Auf einmal verging die Zeit in Melbourne rasend schnell. Gerade als wir uns so richtig gut in der Innenstadt auskannten und wussten, wie das mit den öffentlichen Verkehrsmitteln funktioniert, wo man am besten auf dem Queen Victoria Markt einkauft usw., mussten wir uns auch schon wieder von der Millionenstadt verabschieden. Am schwersten fiel uns der Abschied von unserer Gastfamilie. Von den Kindern Kai, Ava und Loki und ihren Eltern Sandra und Erich, die glücklicherweise Alexandras Familie sind. Die Entfernung zu ihnen wird allerdings noch grösser, wenn wir wieder daheim in Europa sind und es ist daher wirklich schwer zu sagen, wann wir uns wiedersehen. Aber wir haben ausgemacht, dass wir versuchen regelmässig in Kontakt zu bleiben, und dass wir uns sobald als möglich wiedersehen wollen, sei es in Australien oder in Europa. Anton hatte echt Spass mit seinen neuen Spielkameraden. Er hat seinen Platz in der Gruppe gefunden und hat die Zeit mit den anderen sehr genossen. Sein Englisch hat sich super während dieser Zeit entwickelt und er kann jetzt eine Reihe englischer Worte und Sätze sagen und spricht diese in einem breiten Aussi Akzent aus. Im Gegenzug haben die anderen einige deutsche grundlegende Wörter gelernt. Da Erichs Familie ursprünglich aus Deutschland stammt, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie irgendwann mal dorthin kommen werden und dann ist es gut, wenn sie im vornherein ein bisschen die Sprache können. Wir werden sehen, ob sie bis dahin alles behalten haben. 

Wir waren insgesamt dreieinhalb Wochen bei Erich, Sandra und den Kindern. Eine lange Zeit seiner Familie, auch wenn entfernt verwandt, somit eigentlich Fremde, das eigene Haus als Unterkunft anzubieten. Wir fühlten uns von Anfang an wie daheim und sofort wohl. Es ist schön zur Abwechslung einen normalen Alltag zu haben, auch wenn es nur für ein begrenzte Zeit ist. Wir haben fast alles geschafft, was wir in Melbourne sehen wollten, aber es gab auch Tage, an denen wir es nicht vor die Tür geschafft haben. Wir brauchten anscheinend die Zeit, um nur ein bisschen rumzuhängen. Ich denke einfach, dass wir die ganzen Eindrücke unserer Reise der ersten drei Monate in aller Ruhe verdauen mussten. Es soll jetzt nicht so klingen, als hätten wir gar nichts getan. An solchen Tagen hatten wir unser  “Home Office” und wir haben an unseren Recherche- und Schreibarbeiten, inklusive Aktualisierung der Webseite, gearbeitet. Es sollte alles fertig sein, bevor wir wieder unterwegs sind und dann nur einen begrenzten Internetzugang haben.  

Jetzt sind wir in Neuseeland angekommen. Irgendwie ein komisches Gefühl! Ich habe immer davon geträumt hierher zu kommen und konnte mir nicht wirklich vorstellen, dass es passieren wird. Jetzt sind wir wirklich hier! Niemals war ich je so weit weg von Dänemark! Ich glaube, man kann gar nicht weiter weg sein! Am Mittwoch Nachmittag sind wir in Auckland gelandet und haben uns für die erste Nacht ein Hotelzimmer in der Nähe des Flughafens gebucht. Ein richtig klassisches Flughafenhotel. Ein bisschen abgewohnt und traurig. Im Restaurant bekamen wir den lieblosesten Burger serviert, den ich jemals gegessen habe. Dazu Pommes und ein kleines Schälchen Ketchup mit einem merkwürdigen säuerlichen, künstlich und chemischen Geschmack. Davon will man nicht so wirklich die Warendeklaration kennen. Wir assen alles nach dem Motto “Augen zu und durch”. Danach gingen wir ins Bett.  

Am Donnerstag in der Früh holten wir unseren Campervan ab. Wir haben ihn uns für unsere gesamte Zeit hier in Neuseeland ausgeliehen und er wird unser Zuhause für die nächsten drei Monate sein. Er ist identisch mit dem, den wir zuletzt in Australien hatten. Der einzig nennenswerte Unterschied ist, dass man hier in Neuseeland den Heizstrahler umsonst mitbekommt. Und zusätzlich haben wir auch noch einen weiteren bekommen!

