Wir sind jetzt bereits über eine Woche in Australien. Nach Thailands unglaublicher und sehr konstanter Hitze und Luftfeuchtigkeit ist es wirklich befreiend in Brisbane anzukommen, wo so langsam der Herbst einzieht, da wir uns jetzt im südlichen Teil der Welt aufhalten. Die Tagestemperaturen liegen gut und gerne bei 20 Grad. Im Hochsommer ist es nicht ungewöhnlich, dass die Temperaturen um die 35-40 Grad für eine längere Zeit ansteigen. 

Durch eine ehemalige Kollegin aus München haben wir Kontakt zu einer Familie hier in  Brisbane. Tina & Neil und ihre zwei kleinen Söhne, Zwillinge. Bevor es nach Brisbane ging habe ich schon mit Neil einige Emails ausgetauscht. Ich wollte gerne mehr über Brisbane wissen, habe nach Tips und Sehenswürdigkeiten gefragt, die wir unbedingt sehen müssen. Schnell haben wir beide herausgefunden, dass wir gemeinsame Interessen haben, wie z.B. das Fotografieren. Ohne uns jemals davor getroffen oder gesprochen zu haben, bot uns Neil an, uns morgen abzuholen und uns einen ganzen Tag lang Brisbane zu zeigen. So können wir “sein” Brisbane und einen allerersten Eindruck gewinnen. Alexandra war schon einmal hier, aber das ist mittlerweile auch bereits über 10 Jahre her und viel ist inzwischen passiert. 

Im Hostel fanden wir einen Australienführer, im dem wir nachlesen konnten, dass in Brisbane 1,5 Millionen Menschen wohnen. Das Buch ist von 2008 und die einzige aktuellste Zahl, die ich finden konnte, gibt an das es jetzt ca. um 2,2 Millionen sind. Somit ist es die drittgrösste Stadt Australiens. Da kann man nur sagen, dass dies ein Wachstum ist! Man kann den Aufschwung und die vielen Baustellen sehen. Brisbane ist auf einen grossen Areal erbaut, das sich über sieben Hügel erstreckt. Ursprünglich wollte man es sogar “Seven Hills” nennen, aber es wurde dann nach dem Schotten Sir Thomas Brisbane benannt, der hier Gouverneur im Teilstaat New South Wales von 1821 bis 1825 war. Wie die meisten Städte hat Brisbane in all den Jahren seinen Teil an Überschwemmungen und Grossbrände erlebt und überlebt. Einige der alten Gebäude haben dies unversehrt überstanden, unter anderem das Zollhaus, das am Fluss liegt. Der Brisbane River windet sich wie eine Schlange durch die Stadt und somit gibt es viele Gelegenheiten “Aussicht zum Wasser” zu haben. Kilometerlang ziehen sich Häuser, Häfen, Holzstege am Fluss entlang. Mit einem Wasser-Bus kann man sich zum Stadtzentrum und zurück fahren lassen. Neil erzählte uns, dass Brisbane tatsächlich eine der wenigen Städte ist, die den Fluss als Transportmittel benutzen. In vielen anderen Städten fliessen die Flüsse ohne einen bestimmten Sinn und Zweck durch die Stadt. Einer der Gründe kann natürlich sein, dass speziell weiter im Norden Krokodile dort sind. Dann hat man auch weniger Lust sich in die Fluten zu werfen! In Brisbane hat man bisher noch keine Krokodile gesichtet. Auch nicht an der Küste. 

