Reisen mit Kind...

Vor einem Jahr haben wir damit begonnen unseren Freunden und Bekannten in unsere Reisepläne einzuweihen und die Reaktionen darauf waren sehr gemischt. Die meisten waren jedoch durchaus positiv. Einige waren beunruhigt und haben sich sowohl um Anton als auch um uns Sorgen gemacht - aber alles war noch immer positiv gemeint. Einige waren nicht so wirklich von unserer Idee begeistert. Einige haben nur mit dem Kopf geschüttelt und gesagt : “Man kann doch nicht so einfach mit einem kleinem Kind ein ganzes Jahr verreisen!”

Genau dieses Herausreissen aus seinem gewohnten Umfeld und seinen Alltag mit seinen Spielkameraden und festen Routinen hat uns am meisten Kopfschmerzen bereitet. Wie wird er auf die ständigen Veränderungen reagieren, die zwangsläufig so eine Reise charakterisieren? Wir konnten ja nicht seine Reaktion vorhersehen und es war daher ein Sprung ins Ungewisse. Ein Sprung ins Ungewisse, aber mit einem Sicherheitsnetz. Wir können jeder Zeit den Stecker rausziehen und uns in einen Flieger zurück nach Europa setzen. So schwer kann es doch nicht sein!

In Thailand

In Thailand

Als dänisch/deutsche Familie, deren nächste Familie 400km weit weg wohnt, war Anton es  bereits von einem Alter von sechs Wochen gewöhnt zu reisen. Mit dem Zug oder Flugzeug. Und er liebt es! Und bis jetzt gab es nie grossartige Probleme, wenn wir unterwegs waren. Wir haben schon früh herausgefunden, wenn wir als Eltern versuchen ruhig zu bleiben und uns nicht stressen lassen, dann ist es Anton auch nicht. Kinder merken sofort Stress und Bedenken mit ihren feinen Antennen. Wenn dann wirklich ein Grund zu Stress oder Reiseprobleme vorliegen sollte, dann versuchen wir uns die Aufgaben zu teilen. Einer konzentriert sich darauf, das Problem (oder sollten wir sagen, die Herausforderungen) zu lösen und der andere kümmert sich um Anton. Mittlerweile ist er schon so gross und verständig geworden, dass er von alleine weiss, dass er ruhig warten muss, bis wir wieder geistig ansprechbar sind. 

Wenn alles zu viel wird, haben wir eine Regel, die wir zu recht “Time Out” nennen. Dann geht es in eine ruhige Ecke, wo wir alle zur Ruhe kommen und unsere Batterien aufladen können. Aber dazu später mehr...

 

Langsam beginnen!

Mittlerweile sind wir gut zwei Monate unterwegs. Unser erstes Reiseziel war Thailand, eine warmen und exotischen Destination, die an Kinderfamilien gewöhnt sind. Eine bewusste Wahl unsererseits. Auch bewusst haben wir uns vorgenommen mehrere Wochen an einem Ort zu verbringen. Selbst wenn Anton sehr gut mit dem Wechsel von seiner gewohnten Umfeld in Europa zu einem Hotelzimmer in Thailand zurecht gekommen ist, waren wir uns nicht sicher, dass es das selbe mit einer sich ständig wechselnden Umgebung gewesen wäre. Ein langsamen Start war unserer Ansicht das richtige, damit wir uns auch mental auf unser einjähriges Nomandenleben einstellen können. 

Gleich bei der Ankunft im Hotel in Phuket zog Anton seine Schuhe aus und holte sein Spielzeug heraus. Wie daheim! Und das macht Anton nur, wenn er sich wirklich wohl und geborgen fühlt. Er macht das nicht überall, daher war es ein gutes Zeichen. Und eine seiner ersten Fragen ist immer “Wo schlafe ich?” Wenn es möglich ist, versuchen wir immer, dass er sein eigenes Bett hat. Das ist das beste für uns alle drei. Anton ist stolz darauf sein eigenes kleines Reich zu haben, wo er schlafen, liegen und lesen kann.

