Wir sind mittlerweile schon zwei Wochen mit unserem kleinen Campervan unterwegs. Wir haben eine gute Routine entwickelt. Es gibt nicht viel Platz und wir haben schnell herausgefunden, dass es sehr wichtig ist, Ordnung zu halten. Selbst wenn wir nicht immer wirklich Lust haben jedesmal ordentlich aufzuräumen und die Dinge jeden Morgen auf ihren zugewiesen Platz zu räumen, bevor wir den Campingplatz verlassen um weiterzufahren, so hat uns doch die Erfahrung gezeigt, dass es sich auszahlt. Sogar ich musste das einsehen, nachdem ich mehrere Male vergeblich nach der Taschenlampe oder den Adapter gesucht habe. Also gleich an die richtige Stelle legen, dann weiss man, wo es liegt. Frei nach Alexandras Motto: “Nur ein aufgeräumtes Auto, ist ein sicheres Auto!” - und es stimmt einfach! (Anmerkung des Übersetzers: Gelernt während einer Bootsfahrt in Irland “Nur ein ordentliches Boot, ist ein sicheres Boot”)

Die letzten Wochen waren angefüllt mit unzähligen Erlebnissen. Wir waren auf Fraser Island, die weltgrösste Insel, die nur aus Sand besteht. Eine Insel, die unter Naturschutz steht und die man unter strengen Auflagen bereisen darf. Alle dürfen dort kampieren und sich dort alleine ohne einen Guide aufhalten. Die absolut wichtigste Auflage ist, dass man auf die Insel sich nur mit einem Auto mit Allradantrieb fortbewegen darf. Ich mit meiner typischen dänischen Skepsis dachte nur: “Ach, ist dass nicht ein bisschen übertrieben?” Aber nach nur einigen hundert Metern, war auch mir klar, warum es mehr als vernünftig ist, das richtige Auto zu haben und das ganze nicht übertrieben war. Man kommt mit einem normalen Auto hier nicht weiter. 

Fraser Island ist 128km lang und an der breitesten Stelle gut 20km. Auch wenn die Insel nicht besonders gross ist, ist aber Platz für sowohl Regenwald, Eukalyptuswald, und als auch kilometerlanger beeindruckender Sandstrand. Der östliche Teil der Insel besteht eigentlich nur aus Sandstrand. An die 80km durchgehend! Darüber hinaus ist das ganze als Überlandstrasse registriert und die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt bei 80 km/h und daran muss man sich halten. Das wird von der örtlichen Polizei überprüft und das auch aus gutem Grund. Viele Jungendliche und Junggebliebenen leihen sich einen Allrad und fahren auf Fraser Island, um dort das wilde Leben für einige Tage zu geniessen. 

Wir hatten eine Tour in einem Allradbus gebucht und konnten so entspannt die sich ständig ändernde Landschaft bewundern. Einige Male hielten wir an und konnten zu Fuss alles erkunden. Hier wachsen Bäume, die weit über 500 Jahre alt sind. Fraser Island wurde Holz abgebaut, aber in den 60-igern fand man heraus, dass die Ressourcen nicht unbegrenzt vorhanden sind und der Abbau auf Fraser Island zu kostenintensiv ist. Seit dem wurde kein Holz mehr auf der Insel abgebaut und wurde 1992 auf die UNESCO Weltliste für Naturerbe aufgenommen. Mit Recht musste endgültig damit aufgehört werden etwas von der Insel abzubauen. Es gibt ein ganz eigenständiges Ökosystem und hier leben eine Reihe von Tieren und Insekten, die man sonst nirgendwo findet. Der Dingo eine Art von wilden Hund/Wolf, ist einer der reinsten seiner Rase und nur auf dieser Insel zu finden. An allen anderen Stellen hat er sich gekreuzt mit anderen Arten, z.B. dem Tam Hund. Auf Fraser Island leben um die 200 Dingos und das ist auch der Grund, dass allen Besuchern geraten wird, gut auf ihre Kinder aufzupassen und sie nie ausser Augen zu lassen. Es ist einige Male passiert, dass Kinder von Dingos angegriffen worden sind. Erst 2011 ist ein 9-jähiger Junge umgekommen. Wir sahen einige Dingos aus dem Fenster unseres sicheren klimatisierten Buses. Natürlich sollte man nicht allzu hysterisch werden. Sobald wir aber spazieren gingen, behielten wir immer Anton gut im Auge, so wie es unser Guide auch uns geraten hat. 