Auf Grund der sieben Hügel wirkt Brisbane ziemlich hügelig. Die Strassen der Innenstadt können an manchen Stellen richtig steil sein. Es ist aber nicht ganz so schlimm, wir können Anton im Kinderwagen immer noch ohne Problem schieben. Gerade so eine Stadtstruktur gefällt mir besonders! Sie ist so ganz anderes, als das was man zu Hause im flachen Dänemark gewöhnt ist. Auch die sehr effektive Aufteilung mit langen und geraden Strassen, die sich wie ein Gitter überkreuzen, finde ich super. Man kann an einer Strassenecke stehen und mehrere Kilometer in eine Richtung schauen. Das hügelige Gelände macht es in Brisbane an einigen Stellen schwieriger zu bauen, als an einer flachen Stelle. Wolkenkratzer und schöne alte Gebäude im viktorianischen Stil liegen Seite an Seite. Es gibt keine Regeln, wie hoch man bauen darf. Es ist tatsächlich ein bisschen schwer mit blossen Auge herauszufinden, was das höchste Gebäude ist. Es hängt davon ab, ob es auf einem Hügel oder in einem Tal liegt. Die “Skyline” von Brisbane ist fantastisch, man muss sie einfach fotografieren, bei Tag und Nacht. Die älteste Brücke, die “Story Bridge”, ist ein wunderbares Wahrzeichen, das über grosse und mutige Projekte erzählt, als die Stadt noch in ihren Kinderschuhen steckte. Mitte der 60-iger Jahre gab es soviel Verkehr, dass man gezwungen war radikal umzudenken. Es wurden viel Brücken und grossen Strassen durch die Stadt gebaut, um die Probleme mit den vielen Staus zu lösen. Alleine eine Tour an die Küste konnte damals bis zu vier Stunden dauern und das für 15 Kilometer vom Zentrum!

Das Problem wurde gelöst und heute funktioniert Brisbane rein verkehrsmässig gut, natürlich sind immer Verbesserungen möglich. Eine der neusten Errungenschaften ist der Zug vom Flughafen in das Stadtzentrum und noch weiter in die Vorstädte. Es war billig, schnell und effektiv für uns  an unserer Ziel zukommen. 

Unser Sightseeing Tag mit Neil wurde mit einem richtigen traditionellen australischen BBQ beendet. Auf den meisten Terrassen Australiens muss natürlich ein überdimensionaler Gasgrill stehen. Es wird keine Zeit mit Kohle oder Briketten verschwendet. Die haben ich hier noch nicht gesehen! Es wird mit Gas gegrillt und schnell ist alles fertig! Neils Gasgrill war einer der grösseren Version und er hat Platz für einen ganzen Braten oder ein Hühnchen, gleichzeitig könnten da locker 40 Würste und Brot gegrillt werden. Soviel sollten wir dann doch nicht haben. Obwohl ich den den Eindruck hatte, dass Neil nicht gerne mit leeren Händen da steht, wenn er Gäste oder seine ganze Familie bewirten will. Wir bekamen leckere Rinder- und Lammsteaks und Grillwürste. Und zwar reichlich! Selten haben wir so viel Fleisch gegessen. Es war ein super netter Abend! Es ist eine unglaubliche Vorstellung, dass man sich mit Menschen verstehen kann, ohne dass man sie vorher gekannt hat und man sich fühlt, als würde sie schon seit Ewigkeiten kennen. Neil will sich versichern, dass wir weiterhin eine gute Zeit in Australien haben und hat sich angeboten unsere Anlaufstelle für Notfälle zu sein. Nur falls wir unterwegs irgendwo stecken bleiben sollten, oder Hilfe benötigen, so kann er uns helfen, dass wir mit jemanden Lokalem uns in Verbindung setzen können. Das ist Gastfreundschaft in seiner reinsten Form!

Apropos BBQ: In Australien ist dies ein wichtigster Bestandteil des sozialen Lebens und man trifft sich mit Familie oder Freunden zum Grillen. Überall im Freien, in Parks, am Strand oder Campingplätzen gibt es entweder einen elektrisch oder gasbetriebenen BBQ Grill - zur freien Benutzung! Man muss ihn nur so hinterlassen, wie man ihn gerne selber vorfinden möchte. Wir haben davon wirklich eine Masse gesehen. Und sie sind alle im guten Zustand und werden normalerweise nicht zerstört. Sowas kann natürlich vorkommen, wird wahrscheinlich als schlechter Stil gesehen, wenn man nicht ein BBQ haben kann. Dem kann ich nur zustimmen. Ich selber war noch nie der grosse Grillmeister, aber hier in Australien sieht es einfach aus. Es macht keinen grossen Unterschied, ob man es zu Hause in der Küche zubereitet, oder die letzten Griffe im Park am Grill macht. Es geht nur darum draussen zu sein, das gute Wetter zu geniessen und mit Leuten zusammen sein, die man mag. 

Das Bild oben ist Brisbanes Skyline in der Nacht mit der Story Bridge. Hier klicken für mehr Bilder!

/Anders

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