Auf unserer Tour probieren wir eine Reihe von unterschiedlichen  Übernachtungsmöglichkeiten aus. In Thailand ist es vergleichsweise billig in einem Hotel zu wohnen und daher wählten wir diese Möglichkeit. Das war garantiert das einfachste. Der Rest der Reise wird es eine schöne Mischung aus Campervan, Hostel/Jugendherberge, Motel/Hotel, Haus-/Wohnungsleihe und auch Übernachten bei Freunden und Familie sein. Die grösste Herausforderung platzmässig ist natürlich der Campervan. Es gibt nicht viel Platz und wir schlafen dicht aufeinander. Auf der anderen Seite hat es den Vorteil, dass wir immer unsere festen Bedingungen und Rahmen haben, egal wo wir sind. Anton weiss immer, wo sein Schlafplatz ist und welches Kopfkissen usw. er hat. Wenn wir denken, dass wir ein bisschen ein Verwöhnprogramm nötig haben, dann quartieren wir uns einfach in ein Motel oder Hotel ein und geniessen es in einem grossen und bequemen Bett mit einem Flachbildschirm gegenüber dem Bett zu nächtigen. 

Vor unserer Reise haben wir uns mit vielen erfahrenen Reisende unterhalten, um herauszufinden, wie man am besten mit einem Kind im Alter von drei Jahren reist. Wir konnten es einfach nicht glauben, dass es eine ganz normale Sache ist. Wie es immer so schön ist, wenn man sich mit einer Sache näher beschäftigt, so findet man heraus, dass es tausende von Familien machen. Viele sogar einige Jahre. Wir haben sogar von jemanden gehört, der nichts anders macht, als zu reisen. Die ganze Zeit ununterbrochen. Das wird uns nicht passieren, aber es hat uns tatsächlich beruhigt zu wissen, dass es ganz normal ist und man Kindern keinen Schaden zufügt. Jedenfalls nicht mehr Schaden, als würden sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben!

 

Passt Eure Reisegeschwindigkeit an!

Man sollte sich natürlich als Eltern an einige Vorsichtsmassnahmen halten, damit sich Kinder wohl und geboren fühlen, und die Eltern somit das Beste aus einem Tag herausholen können. Einer der wichtigsten Ratschläge, die wir von vielen erhielten, war: “Reist langsam!” Man kann nicht erwarten, dass man ein oder mehrere Länder innerhalb einer Woche oder weniger bereisen kann. Bevor wir Anton hatten, waren wir daran gewöhnt auf eine andere Art und Weise zu reisen und die war schneller. Wir hatten natürlich immer eine Frist, wie lange wir weg bleiben konnten, bevor der Urlaub zu Ende war und wir wieder auf unseren Bürostuhl sitzen mussten. Jetzt ist es anders! Glücklicherweise! Jetzt haben wir viel Zeit und KÖNNEN es ruhiger angehen. Wir überlassen manchmal Anton die Wahl. Wenn wir z.B. an einem Ort oder Stelle vorbeikommen, die ihn anspricht, fragt er uns oft, ob wir schnell dahin gehen können, um es uns näher anzuschauen. Oder wenn es andere Kinder oder Spielplätze gibt, bleiben wir länger. Gerne mehrere Tage. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so viel Zeit an Orten, die 100% auf Kinder zu geschnitten sind, verbringen werden. Normalerweise liegen solche Orte nicht in der Nähe von Sachen, die wir gerne sehen wollen. Aber in der Praxis hat es sich für uns herausgestellt, dass es für uns alle drei das beste ist. Wir haben unsere gesamte Reise darauf ausgerichtet, dass wir flexibel auf spontane Idee eingehen können und so auch Antons Wünsche erfüllen können. Es ist goldwert! Wir können alle unsere Batterien aufladen, z.B. nach einer langen Tour auf der Landstrasse oder einer Übernachtung auf einem traurigen Campingplatz.

