Guide über Deutschland & die Deutschen

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Es sollte nicht missverstanden werden, denn ich lebe wirklich gerne in Deutschland. Positiv gesehen, ist es hier ein wenig anders als in Dänemark. Ich hätte mir aber doch gewünscht, dass ich im vornherein ein paar wertvolle Tips zum besseren Verständnis der Deutschen erhalten hätte. Hier ist eine Liste von meinen persönlichen Tips in beliebiger Reihenfolge:

1. Ausserhalb der Arbeitszeit sind die Deutschen sehr informell. Sehr zuvorkommend und freundlich. Mehr als die Dänen. Aber während der Arbeitszeit im Büro ist der Umgangston dagegen sehr formell. Man siezt sich und man redet sich mit dem Nachnamen an. Wenn man einen Universitätsabschluss hat, dann schreibt man das gerne auf Visitenkarten und in das Telefonbuch. Das ist auch noch so bei der jüngeren Generation. Die Krawatte sitzt noch immer stramm um den Hals des Chefs. Es wird als unpassend angesehen, wenn man zu salopp in die Arbeit kommt. Jeans kennt man an einem „Casual Friday” nicht!

2. In Dänemark (auch im restlichen Skandinavien) geht man Sachen von der praktischen Seite und gesunden Menschenverstand an, wobei man in Deutschland sich fachlichen Herausforderungen eher von der prozessorientierten Seite annähert. Für einen vergleichsweise unausgebildeten Dänen, der sich nur auf seine jahrelange Erfahrung und sein mittlerweile gut entwickeltes Bauchgefühl verlassen kann, ein Kulturschock und dies erfordert eine grosse Portion Geduld in der Zusammenarbeit mit den Deutschen. Speziell in grossen Unternehmen, in denen Hierarchie, Bürokratie und Formalitäten noch immer eine grosse Rolle spielen. Andererseits kann man sich auch durch die dicken Handbücher arbeiten, die in den Personalabteilungen in den Regalen stehen und so herauszufinden zu können, wie alles abläuft. Für die meisten Deutschen vermitteln solche festen Prozesse eine gewisse Form von Sicherheit.

3. Bewerber auf Jobsuche müssen sich daran gewöhnen, dass ihre Bewerbungen zuerst automatisch gelesen werden. Nichts mit einer kreativen Bewerbung! Wenn man nicht richtig im Online Formular angekreuzt hat, dann landet man automatisch im Absageordner, bevor überhaupt irgendjemand einen Blick auf die Unterlagen geworfen hat. Wenn man auf Jobsuche in Deutschland ist, dann muss man im vornherein seine Gehaltsvorstellungenangeben, ein Bewerbungsfoto (in konservativer Kleidung) beifügen und der Lebenslauf soll keine Lücken in der Zeitschiene aufweisen. In Übrigen soll die Zeitschiene auch noch einen roten Faden haben. Von der Grundschule bis dato. Es spielt keine Rolle, ob man 45 oder 55 Jahre alt ist. Vielleicht wird man trotz Lücken zu einem Gespräch eingeladen, aber man sollte fest damit rechnen, dass genau darauf eingegangen wird, wo man ein bisschen schluderig war und vielleicht ein bisschen die Daten geschönt hat. Übrigens muss man auch so genannte Zeugnisse, schriftliche Empfehlungen/Referenzen, mitschicken. Selbst wenn diese 25 Jahre alt sind! Fehlen diese, wird man als unpassend angesehen und man landet auf dem Absagehaufen. Es ist (noch) nicht üblich, dass man frühere Chefs und Arbeitgeber anruft. Und besonders nicht, wenn dieser im Ausland sitzt und das Gespräch auf englisch geführt werden muss. Genau das ist eine Herausforderung für viele ausländische Bewerber, wenn sie keine schriftliche Referenzen haben. Mit anderen Worten: Deutschland ist ein Arbeitsgeberland! Und die sitzen am längeren Hebel! Leider wirkt deshalb der Ton gegenüber Jobsuchenden ein bisschen arrogant…

