Das Clare Valley war für uns der Einstieg in die australischen Weinanbaugebiete und nachdem wir einige Weine getestet haben, waren wir bereit für ein Abenteuer in der Wildnis. Von Auburn im Clare Valley ging es nach Wilpena mitten in den Flinders Ranges Nationalpark und dort checkten wir in ein “Resort” mitten im Wald ein. Resort ist zu viel gesagt, dazu war es zu spartanisch, aber dafür ist einer der Campingplätze, der es auf unsere persönliche Top 5 Liste der schönsten Campingplätze schafft.

Der Campingplatz ist riesengross mit vielen hunderten von Plätzen. Die Nachfrage nach Stellplätzen mit Wasser und Strom ist allerdings gross, da es von diesen nicht so viele gibt. Wie wir am Spätnachmittag angekommen sind, haben wir gerade noch einen der letzten freien Plätze ergattert. Wir erhielten eine Karte des Campingplatzes und sind dann durch den enormen Wald, in dem wir übernachten sollten, auf unseren uns zugewiesenen Platz hineingefahren. Wie wir an unserer Stelle angekommen sind, waren auch die anderen Campisten um uns herum auch so langsam wieder zu ihren Zelten, Campervans, Wohnmobilen zurück und haben damit begonnen sich für den Abend bereit zu machen. Und die, die schon damit fertig waren, genossen einfach den Nachmittag und Abend und entfachten schon ihr Lagerfeuer. Jeder auch noch so kleine Stellplatz hatten in einer Ecke einen Platz für ein Lagerfeuer. Sobald die Sonne untergegangen war, konnte man die entfachten Lagerfeuer in der Umgebung sehen. Hier sassen die Leute entspannt zusammen, unterhielten sich und assen ihr Abendessen. Für uns war es das erste Mal auf unserer Tour, dass wir einen Campingplatz sahen, an dem offenes Feuer erlaubt war. Daher waren wir nicht darauf eingestellt und hatten kein eigenes Holz mit dabei. Wir hätten an der Rezeption einen kleinen Holzsack für ein kleines Vermögen kaufen können, dass haben wir allerdings nicht getan. Es war auch einfach schön die anderen Lagerfeuer anzuschauen. Anton hat sich ohnehin mit den jüngsten Jungen der Nachbarsfamilie angefreundet, so war er sowieso die meiste Zeit unseres dreitägigen Aufenthalts dort. So war es ihm total gleichgültig, ob wir selber ein Feuer hatten oder nicht. Das Feuer bei den Nachbarn interessierte ihn nicht wirklich. Das tat dagegen die Zugsammlung von Harry, so hiess der Nachbarsjunge. Mit Thomas der Lokomotive und seinen Freunden wurde auf dem mitgebrachten Spielteppich zusammen mit Antons Sammlung von “Cars” Autos rege gespielt. Die zwei Jungs vergassen total Ort und Zeit und es war nicht ohne Schreierei, dass wir einen ziemlich schmutzigen Anton waschen und zum Abendessen zwingen mussten. Dafür hatten wir einen sehr müden Jungen, der schnell und tief einschlief.

Flinders Ranges Nationalpark ist ein ideal liegender Park in der Wildnis, den man wunderbar besuchen kann, wenn man in der Stadt wohnt und nur gerne für ein Wochenende weg will. Von Adelaide braucht man gute drei Stunden. Wenn man allerdings nach Wilpena, wo wir waren, muss man schon mit einigen Stunden mehr rechnen. Es gibt unzählige Nationalparks in Australien und gemeinsam haben alle, dass sie strengen Regeln unterworfen sind, was man darf und was nicht. Hier sollten man sich registrieren und eine Aufenthaltslizenz bezahlen, damit wir hier übernachten durften. Und es ist selbstverständlich, dass man nur Fussspuren hinterlassen und Erinnerungen mitnehmen darf. Ein Motto, das auf vielen Schildern an den Zufahrten des Parks steht. Aber dafür kann man herrliche und unberührte Natur erleben und stundenlang über die für Australien charakteristischen Schotterwege durch Flüsse, Schluchten und Waldgebiete fahren, ohne dass man viele andere trifft. Aufgrund der Grösse der Nationalparks hat man das Gefühl, dass man sie für sich alleine hat, selbst wenn viele sie zur gleichen Zeit besuchen. Auf unserem Campingplatz gab es viele Leute, aber so was weiss man vorher. Es ist allerdings doch immer ganz schön andere Reisende zu treffen, um Erfahrungen und Tips auszutauschen. 