 

Interne Kommunikation!

Als Eltern ist es auch äussert wichtig, dass wir untereinander gut miteinander kommunizieren. Wir sind rund um die Uhr zusammen und das viele Monate am Stück. Es ist nicht immer lustig, wenn man eigentlich nur seine Ruhe und seinen Frieden haben möchte und ein gutes Buch lesen will, um einschlafen zu können. Es gibt einiges praktisches zu erledigen, bevor man sich zurücklehnen und seine Füsse hochlegen kann. Oft hat einer von beiden lange hinter dem Lenkrad eines Autos oder Campers gesessen. So ist das Geduld- oder “Wohlwollen-” Konto ein wenig über strapaziert. Da muss man sich wirklich zusammenreissen, dass man seinen Frust oder Müdigkeit nicht an Anton auslässt, der meistens genauso fertig ist. Die Erfahrung hat gezeigt, wenn es einem nicht gelingt ruhig zu bleiben, dass es alles nur noch schlimmer macht. Dann muss man bis zehn zählen (oder noch weiter), tief einatmen und sich dann darauf konzentrieren, dass das Abendessen fertig wird und Anton schnell bereit gemacht wird, damit er ins Bett kommt.

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Tägliche Routine!

Ein anderer äusserst wichtiger Ratschlag, den wir von mehreren erhalten haben, ist es soweit als möglich an festen täglichen Routinen festzuhalten. Genauso wie wir es zu Hause gehandhabt haben. Das bedeutet z.B., dass es ein richtiges Frühstück geben soll, bevor es man überhaupt mal von Süssigkeiten sprechen kann. Anton mag schon sehr gerne seine Gummibärli und versucht fast jeden Morgen ein paar von seinen noch müden Eltern aus dem Kreuz zu leiern. Man soll immer regelmässig, gesund und vernünftig essen. Wir sind ja nicht auf einer traditionellen Ferienreise. Es gibt dann noch alle möglichen Routinen, wenn es sich um die Essens- und Schlafenszeiten dreht. Jeden Abend geht Anton zwischen 19:00-19:30 Uhr ins Bett. Nur wenn wir was vorhaben, oder es einfach nicht anders geht, kann es mal später werden. Am Anfang war er nicht besonders davon begeistert und wir hatten tatsächlich einige Abende, wo wir nicht ganz in “Sync” mit dieser Regel waren. Aber das hat sich glücklicherweise gelegt. Jetzt wird wieder ohne (besonders viel) Widerstand die Zähne geputzt, Schlafanzug angezogen und Anton wird ins Bett gelegt. Wenn wir an diesen grundlegenden und festen Regeln festhalten, wird Anton ruhig und ist einfacher handzuhaben.

 

Nehmt Euch Zeit und hört Eurem Kind genau zu!

An anderen Tageszeiten können wir schon Auseinandersetzungen haben. Wenn wir einmal nicht seine Bedürfnisse in unserer Tagesplanung berücksichtigen, können wir immer die Auswirkungen merken. Es GAB Tage, an denen es nicht besonders lustig war, mit Mama und Papa unterwegs zu sein. Generell ist Anton eine extrem einfaches und geselliges Kind, aber wenn er anfängt zu widersprechen und sich wie ein klassisches unmögliches Kind aufführt, das das Leben seiner Eltern erschwert, dann ist es an der Zeit eine Pause einzulegen, um nachzudenken, was wir anders machen können. Es gibt natürlich auch Ausnahmen und Situationen, die es uns nicht erlauben auf seinen Wünschen und Bedürfnisse einzugehen. Aber das kann man auch als Teil seiner Erziehung ansehen, damit er lernt, dass er nicht immer seinen Willen durchsetzen kann. Ich konnte das als Kind auf jeden Fall nicht...