4Ausbildung ist Alpha und Omega in Deutschland. Ein „abgeschlossener Ausbildungsverlauf” mit Diplom und Auszeichnungen ist ein Garant für den Erfolg! Wenn man mit einer Ausbildung aus dem Ausland kommt, dann sollte diese vergleichbar mit einer sein, die man in Deutschland kennt. Im „Berufs-Deutschland” legt man Wert auf Titel und Doktortitel und man sollte in die bereits bekannten Fachgruppen und Schubladen passen. Die Deutschen identifizieren sich hauptsächlich über ihren Beruf und wenn man in der Jugend zu viel ausprobiert hat und nicht seine richtige Schublade gefunden hat, dann hat man es schwer auf dem Arbeitsmarkt. Besonders wenn man eine höhere Stellung anstrebt. Oft muss man das Berufsleben als Praktikant beginnen, dies kann unbezahlt oder schlecht bezahlt sein. Auch wenn man bereits ein Studium erfolgreich abgeschlossen hat. 

5Deutschland ist ein „Cash Land”! Einerseits so innovativ und zukunftsorientiert in vielen Bereichen, so sind die Deutschen altmodisch, wenn es um das liebe Geld geht. Überall in der Stadt, an Kiosken, in Bars, Restaurants und Taxis will man am liebsten Barzahlung. Besonders bei kleinen Summen. Man kann mittlerweile bei grösseren Beträgen mit Kreditkarten in grossen Geschäften und Läden bezahlen, aber man sollte damit rechnen, dass man immer noch ein bisschen schräg angesehen wird. Die Geschäfte sind nicht darauf eingestellt die Kreditkartengebühren zu bezahlen und legen diese Gebühren nicht auf den Verkaufspreis, wie man es bereits überall schon macht. Wenn man als Kunde auf Kredit kaufen will, dann muss man das auch selber bezahlen. Die deutsche EC-Karte wird hingegen in den meisten Geschäften akzeptiert. Nicht im Taxi, die fahren anscheinend gerne mit Geld durch die Gegend. Das Problem ist nur, dass man für eine EC-Karte eine deutsche Bank benötigt. Die haben die wenigsten Touristen! 

6. Wenn es um die normalen Bankgeschäfte geht, dann sind die Deutschen ebenfalls sehr konservativ, wie mit der Kartenbezahlung. Alles was mit der Bank zu tun hat, wird natürlich in der Bank selber vorgenommen. Nicht zu Hause am Computer oder mit einem Samrtphone mit einer App. Besonders am Monatsende stehen lange Schlangen vor dem Kontosausdruckprinter in den Banken, um Kontoausdrücke zu bekommen. Die Menüleisten an den Kontoausdruckern in den Banken sind genau die selben, wie bei der Internetversion. Aber man stellt sich lieber an! Warum nur?

7. Internet Sicherheit und die Angst vor elektronischer Überwachung sind die Ursache, dass viele Deutsche nicht online sind - nach der Bürozeit. Laut offiziellen Zahlen sind 83% der Bevölkerung online. Aber das ist meist zur Arbeitszeit. Man sollte bloss nicht erwarten, dass man sich um sein Netzwerk über die Social Medias kümmern kann. Viele Deutsche haben kein Facebook, Twitter oder Google+ Profil, und können sich beim besten Willen auch nicht vorstellen so eins einzurichten. Nur beruflich benutzt man das sogenannte Xing Netzwerk, die deutsche Version von LinkedIn. Und das ist genau das Problem von Xing, was ansonsten eine herausragende Plattform mit vielen innovativen Funktionen ist. Email wird dagegen relativ oft als elektronische Kommunikation benutzt. Aber man darf nicht erwarten, dass man eine sofortige Antwort erhält. Und schon gar nicht am Wochenende. 

8. Im Ausland geht das Gerücht um, dass es auf den deutschen Autobahn keine Geschwindigkeits-begrenzung gibt. Selbst wenn das nur für Streckenabschnitte gilt, so sollte man sich doch an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten, wenn es ausgeschildert ist. Es gibt eine bestimmte Toleranz bei der Geschwindigkeitsmessung, aber es ist schwer es selber einschätzen zu können, ob man sie eventuell schon überschritten hat. Und dann kann es passieren, dass man auf die Seite gewunken und sofort zur Kasse gebeten wird. Oder es kommen Grüsse per Post inklusive eines schönen schwarz/weiss Fotos! Normalerweise besteht auch ein gerechtfertigter Grund für eine Geschwindigkeitsbegrenzung.

