Australien

Sydney - mit Sydney Harbour Bridge

Sydney - mit Sydney Harbour Bridge

Australien ist eines der Länder, von denen ich schon immer geträumt habe, es zu bereisen. Ein klitzekleines Problem ist nur, dass es unheimlich teuer ist dorthin zu kommen. Also habe ich überhaupt nicht damit gerechnet, dass ich es jemals selber sehen werde. Dann aber bot sich für uns die Gelegenheit eine Weltreise machen zu können und bei der Planung der Reiseziele konnten wir natürlich unsere Träume verwirklichen. 

Alexandra war bereits zweimal in diesem enorm grossen Land und hat viele tolle Geschichten davon erzählt. Die Bilder, die ich in meinem Kopf hatte, kamen ausschliesslich aus dem Fernsehen und wurden von ihren Erzählungen verstärkt und die Lust dorthin zu reisen und alles mit eigenen Augen zu sehen, wurde immer grösser.

Australien ist tatsächlich ein Kontinent. So gross ist es in Wirklichkeit! Ich habe eine Geschichten von einigen Schweden gehört, die auf Geschäftsreise hier waren und vier Tage zur freien Verfügung hatten. Sie wollten diese Zeit so gut wie möglich nutzen und so viel als möglich sehen. Ihr Plan war es in Sydney zu beginnen, dann nach Melbourne, Adelaide, Alice Springs und ganz nach oben nach Darwin zu fahren. Dann an die Ostküste über Cairns und Brisbane zurück nach Sydney. Eine wirklich ehrgeizige Tour und bestimmt ein fantastisches Erlebnis. Das einzige kleine Problem war, dass dies eine 113 Stunden lange Nonstop-Fahrt ist und man 10.107 km zurücklegen sollte. Darüber hinaus hatten sie überhaupt keine Zeit, um irgendetwas zu sehen. Vom Schlafen war überhaupt keine Rede. Schliesslich und endlich haben sie ihre vier Freitage genutzt, um ein bisschen Sydney zu erkunden. So kann man ganz bestimmt auch seine Zeit sehr gut verbringen!

Unsere Pläne waren auch ehrgeizig, aber wir sind vom vornherein davon ausgegangen, dass wir nicht alles schaffen werden. Wir reisen schliesslich mit einem dreijährigen Kind und da sollte auch Zeit zum Spielen, Entspannen und Eis in der Sonne essen sein. Uns war von Anfang an klar, dass wir unsere Erwartungen daher nicht zu hoch schrauben sollten.

Brisbane, die Hauptstadt von Queensland, wurde als Ausgangspunkt auserkoren. Es gab keinen bestimmten Grund dafür, aber es bot sich als guter Startpunkt für eine Reise an der Ostküste bis ganz nach oben nach Cairns an. Great Barrier Reef, tropische Strände mit schönen feinen Sand und Palmen und natürlich auch das warme Klima, obwohl bei unserer Ankunft bereits Winter herrschte. In Queensland kann das bedeuten, dass die Temperaturen an einigen Tagen unter die 20 Grad fallen können. Aber mit so was konnten wir ganz gut leben!

Bevor wir in Brisbane ankamen, waren wir davor schon einige Wochen in Kontakt mit einer dort ansässigen australischen Familie. Dies kam durch eine ehemalige Kollegin aus München zu Stande. Das stimmt tatsächlich! Neil war von Anfang an sehr hilfsbereit mit allen möglichen Informationen über Australien. Er sagte uns, was wir unbedingt sehen sollten, schlug uns eventuelle Routen gen Norden vor und so vieles mehr. Mails wurden hin und her geschickt und schliesslich nahm sich Neil extra für uns einen Tag frei, um uns höchst persönlich seine Heimatstadt zu zuzeigen. Den Tag beendeten wir mit einem klassischen Barbecue zu Hause bei ihm, seiner Frau Tina und deren neun Monate alten Zwillinge. Das war die beste Einführung in ein Land, eine Stadt, die man überhaupt bekommen kann. Und man muss bedenken, dass wir uns vorher überhaupt nicht kannten!

Gleich bei unserer Ankunft ist uns aufgefallen, wie gastfreundlich die Menschen hier sind. Australien ist ein isoliertes Land und man freut sich über jeden Besuch, der die weite Reise auf sich nimmt. Man teilt gerne sein Wissen über das Land generell und gibt gut gemeinte Ratschläge, was man unbedingt sehen, essen oder erleben sollte, an Gäste weiter. 

