Es war schon immer ein Traum von mir die Welt zu bereisen und zu sehen. So viel als möglich! Leider liegt es nicht so wirklich in meinem Wesen mich einfach so in das Ungewisse zu stürzen. Ich war schon immer neidisch auf diejenigen, die es dann wirklich wagten. Genau diejenigen, die denken, dass sich schon alles von alleine regeln wird. Rückblickend auf mein eigenes Leben, war es auch so bei mir. Nur habe ich es nie so betrachtet. Durch die vielen Aufs und Abs, habe ich manchmal auch schmerzlich erleben müssen,  dass nie etwas ohne Grund passiert und es auch nicht anderes hätte geschehen sollen. Man sollte immer darüber reflektieren, warum es gerade so passiert ist und dann gestärkt weiter seinen Weg gehen. 

Meine Eltern haben meine Schwester und mich in einem guten und sicheren Reihenhausviertel in einem Vorort von Kopenhagen grossgezogen. Als Familie mit Kleinkindern gab es nicht so viel Geld, aber uns hat es nie an Liebe und Aufmerksamkeit gefehlt, obwohl meine Eltern immer zielstrebig Ihre herausfordernden Karrieren verfolgt haben. Erst im Teenageralter waren wir vielleicht ein bisschen mehr alleine als andere. Aber ich habe diese Zeit als sehr positiv im Gedächtnis. Endlich konnte ich Musik in meinem Zimmer hören, so laut und so lange, wie ich wollte. 

Die Ferien verbrachten wir immer bei unserer Familie in Jütland, dass machte man einfach so den 70-igern und 80’igern. Dann konnten wir Zeit mit unserer Familie verbringen. Genau mit denjenigen, die wir mochten und sonst nicht so viel sahen. Wir sind nicht ins Ausland gereist und kannte somit solche Reisen gar nicht und habe sie auch nicht vermisst. Das kam erst, als ich richtig anfing zu arbeiten. Dann ging es auf Geschäftsreisen und es gab Geld für Urlaube im Ausland. Kaum damit begonnen, bekam ich Lust auf noch mehr. Die Pandora Box hat sich für mich geöffnet! Ich habe mir ein immer grösser werdendes internationalen Netzwerk aufgebaut. Gebannt lauschte ich den interessanten Geschichten und spannenden Beschreibungen meiner neuen Freunden, Bekannten und Kollegen. Ein Reisefieber, das nur darauf wartet auszubrechen.

Durch meine Arbeit lernte ich meine jetzige Frau kennen. Ein fantastisches deutsches Mädl aus München. Nach einer Zeit des Pendelns zwischen Kopenhagen und München, verschlug es uns zusammen nach Kopenhagen. Hier wurden wir Eltern eines kleinen wunderbaren Jungen, unseren Anton. Er ist unser Ein und Alles und unser Leben dreht sich seit April 2010 um ihn. Er soll im richtigen Lebensumfeld aufwachen und ökonomische Sicherheit haben. Und das ist uns ziemlich gut gelungen!

Kurz vor Antons Geburt, hat leider meine Karriere in der Firma, in der ich seit 2007 beschäftigt war, die falsche Karriererichtung eingeschlagen. Ich wechselte innerhalb der Firma und dies erwiess sich als falsche Entscheidung. Eine Entscheidung, die mich frustrierte. Ganz langsam geriet ich in eine Situation, die für beide Seiten nicht optimal war. Ich hatte nicht die richtige Ausbildung für meine neue Stelle. Was noch schlimmer war, es interessierte mich auch nicht wirklich. Ohne es richtig zu bemerken, verlor ich die Passion und Begeisterung für meine Arbeit, die ich davor liebte. Alles wurde zur Mittelmässigkeit. Diesen Kompromiss, so lobte ich mir und meiner Familie, sollte nicht permanent sein. 

Knapp drei Jahre später war ich am Ende. Dies wurde mir erst so richtig bewusst, als mir bei einem Gespräch mit meinem Direktor ein Projekt übertragen werden sollte, dass mehr Verantwortung und Reiseaktivität beinhaltete. Zu einem früheren Zeitpunkt hätte mich das bestimmt brennend interessiert. Das Timing war nicht perfekt, als dass es mich ausserordentlich interessiert und motiviert hätte. Aber natürlich nahm ich die neue Aufgabe mit gespielter Freude an. 

Im Laufe des Sommers 2012 konnte ich merken, dass sich sowohl meine Stimmung, als auch die meiner Frau grundlegend geändert hat. Sie hatte während der letzten vier Jahre “on and off” eine feste Arbeitsstelle gesucht. In dieser Zeit war sie auch im Mutterschutz und Elternzeit, aber trotzdem eine sehr lange Zeit. Für eine ambitionierte Karrierefrau nicht wirklich optimal. Sie ist ein sehr positiver Mensch und war sehr lange hochmotiviert. Es gab auch einige positive Erlebnisse. Genau wie die Finanzkrise im Herbst 2008 ausgebrochen ist, hat Sie ihren Job verloren. Eine lange Zeit kam sie nicht einmal zu Gesprächen, obwohl sie über 200 Bewerbungen verschickt hatte. Nach einer Weile ist der Markt auf ihr Profil aufmerksam geworden und langsam kamen die Einladungen. Umso härter war es dann in der letzten Runde rauszufallen und nur der zweite Kandidat zu sein. Es ist natürlich schön zu wissen, dass man Nummer zwei von vielen hunderten Bewerbern ist - und zu dem noch Ausländer! Aber irgendwie hilft das auch nicht wirklich weiter!