9. Die Deutschen sind hervorragende Autofahrer. Sie sind freundlich und rücksichtsvoll. Aber Radfahren können sie wirklich nicht. Ich glaubte nicht, dass es schlimmerer Fahrradfahrer als in Kopenhagen geben könnte. Aber in Deutschland gibt es sogar noch schlimmere! In Deutschland radelt man hauptsächlich in der Freizeit, um Sport zu betreiben. Und sie haben tolle und teuere Ausrüstung. Aber das hilft nichts! In Dänemark gibts Sonntagsautofahrer in Deutschland „Sonntagsradfahrer“.

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10. In der Zeitspanne von 1980 bis ca. 1992, genau der Zeitpunkt, an dem die Dänen die Deutschen in der Fussball Europameisterschaft schlugen, war für die Deutschen eine grosse Zeitepoche. Das prägt selbst heute noch den Mode- und Musikgeschmack. Hier liebt man auch die Farbe Orange. Auch bei der Wohnungseinrichtung, Design der Bahnstationen usw. Im deutschen Fernsehen sieht man noch immer die heissgeliebten überdimensionalen Mikrophonen in den Farben orange (ZDF) und blau (Das Erste). Und das obwohl schon die meisten anderen TV Stationen auf der Welt darauf übergegangen sind die versteckten Krawattenmikrophone zu benutzen. Ca. 70% der Musik, die die populären Radiostationen spielen, ist vor dem Jahr 2000 produziert worden. Man spielt besonders gerne die Musik der 80’iger. Genau, melancholischer Elektropop ist fast ein nationaler Schatz! 

11. In Deutschland findet man fast in allen Wohnungen Rolladen. In den privaten Haushalten werden diese in der Regel um 19:00 Uhr Abends heruntergelassen und die Aussenwelt wird ausgesperrt bis zum nächsten Morgen, wenn man wieder aufsteht. Das ist besonders merkwürdig für jemanden wie mich, der jahrelang in Kopenhagen in den neueren Wohnungen mit Fenstern von Boden bis zur Decke und mit dünnen durchsichtigen Gardinen gelebt hat. Die Deutschen sind sehr private Menschen und alles was in den eigenen vier Wänden passiert, soll auch privat bleiben. In Kopenhagen verspürt man überhaupt keine Lust dazu in die anderen Fenster zu glotzen, denn wenn man dann herausfinden würde, dass die Nachbarn ein genauso langweiliges Leben, wie man selber führt, so wäre das eine reine Zeitverschwendung. So sieht man das nicht in Deutschland. Ich verstehe auch nicht ganz, warum man die Rolladen herunterlässt, wenn man 14 Tage in den Urlaub fährt. Da können sich doch die Einbrecher sehr einfach ausrechnen, wer im Urlaub ist. Oder wie? Ich muss zugeben, dass ich auch sehr gerne unsere Rollladen benutze. Mit dieser Verdunklung im Kinderzimmer gewinnen wir in der Früh eine Stunde mehr Schlaf. Da kann man sich auch fragen, warum wir solche Rolladen nicht in Skandinavien haben? Oder überall auf der nördlichen Halbkugel!?

12Im Gegensatz zu der bestehenden Meinung ist den Deutschen das Essen sehr wichtig. Man legt Wert darauf, was man isst und dass es ordentliches und gut zubereitetes Essen ist, obwohl das Angebot an Junkfood, wie sonst überall gross ist. Gute Zutaten! Jede Region hat ihre eigene regionale Küche und auf diese ist man besonders stolz. Selbst an den Autobahnen sind die Restaurants besser geworden, besser als ihr alter Ruf. Natürlich gibt es manchmal Fleischskandale, Geschichten über schlechte Hygeniezustände oder einfach nur ein Ausrutscher der Küche. Aber schlampige oder Lieferanten, die meinen schlauer zu sein, werden in ihre Schranken gewiesen. Es ist schlecht für das Geschäft!