Bereits vom ersten Tag an, wie wir vom Flughafen im unserem Hostel ankamen, dort unser Gepäck hinwarfen, um eine Runde durch Brisbane zu machen, hatten wir ein sehr gutes Gefühl. Ein Gefühl, dass man sich hier sehr wohl fühlen und hier gut leben könnte. Es ist irgendwie schwer zu beschreiben. Aber wir beide hatten unabhängig voneinander dieses Gefühl. Wir wurden mit Wärme und Gastfreundschaft empfangen. Und vor allem eine Gelassenheit, die man selten in Europa sieht. Tina und Neil haben natürlich dazu beigetragen, dass dieser Eindruck, diese Gefühl noch verstärkt worden ist. 

Wir hatten einige Tage in Brisbane, bevor wir unseren allerersten Campervan abholen sollten. Keiner von uns hat jemals auch davor kampiert und wir waren uns daher nicht sicher, ob genau diese Reiseform etwas für uns sein könnte. Daher sollte unsere Tour von Brisbane nach Cairns im Campervan eine Art Test sein und wir berechneten dafür 19 Tagen. Die Tour erstreckt sich im Gesamten über 1700 km und man kann sie in 19 Stunden hinter sich bringen, wenn man nonstop fährt. Wir planten einige Stops unterwegs ein und wollten uns richtig viel Zeit lassen.

Am ersten Tag brachten wir an die 150 km hinter uns. Wir fuhren in das sogenannte “Hinterland” (Nein, nein nicht Outback! Das ist wieder was ganz anderes!). Eine hügelige Landschaft, die im Landesinneren der “Sunshine Coast” im Norden von Brisbane liegt. Dort sollten wir zum ersten Mal in unseren Campervan übernachten und mussten ihn zum ersten Mal für die Nacht bereit machen. Wir sprechen von einem umgebauten Toyota Previa und im Internet stand, dass das Bett die Masse 140 x 200 cm hat. Die selben Masse wie unser Doppelbett zu Hause. Aber hier sollte auch noch Anton mitschlafen. Er ist noch nicht so gross, aber er braucht natürlich auch seinen Platz. Bevor wir eine feste Buchung machten, sind wir nochmals in uns gegangen. Kommen wir mit dem geringen Platz klar? Werden wir uns unheimlich auf die Nerven gehen? In einigen Reiseforen war zu lesen, dass so eine Reise eine Partnerschaft ganz schön auf die Probe stellen kann. Entweder trennt man sich, oder geht daraus gestärkt hervor. Wir beschlossen, dass wir es einfach mal ausprobieren werden.  

Da standen wir also und alles musste auch irgendwie funktionieren. Schnell fanden wir heraus, dass das Erfolgsrezept für einen guten Alltag als Campist ist, dass Ordnung gehalten, das alles in der richtigen Reihenfolge ein und ausgepackt und immer alles wieder auf den richtigen Platz verstaut werden muss. Nach ein paar Nächten mit bisschen weniger Schlaf, funktionierte so langsam alles so richtig gut. Die meisten Campingplätze in Australien haben eine ausgezeichnete Gemeinschaftsküche (Campkitchen), wo man das Essen zubereiten und auch essen kann. Wir hatten im Auto auch unsere eigenen Gaskochplatte, Töpfe und Bratpfanne. Aber Kochgeruch im Auto ist nicht so toll, wenn man zudem nicht viel Platz hat und daher haben wir versucht, so wenig wie möglich dort zu kochen.

Kuranda, Queensland

Kuranda, Queensland

Nach zwei Wochen beschlossen wir, noch eine Woche dranzuhängen. Und diesen Vorgang wiederholten wir noch einige Male. Je weiter wir in den Norden kamen, desto besser wurden das Leben auf dem Campingplätzen und wir wollten uns nicht von unserm kleinen und bescheiden Heim auf vier Rädern trennen. 

Die Gastfreundschaft, die wir schon beim ersten Mal bei Tina und Neil erleben durften, erwies sich als Kennzeichen für alle Australier. Bei fast allen Campingplätzen, wo wir Australier trafen, erhielten wir Tips und Vorschläge, was wir unbedingt sehen sollten und oft wurden wir eingeladen sie privat zu besuchen. Das haben wir allerdings nicht geschafft,   da die meisten auf der “Flucht” vor der Winterkälte in Südaustralien waren und sich in die wärmeren Gefilde in den Norden für längere Zeit begeben hatten. Die Einladungen kamen mir doch sehr ehrlich vor.

