Nachdem wir über fünf Wochen in unserem Campervan, “Moonbat”, verbracht haben, mussten wir ihn heute leider wieder zurück zu Spaceship Australien bringen. Mit ein bisschen Wehmut, nachdem wir uns sehr gut an den begrenzten Platz und die festen Routinen gewöhnt haben, die notwendig waren, um so ein bisschen Ordnung zu halten, um alle unsere Dinge auch immer wieder zu finden. Das hat ein paar Tage gedauert, dann wussten wir sehr wohl, was wir machen mussten und was für fantastische Möglichkeiten uns zur Verfügung standen.  

Das Spaceship hat uns weniger pro Tag gekostet, als wenn wir uns ein ganz normales Auto geliehen hätten. Und darüberhinaus war es komplett mit einem Kühlschrank, zwei Gaskochplatten, Matratze, Bettzeug mit Decken, Kopfkissen und Bezügen, Besteck, Kochutensilien, Tassen und Teller für vier Personen ausgestattet. Mit anderen Worten einfach alles, was man braucht um im Freien zu übernachten und wenn man Lust hat, kann man auch einfach in einem Hotel oder Hostel/Jugendherberge einchecken. Das gab uns das Gefühl, dass das Geld nicht nur so aus unserem Reisebudget herausströmte. 

Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass wir mehr in Hotels oder Hostels übernachten würden. Aber schnell haben wir herausgefunden, dass ein Campervan das beste für uns ist. Da wir somit die Flexibilität hatten, immer dort zu übernachten, wo wir gerne wollten. Wir konnten bei Klängen von Tieren, Meeresrauschen am Strand und das Rascheln der Palmen im Wind einschlafen. Einige Tage sogar mit allen drei Hintergrundsgeräuschen auf einmal! Und wenn es uns nicht gefallen hat, dann ging es einfach am nächsten Tag weiter. Wir haben nur die ersten zwei Nächte im vornherein gebucht, ansonsten haben wir einfach  da angehalten, wo es uns gefallen hat und haben gefragt, ob ein Plätzchen für uns frei wäre. 

Wenn man auf einen Campingplatz wohnt, kommt man schnell in Kontakt mit anderen. Das ganze wird noch verstärkt, wenn man mit einem Kind reist. Kinder untereinander spielen schnell miteinander und dann kommen die Eltern dazu und schnell entsteht ein Gespräch. Auch in der gemeinsamen Küche, der Camper Kitchen, kamen schnell Gespräche auf, auch mit Reisenden ohne Kinder.  

Australien ist ein riesiges Land und es gibt genug Platz, dass man einfach aus heiteren Himmel los reisen kann. Wir haben viele Leute aus dem südlichen Teil Australiens getroffen, die unterwegs auf ihrer “jährlichen” Tour nach Norden waren, um so der Kälte zu entkommen und die tropische Wärme im Norden zu geniessen. Nach und nach erfuhren wir deren Geschichte. Und da gab es einen, mit dem wir zufällig eine Woche gereist sind. Ein Mann aus dem Bergen in der Nähe von Sydney. Robert, der vor zwei Monaten Witwer geworden ist und es nicht mehr aushalten konnte zu Hause rumzusitzen, alleine mit seinen Gedanken und seiner Einsamkeit. Stattdessen hat er sein Zeug gepackt und ist jetzt in seinem eigenen Land, Australien unterwegs. Eine Reise ohne festes Enddatum. Bis jetzt ist er ein Monat unterwegs und er will noch ein paar Monate dranhängen. Wenn er fertig mit Australien ist, soll es nach London mit einem Kreuzfahrtschiff gehen. Und davon weiter nach Grönland. Grönland war das Schlagwort, das uns eines Abends in ein tiefergehendes Gespräch verwickelte. Ich war selber einige Male in Grönland und ich konnte gut nachvollziehen, warum Robert gerne diese herrliche Landschaft sehen wollte. Nach und nach im Laufe des Gesprächs öffneten wir uns beide immer mehr und erzählten uns gegenseitig unsere Geschichten. Ich habe herausgefunden, dass es sehr befreiend sein kann, wenn man seine Geschichte teilen kann. Nur so viel, wie man denkt, dass es relevant und in Ordnung ist, natürlich. Aber wenn man keine Furcht davor hat, kann man leicht herausfinden, dass andere auch gerne erzählen wollen, woher sie kommen und was sie hierher gebracht hat . Wir haben alle eine Gemeinsamkeit, dass wir irgendwohin unterwegs sind. Unsere Geschichte ist ja bereist bekannt....

