Nach unserer Tour durch Flinders Ranges und das Barossa Valley war es wieder mal an der Zeit sich ein bisschen Wind durch die Haare wehen zu lassen. Entlang der Küste südlich von Adelaide starteten wir unsere Reise an der “Great Ocean Road”. 

Man darf nicht vergessen, dass es hier im südlichen Australien Winter ist. Man kann das wunderbar merken, wenn die Nacht über unseren Campervan hereinbricht. Jeden Abend auf das Neue sind wir heilfroh über unsere grossartige Investition von 20 Dollar in einen Heizofen. Ohne den wäre es einfach viel zu kalt. Selbst für uns die einen wirklichen kalten Winter kennen, verglichen mit hier, und somit abgehärtet sein sollten. Aber wenn draussen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, dann wird es doch erbärmlich kalt. Selbst wenn wir drinnen mit Campervan sind und zu dem auch noch in guten Schlafsäcken (na ja, sie waren nur bis 5 Grad) schlafen. Allerdings habe ich mich nicht wirklich getraut den Heizkörper die ganze Nacht, während wir schliefen, laufen zu lassen. Man weiss ja nie was passieren kann...und ich bin immer gerne auf der sicheren Seite. Ungefähr immer um fünf Uhr in der Früh war es so kalt, um alleine nur an die Steckdose zu kommen, ohne aus dem Schlafsack krabbeln zu müssen, um wieder den Heizkörper anzuwerfen damit wir beim Aufstehen eine einigermassen angenehme Temperaturen hatten. 

Es dauerte gute drei Tage die ca. 250 km lange Strecke, die sich die “Great Ocean Road” nennt, entlang zu fahren. Es gab einige Höhepunkte, aber der grösste war die “Zwölf Apostel”, eine Reihe kleiner felsiger Klippen entlang der Südküste. Die Küste besteht aus Kalksteinformationen, und wenn dieses erodieren und das Meer sich in die Küste hineinfrisst und entstehen so Inseln, Bögen und Brücken. Das ist ein unglaublicher Anblick, bei dem man nicht vergessen sollte, dass man nicht die ausgewiesenen Wege und die Aussichtsplattform verlassen sollte. Die Küste ist sehr porös und jedes Jahr fallen grosse Kalkstein Stücke in das Meer. Vor einigen Jahren stürzte die sogenannte “London Bridge” zusammen. Das war ein grosses Stück Kalkstein, das eine der Inseln mit dem Festland verband. Eine natürlich Formation, die ausgerechnet nachgab, als zwei Touristen sich auf der Insel befanden. Eine kleine Erinnerung egal ob es Beschilderung gibt oder nicht, dass die Natur obwohl sie schön ist, auch ziemlich unberechenbar sein kann. Die zwei Touristen bekamen dem Schock ihres Lebens davon und wurden später mit Hilfe eines Hubschraubers zurück ans Land gebracht. Wir hatten keine Bedenken mit all den anderen Touristen auf der Plattform zu stehen. Es war unglaublich und die Klippen bewegten sich nicht, während darauf standen.

Ein weiterer Höhepunkt war Cape Otway und dessen Nationalpark mit einem fanatischen, alten Leuchtturm, der der älteste Australiens ist. Aus Kalkstein gebaut, ohne das Mörtel gebraucht worden ist, steht er an der Spitze der Südküste Australiens und blickt über das Meer. Natürlich mussten wir nach oben und die Aussicht geniessen. So ein alter Leuchtturm ist natürlich nicht nach den heutigen Sicherheitsstandards gebaut, so war ich ein bisschen über Antons augenscheinliche Begeisterung besorgt, als er freudig den Turm entgegen lief. Schliesslich gab es oben an der Kuppel nur ein 130-jähriges altes Geländer, dass zwischen uns und den Abgrund stand. Glücklicherweise konnte ich ihn ein bisschen in seiner Begeisterung beruhigen und ihm klar machen, dass man oben auf einer Plattform nicht rundherum läuft. Die Aussicht war einmalig und wir versuchten auch, dass wir einige Wale sehen konnten. Beim Ticketkauf wurde uns nämlich gesagt, dass schon einige Wale  an diesem Tag gesichtet worden sind. Wir waren allerdings nicht unter den Glücklichen. Aber auch egal! Die Aussicht war es wert!

Auf dem Weg hin und zurück fuhren wir durch einen Eukalyptus Wald. Wir wunderten uns, warum so viele anhielten und aus ihren Autos stiegen und nach oben in die Bäume schauten. Wie Lemminge in einer Heide haben wir das selbstverständlich auch gemacht, ohne wirklich zu wissen, was da auf uns zukommt. Aber irgendwie haben wir gehofft, dass es irgendetwas spektakuläres sein muss. Wir konnten eine Gruppe Koalas bei ihrer täglichen Nachmittagsmahlzeit beobachten. Wir haben davor nur Koalas im Wildlife Habitat in Queensland gesehen. Aber hier waren sie in freier Wildbahn und wir konnten sie ganz nah betrachten. Sie sassen träge auf den Zweigen und mampften Blätter in sich hinein, während sie sich von den untenstehenden neugierigen Leuten fotografieren liessen. Wir konnten einige gute Bilder machen, die man in unserer Fotosektion sehen kann. Auf dem Weg hin verschlief Anton das ganze Spektakel und wir hofften, dass sie auf unserem Rückweg immer noch da wären. Zum Glück waren sie das, so konnte auch Anton in den Genuss kommen und sie selber ganz nahe sehen. Da war nichts von wegen Streicheln oder so. Das darf man nicht in der Natur, trotzdem ein grossartiges Erlebnis für ihn, an das er sich bestimmt später erinnern kann.  