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13. Bier geht Hand in Hand mit den Deutschen. Oder ist es umgekehrt? Bier können die Deutschen wirklich trinken. Touristen fällt es besonders in Bayern schwer das klassische 1 Liter „Maß”, was hier ein normales Standardmass ist, zu trinken. Tatsächlich bedeutet „Maß” „das Ziel” (Bier) und ist eine alte Bezeichnung. Als Tourist solltet man nicht schockiert sein, wenn die Einheimischen im Laufe eines Abend im Biergarten 2-3 Liter Bier trinken. Da rümpft keiner die Nase. Aber über offensichtliche Betrunkene wird die Nase gerümpft. Und das sind typisch die Touristen!

14In den meisten Biergärten gibt es Spielplätze und einige haben sogar Angestellte, die sich um die Kinder kümmern. Der Ausschank von Alkohol an Kinder ist natürlich verboten. Aber Apfelsaft ähnelt doch ein wenig Bier, vor allem wenn es in den selben Gläsern ausgeschenkt wird. Daran musste ich mich erstmal gewöhnen!

15. Die Deutschen mischen gerne ihre Getränke. Die bekannteste Mischung ist wohl Bier und Zitronenlimonade und wird dann „Radler” gennant. Wird es dann allerdings mit Weißbier gemischt ist es ein „Russ”. Aus Fanta und Cola wird dann ein „Spezi” und es gibt sogar welche die mischen ihren Rotwein mit Cola. Das kann ich wirklich überhaupt nicht verstehen. Säfte werden gerne mit Wasser vermischt und heissen dann „Schorle”. Das macht man auch mit Weisswein. „Radler” oder „Russn” werden übrigens gerne von Frauen getrunken, da das Mischverhältnis 50/50 ist und somit der Alkoholprozentsatz sich halbiert. Es ist auch so, dass es die Frauen sind, die nach einem Biergartenbesuch hinter dem Lenkrad sitzen, während der Mann es sich auf dem Beifahrersitz bequem macht.

16. Wie in vielen anderen Ländern wird auch in Deutschland kein Alkohol am Steuerakzeptiert. Das ist wirklich „uncool” und die Strafen dafür sind hoch.

17. Fernsehen sieht man natürlich auf deutsch! 99,9% wird auf deutsch gesendet und ausländische Produktionen werden übersetzt. Na ja, mit über 80 Millionen deutsch sprechenden Einwohnern hat das seine Berechtigung….?

18In den deutschen Kinos sieht es genauso aus. Man kann auch Filme in der Orginalsprache sehen, aber diese Kinos muss man echt suchen.

19Deutsche können tatsächlich gut englisch sprechen. Aber nachdem sie nicht so häufig ausländischen Sprachen ausgesetzt sind, ist der Anfang einer Unterhaltung immer ein bisschen zäh. Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich in den Abercrombie & Fitch Laden gehe und mit einem „Hi, what’s going on?” mit einem breiten Arnold Schwarzenegger Akzent begrüsst werde! 

20Und ja, die Deutschen sind im allgemeinen sehr ordentlich und fast überall ist es sauber und schön. Häuser und Gärten werden gut in Schuss gehalten. In allen Wohnanlagen gibt es eine Hausordnung, an die sich gehalten werden muss und im Gegensatz zu Dänemark tut es auch jeder. Kein Lärm nach 22:00 Uhr. Mittagsruhe zwischen 12:00-15:00 Uhr usw. Keine Fahrräder abstellen an der Hauswand. Nicht bohren am Sonntag. Man darf keine Flaschen im Glascontainer, die an den Strassen aufgestellt sind, nach 19:00 Uhr an den Werktagen werfen und überhaupt nicht an Sonntagen! Aber ansonsten gibt es keine Zeiteinschränkung für Abfallsortierung, auf die man so viel Wert legt. Und nicht vergessen: immer freundlich die Nachbarn grüssen! Das ist ein wichtiger Brauch sich kurz zu unterhalten und es wird als unhöflich betrachtet, wenn man nicht grüsst. 