Unterwegs trafen wir Brandon. Ein fantastischer Mensch der von den anderen auf den Campingplatz als der typische australische Mann beschrieben wurde, wie man ihn nur treffen kann. Er hatte eine ausserordentliche  “Outback” Ausrüstung : Camping-Küche, einen riesigen Trailer, der sich schnell in ein enormes Zelt mit einem Vorzelt und Doppelbett verwandeln konnte, ein grosses Allradauto und viele Angeln. Was Brandon eigentlich beruflich macht, habe ich nie herausgefunden. Vielleicht ist er vorzeitig in den Ruhestand gegangen. War auch nicht wirklich wichtig für unsere Gespräche. Aber er hatte die Zeit und Muse langsam zu reisen und verbrachte seine Tage mit Fischen und Off-Road Touren durch die raue Buschlandschaft im Norden von Cape Tribulation. Wie wir uns trafen, war er bereits einige Monate unterwegs und weit weg von seinem Zuhause, eine Stunde Fahrt von Melbourne. Der Plan ist doch, dass er rechtzeitig zum Geburtstag seiner Tochter Mitte Juli zu Hause ist, um sie zu überraschen. Zufälligerweise hatten Brandon und wir eine Woche lang die selben Reiseziele und suchten uns die selben Campingplätze aus und so kamen wir ins Gespräch.  

Wir trafen auch Archie und seine Eltern, Claire und Aiden am Ellis Beach. Chase und seine Eltern Tash und Ty in Cape Tribulation, mit ihnen waren wir auch im Wildlife Habitat in Port Douglas und dann auch noch Oliver und seine Eltern, deren Namen wir nicht erfahren haben. Das war auch nicht so wichtig! Wir sprachen über ihr spannendes Leben als Expats in Qatar und wie man dort im Vergleich mit England lebt, wo sie ursprünglich herkommen.  

Ich kann mich erinnern, wie ich einmal auf dem Midtfyns Festival in Dänemark war und dort Musik zusammen mit Direktoren, Priestern, Grundschullehrern, Studenten und Arbeitslosen hörte. Der soziale Status war während der Zeit des Festivals unwichtig. Genau dieses Gefühl habe ich auch an den Plätzen, wo wir sind und übernachten. Man trifft sich in der gemeinsamen Küche und dann hängt es von einem selber ab, ob man sich am Gespräch beteiligen will. Wären wir auf eine andere Art und Weise gereist, bin ich mir sicher, dass wir nicht solche fantastischen und unerwarteten Erlebnisse gehabt hätten. Wir haben auch andere ausländische Reisenden getroffen, aber der Grossteil sind doch Australier. Dadurch haben wir ein wesentlich detailierteres Bild von Australien und seinen Einwohner und Natur bekommen, als am Anfang unserer Reise. Australien ist ein isoliertes Land mit einem riesigen Abstand zu den anderen westlichen Ländern. So gerne wie sie über ihr Land erzählen, so gerne wollen sie wissen, woher man kommt und warum man in Australien ist. Und wirklich JEDESMAL erhält man gute Tips, was man sehen sollte, oder was man zu essen probieren sollte. Das ist doch ziemlich gut, oder?!

Jetzt machen wir uns auf zu einem anderen Abenteuer! Wir sind auf dem Weg nach Sydney, wo wir eine Woche bleiben wollen. Die Temperaturen sind wesentlich anderes, als die, die wir hatten als wir München Anfang April verlassen haben. Aber das macht nichts! Als Däne bin ich nicht so richtig an einen heissen Sommer gewöhnt und ich kann mich nicht beklagen, da ich dieses Jahr schon eine grosse Ration Sonnenschein erhalten habe. 

Hier klicken für die Bilder, die wir bis jetzt, in Australien gemacht haben!

/Anders

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