Jetzt sind wir in Melbourne angekommen. Am Donnerstag Spätnachmittags sind wir bei einer alten Schulfreundin von Alexandra eingetroffen, die hier wohnt. Alexandra und Bettina haben sich das letzte Mal vor ca. 15 Jahren gesehen, so war es natürlich interessant herauszufinden, wie es so die nächsten Tage laufen würde. Bettina wohnt mit ihrer Familie in einem schönen und modernisierten viktoranischen Haus in der Nähe der Innenstadt. Dank ihrer ungeheueren Gastfreundschaft fühlten wir uns sofort willkommen und zu Hause und sie bestanden darauf, dass wir uns einfach entspannen und alles geniessen sollten. 

Freitag ging es auf den Queen Victoria Market, dies ist Melbournes grösster Markt, wo man alles kaufen kann, was das Herz begehrt, sei es Kitsch und Kram, oder einfach die besten Lebensmittel, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Delikatessen und vieles, vieles mehr. Nicht nur in begrenzter Auswahl, nein wirklich eine breite und ganz grosse Auswahl. 95% der Produkte werden hier in Australien produziert, dass sagt viel über die Gösse dieses Landes aus und wie weit weg es von allen anderen liegt und man am besten alles hier selber produziert und anbaut. Die letzten fünf Produzent sind so speziell und einzigartig, dass man sie hier nicht herstellen kann. Feinere Gewürze, Teesorten und diese Art von Sachen. Wir wollten Bettina mit ihren Einkäufen helfen für das geplante grosse Mittagessen am Samstag. Bettina und ihr Mann kennen einige australisch-deutsche Familien in Melbourne und ein Paar von ihnen mit ihren Kindern war auch zu diesem gemütlichen Samstag Nachmittag eingeladen. Darüber hinaus war auch Alexandras Grosscousin Erich samt seiner Familie eingeladen. Die kannten Bettina und Roger vorher noch nicht, aber da wir Gäste bei ihnen die nächsten Tage waren und danach bei Erich und seiner Familie sein sollten, war das ganz natürlich, dass die auch kommen sollten. Das nennt man australische Gastfreundschaft! 

Bettinas und Rogers Haus ist eines dieser besonderen Häuser, in denen es viel Platz gibt, wo es nur so von Leben wimmelt und es manchmal auch ein bisschen lauter zu gehen kann, da überall Kinder herumrennen und rundherum gespielt wird. Die Eltern blieben total entspannt und im Einklang mit ihrer Umgebung. Auch wenn in der Küche Essen für über 20 Gäste zubereitet worden ist und es dementsprechend aussah und dies die meisten aus der Fassung bringen würde, blieb man hier ausgesprochen ruhig und stattdessen wurde es sich lieber mit einem Glas Rotwein auf der Couch gemütlich gemacht. Absolut bewundernswert! Wir haben unsere Tage bei ihnen sehr genossen!

Jetzt sind wir bei Sandra und Erich untergekommen. Als wir ihnen erzählten, dass wir in Australien umherreisen wollen und eine Unterkunft in Melbourne suchen, haben sie uns sofort angeboten, dass wir bei ihnen wohnen können. In Europa ist es so, auf alle Fälle nach meiner Erfahrung (und da nehme mich nicht selber heraus), dass man nicht einfach Fremden sein Haus anbietet. Aber hier in Australien haben wir es schon des öfteren erlebt, dass wir von Leuten eingeladen worden sind, die wir nicht wirklich gut kennen. Natürlich sind Erich und seine Familie keine Unbekannten und zudem auch noch Alexandras Familie. Es ist allerdings schon einige Jahre her, dass sie sich gesehen haben und mittlerweile sind auch noch Kinder dazu gekommen. Daher waren wir sehr gespannt, wie das alles so sein wird, wenn wir in ihr normales Alltagsleben mit Jobs, Schule, Sport und der dazugehörigen Logistik einbrechen. Das Haus ist so gross, dass wir uns zu mindestens so vorkommen, dass wir nicht im Weg umgehen. Ein weiteres Mal dürfen wir Gäste bei einer Familie sein, die das Motto hat, dass ihr Heim auch das unsere ist. Uns wurden sogar die Autoschlüssel in die Hände gedrückt. Wir fühlen uns super wohl und wir hoffen, dass wir nicht zu sehr nerven und zu viel Arbeit machen. 

In den nächsten Wochen sind wir einfach nur Touristen in Melbourne, wollen uns mit Ex-Kollegen treffen und das Leben hier für eine Weile geniessen. Wir haben uns eine Wochenkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel gekauft, damit wir die Stadt kreuz und quer erkundigen können.   

Hier klicken um die Bilder der Great Ocean Road zu sehen!

/Anders

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