Es ist jetzt schon über ein Jahr her, dass sich unser Leben um 180 Grad gewendet hat. Von einem alltäglichen Familienleben mit den normalen Routinen, wie Arbeit, Kinderkrippe, Einkaufen, Essen kochen und Wochenenden gefüllt mit vielfältigen Unternehmungen. Im Dezember 2012 packten wir alle unsere Sachen zusammen und zogen nach Deutschland. Mein Heimatland, wo wir bisher nur unseren Urlaub verbrachten. Aber es blieb uns nicht viel Zeit zum Eingewöhnen und wieder Routinen aufzubauen. München war nur ein Zwischenstop, bevor wir zu unserer grossen Reise rund um die Welt für ein Jahr aufbrechen wollten.  

Plötzlich waren wir von einer deutschen Welt umgeben und nicht nur ich sprach deutsch. Jetzt waren es alle! Das merkten wir auch an Anton. Er war sonst immer gut zwischen deutsch und dänisch unterscheiden. Anscheinend wurde er verwirrte und begann deutsch mit Anders zu reden. So machten wir uns auf die Suche nach einem Ort, wo er eine dänische Umgebung haben konnte. Glücklicherweise gibt es jetzt in München eine Art von dänischer Wochenendschule (http://www.dansk-skole.de). So konnten wir wenigstens einmal im Monat in eine dänische Welt mit Hilfe von einer Spielgruppe mit typischen dänischen Liedern, Geschichten und Traditionen eintauchen. Offensichtlich gibt es viele Dänen in München, die ihren Kindern ermöglichen wollen zu erleben, wie es sein kann, wie man in Dänemark aufwächst. Für viele ein kleiner Rückzugsort von einem hektischen deutschen Alltag, an dem man sich wieder als Däne fühlen kann und sich mit anderen Dänen treffen und austauschen kann.  

Nicht nur das mit der Sprache, war neu für Anton. Auch nicht mehr mit seinen Spielkameraden aus der Kinderkrippe zusammen zu sein. Er vermisste natürlich auch seinen gewohnten täglichen Rhythmus mit seinen fantastischen Erziehern. Es war sehr schwer eine Spielgruppe in München zu finden, bei der man sofort anfangen konnte. Die Kirchen bieten sogenannte offene Spielgruppen für Kleinkinder an. Allerdings nur zweimal die Woche von 9:00 bis 12:00 Uhr. Besser als gar nicht! Anton konnte mit anderen Kindern herumsausen. Es ist schon ein bisschen langweilig, wenn man nur mit seinen Eltern oder seiner Oma zusammen ist. 

Die grösste Veränderung war, dass wir von einer grossen Dreizimmerwohnung in eine kleine, aber gemütliche Zweizimmerwohnung zogen. Darüber hinaus teilten wir das Schlafzimmer mit Anton. Eine gute Vorbereitung und Übung für unsere Reise, bei der wir unter anderem mit einen Campervan reisen wollten. Wir stellten Antons kleines Kinderbettchen vor unser Bett. Es ging echt super! Es störte ihn nicht, wenn wir selber ins Bett gingen und ein kleines Licht anschalteten. 

Ab Dezember konnte er es geniessen mit seinen Eltern die ganze Zeit zusammen zu sein. Eine grosse Veränderung! Unser Alltag wurde ausgebremst, nachdem alle unsere Sache vom Umzug ihren Platz gefunden haben. Alles ging langsamer: das Aufstehen am Morgen, das Frühstücken zusammen und dann überhaupt loszukommen. Wir hatten ein 2-2-1-2 Arrangement. Das bedeutete, dass 2 Tage die Woche waren meine “Arbeitstage”, 2 Tage Anders seine, 1 Tag war Anton bei seiner Oma (unser Pärchentag plus Abend inklusive Ausschlafen am nächsten Morgen) und das Wochenende verbrachten wir zusammen. Ein ganz neuer Alltag für uns alle drei! Anton bekam Zeit ganz alleine mit seinem Papa oder seiner Mama. An Papas Tagen ging es in Cafés oder in die Innenstadt. Meine waren Spaziergänge an der Isar oder zu Spielplätzen usw. Oft war Oma auch mit von der Partie.  

Anton entwickelte sich von einem sehr beobachtenden Kind zu einem offenen und aufgeschlossenen. In der Kinderkrippe dauerte es jeden Morgen einige Zeit, bevor er bereit war sich der Gruppe anzuschliessen. Wir standen immer einige Minuten an der Tür und Anton beobachte, wer von seinen Freunden schon da war und was sich so im Zimmer abspielte. Jetzt verschafft er sich schnell einen Überblick, wer auf dem Spielplatz ist und dann heisst es spielen mit den andern Kindern. Ihm ist es gleichgültig, wie alt die andern sind, welche Sprache sie sprechen und wieviele es sind. Eines Tages kam ein älteres Kind zu mir uns sagte: “Du weisst schon, dass er sehr bestimmend sein kann!?” Ja, ja das ist nichts neues! Nicht nur, dass er eine kleine Drama Queen sein kann, ist er auch ein kleiner Kommandant. Einerseits eine gute Sache, aber auf der andern Seite eine schlechte Eigenschaft. Wir müssen nur zusehen, dass wir es in die richtige Richtung steuern.

Er kommt sehr, sehr gut zurecht während der ganzen Reise. Er fliegt gerne, fährt gerne Auto, Campervan, Boot oder Gondel. Er kommt in einer sich verändernden Umgebung zu recht, mit unterschiedlichen Menschen und wechselnden Wetter. Er kann sich besser ausdrücken. Es ist gleichgültig, ob es deutsch oder dänisch ist. Er versteht auch Englisch und kann sich ein bisschen ausdrücken. Natürlich wie Kinder in seinem Alter versucht er seine Grenzen zu übertreten. Er kann manchmal sich ganz unmöglich aufführen. 

Wir wissen jetzt noch nicht, ob er sich an die ganze Reise erinnern wird. Aber auf alle Fälle wird er sich an die Zeit mit uns erinnern. Bestimmt auch an einige Orte, die wir besuchten oder Menschen, die wir trafen. Er hat sich zu einem kleinen Mann mit seinen eigenen festen Willen, aber mit einem guten Herz, entwickelt.

/Alexandra

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