In den Flinders Ranges konnten wir auch gut unseren Campervan ein bisschen mehr austesten. Wir trauten uns und fuhren auf einer ungeteerten Schotterstrasse. Eine an sich wichtige Strasse und daher gut in Stand gehalten. Aber es wäre garantiert lustiger gewesen diese mit einem Geländewagen entlang zu brettern. Wir haben uns allerdings vorher bei den Einheimischen erkundigt, ob wir mit einen Campervan, wie den unseren, dort fahren konnten und uns wurde gesagt, dass wir damit keine Problem haben sollte. Am Anfang fuhr ich noch ganz vorsichtig mit ca. 30 km/h dahin. Es rumpelte und ratterte im ganzen Auto. Nach ca. 20 Minuten lag alles am Boden, was nicht ordentlich festgemacht war und wir konnten ein bisschen mehr Gas geben. Wie wir schon eine Weile unterwegs waren, habe ich ganz vergessen vorsichtig und langsam zu fahren und wir düsten mit über 80 km/h dahin. Der Weg ging schnurstracks geradeaus so weit das Auge reichte, ungefähr 15 km in den Horizont gen die Berge, die feuerrot in der Abendsonne glänzten. Es war ein super Nachmittag, aber ich war trotzdem ein bisschen besorgt, ob unser Campervan so eine Tour durchhält. Zum Glück ist nichts passiert und wie wir auf dem Campingplatz am selben Abend zurückkamen, habe ich zufälligerweise entdeckt, dass das nicht die erste Tour in der freien Wildbahn war. Hinten in der Heckenklappe konnte ich ein bisschen roten Sand finden. Das heisst also, dass jemanden vor uns auch auf einer kleinen Outbacktour auf einer nassen Schotterstrasse war. Bei unserem Ausflug war es trocken und staubig, unser Auto war von vornherein nicht das sauberste, aber ich konnte trotzdem gut unseren neuen Dreck von dem alten unterscheiden.  

In der freien Wildbahn haben wir wirklich viele Emus und Kängurus gesehen. Sie waren einfach überall! Selbst auf dem Campingplatz waren sie und grasten dort in aller Ruhe, ohne sich um die Leute zu kümmern, die an ihnen vorbei gingen. Beim Fahren muss man wirklich aufpassen, denn sie hüpfen wirklich über die Strasse und dann vielleicht am besten, wenn man mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist. Doch während der Dämmerung sollte man besonders gut aufpassen, aber im Grunde genommen sollte man immer achtsam sein. Wenn man nach der Anzahl der toten Tiere auf dem Seitenstreifen ausgeht, dann sind es offenbar ziemlich viele jedes Jahr die ihr Leben lassen. Im Nationalpark bleiben sie einfach dort liegen. Das ist der Gang der Natur, aber es sieht doch ein bisschen makaber an den Stellen aus, an denen die Tiere normalerweise die Strasse überqueren. 

In der kleinen verschlafenen Stadt Blinman konnten wir sogar Kamele sehen. Es ist eigentlich kein Tier, das ursprünglich in  Australien ansässig war, aber in den 1850-iger Jahren haben einige reiche Männer sie aus Saudi Arabien als Arbeitstiere für genau diese raue Klima nach Australien importiert. Kamele sind an schwankende Temperaturen und extreme Wetterverhältnisse gewöhnt und sind daher ideal. Auch die australische Polarforschung hat Kamele benutzt. Ihnen erging es so gut in Australien, dass es mittlerweile mehrere tausend Kamele gibt. Die meisten sind domestiziertes Haustiere. Ihre Wolle ist auch sehr gut nutzbar und isolierend, aber die meisten werden für den Tourismus gebraucht, wo man auf dem Kamelrücken Touren durch die Wildnis machen kann. Es gibt auch viele wilde Kamele. Wieviele es tatsächlich gibt, weiss man nicht. Jeder Bundesstaat unternimmt seine eigenen Zählungen und da sich Kamele bekanntlicherweise nicht an Grenzen halten, so weiss man nicht, ob man nicht einige doppelt gezählt hat. Die offiziellen Zahlen schwanken zwischen 200.000 bis 2.000.000 Tiere bundesweit. Der lokale Kamelbesitzer in Blinman meinte, dass die richtige Anzahl wohl irgendwo in der Mitte liegt. Der Import der Kamele nach Australien ist nur eine von vielen Geschichten von Tieren, die eingeführt worden sind, ohne dass man vorher an die Konsequenzen gedacht hat. Kaninchen sind ein weiteres Beispiel eines importierten Tieres, dass sich vermehrt und somit Probleme geschafft hat. Australien ist ein üppiger, warmer und isolierter Kontinent, und wenn es keine natürlichen Feinde gibt, dann kann die Anzahl des Bestand schnell explodieren. Das erklärt die Beharrlichkeit des Zolles bei der Anreise in dieses Land. Man will einfach keine weiteren Tierarten oder Pflanzen haben. 