Es ist wirklich unmöglich Australien in nur ein paar kurzen Phrasen zu beschreiben. Die Natur ist überwältigend und überall fantastisch. Es gibt Tiere, die es nur hier gibt und sonst nirgendwo anders. Mehrere Male überlegten wir, ob wir in einen der vielen Tierparks gehen sollten, aber wir waren genau in einen einzigen in Port Douglas, nördlich von Cairns. Wir wollten gerne Kasuare sehen, nachdem wir keinen in der freien Wildbahn zu Gesicht bekommen haben. All die anderen spannenden australischen Tiere konnten wir in ihrer natürlichen Umgebung sehen. Koalas in Victoria, Krokodile in den Flüssen um Cairns herum, farbige, tropische Fische am Great Barrier Reef. Und so vieles mehr....Da gab es noch Kängurus, Emus und Kamele. 

Da waren die Berge, die Regenwälder, die tropischen Sandstrände und die roten Schotterstrassen durch den Busch, die ich schon in Filmen und in Reisebüchern gesehen habe. Da war Sydney mit der fantastischen Oper, der historischen Brücke über den Hafen und die schönen viktorianischen Reihenhäuser in den Vorstädten. Da war der Flinders Ranges Nationalpark in Südaustralien. Und da war auch noch Melbourne, wo wir ein Wochenende bei Alexandras ehemaliger Schulfreundin und mehr als drei tolle Wochen bei Alexandras Familie verbringen durften. Und wir haben es nur geschafft ein Zehntel dieses Landes zu sehen. 

Wir haben herausgefunden, dass das Leben in einem Campervan wirklich was für uns ist. Es funktioniert ausgesprochen gut. Das ganze wurde natürlich erleichtert, dass wir dadurch so viele interessante Menschen kennenlernen konnten. Anton konnte fast jeden Tag neue Spielkameraden finden. Die Australier lieben es draussen zu sein. Haus und Auto sind auch wichtig, aber irgendwie ist es noch wichtiger sich mit Freunden und Familie in Parks zu treffen und dort ein Barbecue zu haben. Überall in Australien hat man Grills zur freien öffentlichen Benutzung aufgestellt. An einigen Stellen muss man einen Dollar für den Grill einwerfen, aber meistens ist es kostenlos. Man trifft sich abhängig vom Wetter und wie es gerade möglich ist. Man bringt einfach das mit, dass man sowie so zu Hause essen wollte und isst es dann einfach in Gesellschaft mit seinen Freunden.  

Und so läuft es auch auf den Campingplätzen. Man merkt, dass die Australier daran gewöhnt sind, sich mit andern Leuten zu treffen, ohne dass man sie vorher unbedingt kennen muss. Man beginnt einfach sich zu unterhalten, während man dort sein Fleisch auf den Grill wendet oder einen Salat in einer Schüssel zubereitet. 

Apropos Camping: Einer der Gründe, warum ich mir diese Form von Ferien nie daheim in Dänemark hätte vorstellen können, war der Gedanke daran Tag ein Tag aus auf dem selben Campingplatz zu sitzen umgeben von kleinen Solarlampen unter einer Markise mit einem kleinen weissen Zaun rund um einen Kunstrasen und Vorhängen an den Fenstern. Das ist auch alles völlig in Ordnung. Nur nicht MEINE Traumferien.

Aber in Australien ist Camping was total anderes. Es ist irgendwie wilder und extremer. SO ist es auch mit der Umgebung, in der man kampiert. Wir trafen auf totale Anfänger mit einer klitzekleinen Ausstattung und auf die Fortgeschrittenen mit einem grossen Anhänger, der sich in kürzester Zeit in ein “Dreizimmerheim” mit Eingangsbereich und Doppelbett, Aussenküche, Solarstrom für viele Wochen in der freien Natur und einer Dusche, die mit Solarwärme aufgewärmt werden kann, umwandeln liess. Ja, ja, da konnte man sehen, dass Geld investiert worden ist. Wir wurden nur davon inspiriert, dass wir nochmals durch Australien zu einem späteren Zeitpunkt reisen müssen und dann soll das Ganze ein bisschen abenteuerlicher sein und es soll so richtig ins Outback gehen. 

Und so soll es doch sein! Unsere drei Monate waren einfach nicht genug, um alles zu sehen, was wir gerne gewollt hätten. Ich habe Zweifel, ob drei Jahre genug wären. Aber ein bisschen mehr geht immer!

Interessiert an mehr Details unserer fantastischen Erlebnisse in Australien? Dann einfach auf die Links hier im Artikel selber klicken, oder in das Tagebuch Archiv gehen.

 

/Anders

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