 

Eigene Verantwortung übertragen!

Anton muss sich auch selber um sein Handgepäck kümmern. Ein kleiner drei Liter Rucksack in Farbe und Form eines Krokodiles. Darin befinden sich seine Autos, sein Löwe, seine Farb- und Malstifte. Seine Mutter hat sich freiwillig angeboten seine Bücher und Malbücher zu schleppen. Manchmal ist auch der Löwe dort, kommt ganz darauf an, wo mehr Platz ist. Wenn Papa und Mama ihre Rucksäcke durch den Flughafen schleppen, dann will er auch gerne seinen eigenen auf den Rücken haben und los geht es! Er findet es cool für seine eigenen Sachen verantwortlich zu sein. Wir können sehen, dass er deutlich grösser wird, wenn wir ihn beten, dass er auf etwas aufpassen soll. Wir haben aber trotzdem ein Auge auf seine Sachen, selbst wenn er sagt, dass er alles unter Kontrolle hat. Wie jeder Dreijähriger lässt er sich schnell ablenken und es kann vorkommen, dass er ein Auto oder den Löwen irgendwo vergisst. Und wie alle Eltern nur zu gut wissen, kann so ein Verlust ein stundenlanges Heulen und Weinen verursachen. Und das muss wirklich nicht sein!

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Vorteile für die Eltern!

Einer der positivsten Effekte bei Reisen mit Kindern ist, dass man wesentlich schneller in Kontakt mit anderen kommt. Kinder sind überall ein Hit! Oft ist Anton der Auslöser, dass wir mit lokalen Familien und allen anderen möglichen Menschen ins Gespräch kommen. Anton hat keine Hemmungen, wie wir Erwachsenen, und stellt sich hin und sieht interessiert zu, was um ihn herum passiert. Wenn er jemanden sieht, mit dem er gerne spielen will, dann geht er und stellt sich daneben hin und wartet darauf, dass er mitspielen darf. Wenn er nette Spielfreunde findet, versuchen wir immer so lange wie möglich zu bleiben. Genau dann ist es immer meiner Meinung nach ein bisschen ärgerlich, dass wir so viel unterwegs sind. Die Freundschaften können nicht halten. Andererseits können sie sich nicht vertiefen und zu mehr als momentane gute Spielfreunde auf dem Spielplatz werden. Anton wirkt auch nie einsam oder traurig. Bisher hat sich unsere Sorge als unbegründet erwiesen.

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Es wurden viele gute Bücher mit dem Thema Reisen mit Kindern geschrieben. Ich kann nur empfehlen, dass man sich einige zu Gemüte zieht, bevor man sich auf die Reise begibt. Aber eigentlich ist jedes Kind anders und reagiert unterschiedlich und am besten fährt man mit der eigenen gesunden Vernunft. Aber immer zu erst an das Kind denken, bevor man an sich selber denkt! Das macht ALLES einfacher!

Es ist möglich mit einem Kleinkind zu reisen, wir haben es durch unsere eigene Reise bestätigt bekommen. Vieles was der Grund unsere Reise war, geht für uns im vollen Umfang in Erfüllung. Wir lassen uns JEDEN Morgen so viel Zeit, wie wir wollen, um langsam aufzuwachen, bleiben gemütlich im Bett liegen und kuscheln und können Zeichentrickfilme anschauen. Wir haben keine Eile unser Frühstück hinunterzuschlingen und loszukommen. Wir haben Zeit zusammen zu sein, Qualitätszeit! Das war auch einer der wichtigsten Gründe unserer Reise. Selbst wenn Anton sich nicht an alle Details unserer Reise in einigen Jahren erinnern wird, bin ich davon überzeugt, dass er sich schwach an die schöne Zeit mit den vielen gemeinsamen Stunden mit seinen aufmerksamen Eltern erinnern kann.

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/Anders