Mir ging es eine lange Zeit ähnlich, obwohl ich eine eine feste Anstellung hatte, mit der ich meine Familie versorgte. Keine Beschwerden darüber! Ich sah es als meine Hauptverantwortung an meine Familie zu versorgen und zusammen mit Alexandras Arbeitslosengeld war ein finanzieller Grundstein gelegt. Eine perfekte Situation war das absolut nicht!

Im Laufe des Frühlings 2012 schlug ich des öfteren vor, dass wir Bilanz über unser Leben ziehen sollten. Ich hatte mir selber dazu schon reichlich Gedanken gemacht. Ich wollte was total anderes. Aber natürlich zusammen mit Anton und Alexandra. Daran habe ich nie gezweifelt. Sie waren nicht das Problem. Mir war aber bewusst, wenn sich unsere äusseren Umstände nicht bald dramatisch ändern werden, dann können wir bald nicht mehr unser ansonsten so harmonisches und glückliches Leben aufrecht erhalten. Bereits jetzt ist es schon wesentlich anstrengender diesen Zustand zu haben.

Im Sommer während eines gemütlichen Spaziergang durch den Botanischen Garten in Kopenhagen schlug Alexandra vor, dass wir verreisen sollten. Gerade erst sind wir von einer schönen Urlaubswoche an der Westküste Jütlands zurückgekehrt. Diese Auszeit war angefüllt mit schönen Erlebnissen und kleinen Momenten, die normalerweise im Alltag untergehen würden. Plötzlich wurde es uns beiden bewusst, dass es nicht nur darum geht den Alltag so gut, wie möglich zu meistern. Aufzustehen, in die Arbeit zu gehen, Geld verdienen, damit man die Kinderkrippe und die Wohnung bezahlen kann. Unsere Karrieren sind zum Stillstand gekommen. Auf welche Zukunftsperspektiven arbeiten wir eigentlich hin?

Alexandra war schon öfters längere Zeitspannen verreist. Unter anderem auch nach Australien. Sie ist es gewöhnt mit dem Rucksack zu reisen (Anmerkung Übersetzer, Alex: Wirklich? Nein!). Sie ging neben mir und schlug plötzlich vor einen alten Traum von mir zu verwirklichen. Eine Reise rund um die Welt! Das würde bedeuten, dass wir unsere Wohnung verkaufen und ich meinen Job kündigen müsste. Eine drastische Lebensänderung für uns alle. Natürlich auch für Anton. Sobald wir die Entscheidung getroffen haben, hat es sich sofort richtig angefühlt. 

Bereits am selben Abend meldeten sich die ersten Sorgen. Oh mein Gott, was haben wir eigentlich vor? Sind wir total verrückt? Wie können wir sowas nur einen kleinen Jungen antun, für den wir Verantwortung tragen? Ihn aus seinen festen Routinen rausreissen. Seinen gewohnten Tagesablauf mit seinen Freunden in der Krippe vorenthalten. Alles wegnehmen, was er kennt und wo er sich wohl fühlt. Wir fingen an auf allen möglichen Webseiten zu recherchieren, was über Weltreisen mit Kindern geschrieben wird. Gleichzeitig kontaktierte ich auch noch Leute, die sowas schon probiert haben. Wir wollen einfach die Zeit als Familie verbringen und gleichzeitig zusammen schöne Erlebnisse haben. Qualitätszeit! Und wir wollen unseren Sohn grundlegende Werte vermitteln. Werte über das Leben, gute Beziehungen zu anderen und der Umgebung aufzubauen und zu erhalten. Unsere Zweifel verschwanden natürlich nicht sofort, aber je mehr wir uns damit befassten, auch mental, desto mehr Sinn machte es. 

Was haben wir eigentlich zu verlieren? Wir waren uns klar darüber, dass nicht plötzlich ein unerwarteter Karriereschub kommen würde, sondern sich unser trister Alttag fortsetzen würde. Wir wollen viel mehr; wir wollen aus unserem Alltag ausbrechen, damit wir andere Kulturen kennenlernen, sich für uns neue Horizonte eröffnen, andere Reisende unterwegs treffen, die uns neue Inspiration für unser Leben und generell für unser Dasein geben können. Und wenn wir das nicht finden sollten, dann geht es einfach nach unserer Reise weiter mit der Jobsuche und wir müssen eine Mietwohnung finden. Wir werden immer die Erlebnisse als Erinnerung haben. Wir werden bereichert sein mit neuen Eindrücken, Erlebnissen, von denen die meisten nur träumen, aber sich nie trauen. Wir können mit guten Gewissen in den Spiegel schauen und sagen, dass wir es uns zu mindestens getraut haben. Wir haben unsere aktuelle Situation analysiert und haben so gehandelt, wie wir es für richtig halten. Nur für uns! Mit anderen Worten war es ein leichte Entscheidung

/Anders

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