Wie wir an dem wunderbaren Strand/Landstrasse entlang fuhren, standen dort zwei kleine Propellerflugzeuge. Es wurde ein Rundflug über die Insel angeboten und dazu konnten wir natürlich nicht nein sagen. Kurze Zeit später befanden sich Anton und ich plötzlich so ungefähr 1000m über der Insel und konnten den Ausblick über Strand, Regenwald und Stiller Ozean unter uns geniessen. Alexandra, die so was schon gemacht hat, blieb am Boden. Wir haben auch gehofft, dass wir ein paar Wale sehen würden, aber die hatten anscheinend andere Pläne an diesem Tag. 

Mitten am Strand liegt auch das vor sich hinrostende Schiffswrack SS Maheno, dies ist dort unter dem zweiten Weltkrieg gestrandet. Dieser weisse Strand mit einem knallblauen Himmel und den türkisen Wellen als Hintergrund - was für eine faszinierende Aussicht. Und eine wahnsinnige gute Möglichkeit wunderbare Fotos zu machen. Das Schiff darf man schon lange nicht mehr betreten. Es ist einfach zu gefährlich. Auf eine wunderliche Art und Weise ein schöner Ausblick, aus einem sicheren Abstand.

Wir haben auch eine Tour zu einigen der Insel der Whitsunday Gruppe gemacht. Nein, es fehlt kein “e” in “Whitsunday”, obwohl es wie “White Sunday” ausgesprochen wird. Der erste Stop war am “White Haven”, der weisseste natürliche Sandstrand der Welt. Auch hier ist alles geschützt und man darf auch nicht das kleinste Souvenir mitnehmen, sonst winkt eine Strafe von 1000 Australische Dollar pro Gramm! Erst gar nicht auf die Idee kommen eine kleine Tüte mit Sand mitzunehmen! Wie so schön die Schilder auf der Insel sagen: “Das einzige war wir hinterlassen, sind Fußspuren und das einzige, was wir mitnehmen, sind Bilder und Erinnerungen!” Es war so wunderschön! Den restlichen Nachmittag auf den Weg zurück zum Festland verbrachten wir damit am Great Barrier Reef zu schnorcheln. Und ja, wir alle drei schnorchelten. Anton, der noch nicht schwimmen kann, hielt sich gut an seiner Mutter und einer “Schwimmschlange” fest und konnte so das farbenfrohe Unterwasserleben selber entdecken. 

Ich habe bereits eine Menge Bilder und Reportagen vom Great Barrier Reef gesehen. Und ich war auch so einigermassen darauf vorbereitet, was uns erwarten wird. Aber bald wurde mir klar, dass man sich nicht auf so was Grosses und Schönes vorbereiten kann! Eine unvergleichbare Vielfalt, die seines Gleichen sucht! Eine Unzahl verschiedener Lebensarten, Farben und Formen kommen einen entgegen, wenn man kilometerlang an Korallen, Seeanemonen und Fische usw. vorbei schwimmt. Great Barrier Reef ist der weltgrösste Organismus und erstreckt sich von der Stadt Rockhampton im Süden bis weit  nördlich von Australien. Insgesamt ca. 2.600km. Es wimmelte nur so von Leben! Keine, wirklich keine Auflage ist zu viel um dieses Naturphänomen zu schützen. Einen kurzen Augenblick dachte ich an den Tag in Phuket auf Thailand zurück, wo wir auch schnorcheln waren. Das ruinierte und verunreinigte Meer in Thailand verglichen mit dem voller Leben gefüllten Meeres im Stillen Ozean macht mich traurig und besorgt. Hoffentlich finden die thailändischen Behörden bald eine Lösung bevor es zu spät ist. 

Ausser Inseln im Stillen Ozean und Salzwasserabenteuern haben wir natürlich auch die Ostküste Australiens erkundet. Die Strecke zwischen Brisbane und Cairns beträgt an die 1800 km und wir sind mittendrin. Das entspricht einer Tour von Kopenhagen nach Rom. Und wir befinden uns noch immer in dem selben Staat, nämlich Queensland. 

Am Anfang war der Abstand zwischen den Städten nicht allzu gross. Die erste Zeit, ca. eine Woche, haben wir nur einige hunderte Kilometer nördlich von Brisbane verbracht. Die Landschaft erinnerte uns ein bisschen an Europa und komischerweise gibt es hier auch eine grosse Konzentration von europäischen Einwanderern. Man findet hier auch eine richtige bayerische “Wirtschaft” in der Nähe der Stadt Maleny. Das Lokal wird von einer bayerischen Familie betrieben, die hier fast schon 30 Jahre wohnt. Es war schon komisch ein bayerisches Lokal zu sehen, das sich nicht viel von einem in München unterscheidet. Der Preis für ein halbes Weissbier hat mich allerdings davon abgehalten eines zu bestellen. 12 Dollars, oder an die neun Euro, dagegen klingt die Wiesn wie ein Diskountsupermarkt. Es ist dann Cola und Apfelsaft geworden.