21. Nicht zu vergessen: die Autos! Das können die Deutschen wirklich! Es macht wirklich Spass zu einem Autohändler zu gehen, der entweder, BMW, Audi, Porsche, Mercedes oder Volkswagen anbietet, ohne von einem arroganten Verkäufer von oben herab angesehen zu werden, um herauszufinden, ob man sich überhaupt ein Auto in dieser Preisklasse leisten kann. Die Deutschen lieben ihre Autos, aber so wichtig sind sie dann doch wieder nicht. Wie in jedem anderem Geschäft wird man höflich und offen empfangen. Natürlich dreht sich bei den Verkäufern alles um ihre Provision, aber sie vergessen trotzdem nicht ihre gute, ordentliche deutsche Erziehung. Der Kunde wird mit Respekt behandelt und besonders bei der Abholung eines funkelnagelneuen Autos wird die notwendige Zeit genommen, um sicher zu gehen, dass der der Kunde zufrieden das Geschäft verlässt. Wenn dann noch die Frau mit dabei ist, dann gibt es auch einen Blumenstrauss. Ob da nicht eine Kundenloyalität aufgebaut wird!?

22Der 2. Weltkrieg ist noch immer eine schwere Bürde für die Deutschen. Einerseits ist man sich immer noch sehr bewusst, was in der Vergangenheit passiert ist, aber andererseits auch ein bisschen müde immer wieder damit konfrontiert zu werden, was in der Zeit der Gross- oder Urgrosseltern passiert ist. Die jungen Deutschen lernen alles in der Schule über die Zeit des 2. Weltkrieges und deren Schrecken, damit es nicht vergessen und nicht nochmals wiederholt wird. Aber es ist für viele mittlerweile so weit weg, als würde man nicht mehr selber damit zu tun haben und man kann das damalige Deutschland nicht mehr mit dem heutigen vergleichen. Wie in jeder modernen Demokratie gibt es Meinungsfreiheit, aber Nazipropaganda und Hakenkreuzfahnen sind verboten. Die Deutschen finden Nazi Witze unpassend und extrem abstossend.

23Der Sport hat einen hohen Stellenwert bei den Deutschen. Man liebt jede Art von Sport und man schafft es oft bis an die Spitze weltweit in vielen Sportarten. Deutschland steht für den Fussball. Die deutsche Nationalelf hat viermal den Weltmeistertitel geholt, zu letzt 2014. In den meisten grossen Städten hat man eine lokale Mannschaft, einen lokalen Klub, für den die Fans durch dick und dünn gehen. Es gibt Fussballrowdies, wie sonst auch überall, aber generell halten sich die Spieler und Fans zurück und man trifft sich zu den Spielen in Friede und gegenseitigen Verständnis. Es ist ja nur Sport!

24Der deutsche Humor wird oft im Ausland diskutiert. Den Deutschen wird nachgesagt, dass sie überhaupt keinen Humor besitzen. Das stimmt nicht! Er ist nur anders! Aus dem Teil aus Dänemark, woher ich stamme, auf der anderen Seite der gemeinsamen  Bundesgrenze, benutzen wir gerne Selbstironie, diese ist ganz integriert in unserem Sprachgebrauch, Umgangston und Humor. Stereotypen kann man überall finden und wir machen uns gerne auf Kosten anderer lustig. Darüber kann man hingegen in Deutschland nicht lachen. Man lacht generell über die selben Sachen, wie in den meisten Ländern, aber man setzt sich nicht selbst ins Zentrum, um eine komische Situation zu beschreiben. 

25Die Werbung in den deutschen Medien ist selten bewusst lustig gemacht. Aber Ausländer können einen Witz erkennen, an den die Deutschen selber nie gedacht hätten. Im grossen und ganzen gesehen werden alle Produkte von einer Art „fachliche Autorität”, sei es Arzt, Zahnarzt, Orthopäde oder irgendjemanden mit Diplom oder Doktortitel, präsentiert. Oder eine Hausfrau! Am besten sind die Personen ein bisschen älter, tragen Brille und sind grauhaarig. Und natürlich sollte er/sie ein freundliches Lächeln, eine sympathische Ausstrahlung haben und einen weissen Kittel tragen. Die Hausfrauen sollten eher jünger und attraktiv sein, aber nicht zu attraktiv. So wird Glaubwürdigkeit vermittelt und so kann man Zahnpasta, Sitzkissen, Waschpulver und Medizin verkaufen. Selbst bei Süssigkeiten greift man auf eine ältere Person mit Autorität zurück. Man muss nur an die „Werthers Echte” Reklame denken. Oder die für Lindt Schokolade. Keine Zufälligkeit! Die Herstellung der „Qualitätsschokolade” aus dem Ruhrgebiet wird nicht auf die leichte Schulter genommen!

 

/Anders

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