Meine ersten Eindrücke von Neuseeland kann ich mit “grossartige Natur” und “grün” betiteln. SEHR grün! Ich kann mit Gewissheit sagen, dass es die fruchtbarste Landschaft ist, die ich jemals gesehen habe und genauso schön, wie auf allen Bildern, die ich je gesehen habe. Irgendwo habe ich gelesen, dass ca. 85% aller Pflanzen in Neuseeland einzigartig und nur hier zu finden sind. Das gleiche gilt für 90% der Vögel. Das nennt man wohl geschlossenes Ökosystem. Man geht davon aus, dass Neuseeland total isoliert bis Mitte des 12. Jahrhunderts war, bevor die Polynesier kamen. 

Wir fangen unsere Reise auf der nördlichen Insel an und alle sagen, dass das schon ein grossartiges Erlebnis ist. Bis man dann auf die südliche Insel kommt, auf der alles anders und noch beeindruckender ist. Die nördliche Insel ist lang nicht so hügelig, wie die südliche. Es ähnelt ein bisschen Victoria in Südaustralien, abgesehen davon, dass es hier noch viel grüner ist. Die südliche Insel soll ein bisschen an die Schweiz erinnern, mit einer Bergkette, die sich durch die Mitte der Insel zieht. Wir haben von vielen gehört, wenn man zuerst auf der nördlichen Insel ist, dann wird man nicht von ihr enttäuscht. Wenn man allerdings die Reihenfolge umkehrt, dann wirkt die Nordinsel sehr flach und langweilig dagegen. 

Eine Sache, die uns auch sofort aufgefallen ist, dass es hier lang nicht so viele Europäer gibt, wie in Australien. In Australien sieht man keine Aborigines in den Städten und schon überhaupt nicht in Südaustralien. In Neuseeland kommt es mir so vor, als wäre die ursprüngliche Bevölkerung, die Maori, ein fester Bestandteil des alltäglichen Strassenbildes. Sie stammen ursprünglich aus Polynesien und sind hier in den Jahren zwischen 1250 bis 1300 angekommen. Die ersten Europäer kamen dagegen erst 1642, also ca. 130 Jahre bevor sie in Australien an Land gingen. Seit 1840 ist Neuseeland ein Teil des Commonwealth, erst als Kolonie und seit 1856 haben sie ihre eigene Regierung und Demokratie. Das Land ist immer noch offiziell dem britischen Königshaus unterstellt, ohne dass dies überhaupt eine Bedeutung hat. 14% der neuseeländischen Bevölkerung sind Maori, 6% Asiaten und die übrigen ca. 80% sind europäischer Abstammung. Ein “Neuseeländer” wird auch als “Kiwi” bezeichnet. Dieser Name lässt sich vom Nationalvogel des Landes, ein Kiwi, ableiten. Dies ist ein kleiner bräunlicher Vogel, der nicht fliegen kann. Er wird heiss und innig geliebt und er ist auch ein Synonym der neuseeländischen Kultur geworden. Man gebraucht die Bezeichnung “Kiwi” oder “Kiwi Made” auch generell für alles, dass was “Made in Neuseeland” ist. 

Dann gibt es natürlich auch noch die Frucht mit dem selben Namen. Die kann man überall in den Supermärkten kaufen. Neuseeland ist der zweitgrösste Produzent der Kiwi, nach Italien. Ich war sehr überrascht, als ich herausfand, dass es ursprünglich gar keine Kiwis in Neuseeland gab. Sie stammt ursprünglich aus China und China gehört nicht einmal zu den zehn grössten Produzenten der Welt. In China wachsen sie wild und werden gar nicht wirklich angebaut. 

Neuseeland hat ein bisschen mehr als vier Millionen Einwohner, dass sind ungefähr so viele Menschen wie in Melbourne wohnen. Die Bevölkerung in Neuseeland hat allerdings ein bisschen mehr Platz zur Verfügung. Es sind genau 262.443 Quadratkilometer. Im Vergleich dazu hat Dänemarks Bevölkerung von 5,5 Millionen Menschen an die 43.000 Quadratkilometer. Das ist das erste, was einem auffällt, wenn man Auckland hinter sich gelassen hat, dass es immer weniger Autos auf der Strasse werden. Man sieht sie auf den Strassen umherfahren, aber lang nicht so viele, wie wir es davor gewöhnt waren. Das macht nichts! Uns gefällt es ganz gut fast alleine zu sein. So fühlt es sich mehr an, als wäre es eine Abenteuerreise!

/Anders

Comment