Je weiter wir nach Norden kommen, desto grösser werden die Abstände zwischen den Städten. Vorgestern fuhren wir von Rockhampton nach Mackay. Eine Strecke knapp an die 350km und von denen sind an die 200km nichts anderes als Bäume, Brücken und Felder. Und dann natürlich Landstrasse. Ich bin schon des öfteren durch Schweden gefahren und dachte damals (naiv), dass eine Strecke von 90km nur mit Wald lang ist. Jetzt weiss ich wirklich, was eine lange Strecke ist!

Nach und nach steigen auch die Temperaturen je weiter wir nach Norden kommen. Wir haben auch schliesslich den subtropischen Gürtel erreicht und haben Sommertemperaturen. Für die lokale Bevölkerung ist es natürlich Herbst und dieses Wetter ist für sie relativ “frisch”. Über 22-25 Grad tagsüber kann man sich doch nicht beschweren. Oder?

Gestern gings es zum Alva Beach, der liegt an die 100km südlich von Townsville. Am Strand trafen wir auf eine ansässige Familie, die gerade dabei war zu fischen. Die drei Kinder rannten herum und plantschen im Wasser und Anton machte natürlich sofort mit. Wir unterhielten uns, was man so an der Küste sehen kann. Eine Vielzahl von Vogel- und Fischarten. Sie hatten gerade eine grosse und wunderbar blaue Krabbe gefangen, die sollte es natürlich zum Abendessen geben. Und das allerbeste war, während wir uns so unterhielten, kam ein Pelikan vorbeigeflogen und landete genau vor uns. Tags davor sahen wir ein Känguru, wie es unseren Weg kreuzte. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass man im weltgrössten Zoo herumfährt. Ich will wirklich immer informiert sein, wo man auf Krokodile stossen kann. Und die sogenannten “Salties”, Salzwasserkrokodile, kann man gerade HIER finden, wo wir gerade sind. Glücklicherweise halten sie sich in der Regel an Flussmündungen u.ä. auf, und da es gerade Herbst ist und im vergleichsweise kalten Wetter (wechselwarmes Tier) sind sie z.Z. nicht so mobil. Aber wie so schön der lokale Familienvater sagte “man fährt besser, wenn man sich an seine gesunde Vernunft hält”. Also, immer Anton im Auge behalten und die Einheimischen zu Rate ziehen. 

Mittlerweile haben wir uns an das extrem hohe Preisniveau hier im Land gewöhnt. In Australien kostet eine Cola zwischen 3 bis 4 Dollar (2,50-3,50 Euro), das ist ungefähr genauso viel, wenn nicht noch einen Tick teuerer als in Dänemark. Es sind 600 ml in einer Flaschen, aber billig ist das lange noch nicht. Wir trinken glücklicherweise nicht viel Cola, aber ein gutes Beispiel, an dem man die Preise typischer Alltagswaren vergleichen kann. Und gerade das Brot, meist weiss und sehr luftig, ist nicht besonders gut. Da können wir echt Alexandras selbstgebackenes Dinkel- oder Sauerteigsbrot nach Rezepten von Claus Meyer vermissen! 

Auch die Übernachtungspreise sind sehr hoch. Gerade in Queensland hatte man die letzten Jahre mit Naturkatastrophen, wie Zyklonen und Überschwemmungen zu kämpfen. Um alle Strassen und Städte wieder aufzubauen, werden Arbeiter im ganzen Teilstaat umhergeschickt. Und natürlich wohnen sie in den Hotels, Motels und Campingplätzen und mit der steigenden Nachfrage geht eine Preissteigerung Hand in Hand. Nur die letzten zwei Jahre betrachtet, sind die Preise an manchen Orten bis zu 40% gestiegen. Die Hotelbesitzer und Campingplatzbetreiber versuchen so den entgangen Umsatz durch die Katastrophen wieder hereinzuholen. Dies hält die australischen Touristen zurück Urlaub im eigenen Land zu machen. Natürlich gibt es auch hier, wie auch woanders, einen Lohnanstieg. Aber garantiert hat der ganz normale Australier keinen Lohnanstieg von 40% die letzten zwei Jahre erlebt. Also bleiben sie entweder daheim, oder wie die Australier, die wir in Thailand getroffen haben. Drei Wochen Urlaub in Phuket kostet sie inklusive Flug mehr oder weniger, das selbe, was sie eine einzige Woche in Australien ausgegeben hätten. Mental haben wir uns darauf vorbereitet, dass wir immer alles mit den Preisen in Dänemark vergleichen und so sind wir einigermassen gewappnet.

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/Anders

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