Wir sind mittlerweile schon ein bisschen über vier Monate unterwegs und geniessen wirklich das Leben und die Zeit zusammen. Wie schon in vorherigen Blogs erwähnt, so haben wir all die Qualitätszeit, von der wir lange während unseres traurigen und stressigen Alltags in einer Wohnung in Kopenhagen geträumt haben. 

Und gerade nach unserem Abschied von Australien und all den uns liebgewonnenen Menschen und gerade als wir in Neuseeland angekommen sind und gerade ein neues und spannendes Kapitel unseres Abenteuers aufgeschlagen haben, wurden wir von einem Anruf “überrascht”. Die Nachricht, dass meine geliebte Grossmutter in einem Alter von 88 Jahren still und leise eingeschlafen ist.  

Was macht man mit so einer Mitteilung, wenn man mit einem Campervan an einem Strand an der Oakuru Bucht steht und plötzlich einfach nur heim nach Dänemark auf die andere Seite der Welt will? Dort wo die ganze Familie trauert und man bei ihnen sein will und zusammen mit ihnen trauern will. Rein zufällig (und auch nach der Erfahrung mit der schlechten Internetverbindung in Australien) haben wir beschlossen uns in Neuseeland mit einem Internetpaket einzudecken. Wir hatten auch schon die SIM Karte in eines der Handys eingesetzt und waren somit online und alle Apps für eine kostenlose Kommunikation funktionierten. So konnte mich auch meine Mutter erreichen. Wenn es z.B. passiert wäre, während der Wochen in Australien ohne eine SIM Karte im Telefon und zu dem auch noch weit weg von jeglicher Zivilisation... Ich weiss nicht, ob ich es dann nach Hause nach Jütland zur Beerdigung geschafft hätte. Alleine der Gedanke daran....ich möchte ihn gar nicht weiterverfolgen...

Dies war einer der “Sachen”, die ich im Gefühl hatte, dass sie passieren könnte. Ich hatte auch eine Absprache mit meiner Oma, dass ich nach Hause kommen würde, um sie zu Grabe zu tragen, egal wo ich mich zu diesem Zeitpunkt auf der Welt befinden sollte. Daher haben wir uns auch für die teuerste und beste Reiseversicherung entschieden. Es war nicht so, dass meine Grossmutter krank war, aber in einem stolzen Alter von 88 Jahren, war sie müde und hat alles erreicht und gesehen, was sie sich vorgenommen hatte. Alle Listen waren abgehackt und es war reiner Tisch mit allen gemacht. Der Tot kam plötzlich, aber dann wiederum nicht. Vor einiger Zeit fragte ich sie, ob sie bereit wäre zu sterben. Nach einigen Sekunden Bedenkzeit kam die Antwort:  “Ja, ich bin bereit!” Aus unergründlichen Ursachen habe ich sie noch von Melbourne aus angerufen, kurz bevor es weiter nach Neuseeland ging. Ein Gefühl, dass mir sagte, ich sollte sie anrufen. Mein Skype Konto wurde aufgeladen und ich rief sie auf ihrer altmodischen Telefonnummer an. Wir sprachen eine gute halbe Stunde. Sie verfolgte genau unsere Reise, las alle unsere Blogs und wusste genau, wo wir uns zu jedem Zeitpunkt befanden. Sie klang frisch und guter Stimmung und wir machten aus, dass ich mich bald wieder melden sollte. Das schaffte ich leide nicht.....

Selbst da ich eine feste Absprache mit meiner Grossmutter hatte, und ich im Innersten genau wusste, was ich zu tun hatte, war es keine leichte Entscheidung Anton und Alexandra alleine in Auckland für eine Woche zu lassen und unser grosses Abenteuer auf Pause zu stellen. Sie waren auch sehr mitgenommen und traurig. Aber ich wusste, dass ich es mir nie vergeben würde, wenn ich nicht die lange Reise nach Jütland auf mich nehmen würde, um sie auf ihrer letzten Reise zu begleiten. Das Leben und der Tot liegen nahe beieinander und sie treffen einen unerwartet aus dem Nichts heraus. Ich sollte mich wirklich nicht über einen langen Flug beschweren. Ich habe es selbst gewählt und bin davon überzeugt, dass meine Grossmutter das selbe für mich getan hätte, wenn sie in der Lage gewesen wäre. 

Die Tour nach Dänemark hiess Auckland-Hong Kong, Hong Kong-Amsterdam, Amsterdam-Billund. Zusammengerechnet 36 Stunden, vier Tage in Dänemark, und dann wieder zurück. Billund-Amsterdam, Amsterdam-Singapore, Singapore-Auckland. Nochmals 36 Stunden. 

Eine lange Zeit in der “Holzklasse”, mit Sitz 38K, mit wenig Beinfreiheit und unbequeme Sitze. Aber ich weiss, dass meine Liebsten in Auckland auf mich warten und wir werden unsere Reise fortsetzen. Wir haben uns viel vorgenommen. Die Aussicht war spektakulär, wie man im oberen Bild sehen kann. Auf dem Flug von Auckland nach Hong Kong wurden wir über Java plötzlich von einem Zwielicht überrascht, das langsam immer näher auf uns zukam. Die dunkelblaue Linie am Horizont. Was für eine schöne Aussicht!

/Anders

Comment