten keinen Spass bei meiner “Herr der Ringe” Tour gehabt! Das war nur was für Liebhaber und Detailenthusiasten!

Bevor wir nach Wellington sind, haben wir einen Stop in Taupo, das fast in der Mitte der Nordinsel liegt, eingelegt. Dies ist ein noch immer vulkanisch aktives Gebiet mit einer Reihe von warmen unterirdischen Quellen. Wir waren in einigen der sogenannten “Hot Pools” mit mineralreichen, warmen Quellwasser. Das war wirklich ein Erlebnis, das nicht die Welt kostet. Im Grossen und Ganzen gesehen, musste ich jedes Mal einen Haufen Geld zahlen, wenn irgendetwas auch nur im entferntesten den Begriff “Wellness” und/oder “Spa”, beinhaltete, sei es für Eintrittsgelder und/oder überteuerte kurze Anwendungen. Hier in Neuseeland gibt es ein besseres Preis-Leistungsverhältnis und bei den meisten der “Hot Pools” entspricht das Eintrittsgeld dem eines Schwimmbadbesuches in Dänemark.

In Taupo übernachteten wir wieder in einem Resort, wo man als Gast die Möglichkeit hatte einen Drei-Tages-Pass zu kaufen und dies machte das Vergnügen noch erschwinglicher. 

Während unseres Aufenthalts nahmen wir auch die etwas längere Fahrt zum Mount Ruapehu auf uns, dieser ist mit seinen 2797m der höchste Berg auf der Nordinsel. Die Ostseite des Berges wurde als “Mount Doom, der Schicksalsberg” in Mordor bei “Herr der Ringe” verwendet. Wenn man sich von der Ostseite nähert, dann wirkt dieser sehr düster und bedrohlich. Auf der Westseite liegt Whakapapa ein Gebiet, dass sich sehr gut zum Skifahren und Snowboarden eignet. Da wir einige Skigebiete in Europa kennen, waren wir natürlich neugierig, wie so was wohl hier in Neuseeland aussehen würde.  

Das Skigebiet war nicht sehr gross, aber sehr hügelig und es war erstaunlich zu sehen, wie viele Loipen es auf den wenigen Hängen gab. Einige waren sogar schwarze Pisten und sind garantiert nichts für Anfänger. Es ist schon der Wahnsinn, dass man im Laufe eines Tages erst am Vormittag im meterhohen Schnee stehen und am Nachmittag in einem dampfend heissen Bad in einem Spa Resort verbringen kann. Während die Familie und Freunde daheim in Europa die letzten warmen Spätsommertage geniessen. 

Wir fuhren um den gesamten Bergrücken, dass war eine Tour an die 250 km und wir haben dazu einen Tag gebraucht inklusive langer Pausen unter anderem im Whakapapa Skigebiet. Auf dieser Fahrt haben wir kontrastreiche Natur und Landschaft erlebt. In den Filmen, wie “Hobbits” und “Herr der Ring” kann man einiges davon sehen, und man hat den Eindruck, dass alles künstlich ist. Ist es aber nicht! Es ist 100% authentisch und 200% fantastisch! Strahlend blauer Himmel, weisse schneebedeckte Bergspitzen, graue und barsche Marslandschaft und üppiger, grüner Regenwald und das alles in einem Bild! Ein Puzzlespiel der Weltklasse!

Und alle, die wir bisher getroffen haben, haben uns versichert, dass die Südinsel noch viel besser sein soll. Darauf freuen wir uns!

Hier klicken für Fotos von der Nordinsel!

/Anders

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