Wir haben auch das Prairie Hotel in Parachilna besucht, einen Ort, den man oft in australischen Filmen sehen kann, wenn man eine typische “Outback” Stelle braucht. Verlassen, menschenleer und nur für hartgesottenen Kerle. Es ist wirklich so, rau und öde, aber wie es so mit Film Locations ist, ziehen sie auch Touristen an. Leider hatten wir gerade zu Mittag gegessen, als wir ankamen. Darüber war Alexandra nicht besonders erfreut, da es im Hotel Känguru-, Emu- und Kamel-Burger gab. Ein leckerer “Trio-Teller” mit drei kleinen Mini-Burger mit je einem der Fleischsorten. Eine Spezialität, die wirklich Gäste anlockt! Ich weiss allerdings nicht, wie Kamelfleisch schmeckt...Ich denke immer noch darüber nach, ob ich mal Krokodilfleisch probieren soll. Australien bietet wirklich viele interessante Spezialitäten!

Jetzt sind wir wieder in der Zivilisation und sind momentan im Barossa Valley. Genau aus dieser Gegend werden die meisten Weine nach Europa importiert. Wir waren bei Jacob’s Creek, ein Weinbauer, den wohl die meisten von uns kennen. Auch Seppeltsfield ist im Ausland bekannt. Es macht wirklich Spass und darüber hinaus ist sehr interessant all diese herrlichen Weine zu probieren. Nur eine Sache ist ein bisschen ärgerlich, dass wir nur die paar Flaschen kaufen können, die wir hier während unseres Aufenthalts trinken können. Leider können wir nicht kistenweise den Wein kaufen, wie wir es sonst gerne machen würden. Es nimmt einfach zu viel Platz im Rucksack weg. Dafür haben wir fleissig lokalproduziertes Olivenöl, Oliven, Marmelade, Obst und Gemüse gekauft. Auf einigen Märkten haben wir auch leckere Würste gefunden, über die wir jetzt herfallen. Die schmecken einfach himmlisch! Selbst Anton munden sie, obwohl er sonst nicht der grosse Fleischesser ist. Er grabscht sich richtig grosse Stücke und isst sie, als wären sie Süssigkeiten. Man kommt leicht in die Versuchung zu sagen, dass natürlich Deutsche aus der Umgebung hinter der Produktion dieser Delikatesswürste stehen. 

Während ich das hier schreibe, sind wir gerade in Hahndorf, einer der ältesten deutschen Städte in Australien. Sie wurde 1839 gegründet. Es war schon lustig heute Nachmittag durch die Stadt zu schlendern und zu sehen, was in den vielen kleinen Läden an deutschen Spezialitäten zum Verkauf angeboten wird: antike Bierkrüge, Trachtenhüte und vieles mehr. Wir waren nicht darauf aus typische bayerische Gerichte zu essen, deshalb machten wir einen grossen Bogen um diese Restaurants. Alles war ziemlich teuer, absolute Touristenpreise. Eine Breze, die in München 50 Cent kostet, die wir natürlich auch sehr vermissen, kostet hier 3,50 Dollar das Stück! Stattdessen waren wir Kaffee trinken und Muffin essen in einem ganz normalen Café. 

In den nächsten Tagen setzen wir unsere Reise an der Südküste auf der Great Ocean Road gen Melbourne fort. Endlich wieder ein Blick auf die Küste, nachdem wir so viel im Innland/Outback waren.

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/Anders

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